Autor Thema: Fund zur Bestimmung  (Gelesen 2887 mal)

DonJuan21

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Fund zur Bestimmung
« am: Juli 25, 2014, 19:37:57 nachm. »
Hallo liebe Forengemeinde,

da ich hier neu bin, kurz was zu meiner Person bevor ich euch mit meinem Fund belästige. :D
Mein Name ist Julian, ich bin Student, 19 Jahre alt und wohnhaft im schönen Saarland.

Seit nun gut 2 Jahren bin ich regelmäßig mit meinem Metalldetektor unterwegs,
doch der Fund vom letzten Wochenende hat mein ganze Besonderes Interesse geweckt.
In etwa 25cm tiefe fand ich etwas, das auf den ersten Blick aussah wie ein ganz gewöhnlicher kleiner Stein,
meiner Meinung nach nicht aus Menschenhand und laut dem Diskriminator auch nicht eisenhaltig aber definitiv metallisch.
Da ich ein großer Fan der Sendung "Meteoriten-Männer" auf DMAX bin waren meine ersten Gedanken natürlich bei einem Meteoriten.
Nachdem ich mich allerdings etwas mehr mit dem Stein und der Materie geschäftigt hatte spachen allerdings immer mehr Anhaltspunkte dagegen,
schließlich bin ich auf dieses Forum gestoßen und möchte euch bitten mit bei der Bestimmung zu helfen.

Also hier mal alles was ich zu dem Stein sagen kann:

Fundort war eine unbewirtschaftete Weidefläche, ca. 25cm in der Erde in Nähe eines kleinen Bachlaufs.
Industrie haben wir hier nicht und auch die nächsten Häuser stehen in einiger Entfernung.
Die maximalen Ausmaße sind 29x17x19mm, also sehr klein. Gewicht ca. 8g.
Von der Dichte her würde ich ihn deutlich unter Eisen und vielleich etwas über Alu einordnen, ich schätze so 3-4.5 g/ccm.
Magnetisch ist er nicht. Eine kleine Stelle habe ich etwas angeschliffen, sieht für mich aus wie blanker Stahl.
Zum Aussehn her würd ich euch bitten einfach die Fotos anzusehn,
leider hab ich den Fokus nicht richtig setzen können und hatte Probleme mit Tiefenschärfe, daher ist immer nur ein kleiner Breich scharf.
Hoffentlich erkennt man trotzdem etwas.

Da die Dateigrößen hier limitiert sind, ein Link zu meinem Dropbox-Ordner mit den Fotos in Originalauflösung:
https://www.dropbox.com/sh/ywmuppm41adjzmm/AAD5X-ddfNnlVAGxh0OLVybVa



DonJuan21

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Re: Fund zur Bestimmung
« Antwort #1 am: Juli 25, 2014, 19:40:06 nachm. »
...und noch 3 Fotos.

Ich bin gespannt und freue mich auf eure Einschätzung!!!

Grüße,

Julian

Offline Markus

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Re: Fund zur Bestimmung
« Antwort #2 am: Juli 25, 2014, 19:52:49 nachm. »
Hallo Julian.

Erst einmal herzlich Willkommen in diesem Forum :hut:

Wie Du selber ja schriebst, spricht einiges gegen einen Meteoriten. Sieht für mich leider nicht nach einem Meteoriten aus. Aber warte mal ab haben hier einige tolle "Jungs". Die können dir genauer sagen was es sein könnte. Wobei man Anhand von Fotos das fast nie 100 Prozentig sagen kann was es ist.

LG Markus :winke:
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Offline MetGold

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Re: Fund zur Bestimmung
« Antwort #3 am: Juli 25, 2014, 22:07:22 nachm. »
Hallo Julian,

herzlich willkommen bei uns im Forum!

Wenn Die Schnittfläche metallisch ist (wie es auch auf dem Foto aussieht) aber nicht vom Magneten angezogen wird, so kann es auf keinen Fall ein Meteorit sein!  Wird sich wohl um irgendeine Nichteisenlegierung oder ein Nichteisenmetall handeln, also man made!


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Offline MetGold

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Re: Fund zur Bestimmung
« Antwort #4 am: Juli 25, 2014, 22:21:47 nachm. »
 
Sollte das Foto etwas trügen wäre meines Erachtens auch noch ein irdisches Mineral denkbar, wie z.B. Pyrit, Markasit usw. in derber Form!

Favorisieren würde ich allerdings die Nichteisenmetallvariante.


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Offline Hungriger Wolf

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Re: Fund zur Bestimmung
« Antwort #5 am: Juli 25, 2014, 22:51:04 nachm. »
Hallo DonJuan21!

Herzlich willkommen hier im Forum!
 
Beispiel-Dichten von Metallen und FeS2:

Titan 4,5 g/cm³
Aluminium 2,7
Eisen 7,9
Magnesium  1,7
Zink 7,1
Silicium 2,3
Pyrit ~ 5

Dichte 3-4,5 g/cm³+ nichtmagnetischer metallischer Gegenstand -> FF = leider kein Meteorit!

Eigentlich Schade, sieht ja schon sehr interessant aus!

Beim nächsten mal, sondeln, könnte es aber vielleicht ein echter Meteorit sein...!  :einaugeblinzel:

Grüße  :hut:
Achim


Offline JFJ

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Re: Fund zur Bestimmung
« Antwort #6 am: Juli 26, 2014, 08:17:58 vorm. »
Hallo DonJuan21,

auch von mir ein herzliches Willkommen  :hut:

Zum Fund kann ich mich nur meinen Vorschreibern anschließen.
Fehlender Magnetismus schließt  schon im Vorfeld einen Meteorit aus.
Sieht für mich auch nach was künstlichem aus.
Fundorte von Schlacken, ab von Behausungen, kommen immer wieder vor (mit Fremderde auf Äckern gebracht, durch Bäche verfrachtet, etc.).
Möglichkeiten gibt es da viele.

Interessant und m. E. sammelwürdig ist das Teil auf jeden Fall.
Irgendeine Geschichte wird da schon hinter stehen.
Vom Aussehen her, hätte ich den auch erst mal eingesteckt (in der Hoffnung auf ...).
Vielleicht beim nächsten Fund.

Beste Grüße aus Niedersachsen
Jörg
Ich mag Geschiebe, weil sie die entgegenkommendsten Gesteine sind.

DonJuan21

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Re: Fund zur Bestimmung
« Antwort #7 am: Juli 26, 2014, 19:13:32 nachm. »
Hallo,

schonmal vielen Dank für die schnellen und zahlreichen Antworten!

Dass es sich hierbei nicht um einen Meteoriten handelt war mir ja eigentlich fast schon klar gewesen,
aber jetzt hab ich ja die Bestätigung durch euch. :super:

Viel mehr hat mich aber eigentlich interessiert was das da denn nun eigentlich genau ist was ich gefunden habe.

@MetGold, Hungriger Wolf:
Der Vermutung, dass es sich um ein "man made" Stück handelt, liegt nahe.
Allerdings kann ich mir wirklich nicht vorstellen wie ein solches Stück aufgrund der äußeren Gegebenheiten hierher gelangt sein soll.
Nochmal kurz zur Fundstelle, die ist mit Maschinen im weiteren Umkreis nicht zugänglich und war es wohl auch die letzten 100 Jahre nicht,
Ackerbau wird in der Nähe und bergaufwärts der Stelle nicht betrieben.
Industrie haben und hatten wir nicht in der Nähe und das kleine Flüsschen was ich erwähnte wird nur von den umliegenden Feldern
gespeißt, ist also in den trockenen Sommermonaten häuftig ausgetrocknet. Ein Transport von Steinen etc. dieser größe wäre wenn dann
um eigentlichen Flußbett möglich. Dazu kommt ja noch dass ich das Teil aus etwas 25cm Tiefe ausgegraben hab.

Und was die von mit geschätzte Dichte angeht, die ist halt von einem Laien geschätzt und könnte auch etwas abweichen.
Viel messen konnte ich aufgrund es geringen Volumen und fehlender Hilfsmittel nicht wirklich.

Was könnte ich denn tun um herauszufinden um was für ein Metall (bzw. welche Legierung) es sich handel?
Würds was bringen wenn ich das Stück ggf. mal mittig durchtrenne um mal eine größere Schnittfläche zu erhalten?

Beste Grüße,

Julian

Offline Thin Section

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Re: Fund zur Bestimmung
« Antwort #8 am: Juli 26, 2014, 19:49:45 nachm. »
Ein Nichtmetall mit metallischem Glanz und relativ niedriger Dichte ... :gruebel:  Achim hat es schon in seiner Auflistung erwähnt ... es könnte in der Tat Silizium sein!

Bernd  :winke:
(247553) Berndpauli = 2002 RV234

Das Ärgerlichste in dieser Welt ist, dass die Dummen todsicher und die Intelligenten voller Zweifel sind. (Bertrand Russell, britischer Philosoph und Mathematiker).

Offline MetGold

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Re: Fund zur Bestimmung
« Antwort #9 am: Juli 26, 2014, 20:07:11 nachm. »
Ich würde mal als erstes die Sprödigkeit prüfen, was dann je nach Ergebnis einige Materialien ausschließen bzw. favorisieren würde.

Die Goldwäscher tun dies ab und zu, wenn sie in der Pfanne ein kleines Stück nicht identifizieren können, so versuchen sie es mit der Messerspitze zu zerdrücken ... zerplatzt es, war es häufig Pyrit/Markasit, wird es verformt, so ist es ziemlich sicher Gold.

Hier bei dem Stück würde ich mit einem Hämmerchen versuchen einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen oder eben es platzt was ab.


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DonJuan21

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Re: Fund zur Bestimmung
« Antwort #10 am: Juli 26, 2014, 21:31:09 nachm. »
Danke für den Tipp MetGold! ;)
Hab mich direkt mal an die Arbeit gemacht.
Also ich habe mal mit einem kleinen Hämmerchen auf eine etwas flache Stelle eingeschlagen,
auch nach härteren Schägen brach nichts ab, kleine Unebenheiten verformten sich leicht.
Danach hab ich einen Schraubenzieher genommen und mit einem großen Hammer heftigt draufgeschlagen.
Auch hier brach nichts, das Stück ließ sich aber auch nur leicht einkerben.
D.h. das Metall ist wohl nicht sonderlich spöde, aber auch nicht allzu weich.
Was könnt ihr daraus schließen?

Heißt das jetzt ich hab Gold gefunden?  :laughing:

Offline MetGold

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Re: Fund zur Bestimmung
« Antwort #11 am: Juli 26, 2014, 23:10:31 nachm. »
Nö, Gold sowieso nicht!  :laughing:

Eher Platin, aber das hat eine sehr hohe Dichte und ist in unseren Breiten auch nicht so riesig vorzufinden.

Pyrit/Markasit würden schonmal ausscheiden, Silizium sicher auch, wobei dieses in der Natur äußerst selten gediegen vorkommt und ansonsten auch hauptsächlich nur zur Waverherstellung in der Halbleiterindustrie gewonnen wird.


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Offline Lithophil

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Re: Fund zur Bestimmung
« Antwort #12 am: Juli 27, 2014, 19:48:35 nachm. »
Hallo Metallfinder,

Rätselraten ist auch so ein Hobby von mir, beim Goldwaschen findet man ständig irgemdwelche seltsamen Legierungen...
Ich sehe hier eine helle Oxidkruste, gelblich-grünlich verfärbt. Die äußere Schicht vom Boden braun gefärbt Das Metall ist von den Maßen/Gewicht wohl nicht höher als 2 mg/ml dicht. Von daher würde ich es für eine Flugzeugklegierung halten, also entweder Weltraumschrott oder vom nächsten US-Stützpunkt beim Üben verloren. Typischerweise sind das Legierungen von Magnesium und Aluminium, vielleicht noch Titan. Sollte sich also in HCl lösen und dann mit Salmiak als flockiger Niederschlag fallen. Al gibt typische Nachweisreaktionen, kann man im Jander/Blasius o.ä. nachlesen. Viel Spaß beim experimentieren!
Grüße an alle Metallsammler!
Holm

DonJuan21

  • Gast
Re: Fund zur Bestimmung
« Antwort #13 am: Juli 29, 2014, 11:53:40 vorm. »
Hi Lithophil,

danke für deinen Beitrag! Das wäre natürlich eine sehr plausieble Erklärung mit der ich mich sogar zufrieden geben würde.  :laughing:
Die Air Base Rammstein ist ja gar nicht mal so weit weg (für ein Flugzeug), aber ich frage mich wie das Teil dann so verformt sein kann,
sollte es denn von einem Flugzeug stammen...irgendeine Form ist da ja absolut nicht mehr zu erkennen.
Seit wann werden solche Materialien denn in der Luft- & Raumfahrt eingesetzt, weiß das zufällig jemand?
Falls schon wärend des 2. WK könnte es durchaus von einem Flugzeug aus dieser Zeit stammen, in unsrer Region
gab es nämlich eine Reihe von Luftkämpfen und auch einige dokumentierte Abstürze in unmittelbarer Nähe.
2 g/ccm halte ich doch für etwas sehr wenig, die Maße die ich angegeben hab sind wie gesagt die jeweiligen Maxi-Werte.
Könnte unter Umständen ja auch einfach nur Aluminium sein, oder eher eine Legierung!?

Ich werd das Stück dann auf jeden Fall mal in der Mitte durchtrennen und ein paar Tests damit machen,
vielen Dank nochmal für den Tipp! ;)
Ich lass es euch wissen wenn ich was herausgefunden hab.

MfG

Julian

Offline schwarzwaldmineraloge

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Re: Fund zur Bestimmung
« Antwort #14 am: August 01, 2014, 20:14:34 nachm. »
Hallo,

Definitiv künstliches Material. Kann auch Schrott aus den beiden Weltkriegen sein, schließlich war Westdeutschland speziell im 2. Weltkrieg ein hart umkämpftes Gebiet. Da liegt sicher noch etliches an Trümmer- und Wrackteilen und Resten von Geschützen rum.

Glück Auf!
Sebastian
Diplom-Mineraloge

 

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