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Meteoriten => Meteorite => Thema gestartet von: ironsforever am April 11, 2014, 22:04:45 nachm.

Titel: Reisebericht Westsahara 2014
Beitrag von: ironsforever am April 11, 2014, 22:04:45 nachm.
„Alles ist immer für irgendetwas gut“

Am 11.03.14 brach unser Team zum wiederholten Mal in die Westsahara auf, vordergründig zum Zweck der Meteoritensuche aber natürlich auch ein Stück weit um des Abenteuers Willen. Wir waren diesmal in leichter Unterbesetzung unterwegs, die Kollegen Haschr Aswad (bislang Planer und Initiator) und Thomas F. (Rallyefahrer und Mac Gyver in brenzligen Situationen) sollten uns diesmal fehlen.

Ich erstellte in den Wochen vor der Reise noch „schnell“ 2 Satellitenbilder-Landkarten im Format von ca. 1,30 m x 3,00 m, auf welchen ein Bereich der Westsahara von ca. 120 x 120 km abgedeckt war, leider fehlte uns aber die Zeit für eine genaue Routenplanung. Lediglich die sensiblen Bereiche (Militär, Wälle, Minen) konnten darin noch verzeichnet werden, ein paar hundert Höhenangaben, ein Koordinatennetz, potentielle Lagermöglichkeiten und vielversprechende Hochplateaus. Der genaue Routenverlauf sollte dann vor Ort festgelegt werden. Das von mir gewählte Kartenformat sollte sich später als ungeeignet erweisen, da man sie im Feld bei Wind unmöglich öffnen konnte. Zum Glück hatte ich noch eine DinA2-Version verfügbar, die ihren Zweck erfüllte, auch wenn man den Text mit Lupe lesen musste.
Titel: Re: Reisebericht Westsahara 2014
Beitrag von: ironsforever am April 11, 2014, 22:07:06 nachm.
Noch vor Ankunft auf dem Al Massira Airport in Marokko, Agadir, wussten wir, dass wir über Nordafrika angekommen waren: Der Pilot gab kurz vor der Landung voll Schub, stellte die Nase der Maschine steil nach oben und startete mit ohrenbetäubendem Aufheulen der Triebwerke durch. Er beruhigte die Passagiere nicht wirklich mit der Erklärung, dass noch eine andere Maschine auf der Landebahn stand und wir deshalb noch eine Ehrenrunde drehen müssten. Sein Hinweis auf den schönen Blick auf die Stadt Agadir ging im Gemurmel leicht beunruhigter Passagiere unter.

Nachdem der 2. Anflug dann doch auf Anhieb klappte, rollte die Maschine auf einem nicht nachvollziehbaren Umweg in einer Art Zickzack-Kurs Richtung Abfertigungsterminal. Als wir die vermeintliche Parkposition erreichten, heulten die Triebwerke erneut auf und die Maschine beschrieb zwei Vollkreise, um schließlich 100 m neben der ersten Position zu parken. Der trockene Kommentar des Piloten: „Wir fahren jetzt im Kreis, bis der Sprit aus ist“.
Unser Team auf dieser Expedition bestand aus 4 Teilnehmern.  Wagen 1 bestand aus dem bewährten Gespann Marc und Sergey. Wagen 2 aus meiner Wenigkeit und einem waschechten Marokkaner, der anonym bleiben will, nennen wir ihn der Einfachheit halber im Folgenden „Ali“.

Titel: Re: Reisebericht Westsahara 2014
Beitrag von: ironsforever am April 11, 2014, 22:11:18 nachm.
Die beiden Geländefahrzeuge waren uns bereits aus früheren Touren bekannt: 2 weiße Toyota Land Cruiser, die jeweils schon weit über 320.000 km auf dem Buckel hatten. Technisch war an den Wagen nichts auszusetzen, außer vielleicht, dass einer der bereits arg strapazierten Reifen sein Innenleben in Form eines rostigen Drahtgeflechts offenbarte, offenbar ein Stahlgürtelreifen. Da wir insgesamt 4 Ersatzreifen dabei hatten, sahen wir über marginale Reifenmängel dieser Art hinweg.

Die Erste Nacht verbrachten wir in Agadir, um die Autos am nächsten Tag mit dem Equipment aus dem Depot zu beladen und die nötigen Besorgungen zu tätigen: Essen, Getränke, Verbrauchsmaterial für 2 Wochen wurde in den Autos gebunkert. Noch am selben Tag begaben wir uns auf die Küstenstraße Richtung Süden. Keine besonderen Vorkommnisse, außer vielleicht dem übermütigen Rollstuhlfahrer, der uns auf der Küstenautobahn als Geisterfahrer auf der linken Fahrspur entgegenrollte, nicht unbedingt zur Nachahmung empfohlen, wenn die Autos im Schnitt mit 110 km/h unterwegs sind. Leider hatte ich in diesem Moment die GoPro nicht in Betrieb. Der Film würde auf Youtube Rekorde brechen.

Erste Station war Tan Tan Plage, eine Kleinstadt ca. 350 km südlich von Agadir. Auch diesmal nächtigten wir in dem von einer koreanischen Familie bewirtschafteten Hotel. Die Wirtin kannte uns schon von den vorherigen Expeditionen und fuhr wie gewohnt ein üppiges Abendessen auf. Wir waren nicht sicher, was uns da Gutes aufgetischt wurde. Eine kleine Hundezucht im Hotelgarten nährte eine gewisse Vermutung…

Die Wirtin bellte auf die  Nachfrage nach dem Ursprung des Essens nur ein kurzes „böf-böf“. Diese Antwort bestätigte zunächst unseren Verdacht, zumal auch einer der Hunde im Hof eher nach „böf-böf“, weniger nach „wau-wau“ klang. Möglicherweise meinte sie ja auch „bœuf“ (frz. für Rindfleisch). Aber egal, was auf dem Teller war, es schmeckte uns - umgeben von skurriler, koreanischer Schnitzkunst - wieder einmal vorzüglich.
Titel: Re: Reisebericht Westsahara 2014
Beitrag von: ironsforever am April 11, 2014, 22:14:03 nachm.
Am nächsten Tag ging es weiter Richtung auf einer langen 10-Stunden-Fahrt nach Ad-Dakhla. Mein Teamkollege Ali wurde auf der Stecke mit 93km/h geblitzt, was bei erlaubten 80km/h nach einiger Diskussion mit unkomplizierten 200 DIR (ca. 18 €) zu Buche schlug. Hinzuzurechnen war der eigene Stift, den ich dem Herrn Polizisten für die Schreibarbeit zur Verfügung stellen durfte. Dankend nahm er am Ende der Prozedur auch die Kappe an, welche mir ohne den zugehörigen Stift ohnehin nicht mehr von Nutzen war.

In den obligatorischen Polizeikontrollen auf der Strecke unterhält man sich mit den Beamten z. B. über Schweinsteiger vom FC Bayern, der genauen Bedeutung bzw. Übersetzung seines Namens, und erörtert den tragischen Fall von „Shoemaker“. Und wenn einem der Kollegen mal nach etwas Bakschisch war, bekam er von uns mit einem Lächeln und den besten Wünschen eine Dose „Burn“ überreicht, das marokkanische Pendent zu „Red Bull“. Das Zeug heißt nicht umsonst so. Man bekommt darauf tierisches Sodbrennen.
Titel: Re: Reisebericht Westsahara 2014
Beitrag von: ironsforever am April 11, 2014, 22:15:33 nachm.
Ca. 300 km vor Dakhla ereignete ein schwerer Unfall. Ein Kühl-LKW musste sich mehrfach überschlagen haben, die Straße war übersät mit fangfrischen Sardinen, der LKW war in alle Einzelteile zerrissen: Chassis, Motorblock und Getriebe lagen verteilt umher.
An anderen Stellen der Straße liegen Halden von Orangen neben der Fahrbahn, zerbrochene Betonröhren, Baumaterial. Dies führte uns eindrücklich vor Augen, wie tragisch Überholmanöver auf dieser Straße enden können.

Die Straßenränder an dieser Route werden durch die ständige Belastung durch schwere LKW immer mehr ausgefressen. Jedes Fahrzeug, das mit den rechten Reifen in den ungeteerten Fahrbahnrand gerät, reißt wieder einen Teil der Straßendecke heraus. Die Fahrbahn ist stellenweise schmaler als ein Auto. Fatal bei Überholmanövern mit durchschnittlich 110 km/h, insbesondere, wenn zufällig auch die andere Straßenseite derart angefressen ist. Hinzu kommen die tiefen Löcher im ungeteerten Fahrbahnrand und manchmal auch tückische Sandverwehungen, die es gänzlich unmöglich machen, den Zustand der Piste vor einem Überholmanöver abzuschätzen.
Titel: Re: Reisebericht Westsahara 2014
Beitrag von: ironsforever am April 11, 2014, 22:17:10 nachm.
Ad-Dakhla ist eine recht beschauliche, sehenswerte Stadt mit vielen alten Häusern aus spanischer Kolonialzeit. Die Preise für Essen und Übernachtung sind für unsere Begriffe fast paradiesisch: Ca. 4 € p. P. für eine Übernachtung im Einzelzimmer mit nicht unbedingt der saubersten Etagendusche. Die beste Fischsuppe meines Lebens mit nachfolgender gemischter, sehr reichhaltiger Fischplatte im Restaurant „Casa Lois"  kostete mit allem Drum und Dran nur 5 € p. P. (inklusive Wein!) und bekommt von mir die absolute Bestnote (leider kein Foto, weil mir die SD-Karte abstürzte).
Titel: Re: Reisebericht Westsahara 2014
Beitrag von: ironsforever am April 11, 2014, 22:18:56 nachm.
Wir deckten uns Tags darauf mit frischen Lebensmitteln ein, u. a. auch mit Kamel- und Ziegenfleisch für 6 Tage. Mir war zu diesem Zeitpunkt noch nicht ganz klar, wie wir das Fleisch ohne Kühlbox transportieren werden. Ali ließ es vom Händler in 100-200 g Stücke zerteilen und leicht mit grobem Meersalz einsalzen. Dann besorgten wir uns einen alten Karton, in welchem wir es offen im Fahrzeug mitführten.

Am 4. Tag nach unserer Ankunft in Marokko und ca. 1.250 km Anfahrt in die Westsahara ging es nach kurzer Fahrt auf der Hauptstraße endlich querfeldein in die Wüste. Am Abend waren wir gerade einmal 20 km weit Richtung Osten vorgestoßen. Der Boden war übersät von scharfen großen Steinen, stellenweise gab es tückische Sandverwehungen. Wir fuhren uns immer wieder kurz fest und fanden zu wenig Feuerholz für den ersten Abend in der Wüste (nachts wird es eisig kalt). Wir hörten in dieser Nacht markerschütternde Schreie irgendeines wilden Tieres. Mangels Feuer gingen wir alle früh schlafen.

Am nächsten Tag brachen wir früh morgens Richtung Black Beauty-Streufeld auf. Der von uns gewählte Weg war wohl nicht gerade der beste. Viele Täler, Sand und Gestrüpp machten das Fahren zur Qual. Schließlich erreichten wir das Streufeld. Es handelt sich um ein großes Plateau mit einem Labyrinth von großen Sicheldünen (sog. Barchans). Natürlich hielten wir die Augen offen nach kleinen schwarzen Steinen. Mein Teamkollege Ali fand 3 kleine potentielle BB-Fragmente im Grammbereich. Gleichwohl war offenbar, dass diese Gegend schon auf das gründlichste abgesucht wurde: Die Gegend war durchsetzt von Reifenspuren. Jedes dunkle Steinchen war schon von mehreren Richtungen angefahren. Nach Angaben meines Begleiters waren hier kurz nach den ersten Funden Hunderte von Suchern unterwegs, die z. T. sogar mit ihren Familien anreisten.

Wir sahen indes keine Menschenseele mehr, stelleweise lagen Blindgänger aus dem Westsahara-Konflikt herum, u.a. eine 125 mm HE-FRAG, deren Leitwerk sich nicht aufgestellt hatte.
Titel: Re: Reisebericht Westsahara 2014
Beitrag von: ironsforever am April 11, 2014, 22:23:25 nachm.
Hier handelt es sich nicht um einen Acker in der Wüste, sondern um ein geräumtes Minenfeld.
Titel: Re: Reisebericht Westsahara 2014
Beitrag von: ironsforever am April 11, 2014, 22:26:01 nachm.
Ich beobachtete, wie Ali das mitgeführte Frischfleisch bei jeder Gelegenheit, z. B. anlässlich einer kleinen Pause, regelmäßig im Karton wendete und den Karton immer wieder offen auf das Autodach in die pralle Sonne legte.

Gegen 18 Uhr erreichten wir unser 2. Camp „Wildcam“, wo wir zum ersten Mal unsere Wildkamera ca. 200 m abseits des Lagers in Position brachten. Als Köder dienten Küchenabfälle aus unserer Feldküche. Ali bereitete landestypisches Tajine aus Kamel- und Ziegenfleisch. Wir genossen bei einem Glas Wein den Sonnenuntergang im Westen und den Mondaufgang im Osten.

Die kommenden Nächte waren aufgrund des Vollmondes so hell, dass man keine Taschenlampe benötigte. Am nächsten Tag sichteten wir die nächtlichen Bilder auf unserer Wildkamera: Ein Fennek und ein Wildhase plünderten den reich gedeckten Tisch (hier ein kleiner Zusammenschnitt: http://www.youtube.com/watch?v=FAFI32ksViA (http://www.youtube.com/watch?v=FAFI32ksViA)). Fenneks waren übrigens fast jede Nacht um unser Camp herum unterwegs, selbst in Gegenden ohne jegliche Vegetation, wo man nicht wirklich Säugetiere erwartet.
Titel: Re: Reisebericht Westsahara 2014
Beitrag von: ironsforever am April 11, 2014, 22:27:42 nachm.
Wir fuhren am nächsten Tag in östlicher Richtung tiefer in die Wüste hinein und erklommen alte Hochplateaus, auf welchen wir im „Suchmodus“ mit der Sonne im Rücken nach Norden fuhren. Die Fliegenpopulation im Auto nahm merklich zu, die Hitze des Tages wirkte ermüdend. Noch freute ich mich über auffrischenden Wind aus Süd, nicht wissend, dass wir die kommenden Tage permanent Wind aus Nord haben werden, der mehr und mehr zur Plage wurde.

Unser Fleisch lag tagsüber bei geschätzten 35°C im Auto, manchmal auch in der prallen Sonne und in jeder Nacht neben mir, da ich es vorzog auf der Ladepritsche unseres Wagens zu schlafen. So sparte ich mir einen allabendlichen Zeltauf- und morgendlichen Zeltabbau. Das Fleisch der Ziege und des Kamels rochen nach 3 Tagen etwas intensiver, aber eigentlich nicht schlecht.
Titel: Re: Reisebericht Westsahara 2014
Beitrag von: ironsforever am April 11, 2014, 22:29:35 nachm.
Die Tage in der Wüste vergingen, Zeit spielte eben so wenig eine Rolle, wie das genaue Datum. Der Wind war unser ständiger Begleiter. Tagsüber wehte er oft von Süd, in der Nacht bisweilen recht heftig von Nord, sodass an Zeltbau nicht mehr zu denken war. Schließlich zog auch Ali zu mir, der Ziege und dem Kamel ins Auto und schlief einige Nächte quer über dem Fahrer- und Beifahrersitz. Einzig Marc hielt es noch im Freien aus. Er schlief im wasser- und winddichten Schlafsack oben auf dem Gepäckträger seines Wagens im Windschatten der Dieselkanister. Vorsorglich zurrte er sich allabendlich mit Spanngurten fest, um nicht hinunter zu fallen. Sergey zog, wie ich, die Ladepritsche im Auto als Schlafstatt vor. Am Morgens war es regelmäßig bitterkalt, neblig und feucht. Marc schläft auf dem folgenden Bild noch auf dem Autodach des hinteren Wagens…
Titel: Re: Reisebericht Westsahara 2014
Beitrag von: ironsforever am April 11, 2014, 22:31:03 nachm.
Eines Mittags fuhren Ali und ich uns nach einer kleinen Unachtsamkeit bei der Durchquerung eines Wadis wieder einmal fest. Diesmal war es allerdings etwas brenzliger. Der schwere Wagen steckt bis weit über die Hinterachse im Sand. Wir schaufelten in der stechenden Mittagshitze den Sand unter dem Auto hervor, eine Sisyphusarbeit, denn permanent rieselt der Sand vom Rand wieder in das Loch hinein.

Der nervtötende Wind tat sein übriges. Die Stimmung war gereizt. Wir beschlossen, das Auto auszuladen und die Dieselkanister vom Dach zu holen, um das Gewicht des Wagens zu verringern. Ali stellte zu Recht fest, dass das Gewicht unseres Equipments zu sehr auf der Hinterachse lastete und dass wir umverteilen müssen. Schließlich setzen wir einen Funkspruch ab und riefen das Team Marc/ Sergey zu Hilfe, die auch bald zur Stelle waren und uns halfen.
Titel: Re: Reisebericht Westsahara 2014
Beitrag von: ironsforever am April 11, 2014, 22:32:44 nachm.
Nach einigem Graben und Schuften kamen wir irgendwann wieder frei und beluden das Auto in ausgeglichener Weise. Dank Marcs sonnigem Gemüt in jeder Lebenslage klärte auch die Stimmung wieder auf und wir widmeten uns wieder dem eigentlichen Ziel: Meteoriten finden! Leider aber fanden wir auch an diesem Tag nichts.

Als ich gegen Abend erkannte, dass wir noch nicht ausreichend Holz gesammelt hatten, setzte ich erneut einen Funkspruch ab mit der Bitte, nach Brennholz Ausschau zu halten. Die Gegend war sehr spärlich bewachsen, fast ohne jegliche Vegetation. Ein einzelner abgestorbener Baum zeugte von besseren Zeiten in dieser Gegend. Als Marc ihn erblickte, fällte er ihn kurzerhand, indem er ihn mit dem Wagen rammte und verkündete sogleich, dass er einen idealen Lagerplatz gefunden habe. Ich konnte mir ein Lachen nicht verkneifen: Typisch Marc, sammelt Holz, ohne einen Finger krumm zu machen.
Titel: Re: Reisebericht Westsahara 2014
Beitrag von: ironsforever am April 11, 2014, 22:34:13 nachm.
Der Wind pfiff uns am Abend um die Ohren, so stark, dass sogar der Topf samt unserem Abendessen ins Feuer kippt. Die Sauce war dahin, der restliche Inhalt konnte allerdings gerettet werden. Ali kocht fortan das Abendessen mit dem Gasbrenner in unserem Auto. Mein Schlafgemach wurde nun auch noch zur Küche umfunktioniert. Leider mussten alle Fenster und Türen bei dieser Prozedur geschlossen werden, damit kein Sand ins Essen fiel.
Titel: Re: Reisebericht Westsahara 2014
Beitrag von: ironsforever am April 11, 2014, 22:35:45 nachm.
In diesem Zusammenhang rezitierte Ali eine alte arabische Lebensweisheit, die sinngemäß lautet: „Alles ist immer für irgendetwas gut“. Ich kann nur vermuten, was Ali damit sagen wollte.
War es nun gut, dass durch das Kochen mein Schlafgemach in der kalten Nacht wärmer war als üblich?
War es möglicherweise von Vorteil, dass das die Luftfeuchtigkeit im Wagen nun gefühlte 99,9% betrug, bis das Kondenswasser von den Scheiben tropfte, sich auf den Gegenständen niederschlug und mit dem Flugsand im Auto zu einer Art Brei vermengte?
War es gut, dass alle Gegenstände im Auto, insbesondere mein Schlafsack, fortan recht penetrant nach nordafrikanischem Tajine rochen?

Gut – der sich über die Tage intensivierende Fleischgeruch unseres Frischfleischvorrates im Karton ordnete sich definitiv dem Duft der Tajine unter. Ich konnte mich wahrlich nicht beschweren.
Titel: Re: Reisebericht Westsahara 2014
Beitrag von: ironsforever am April 11, 2014, 22:40:39 nachm.
Der Wind ließ einfach nicht nach, alle wirkten wie ferngesteuert. Die tägliche Suche auf den Hochplateaus wurde dadurch auch nicht einfacher. Wir konnten streckenweise nur mit geschlossenem Fenster suchen und wenn man mal die Autotür öffnen wollte, flog sie fast aus den Angeln oder aber man bekam sie kaum auf – je nach Fahrtrichtung. Am Abend und in der Nacht war es nach unserem Eindruck sibirisch kalt, lediglich am Morgen herrschte für kurze Zeit Windstille.
Titel: Re: Reisebericht Westsahara 2014
Beitrag von: ironsforever am April 11, 2014, 22:42:26 nachm.
Am Morgen des 19.03.14 um 8.54 Uhr endlich der erste Fund (abgesehen von den potentiellen „Kandidaten“, die erst noch analysiert werden müssen)! Ich entdeckte etwas Dunkles, ca. 5 m vor dem Wagen. Es handelte sich um einen einfachen Chondriten mit einem Gewicht von 194,0 g. Ich funkte Marc und Sergey an, die sofort herbeieilten und den Fund inspizierten. Ein Fund war längst überfällig und mobilisierte neue Kräfte.
Titel: Re: Reisebericht Westsahara 2014
Beitrag von: ironsforever am April 11, 2014, 22:43:59 nachm.
Nach 6 Tagen schmeckt uns übrigens noch immer das Fleisch ohne Kühlung, das uns Ali allabendlich im Rahmen eines fantastischen Gerichtes kredenzte.

Am nächsten Tag beschlossen wir, kurz in die Zivilisation zurückzukehren um aufzutanken, zu duschen, neues Fleisch und Gemüse zu kaufen. Manche Grundbedürfnisse scheinen jedoch in der Wüste einfacher abzuwickeln sein, als in der Zivilisation: Der Toilettengang auf einem landestypischen Plumpsklo ohne Klopapier (dafür mit Wasserhahn und einem kleinen Eimer) war recht gewöhnungsbedürftig, insbesondere weil das Geschäft keinen Aufschub duldete und ich just kurz vor dieser Situation vom Klobesitzer belehrt wurde, dass man dieses Klo wegen akuter Verstopfungsgefahr auf keinen Fall mit Papier füttern darf. Irgendwie war ich nach dieser Erfahrung froh, dass wir die Zivilisation bald wieder hinter uns ließen, um auf dieser Expedition ein zweites Mal für eine Woche in die Wüste aufzubrechen.

Wir treffen immer wieder auf Nomaden, die uns im Austausch gegen kleine Gastgeschenke frische Kamelmilch offerieren. Kamelmilch schmeckt salzig, ist sehr würzig und reinigt von innen, wie Ali mir erklärte: Wenn sie schnell wieder den Ausgang sucht, so heißt es, war das eigene Gedärm bereits angegriffen, aber man wird durch diese Entschlackungskur gesunden! Wenn man hingegen nur in ungewohnt heftiger Weise Winde von sich geben muss, ist alles in Ordnung.

Bei Ali und mir war offenbar alles in Ordnung.
Titel: Re: Reisebericht Westsahara 2014
Beitrag von: ironsforever am April 11, 2014, 22:54:09 nachm.
Bei unserem zweiten Vorstoß in die Wüste hatten wir mehr Erfolg, was die Anzahl unserer Meteoritenfunde angeht, gleichwohl will ich über diese Tage nicht weiter ins Detail gehen, um an dieser Stelle nicht völlig den Rahmen zu sprengen. Außerdem: So ein Eigenfund ist etwas ganz Besonderes für jeden, der sich dem Thema Meteoriten verschrieben hat. Aber irgendwie auch ein Ereignis, das man schlecht in Worte fassen kann. Das bei einem Fund empfundene Gefühl ist höchstpersönlich und sicher empfindet es jeder anders und individuell. Ich für meinen Teil genieße eher still und nachdenklich. Es ist und bleibt für mich etwas ganz besonderes, auch nach mittlerweile einigen Eigenfunden.

Wie selten und rar ist so ein Meteoritenfund und was muss man dafür alles in Kauf nehmen, um sich wenigstens eine kleine Fund-Chance zu eröffnen. Auf dem ersten Vorstoß in die Wüste nach ca. 2.000 km Fahrt  konnte unser Team nur einen einzigen Fund verbuchen. Das macht jeden „banalen“ Chondriten, der auf den Messetischen in München oder Ensisheim herumliegt und der für vergleichsweise wenig Geld zu kaufen ist, zu einem ganz besonderen Stück. Dies gilt umso mehr, wenn man sich vor Augen hält, dass es kaum noch Gegenden in der Wüste gibt, die nicht schon abgesucht wurden (Spuren von den Autos der Nomaden sind auf den Plateaus jahre- wenn nicht sogar jahrzehntelang zu erkennen und fast jedes schwarze Objekt wurde bereits mindestens einmal angefahren). Selbst die entlegensten Gegenden werden mittlerweile gezielt von Nomaden abgesucht, fast jeder Einheimische weiß, wie ein Meteorit aussieht und nicht selten führt er auch den einen oder anderen Himmelsstein mit sich.

Vielleicht noch so viel: In den folgenden Tagen der Suche und weiteren ca. 1.800 km Fahrt finden wir insgesamt noch weitere 5 Chondrite sowie einige potentielle Kandidaten, die zum Zweck der Bestimmung noch der wissenschaftlichen Untersuchung zuzuführen sind.
Titel: Re: Reisebericht Westsahara 2014
Beitrag von: ironsforever am April 11, 2014, 22:56:22 nachm.
Amüsiert betrachte ich auf einer riesigen Düne einen kleinen, schwarzen Mistkäfer, der beharrlich versucht, sich im Sand einzugraben. Er schafft es nicht, denn permanent rieselt lockerer Sand der steilen Düne von oben nach, füllt das kleine Loch, das er grub, und macht sein Werk wieder zunichte. Trotzdem gräbt er unermüdlich. Er schiebt den Sand mal mit dem linken, dann mit dem rechten Beinchen nach hinten - immer wieder, 2-mal mit dem linken, dann 2-mal mit dem rechten und so fort.

Ich beobachte ihn geraume Zeit und erkenne Parallelen zu unseren Versuchen, die im Sand festgefahrenen Autos wieder frei zu graben. Als ich den Käfer vorsichtig aufnehmen will, um ihn auf flacheren Untergrund umzusiedeln, stellt er sich bei der ersten Berührung tot. Da er sich nun nicht mehr bewegt, weht ihn der Wind nach und nach zu und er verschwindet im Sand der Düne. Er erreicht sein Ziel, ohne ein Bein bewegen zu müssen!

Ich beschließe, diese Taktik zu adaptieren und mich künftig einfach tot zu stellen, wenn wir uns mal wieder im Sand festfahren. Vielleicht löst sich dann das Problem von ganz allein  :einaugeblinzel:
Titel: Re: Reisebericht Westsahara 2014
Beitrag von: ironsforever am April 11, 2014, 22:57:52 nachm.
Abschließend noch ein paar Impressionen…
Titel: Re: Reisebericht Westsahara 2014
Beitrag von: ironsforever am April 11, 2014, 23:00:11 nachm.
...
Titel: Re: Reisebericht Westsahara 2014
Beitrag von: ironsforever am April 11, 2014, 23:02:12 nachm.
...
Titel: Re: Reisebericht Westsahara 2014
Beitrag von: ironsforever am April 11, 2014, 23:04:43 nachm.
...
Titel: Re: Reisebericht Westsahara 2014
Beitrag von: ironsforever am April 11, 2014, 23:06:24 nachm.
 :hut:

Gruß,
Andi :prostbier:
Titel: Re: Reisebericht Westsahara 2014
Beitrag von: grobibaer am April 11, 2014, 23:25:47 nachm.
  :applaus: :applaus: :applaus: :applaus: :applaus: :applaus: :applaus: :applaus: :applaus:
Titel: Re: Reisebericht Westsahara 2014
Beitrag von: Thin Section am April 11, 2014, 23:28:48 nachm.
Wie selten und rar ist so ein Meteoritenfund und was muss man dafür alles in Kauf nehmen, um sich wenigstens eine kleine Fund-Chance zu eröffnen. Auf dem ersten Vorstoß in die Wüste nach ca. 2.000 km Fahrt  konnte unser Team nur einen einzigen Fund verbuchen. Das macht jeden „banalen“ Chondriten, der auf den Messetischen in München oder Ensisheim herumliegt und der für vergleichsweise wenig Geld zu kaufen ist, zu einem ganz besonderen Stück.

 :super:  :applaus:

... und die oben zitierten Worte sprechen für sich !!!

Bernd  :winke:
Titel: Re: Reisebericht Westsahara 2014
Beitrag von: karmaka am April 12, 2014, 01:11:52 vorm.
شكرا , Andi !!!

 :hut:
Titel: Re: Reisebericht Westsahara 2014
Beitrag von: JaH073 am April 12, 2014, 05:21:35 vorm.
Hallo Andi,

super Reisebericht.
Klasse gemacht.

Beste Grüße

Hanno
Titel: Re: Reisebericht Westsahara 2014
Beitrag von: Chondrit 83 am April 12, 2014, 09:17:37 vorm.
 :super: :wow: :lechz:

Genial !!!

Gruß

Marco
Titel: Re: Reisebericht Westsahara 2014
Beitrag von: JFJ am April 12, 2014, 09:20:13 vorm.
Sehr kurzweilig!

Man war quasi mit dabei  :wow:

Danke Andi !!!

Beste Grüsse
Jörg
Titel: Re: Reisebericht Westsahara 2014
Beitrag von: Hungriger Wolf am April 12, 2014, 09:35:38 vorm.
Hallo Andi!

Super Reisebericht/Westsahara!  :super:

Grüsse  :hut:
Achim
Titel: Re: Reisebericht Westsahara 2014
Beitrag von: pallasit am April 12, 2014, 11:22:41 vorm.
 :laola:
Titel: Re: Reisebericht Westsahara 2014
Beitrag von: ironsforever am April 12, 2014, 11:44:46 vorm.
Hallo,

vielen Dank für die positive Kritik. Ich freu mich, dass ich Euch vielleicht ein kleines "Stück Wüste" vermitteln konnte. Die Studioaufnahmen unserer Funde werde ich demnächst auch noch einstellen.

Ehrlich gesagt war ich ein wenig enttäuscht über meine Bilder. Ich hatte diesmal drei Kameras dabei, habe aber das Equipment gar nicht richtig ausgenutzt. 2 volle SD-Karten sind mir dann aus unerfindlichen Gründen auch noch verreckt und alle Fotos darauf waren verloren. Der permanente Wind vor Ort machte mir diesmal ziemlich zu schaffen. Ich war aufgrund dessen recht lustlos und träge. Auch unseren Kameradrachen konnte wir diesmal leider nicht für Luftaufnahmen einsetzen, denn der wäre nicht zu halten gewesen und mitsamt der Kamera nach Mauretanien abgedüst.

Und in den schwierigen Situationen konzentriert man sich dann doch lieber auf die Lösung, als die Kamera zu zücken. Wie oben erwähnt, gab es diesmal viele sandige Passagen, in die wir nicht selten recht unvermittelt hineingerieten. Die sind dann nur bei Vollgas im 3./4. Gang mit Untersetzung und gesperrten Differenzialen zu meistern. Man darf auf keinen Fall langsamer werden, zurückschalten oder gar anhalten (z.B. um die Kamera einzusetzen), sonst fährt man sich sofort fest. Wenn die sandige Passage dann auch noch mit kleinen Hügeln durchsetzt ist, hebt das Auto stellenweise ab. Ich werde das ungute Gefühl nicht vergessen, als ich mit Vollgas einen sandigen Hang hinauf fuhr, um oben an der Kante des Plateaus mehr oder weniger ins Ungewisse zu springen. Man sieht am Hang nur noch Himmel vor sich. Wieder in Deutschland ärgere ich mich natürlich, warum ich die Bocksprünge unseres Vehikels in solchen Passagen nicht einmal gefilmt habe, oder z.B. mal dass Innere des Wagens, in welchem die Ladung nach Durchqueren der Passage völlig neu durchgemischt wurde. Aber wie heißt es so schön? Alles ist immer für irgendetwas gut! So bleibt neuer Stoff für den nächsten Reisebericht übrig :einaugeblinzel:.

Gruß,
Andi :prostbier:

Titel: Re: Reisebericht Westsahara 2014
Beitrag von: Auricular am April 12, 2014, 12:28:04 nachm.
 :super: :super: :super: :super: :super:

 :wow: :wow: :wow: :wow: :wow:

Super Andi!!!
Titel: Re: Reisebericht Westsahara 2014
Beitrag von: ironmet am April 12, 2014, 12:38:15 nachm.
SPITZEN Bericht Andi !!!  :super: :super:
Vielen Dank
Titel: Re: Reisebericht Westsahara 2014
Beitrag von: ben.g am April 12, 2014, 19:29:38 nachm.
Eindrucksvoller Bericht!
Vielen Dank dafür. :super:
Titel: Re: Reisebericht Westsahara 2014
Beitrag von: Buchit am April 12, 2014, 22:30:32 nachm.
Hallo Andi,

in der Tat, das muss man erst einmal erlebt haben :super: :super: :super:

Gruß,
Holger
Titel: Re: Reisebericht Westsahara 2014
Beitrag von: Haschr Aswad am April 14, 2014, 09:49:09 vorm.
Großes Kino! Tolle Bilder, schöner Bericht. Vielen Dank fürs Einstellen.

Titel: Re: Reisebericht Westsahara 2014
Beitrag von: gsac am April 14, 2014, 13:39:54 nachm.
Sehr schön, danke Andi! [PS: aber Rehbraten und minganer
Bier schmecken daheim dann auch mal wieder, oder..??]  :einaugeblinzel:

:hut: Alex

Titel: Re: Reisebericht Westsahara 2014
Beitrag von: DCOM am April 14, 2014, 14:46:05 nachm.
Sehr schön, Andi, prima Bericht und tolle Fotos!  :super:

Auf Deine Met-Bilder freue ich mich schon und darauf, Deine Stücke in Kürze auch in natura zu sehen.

Bis Mittwoch!  :winke:

D.U.
Titel: Re: Reisebericht Westsahara 2014
Beitrag von: pewebe am April 14, 2014, 16:26:11 nachm.
Einfach nur großartig Dein Reisebericht und die Bilder finde ich als leidenschaftlicher Fotograf
ebenso gut!

 :super:

Ich hätte Euch viel mehr Erfolg gegönnt bei den ganzen Strapazen, die Ihr erdulden musstet.
Titel: Re: Reisebericht Westsahara 2014
Beitrag von: ironsforever am April 15, 2014, 13:07:55 nachm.
Zitat
Ich hätte Euch viel mehr Erfolg gegönnt bei den ganzen Strapazen, die Ihr erdulden musstet.

Hallo,

danke schön, pewebe! :hut: Allerdings muss man es tatsächlich schon als Erfolg verbuchen, wenn man auf einer solchen Reise nur einen Meteoriten findet. Insofern war unser "Soll" sogar übererfüllt.

Man darf nicht den Fehler machen und eine Kosten-Nutzen-Rechnung aufstellen, dahingehend, dass man den Marktwert möglicher Funde den Strapazen und Kosten der Expedition gegenüberstellt. Um finanziellen Gewinn geht es den meisten von uns nur sehr nachranging. Klar hätten wir auch nichts dagegen einzuwenden, mal 5kg Mond zu finden :einaugeblinzel:, aber das ist äußerst unwahrscheinlich. Die Gewinnchance wäre sicher um ein Vielfaches höher und vor allem auch bequemer, würde man die Kosten einer solchen Expedition (ca. 2.500 € p.P.) im Spielkasino beim Roulette auf Rot setzen.

Wichtig sind Erkenntnisse für die Wissenschaft. Unsere Funde werden im Gegensatz zu den Funden, die auf den Messetischen landen, stets ordnungsgemäß dokumentiert. Unsere Dokumentation stellen wir der Forschung zur Verfügung. Anhand unserer mittlerweile recht zahlreichen Funde der letzten Jahre kann man mittlerweile gut ableiten, wo in der Westsahara (oder auch in anderen Wüsten) die Fundchancen am höchsten sind und warum das so ist. Ich spreche jetzt nicht von der mittlerweile allgemein bekannten Fundgegend, den Hochplateaus mit altem Boden, sondern von weiteren Parametern. Ich will dem aber an dieser Stelle nicht vorgreifen, hierzu wird es mit Sicherheit bald eine entsprechende Publikation geben.

Nicht jedem Teilnehmer auf einer solchen Tour ist das Glück vergönnt, selbst einen Fund zu machen. Jedes Mal kamen einzelne Teilnehmer ohne einen Fund aus der Wüste zurück. Dessen sind wir uns aber alle bewusst, weshalb auch jeder von ein spezielles weiteres Motiv hat, um trotzdem in diese entlegene Gegenden zu fahren: Sei es, dass man einfach nur Spaß dran hat, mal wieder mit Freunden unterwegs zu sein, Abenteuerlust, ein ausgeprägtes Entdecker-Gen, der Wunsch, wieder mal die eigenen Grenzen auszuloten/ den inneren Schweinehund zu überwinden, die unglaubliche Stille der Wüste, die Flora und Fauna oder schlicht und einfach die Wüste an sich, die bislang jeden von uns in ihren Bann zog.

Gruß,
Andi :prostbier:

P.S.: Ich habe noch einige schöne Landschaftsaufnahmen, die es wert wären... Interesse?

Titel: Re: Reisebericht Westsahara 2014
Beitrag von: karmaka am April 15, 2014, 13:30:55 nachm.
Es war wichtig, das mit der Kosten-Nutzen-Rechnung noch einmal zu sagen, damit keine falschen Ideen aufkommen, Andi!  :super:

"Einen Schuß Wüste braucht der Mensch - um des Glücks der Oase willen." (Martin Kessel)

P.S.: Ich habe noch einige schöne Landschaftsaufnahmen, die es wert wären... Interesse?

Aber immer!  :smile:
Titel: Re: Reisebericht Westsahara 2014
Beitrag von: Greg am April 15, 2014, 13:31:46 nachm.
Hallo Andi,

auf jeden Fall Interesse an weiteren Fotos/Landschaftsaufnahmen!

Besten Dank für das Einstellen des Berichtes. Tolle Fotos und lebhafte Beschreibungen. :wow:
Man hat fast das Gefühl, dabei gewesen zu sein.
Der Wind und die Kälte waren bestimmt echt anstrengend und nervig. Ziemlich gewöhnungsbedürftig ist die Sache mit dem Fleisch-Karton... Erst frische Kamelmilch und dann nachts überm Karton tief Luft holen... Es ist bestimmt von Vorteil, wenn man schon mal abgezogene Hasen im Keller hängen hatte... :einaugeblinzel:

Viele Grüße  :hut:
Greg
Titel: Re: Reisebericht Westsahara 2014
Beitrag von: Buchit am April 15, 2014, 14:06:24 nachm.
Hallo Andi,

ja, zeig' uns auf jeden Fall noch, wa Du an Bildern parat hast :pro:

Eine neugierige Anschlußfrage habe ich auch noch: Was ist denn aus den "noch zu testenden" Funden geworden? Und wie habt ihr sie getestet?

Gruß,
Holger
Titel: Re: Reisebericht Westsahara 2014
Beitrag von: ironsforever am April 16, 2014, 10:41:18 vorm.
O.k. - here we go...

Zunächst ein Stück Atlantikküste der Westsahara. Bei der kleinen Anlage am Strand handelt es sich um einen Militärposten. An der gesamten Küste befinden sich in regelmäßigen Abständen ca. jeden Kilometer ein Haus, in dem zur Küstensicherung jeweils 2 Soldaten wohnen.

Foto 2 zeigt einen der obligatorischen Kontrollposten auf der Küstenstraße...
Titel: Re: Reisebericht Westsahara 2014
Beitrag von: ironsforever am April 16, 2014, 10:47:52 vorm.
Auf den folgenden Bildern erkennt man schön die Plateaus, auf welchen wir suchten. Die Böden oben auf einem solchen Plateau sind zumeist recht alt. Wenn man dann auch noch neolithische Abschläge oder Artefakte findet, hat man den Beweis...
Titel: Re: Reisebericht Westsahara 2014
Beitrag von: ironsforever am April 16, 2014, 10:51:52 vorm.
Die Plateaus können riesige Dimensionen erreichen, dass man um sich herum kein Ende sieht...
Titel: Re: Reisebericht Westsahara 2014
Beitrag von: ironsforever am April 16, 2014, 11:08:35 vorm.
Das Gefühl dieser Leere und Stille ist nur schwer zu vermitteln. Eine Mischung aus bedrohlich und schön. Mir fällt spontan dazu das Lied von Reinhard Mey ein ("Über den Wolken"), nur mit dem Unterschied, dass man nicht in einer fliegenden, lärmenden Aludose eingesperrt ist.

Wenn man das Auto abstellt und in irgendeine Richtung spaziert, ist die Situation fast unwirklich und man muss sich zwingen zu glauben, was man sieht und hört, nämlich: Nichts!

So konzentriert man sich mangels "Input" auf kleine Kiesel am Boden, oder über 6.000 Jahre alte Bruchstücke von Straußeneier-Schalen, die man fast überall finden kann (am Besten in der Nacht mit einer Schwarzlicht-Taschenlampe in der Hand, denn sie leuchten wie auch die Skorpione).
Titel: Re: Reisebericht Westsahara 2014
Beitrag von: ironsforever am April 16, 2014, 11:13:00 vorm.
Das Gefühl der Einsamkeit wird durch solche Entdeckungen noch verstärkt...
Titel: Re: Reisebericht Westsahara 2014
Beitrag von: gsac am April 16, 2014, 11:14:23 vorm.
Beeindruckend, danke Andi! Das ist ja durchaus auch politisch heikles Gebiet,
wie man an den Kontrollpostenbildern sieht und aus der Geschichte weiß.
Daraus leitet sich meine Frage ab: läuft man, wenn man "querfeldein" fährt,
nicht eine gewisse Gefahr, in ein Minenfeld zu geraten, in dem schlimmstenfalls
noch etwas hochgehen kann? Ist das Gefahrenpotenzial abschätzbar, kann
man es minimieren, gibt es (verläßliche) Karten und Aussagen, wo was liegt
und welche Gebiete man doch besser meiden sollte? Meidet man die dann
auch tatsächlich, oder nicht? Fährt ein akutes Risiko nicht stets unsichtbar mit?

Würde mich freuen, dazu was zu lesen! Ansonsten: tolle Bilder, feine Sache!
Und in der Tat kann ich mir auch vorstellen, daß es einerseits ein erhebendes
Gefühl sein muß, wenn man selber zum Finder eines himmlischen Gesteins
wird (PS: dieses Gefühl ist mir übrigens leider bisher versagt geblieben im
Leben), andererseits die Wüste als solche, die Weite, der Sternenhimmel
nachts, ein ganz besonderes Erlebnis ist. Das ist vielleicht vergleichbar mit
einer totalen SoFi oder dem Besuch des Grand Canyons, nur um zwei Beispiele
mal zufällig zu nennen: man muß da gewesen sein, um diese Dimensionen selber
für sich körperlich zu erfahren, das geht noch mal deutlich über Schilderungen und
Berichte hinaus, die man nur liest. Ich denke, das schafft auch eine gewisse Demut
im persönlichen Verhältnis zur Natur, die unabhängig von einem selbst existiert und
den Menschen eigentlich nicht braucht, auch wenn man ein kleiner Teil davon ist.

Weiter so!  :super:
Alex

PS: sorry, habe Dich unterbrochen im Einstellen von Posts, tut mir leid, realisiere ich
erst jetzt...
Titel: Re: Reisebericht Westsahara 2014
Beitrag von: ironsforever am April 16, 2014, 11:20:56 vorm.
Am Abend sucht man sich deshalb als Lagerplatz instinktiv ein wenig Schutz und Geborgenheit, z.B. in einer Senke oder einem kleinen Tal. Aber genau das ist der schlechteste Platz für ein Camp, denn genau da wimmelt es auch von potentiell beißendem oder stechendem Getier, wie z.B. Schlangen und Skorpione. Besser, wenn das Camp oben auf dem Plateau errichtet wird, auch wenn man dort schutzlos dem Wind ausgeliefert ist...
Titel: Re: Reisebericht Westsahara 2014
Beitrag von: ironsforever am April 16, 2014, 12:04:19 nachm.
Zitat
PS: sorry, habe Dich unterbrochen im Einstellen von Posts, tut mir leid, realisiere ich
erst jetzt...

Macht nix, war eh am Ende. :hut:

Abschließend noch das Portrait eines Nomaden, der stolz in seinem Land Rover Santana posiert. Die Innendeko seines Gefährts war - wie üblich -  mit viel Liebe gestaltet. Man beachte seinen leicht bläulichen Teint, der von dem Indigo-gefärbten Chech stammt. Das Abfärben des Chech ist durchaus erwünscht, ich beobachtete diesen Effekt im Gesicht der meisten Nomaden. Das Indigo sei gut für die Haut und beuge Sonnenbrand vor, wie mir mein (ebenfalls blau gefärbter) Kollege Ali versicherte.

Gruß,
Andi :prostbier:
Titel: Re: Reisebericht Westsahara 2014
Beitrag von: ironsforever am April 16, 2014, 12:27:47 nachm.
Hallo Alex,

zu Deiner berechtigten Frage zum Thema Minen: Wir fahren nicht blauäugig durch die Botanik, sondern machen uns vor einer Tour sehr wohl ausgiebig Gedanken dazu. Haschr beschäftigte sich in der Vergangenheit sehr gründlich mit dem Thema, wie man es ja von ihm gewohnt ist, und ich durfte seine Erkenntnisse hierzu auch bei dieser Tour verwenden. Gleichwohl muss sich jeder, der die Westsahara besucht, selbst und eigenverantwortlich mit den individuellen Gegebenheiten der geplanten Suchgegend auseinandersetzen. Es gibt nicht mal Landkarten vom Landesinneren, geschweige denn Karten von gefährlichen Gegenden. Gute Quellen findet man bei zahlreichen Institutionen, die sich mit der weltweiten Minenproblematik auseinandersetzen (Medico, Rotes Kreuz, Landmine.de, ...).

Es ist bekannt, wo die militärischen Befestigungs-Wälle in der WS verlaufen (Google-Suche: "Marokkanischer Wall"). Die Wälle sind auf Google Earth sogar recht gut zu erkennen in Form einer verbundenen Kette von befestigten Militärcamps. Minen können sich im Bereich dieser Wälle befinden, zumeist in östlicher bzw. südöstlicher Richtung vom Wall. Somit sind die Wälle schon mal tabu. Manchmal lässt sich eine Passage nicht umgehen, sichere Durchlässe sind aber bekannt bzw. sichtbar (frische Spuren).

Daneben gibt es einzelne Militäranlagen in der Wüste oder Militärstädte wie z. B. Bir Anzarane, die wir ebenfalls tunlichst meiden. Alle Grenzregionen zu Mauretanien sind sehr weiträumig (80km) tabu. Hinzu kommen einzelne Problemzonen, wie z.B. bestimmte Brunnen, Quellen oder Wadis. Auch hierzu haben wir Informationen, u.a. von Einheimischen.

Oben auf den Plateaus, fernab jeder auffälligen Geländemarke macht es schon wegen der riesigen Dimensionen dieser Plateaus keinen Sinn, dort Minen zu vergraben. Allenfalls Blindgänger liegen dort oben herum, sind aber weit sichtbar und können dort oben auch nicht durch Sand verweht werden. Passagen durch Wadis oder Auffahrten sind sicher, wenn sie regelmäßig von Nomaden benutzt werden (man achtet auf frische Spuren).

Dann bleibt ein geringes Restrisiko, das man allerdings auch noch vermindern kann, indem man sich sehr umsichtig verhält. Jeder unbekannte Fundgegenstand kann gefährlich sein und darf nicht berührt werden. Kleine Anti-Personen-Minen können leicht durch eine Flut kilometerweit vertragen werden und in Schwemmtälern liegen, die man deshalb, wenn möglich, meidet. Nomaden kennen ihre Heimat und können hierzu auch hilfreiche Tipps geben.

Im Übrigen werden die Minen in der Westsahara mittlerweile nach und nach geräumt (vgl. Foto vom geräumten Minenfeld). So sind bereits viele Gebiete, die früher als gefährlich galten, wieder mehr oder weniger sicher. Sicher ist man natürlich nie, aber wo ist man das schon? Ich fühle mich auf einer deutschen Autobahn mit zahlreichen tonnenschweren "Geschossen" nicht sicherer oder unsicherer als in der Westsahara.

Zitat
man muß da gewesen sein, um diese Dimensionen selber
für sich körperlich zu erfahren, das geht noch mal deutlich über Schilderungen und
Berichte hinaus, die man nur liest. Ich denke, das schafft auch eine gewisse Demut
im persönlichen Verhältnis zur Natur, die unabhängig von einem selbst existiert und
den Menschen eigentlich nicht braucht, auch wenn man ein kleiner Teil davon ist.

Volle Zustimmung! :winke:

Gruß,
Andi :prostbier:
Titel: Re: Reisebericht Westsahara 2014
Beitrag von: gsac am April 16, 2014, 12:46:10 nachm.
Prima Antwort, ausführlich und lehrreich!
Besten Dank, Andi!
 
:prostbier: Alex
Titel: Re: Reisebericht Westsahara 2014
Beitrag von: MetGold am April 16, 2014, 13:34:31 nachm.
Hallo Andi,

vielen Dank für deinen wunderbaren Bildbericht, der wohl bei vielen wieder das Fernweh wecken wird.  :os01:  Bei mir geht das Fernweh kommenden Sommer wieder einmal nur bis ins meteoritenfreie/minenfreie Tirol. :os03:

Besonders dein letzter Beitrag sollte für Greenhornes, die sich die Sahara zur Meteoritensuche auserkoren haben, zur Pflichtlektüre erhoben werden!  :os01:


 :os07:  MetGold
Titel: Re: Reisebericht Westsahara 2014
Beitrag von: ironsforever am April 16, 2014, 16:59:18 nachm.
Hallo Andi,

ja, zeig' uns auf jeden Fall noch, wa Du an Bildern parat hast :pro:

Eine neugierige Anschlußfrage habe ich auch noch: Was ist denn aus den "noch zu testenden" Funden geworden? Und wie habt ihr sie getestet?

Gruß,
Holger

Hallo Holger,

naja, man sieht sich die Funde halt nochmal in Ruhe ganz genau an, macht einen Abschlag oder trennt ein Stück davon ab. Und wenn man dann noch immer nicht sicher ist, dass es sich um irdisches Gestein handelt, kommt man um eine wissenschaftliche Begutachtung in einem Institut nicht rum (Mikrosonde, Dünnschliff, etc.). Was dann genau mit den Proben passiert, entzieht sich aber meiner Kenntnis. Und es dauert ein Weilchen  :einaugeblinzel:...

Gruß,
Andi :prostbier:
Titel: Re: Reisebericht Westsahara 2014
Beitrag von: Thin Section am April 17, 2014, 00:21:19 vorm.
Hallo Andi,

Noch mal ein herzliches Dankeschön für diese beeindruckende Dokumentation in Wort und Bild! An vielen Stellen glaubte ich wieder, Antoine de Saint-Exupéry zu hören, der genau das, wa Du ge- und beschrieben hast hautnah "erfühlt"  und "erlebt" hat! Wie schade, daß die politischen und militärischen Konflikte dieser Welt uns diesen wertvollen Menschen genommen haben!  :crying:

Bernd
Titel: Re: Reisebericht Westsahara 2014
Beitrag von: gsac am April 17, 2014, 19:04:34 nachm.
Wie schade, daß die politischen und militärischen Konflikte dieser Welt uns diesen wertvollen
Menschen genommen haben!

[Ganz banal war´s Horst Rippert, der ältere Bruder von "Ivan Rebroff", der ihn abgeschossen
hat, ein Deutscher! Aber wir wollen das nicht vertiefen, es wäre auch gegen die Forumsregeln.]


Was Saint-Exupéry ganz wunderbar gemacht hat: seine leidenschaftliche Liebe zur Fliegerei zu
dokumentieren, und in seinem Werk ganz en passant auch einen Bogen zu den Meteoriten zu
schlagen, was nachlesbar ist. Er hat die Wüste geliebt, diese ganz und gar großartige Szenerie,
und das ist ja letztlich auch das Thema, welches hinter all diesen wunderbaren Bildern hier steht.
Deshalb darf man sowas beantworten! Ich kann Andi und alle Wüstenfahrer sehr gut verstehen,
die es dort immer wieder hinzieht, egal, ob sie mit einem Sack voll Meteorite heimkehren oder nicht..

Alex
Titel: Re: Reisebericht Westsahara 2014
Beitrag von: schwede-jens am April 18, 2014, 18:05:29 nachm.
 :weissefahne:    Fernweh.....  und Sehnsucht.... NEIN!  VERLANGEN!    :laughing:

Hej Andi, danke fürs berichten und zeigen.
Mich erinnern deine (wie auch die vom Svend) Berichte immer an Jack London......

 :hut:  Jens
Titel: Re: Reisebericht Westsahara 2014
Beitrag von: SR-Meteorite am Mai 12, 2014, 22:03:45 nachm.
Hallo Andi,

vielen Dank für den interessanten Reisebericht. Sehr anschaulich, beim Lesen hatte ich förmlich einen Hauch von "Gammelfleisch" in der Nase. Gib´s zu, Du hast die Kiste mit dem Fleisch nur gekauft, um der Geschichte noch eine etwas abenteuerlichere Würze zu geben. :einaugeblinzel:

Was mir sehr gut gefallen hat, dass Du sehr anschaulich auf den Punkt gebracht hast, wie selten und schwer zu finden Meteoriten selbst in den Wüsten sind. Das sollte uns allen Ehrfurcht vor jedem noch so verwitterten Chondritenfragment, geschweige denn vor den ultra-seltenen Klassen gebieten! :super:

Trotz allem hoffe ich, dass Dein Bericht nicht viele Nachahmer auf den Plan ruft, denn die Westsahara ist gefährlich, das lässt sich einfach nicht wegdiskutieren. Ich selbst habe vor etlichen Jahren zwei Touren in die W-Sahara unternommen, als es zugegebenermassen vielleicht noch etwas gefährlicher war als heute, wegen der zahlreicheren, ungeräumten Minenfelder. Ich habe auch Areale gesehen, die übersäht waren mit Kriegsschrott, und da kann wohl niemand garantieren, dass da nicht auch potenziell gefährliches Material herumliegt. Von den unzähligen Minen am "Wall" gar nicht zu reden.

Grüsse,
Stefan
Titel: Re: Reisebericht Westsahara 2014
Beitrag von: ironsforever am Mai 13, 2014, 09:49:57 vorm.
Hallo Stefan,

freut mich sehr, dass auch Dir der Bericht gefiel. Ali war zuständig für die Verpflegung, mir war die Art der Fleisch-Lagerung zunächst auch äußerst suspekt. Wahrscheinlich haben aber Europäer in puncto Hygiene einen "Hau", wohl nicht zuletzt aufgrund begründeter Gammelfleisch-Skandale und der Werbung, die uns suggeriert, dass üüüüberall gefährliche Keime lauern. Aber elektrische Kühlschränke gibts auch erst seit den 50er Jahren und die Menschheit musste zuvor ja auch irgendwie überlebt haben. Die einfache Fleischtrocknung als Konservierungsmethode wäre in unseren Breiten mangels Sonne und auch wegen der hohen Luftfeuchtigkeit problematisch, aber Pökelschinken ist eigentlich auch nichts anderes als Trockenfleisch, nur ein bisschen mehr Salz im Spiel...

In der Wüste hingegen geht's relativ einfach: Wichtig ist, dass die zu trocknenden Fleischstücke gesalzen sind und sehr luftig gelagert werden. Auf keinen Fall darf das Fleisch mit Plastik in Berührung kommen! Deshalb auch der Karton, der die Feuchtigkeit ableitet. Indem man die Stückebei jeder Gelegenheit in die pralle Sonne legt und immer wieder wendet, werden sie durch UV-Strahlen der Sonne regelmäßig desinfiziert. Übrigens haben wir immer einen probaten Indikator dabei, der uns mit Sicherheit vor möglichen Gefahren warnt: Die eigene Nase! Wir kauften auf unseren Wüstentrips bislang immer nur (teure) Konserven, Nudeln, Dosenfisch etc. Künftig werden wir Alis Vorratshaltung und die zugehörigen Methoden anwenden, denn dieses Essen ist weitaus schmackhafter und günstiger. Außerdem wird weniger Müll produziert.

Gruß,
Andi

Titel: Re: Reisebericht Westsahara 2014
Beitrag von: Mettmann am Mai 13, 2014, 13:12:55 nachm.
Zitat
Europäer in puncto Hygiene einen "Hau"
Ja, sind eben denaturiert. Fleisch muß sowieso vor dem Verzehr eine zeitlang verwesen, da es sonst schlecht zu verzehren ist. Würde man das Schnitzel während der Leichenstarre braten, so wär es hart, trocken, zäh und zudem sauer. Erst muß das Kollagen der Muskelfasern teilweise zersetzt werden, zudem bildet sich zunächst viel Milchsäure, die erst später abgebaut wird. Und deswegen läßt man z.B. ein Rind erst 1-2 Wochen kontrolliert verwesen, bis es in den Handel kommt - Wild noch länger, da der Verwesungsgeschmack, der Hautgout, erwünscht ist. Zudem bilden sich bei diesem Abhängen Aromastoffe, die wir mögen. Bei der Salamiherstellung z.B. - hihi, Zutatenverordnung schreibt man dann euphemistisch drauf "Starterkulturen", denn wenn man u.a. "Staphylokoggen", die man einer Salami ja zusetzen muß, damit sie reifen kann - tätmer alle wieder "iiiih" kreischen unds nimmer kaufen. Und bei solchen Spezialitäten, wie dem Matjes-Hering, der anaerob in einem Fässlein vergammelt, muß man ein bisserl von den Innereien mithineingeben, sonst gammelt er nicht fein. Und in den unschuldigen Käse, müssmer auch ein bisserl Lab hineingeben, sonst wird er nicht.

Die Lagerung an der Luft, wenn man keine Kühlmöglichkeit hat, ist unbedingt angezeigt! Es dämmt die Vermehrung des gefürchteten und ubiquitären Botulinus-Bakteriums (lat. "Wurst"-Bakterium) ein, welches als Stoffwechselprodukt eines der allerstärksten Nervengifte produziert (mit 1g, kann man ca. 1 Mio Leut über den Jordan, nen?). Jenes Gift, welches sich die Dame von Welt in den Kopf spritzen läßt, da es die umgebenden Muskeln lähmt, sodaß man die Falten weniger sieht.
Salz mag das Botulinus-Bakterium auch nicht, insbesondere das Nitrit aus dem Pökelsalz nicht.

Zu Bemerken wäre ferner, daß die Kulinarik, sei es die uns liebgewordene theutsche Hausmannskost bis hin zum Sushi, sich zur Hauptsache darauf gründet, Lebensmittel lange lagern zu können, schädliche Zersetzungsprodukte unschädlich zu machen und solch gelagerte Lebensmittel wieder genießbar zu machen.

Und letztlich gründen nicht nur die Rezepte auf der Konservierung und Zubereitung solcher Speisen, sondern unser heutiges Finanzwesen.
Abgesehen davon, daß Salz (und keineswegs nur zur Geschmacksverbesserung sondern eben zur Konservierung) ein immens wichtiges Handelsgut war, welches zum Aufstieg der Städtegesellschaften und der Überwindung des Feudalismusses beitrug, spielt dabei der Pfeffer die Rolle. Ein Gewürz, das in der Lage war, die grauslichen Geschmäcker der konservierten Lebensmittel zu überdecken. Ein sehr teures Oberschichtengewürz, was im späten Mittelalter und der Frühen Neuzeit in etwa den Status besaß, wie in unseren 1980ern und 1990ern das Kokain. - Hauptimportort über den Seeweg war Venedig und man war derart pfefferverrückt, daß man schließlich Wetten darauf abschließen konnte, wieviel Pfeffer und in welchen Qualitäten die Schiffe, die nach den Frühlingsstürmen einlaufen würden, geladen haben  würden = die ersten Spekulationen: Die erste Börse war geboren. Ois nur wegen dem Gammelfleisch.

Zurück zur Expedition - es ist interessant, der Amerikaner ißt ja gern Dörrfleisch, als wärens Chips - das sogenannte Beef Jerky. Das findet sich in den letzten Jahren nun auch immer mehr bei uns, aus USA importiert. Zuvor gabs dieses Trockenfleisch eigentlich nur in Expeditionsläden als Spezialnahrung - ist sehr proteinreich, fettarm und platzsparend. Wenns einem also graust, kann man das ja mitnehmen. Eignet sich aber nicht zum Verkochen, da es stark sauciert und gewürzt ist. Durchsetzen wirds sich hier wohl nicht, Import ist teuer, so billiges Rindfleisch wie in USA haben wir nicht und v.a. haben wir ja einen großen Reichtum an regionalen luftgetrockneten Spezialitäten - von den diversen Schinken, über den berüchtigten Zampone, bis hin zum Bündnerfleisch..usw.

Um Bezug herzustellen, Trockenfleisch macht man auch gern in Afrika - wird unter dem Handelsbegriff "Biltong" geführt. Aus allerlei Tieren. Macht man dort auch gerne selber, wofür man sich oft einer einfachen Vorrichtung bedient, das dünn geschnittene und gewürzte Fleisch wird in eine Kiste gelegt, worinnen eine Glühbirne mit geringer Wattzahl installiert ist. Durch die Abwärme der Birne wird das Fleisch getrocknet.

Ab zur Paläontologie - Gefriertrocknung ist ja auch ein Konservierungsmittel - durch den Klimawandel taut ja nunmehr der Permafrostboden in Asien auf - sodaß immer mehr besterhaltene Mammuts gefunden werden. Es gibt vereinzelte Berichte, daß das Fleisch dieser Funde durchaus noch verzehrbar war.

So, ab damit ins Sonstige, ich hab jetzt Hunger.
 :prostbier:
Mettmann

PS: Andi, bisserl mehr Lokalpatriotismus - Kühlschränke gabs schon länger, und die Senioren bei uns, sagen ja manchmal noch "Eisschrank".
Oh Schlachtschiff des DAXes - Carl von Linde hat doch an der TU hier, gesponsert von den hiesigen Brauereien 1873 die Eismaschine erfunden. Kühlschränke waren halt damals Schränke mit einem Fach in dem ein großer Eisblock vor sich hinschmolz. Angeliefert wurden die Eisblöcke aus der Fabrik vom Eismann - gibt ja auch einen Slapstickfilm, in dem sich Stan & Ollie als solche Eismänner verdingen.

Möge der Thread folgen zur Kühlung von vakuum-eingeschweißten Dronino-Scheiben im Eisfach zur Herabsetzung der Reaktionsgeschwindigkeit - und wenn wir brav sind, baut uns der Uphäufel noch ein Peltierelement ins Gfrierfach.

(PPS: EU ist seltsam, nicht nur dass in D kein deutscher Rohmilchkäse verkauft werden darf, wohl aber französischer, da der als regionale Spezialität geschützt - die ham leider auch das köstliche Wiener Saftgulasch verboten!)
Titel: Re: Reisebericht Westsahara 2014
Beitrag von: Contadino am Mai 13, 2014, 14:05:21 nachm.
Zitat
- die ham leider auch das köstliche Wiener Saftgulasch verboten!

Um Himmels willen, warum den das Saftgulasch :crying: :crying: Hab ich da womöglich bei meinem letzten Besuch in Wien was unappetitliches gegessen... :eek:

Ciao, Heiner
Titel: Re: Reisebericht Westsahara 2014
Beitrag von: Mettmann am Mai 13, 2014, 15:10:28 nachm.
Nu, Heiner, das erste k&k-Gulasch wurde ja im "Prager Kochbuch" veröffentlicht. Ich gehe daher davon aus, daß das sog. Böhmische Gulasch dem Urgulasch, aus dem die Weaner Varianten entwickelt wurden, stemmatisch am Nächsten steht. Das Böhmische Gulasch muß viele Stunden köcheln, hernach wird es heruntergekühlt und muß zur Entfaltung der Aromen und zur besonderen Mürbheit des Fleisches mehrere Tage ruhen und ziehen. Seit 2004 gibt es aber eine lebensmittelhygienische Verordnung der EU, die untersagt, Speisen, die länger als vier Stunden erwärmt gehalten werden, zu verkaufen.

Vergaß, nur damit ich nicht schuld bin: Die Einfuhr von Fleisch- und Fleischprodukten, auch von geringen Mengen, bedarf in den meisten Zielländern einer vorherigen Beschau durch einen Veterinär. (Allerdings sinds in den Maghrebländern eher wepsig, wenns um Dattel-Krankheiten geht).
Titel: Re: Reisebericht Westsahara 2014
Beitrag von: herbraab am Mai 13, 2014, 18:57:05 nachm.
Ab zur Paläontologie - Gefriertrocknung ist ja auch ein Konservierungsmittel - durch den Klimawandel taut ja nunmehr der Permafrostboden in Asien auf - sodaß immer mehr besterhaltene Mammuts gefunden werden. Es gibt vereinzelte Berichte, daß das Fleisch dieser Funde durchaus noch verzehrbar war.

Ist das eine Vermutung, oder wurde das auch experimentell nachgewiesen?

 :hut:
Herbert
Titel: Re: Reisebericht Westsahara 2014
Beitrag von: palaeomet am Mai 13, 2014, 19:22:50 nachm.
Hallo zusammen,

das mit dem Mammutfleisch stimmt wohl tatsächlich, das muss es mal bei einem Paläontologenkongress in Sibirien gegeben haben. Nur ob es geschmeckt hat, konnte ich leider noch nicht in Erfahrung bringen, aber angeblich war eine Professorin von mir dabei, da muss ich bei Gelegenheit mal nachfragen. :D

Grüße
Xaver
Titel: Re: Reisebericht Westsahara 2014
Beitrag von: JFJ am Mai 13, 2014, 21:51:36 nachm.
Hallo,

ja, die Esskultur wird in Europa immer steriler.
Die "saubere" Küche entfernt sich immer mehr von natürlicher Ernährung.
Jeder Jäger weiß, dass ein Stück Wild erst einige Tage abhängen muss.
In tierischen Zellen befinden sich sog. Lysosome. Das sind mit Verdauungsenzymen gefüllte Vesikel.
Wenn die Hülle darum vergammelt, dringt diese Flüssigkeit ins Muskelgewebe ein und macht es schön zart.
Fleischzartmacher ist nichts anderes, nur dass dieser Vorgang beschleunigt wird und die Enzyme schön verpackt im Glas verfügbar sind.

Mein Sohn hat mir mal aus Island eine Tüte traditionellen Trockenfisch mitgebracht.
Futtern die wohl wie Chips.
Kopf ab, ausgenommen, in kleine Schnippel geschnitten, gesalzen, und wer weiß wie lange in die Luft gehängt.
War gar nicht mal so übel.

Gruß in die Runde
Jörg

Titel: Re: Reisebericht Westsahara 2014
Beitrag von: ironsforever am Oktober 07, 2014, 23:47:56 nachm.
Hallo,

hier ein kleiner Nachtrag: Alle noch fraglichen Funde, die wir wissenschaftlicher Untersuchung zuführten, waren leider irdischen Ursprungs. Damit bleibt es "nur" bei den oben erwähnten Chondriten-Funden (letztere werden irgendwann in der Metbull zu finden sein). 2 Chondriten in meiner Vitrine erinnern an unvergessliche Erlebnisse mit einem super Team!

Gruß,
Andi :prostbier: