Autor Thema: Eisenmeteoriten aufbewahren  (Gelesen 3502 mal)

Offline Andre

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Eisenmeteoriten aufbewahren
« am: August 05, 2014, 21:16:18 nachm. »
Guten Tag

Im Moment habe ich bei den Eisenmeteoriten nur Silicagel, hatte letztens mit einen Sammler geredet er hat noch was mit einölen gesagt. Tut man die Eisenmeteoriten normal noch einölen? Wen ja mit was?

Danke in voraus!

Offline ironsforever

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Re: Eisenmeteoriten aufbewahren
« Antwort #1 am: August 05, 2014, 22:56:47 nachm. »
Hallo Andre,

wenn Du kleine Scheiben von empfindlichen Reineisen(!)-Meteoriten sammelst, solltest Du sie vor Einbetten in die Box mit Silika-Gel und Versiegeln mit Tesa-Film auch mit einem dünnen Film Waffenöl versehen. Das schadet nicht und ich habe damit bisher beste Erfahrungen gemacht. Ballistol wurde nach einem Test in einer Jagdzeitung (irgendwo hab ich das auch im Forum mal gepostet) als hygroskopisch getestet, d.h. es bindet mit der Zeit die Luftfeuchtigkeit und es bildet sich mit der Zeit eine Emulsion, was natürlich nicht erwünscht ist, wenn man damit Eisenmets konservieren will (Eisen + Wasser + Sauerstoff = Rost).

Unempfindliche Eisen (Stichwort: "Rosterlevel" hier im Forum) kann man aber auch gut offen aufbewahren, ohne Silikagel, aber leicht eingeölt, zumindest wenn man nicht am Meer wohnt oder im Regenwald. Ca. 1 x pro Jahr sollte der Ölfilm erneuert werden. Bei Steineisen-Meteoriten bitte kein Öl verwenden, denn man verändert bzw. zerstört damit u.U. die Silikate.

Ein Tipp: "Freischütz Öl Gold", das riecht nicht so schlimm, wie die meisten anderen Öle!

Gruß,
Andi aka "ironsforever" :einaugeblinzel:
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Offline Andre

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Re: Eisenmeteoriten aufbewahren
« Antwort #2 am: August 05, 2014, 23:40:55 nachm. »
Danke!

Zitat
Ein Tipp: "Freischütz Öl Gold", das riecht nicht so schlimm, wie die meisten anderen Öle!
Muss ich dann mal schauen, ist dies auch ein Waffenöl. Kannte bis jetzt als Waffenöl nur Ballistol.

Offline MetGold

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Re: Eisenmeteoriten aufbewahren
« Antwort #3 am: August 06, 2014, 08:12:36 vorm. »
Hi,

von Freischütz gibt es Waffenöl in 2 Sorten:

- Gold - ohne Graphit   
- Grün - mit Graphit

Ich hatte mal die grüne Sorte erwischt, vermutlich kamen da ja meine schwarzen Hände her beim Campo.  :gruebel:


 :winken:  MetGold
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Offline JaH073

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Re: Eisenmeteoriten aufbewahren
« Antwort #4 am: August 06, 2014, 12:52:46 nachm. »
Hallo Eisenmänner,

Ballistol ist wie Andi bereits erwähnt hat nicht unbedingt geeignet für alle Eisenmeteorite.
Wenn es nur darum geht einen öligen Film auf eine silberne Eisenfläche zu machen dann reicht es dennoch.
Aber sollte noch Kruste an einem Stück dran sein wie etwa bei einem Campo o.ä. dann ist das Ballistol in diesem Bereich sehr schädlich.
Es löst und lockert die Kruste und man hat nach geraumer Zeit mehr Krümel als zuvor.

Was ebenfalls noch besser zum konservieren von blankem Eisen gut geeignet ist, kommt ebenfalls von Klever dem Ballistolhersteller,
das wäre deren Ustanol.
Ich kenne das Öl seit Jahren ebenfalls von der Waffenpflege, wird aber eigentlich mehr in der Industrie eingesetzt.
Ich habe damit beste Erfahrungen gemacht.

http://www.ballistol.de/93-0-Ustanol.html

Beste Grüße

Hanno

Es tut mir leid wenn ich deine Erwartungen nicht erfülle, aber meine sind mir wichtiger.

Offline ironsforever

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Re: Eisenmeteoriten aufbewahren
« Antwort #5 am: August 06, 2014, 15:11:45 nachm. »
Hallo,

Zitat
Wenn es nur darum geht einen öligen Film auf eine silberne Eisenfläche zu machen dann reicht es dennoch.
Aber sollte noch Kruste an einem Stück dran sein wie etwa bei einem Campo o.ä. dann ist das Ballistol in diesem Bereich sehr schädlich.

Ergänzend zu Hannos Ausführungen: Gefährlicher sind wohl kleine Risse, wie man sie oft auch in blanken kleinen Proben findet. Wenn einmal Ballistol drin ist, kriegt mans so einfach nicht mehr raus. Dann hat es alle Zeit der Welt, mit der Luftfeuchtigkeit eine Emulsion zu bilden und schon hab ich irgendwann Wasser am Eisen :abgelehnt:.

Zitat
Es löst und lockert die Kruste und man hat nach geraumer Zeit mehr Krümel als zuvor.

Das macht jedes Waffenöl, weil es in die kleinsten Spalten eindringt und als Flüssigkeit immer eine lösende Wirkung hat. Stücke mit Verwitterungsrinde (aber auch frische Fälle) sollte man ohnehin nicht ölen, denn die originale Patina würde leiden. Ich habe als Anfänger in einem Anfall von Rostpanik mal einen schönen Mundrabilla versaut, der seinen Charakter dadurch völlig verlor, ist heute nur noch eintönig braun :crying:.

Eisen mit Verwitterungsrinde braucht man in der Regel gar nicht einölen, weil die Rinde - über Jahrhunderte oder sogar Jahrtausende gewachsen - das Interieur sogar schützt, das gilt besonders bei Wüsteneisen. Eisen aus feuchteren Gefilden, wie z.B. Campo, Morasko, Mouonionalusta sind problematischer: Diese sollten mit gesättigter NaOH-Lösung (Vorsicht! Stark ätzende Lauge!), destilliertem Wasser und Alkohol erst mal stabilisiert werden, bevor man sie in die Vitrine stellt. Es gilt, die irdischen Chloride aus solchen Stücken auszuwaschen bzw. zu neutralisieren. Nach dieser leider etwas aufwändigen Behandlung ist das Einölen nicht mehr notwendig. Die Patina leidet durch eine NaOH-Behandlung übrigens nicht, wenngleich alle Brösel abfallen, die ohnehin früher oder später abfallen würden. Das Stück weist nach Ende der Behandlung dieselbe Farbe auf, wie zuvor.

Ein Individual mit Anschnitt, kann man schützen, indem allein das Fensterchen mit wenig Öl behandelt wird (Tuch oder Wattestäbchen leicht benetzen und auftragen).

Gruß,
Andi

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Offline DCOM

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Re: Eisenmeteoriten aufbewahren
« Antwort #6 am: August 06, 2014, 15:24:39 nachm. »
Hallo,

kleine Ergänzung: Falls der Rost bei einer Eisen-Scheibe doch mal schlimm durchkommen sollte, hilft ein Bad aus einem Teil Wasser und einem Teil Rostlöser "Rustyco". Ich habe damit eine Gibeon-Scheibe, die an einem Riss wüste Rostblüten gebildet hat, innerhalb von 30 Minuten blitzblank bekommen. Danach habe ich sie sorgfältig mit dest. Wasser abgespült. Der Rost ist danach nicht wieder gekommen.

Rustyco ist kein Rostumwandler, sondern ein reiner Rostlöser auf der Basis diverser Schwefelverbindungen (deshalb riecht es auch etwas streng). Unbedingt Schutzhandschuhe und Schutzbrille tragen!

Grüße, D.U.  :prostbier:

Offline Chrisl

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Re: Eisenmeteoriten aufbewahren
« Antwort #7 am: August 06, 2014, 19:47:46 nachm. »
Hallo!

Ein "Öl" zum Konservieren würde ich aus folgenden Gründen nicht empfehlen:
- Ölfilm läuft durch Schwerkraft ab
- Ölfilm löst Rost an und hinterläßt Flecken
- Ölfilm trocknet sehr schnell ein und ist meisst nach 2 Wochen nicht mehr vorhanden
- Öl stinkt meistens

Die bessere Lösung: Vaseline
Ist säurefrei, ein wasserfreies Erdölprodukt, läßt sich durch Schmelzen auch in Ritzen und Poren einbringen, trocknet auch nach mehreren Jahren nicht ein, ist geruchsneutral, schützt schon nach einmaliger Anwendung zuverlässig und jahrelang vor Flugrost. Durch die dickflüssige Konsistenz läuft auch nichts ab und trockent nichts ein.

Anwendung: Meteorit mit Haarfön oder im Backrohr auf ca. 50°C aufheizen, Vaseline mit Zahnbürste auftragen (schmilzt auf warmem Meteoriten), abkühlen lassen, fertig.
Sollte man jedoch nur bei blanken Meteoriten oder Scheiben machen, nicht bei solchen mit schöner Patina.

Beste Grüße!
Christian

Offline ironsforever

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Re: Eisenmeteoriten aufbewahren
« Antwort #8 am: August 06, 2014, 22:40:48 nachm. »
Hallo Christian,

das klingt sehr interessant, weil Vaseline geruchsneutral, billig und auch noch gut für die Haut ist. Das wäre wirklich eine gute Alternative! Gibt es dazu vielleicht eine Art "Langzeitstudie"?

Du erwähnst den Effekt, dass Waffenöl Rost anlöst. Das ist m. E. eher als Vorteil zu werten, denn Rostreste in Spalten werden vom Waffenöl gewissermaßen unterwandert und können so keine weiteren Bereiche "infizieren". Da der Ölfilm nur sehr dünn ist, spielt die Schwerkraft keine Rolle. Ich habe jedenfalls keine Ölflecken auf dem Vitrinenboden.

Flecken auf den geätzen Flächen habe ich auch noch nie beobachtet. Allerdings: Manche Ätzungen werden durch das Öl etwas stumpfer und verlieren ein wenig an Brillanz, was möglicherweise nur ein optischer Effekt ist, weil die Lichtbrechung durch den dünnen Ölfilm verändert wird (wird beim Vaseline nicht anders sein).

Der Ölfilm existiert auch wesentlich länger als nur 2 Wochen. Ich erneuere den Film frühestens alle 1 1/2 Jahre mal und dann auch nur, wenn ich eh das Silikagel wechseln muss oder mal eine Revision mache und jedes Sammlungsstück genau unter die Lupe nehme.

Gleichwohl werde ich Vaseline mal testen, vorzugsweise an einem "Roster". Danke für den Tipp! :super:

Gruß,
Andi
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Offline Andre

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Re: Eisenmeteoriten aufbewahren
« Antwort #9 am: August 08, 2014, 09:50:27 vorm. »
Danke!

Gut muss ich mal schauen!

Mal noch eine Frage bei den Steinmeteoriten wird da auch Silicagel genutzt. Bin auch gerade am Überlegen ob ich beim 2008tc3 auch Silicagel benutzen soll.

Offline Dirk

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Re: Eisenmeteoriten aufbewahren
« Antwort #10 am: August 08, 2014, 13:55:08 nachm. »
Danke!
Gut muss ich mal schauen!
Mal noch eine Frage bei den Steinmeteoriten wird da auch Silicagel genutzt. Bin auch gerade am Überlegen ob ich beim 2008tc3 auch Silicagel benutzen soll.

Hallo Andre,

viele Scheiben von Steinmeteorite neigen an der Luft zu Oxidationen. Das liegt oft am Lawrencit, das sich nach dem Fall durch Feuchtigkeit im Meteoriten bildet. Auf der Scheibe sind dann feuchte Stellen, oft tropfenförmig, zu beobachten. Der Meteorit süfft  :crying:  ... und wird unansehnlich. Mir fallen da viele Ureilite ein, der SaU 001, Ghubara und viele andere. Der TC3 gehört auch dazu. Etliche Sammler haben schon beim Auspacken der frisch gelieferten Probe Rostspuren gehabt.

Bei mir kommt jede Scheibe in eine Dose mit Silicagel, die dann zu geklebt wird. Die Eisenscheiben bekommen keine Ölbehandlung. Meiner Erfahrung nach reicht Silikagel und Verkleben der Dose auch bei Eisen. Bei Verfärben der Kügelchen dann erneuern. Langfristig braucht man nur alle 2 Jahre das Gel erneuern; anfangs oft häufiger.

 :winke:
Dirk


Offline Gibeon2010

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Re: Eisenmeteoriten aufbewahren
« Antwort #11 am: August 08, 2014, 17:06:47 nachm. »
Wie sieht's aus mir Silikonspray? Das bildet auch einen feinen Film, der in alle Ritzen dringt. Hat das schon mal jemand probiert?
Viele Grüße
Jens

Offline Chrisl

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Re: Eisenmeteoriten aufbewahren
« Antwort #12 am: August 08, 2014, 19:51:05 nachm. »
Zur Langzeiterfahrung mit Vaseline:

Keine Langzeiterfahrung was Meteorite betrifft, jedoch über 15-jährige Erfahrung was die Konservierung von Bodenfunden aus Metall (Stahl) betrifft. Hier habe ich nur beste Erfahrungen gemacht.

Wie bei Öl verhindert der Vaselinefilm den Zutritt von Sauerstoff an die Metalloberfläche und ist durch die cremeartige Konsistenz sehr haltbar. Gegen in Rissen enhaltene Feuchtigkeid oder Chloride hilft natürlich auch Vaseline nicht.

LG
Christian

Offline Andre

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Re: Eisenmeteoriten aufbewahren
« Antwort #13 am: Oktober 01, 2014, 23:25:29 nachm. »
Danke!

Wie würde ich dann den 2008tc3 am besten Aufbewahren?

Offline Dirk

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Re: Eisenmeteoriten aufbewahren
« Antwort #14 am: Oktober 02, 2014, 13:15:45 nachm. »
Danke!

Wie würde ich dann den 2008tc3 am besten Aufbewahren?

Am besten in einem Sammeldöschen, unten gefüllt mit Silica-Gel, dann Schaumstofflage drauf , auf die du das gute Stück legst, Deckel druff und gut mit breitem Tesa zu kleben. Dann ist der Almahatta gut gesichert!
Und wenn die Kügelchen sich verfärben, dann das Prozedere wiederholen.

 :winke:
Dirk

 

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