Autor Thema: Rätselhaftes Geschiebe  (Gelesen 2367 mal)

Offline Buchit

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Rätselhaftes Geschiebe
« am: April 01, 2014, 21:01:30 Nachmittag »
Hallo Freunde der nordischen Gesteine,

das hier vorgestellte Fundstück stammt vom Nordstrand des Ellenbogens auf Sylt und fiel mir zuerst wegen der kleinen Quarzdruse auf, die auf dem zweiten Bild zu erkennen ist: Die Flächen der Kristalle haben (was hier allerdings nicht herauskommt) noch immer starken Glasglanz, trotz der langen Lagerung in nassem Sand und Wellenschliff.

Bei näherem Betrachten fällt auf, dass einige der anderen Klasten wie Trümmerachat aussehen, während die Matrix am ehesten an einen Ignimbrit denken lässt. Aber gibt es Ignimbrite mit eingeschlossenen Achattrümmern?

Ratlose Grüße,
Holger

Offline JFJ

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Re: Rätselhaftes Geschiebe
« Antwort #1 am: April 02, 2014, 10:39:58 Vormittag »
Hallo Holger,

sieht von den Fotos her eigentlich nicht wie ein Ignimbrit aus.
Könnte m. E. am ehesten wohl in Richtung Quarz/Quarzit gehen.
Hast Du mal mit Salzsäure getestet?
Auf den Fotos kann man die Trümmerachate leider nicht ausmachen.
Aus dem Skagerrak gibt es verkieselte Geschiebe mit Quarz-, Quarzit- und Feuersteinklasten.
Mache von denen sind recht eckig.
Evtl. auch was nachträglich verkieseltes oder in Richtung tektonisch zerbröselter Gangquarz.
Magst Du mal ein Detailfoto einstellen?

Beste Grüsse
Jörg
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Offline Buchit

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Re: Rätselhaftes Geschiebe
« Antwort #2 am: April 03, 2014, 18:23:21 Nachmittag »
Hallo Jörg,

Detailfotos...voilà! Allerdings sind sie qualitativ nicht besonders berauschend... Ich hoffe sehr, dass ich über die Osterfeiertage Gelegenheit haben werde, das Stück zu schneiden, um bessere Bilder nachliefern zu können.

Gruß,
Holger

Offline Buchit

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Re: Rätselhaftes Geschiebe
« Antwort #3 am: April 27, 2014, 18:59:12 Nachmittag »
Hallo,

im Nachtrag zu dem oben vorgestellten Geschiebe folgen hier die Informationen aus der weiteren Analyse:

Inzwischen habe ich zwar Schnittflächen vorliegen, aber die geben keine Information, die über das hinausgehen, was auf den oben schon gezeigten Bildern zu sehen ist: helle und dunkle Klasten in einer ziemlich einförmigen Matrix.

Allerdings - was ich zuerst für "Trümmerachat" gehalten habe, war keiner, sondern gebänderte Abscheidungen von kristallinem Quarz.

Also Dünnschliffe. Das Ergebnis war aber einigermaßen ernüchternd: Die Matrix besteht fast ausschließlich aus feinkristallinem Quarz, in den der eine oder andere grobkristalline Quarzklast eingebettet ist. Die dunklen Klasten hingegen, die im Hellfeld schön ihre (ursprüngliche?) unregelmäßige Form zeigen, bestehen - auch nur aus Quarz (deutlich im XPL) und einem ziemlich undefinierbaren, weil sehr feinkörnigen, grünen Mineral (Chlorit? Talk? Hellglimmer? feinfaserige Hornblende? oder eine Mischung mehrerer dieser Komponenten?)

Bleibt die Frage: Was ist das? Persönlich kenne ich Vergleichbares nur von sehr stark alterierten Rhyolithen - und damit wäre der erste Gedanke (Ignimbrit) nicht völlig abwegig, auch wenn kein eutaxitisches Gefüge erkennbar ist. Aber das muss ja auch ursprünglich nicht unbedingt vorhanden gewesen sein.

Anbei zwei Übersichtsbilder. Eine stärkere Vergrößerung bringt hier nicht viel; so aber erkennt man wenigstens noch die Klastenstruktur.

Was meint ihr?

Gruß,
Holger

Offline JFJ

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Re: Rätselhaftes Geschiebe
« Antwort #4 am: April 28, 2014, 09:07:59 Vormittag »
Hallo Holger,

sieht auf den DS in der Tat wie teilresorbierte und durch Hitze umgewandelte? Klasten aus.
Könnte somit wohl doch recht gut zu einer pyroklastischen Genese passen.

Mal rein spekulativ, evtl. was aus der Ostsee, da von dort mit noch unklarer Herkunft öfters Geschiebe mit Quarzklasten in feinkristalliner quarzhaltiger Matrix antransportiert werden.

Gruß
Jörg
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Offline Sprotte

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Re: Rätselhaftes Geschiebe
« Antwort #5 am: April 29, 2014, 20:31:29 Nachmittag »
Hallo,

irgendwie erinnert mich das hier diskutierte Geschiebe - trotz der andersartigen Einschlüsse - an einen Eigenfund (siehe:
http://www.jgr-apolda.eu/index.php?topic=9113.0). Beide Stücke zeigen eine sehr quarzhaltige Matrix.

Viele Grüße
Sprotte

Offline JFJ

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Re: Rätselhaftes Geschiebe
« Antwort #6 am: Mai 04, 2014, 09:29:46 Vormittag »
Hallo,

hier mal ein anderer Gedankengang dazu:
http://www.bgr.de/app/litholex/gesamt_ausgabe_neu.php?id=8000157
http://www.strandsteine.de/Hardeberga-Sandstein.htm
http://www.skan-kristallin.de/schweden/gesteine/gesteinsdarstellung/sedimentgesteine/hardeberga/hardebergatext.html

Charakteristisch für die Hardeberga-Sandsteine ist, durch Glaukonit-Horizonte, eine oftmals graugüne Farbe.
Teilweise sind sie, lt. BGR, tektonisch überprägt. wodurch die Matrix optisch sehr feinkörnig ist.

Gruß
Jörg
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Offline Buchit

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Re: Rätselhaftes Geschiebe
« Antwort #7 am: Mai 05, 2014, 07:02:59 Vormittag »
Hallo,

hier mal ein anderer Gedankengang dazu:
http://www.bgr.de/app/litholex/gesamt_ausgabe_neu.php?id=8000157
http://www.strandsteine.de/Hardeberga-Sandstein.htm
Hallo Jörg,
http://www.skan-kristallin.de/schweden/gesteine/gesteinsdarstellung/sedimentgesteine/hardeberga/hardebergatext.html

Charakteristisch für die Hardeberga-Sandsteine ist, durch Glaukonit-Horizonte, eine oftmals graugüne Farbe.
Teilweise sind sie, lt. BGR, tektonisch überprägt. wodurch die Matrix optisch sehr feinkörnig ist.

Gruß
Jörg
allerdings ist dieses "grüne Zeug" in diesem Stück alles andere, aber kein Glaukonit. Der sieht im Dünnschliffbild komplett anders aus.

Gruß,
Holger

 

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