Autor Thema: Meteoritensuche West-Sahara November 2014  (Gelesen 17560 mal)

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Re: Meteoritensuche West-Sahara November 2014
« Antwort #30 am: April 28, 2015, 15:30:58 Nachmittag »
Beim Mittagessen stellten wir mit Schrecken fest, dass unserem Brot langsam Haare wuchsen und wir um die weniger ansehnlichen schimmeligen Stellen herum Essen mussten.

Gert-Jan, der dieses Brot von Anfang an nicht leiden konnte, war allerdings der Meinung, dass dies der Qualität ohnehin nicht weiter abträglich sei.
« Letzte Änderung: April 30, 2015, 14:24:04 Nachmittag von Flaggaman »
Mit Kritik kann ich gut umgehen, mit einer Axt allerdings auch.

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Re: Meteoritensuche West-Sahara November 2014
« Antwort #31 am: April 28, 2015, 15:34:35 Nachmittag »
Am Nachmittag erreichten wird dir Verbindungsstraße zwischen Laâyoune und Al Haggouina. Kaum auf der Straße, angekommen mussten wir um eine Wanderdüne herumfahren, welche die Straße blockierte. Etwas abseits der Straße stand in ein einer Öllache ein alter Toyota Omar Mukhtar mit offener Motorhaube.

Mohamed bot dem Fahrer, ein älterer Nomade der Nachschub für sein Lager geladen hatte, Hilfe an. Die beiden machten sich auf den Weg in Richtung Westen und wollten solange fahren, bis die Mobiltelefone wieder Service hatten und der Nomade jemanden aus seiner Familie um Hilfe bitten konnte.

Diese gelebte Hilfsbereitschaft ist uns allen sehr positiv in Erinnerung geblieben. Mohamed vertritt, wie viele der Menschen in dieser Gegend die Meinung, dass man immer Hilfe anbieten sollte, da man ja schließlich niemals weiss, ob man nicht bald selbst einmal in eine Notsituation gerät, in der man ebenfalls auf Unterstützung angewiesen ist.

Wir nutzen unterdessen die Zeit, passten auf die Ladung des Toyotas auf und erkundeten die traumhafte Umgebung.
« Letzte Änderung: April 30, 2015, 14:25:13 Nachmittag von Flaggaman »
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Re: Meteoritensuche West-Sahara November 2014
« Antwort #32 am: April 28, 2015, 15:42:59 Nachmittag »
Nach mehreren Stunden kehrte Mohamed endlich zurück. Der alte Nomade konnte seinen Bruder erreichen, der Hilfe schicken wollte. Zuerst bedankte er sich bei Allah mit einem Gebet in Richtung Mekka. Anschließend schenkte er uns einen ganzen Sack frisches Baguette aus seinen Vorräten und unser Brotproblem löste sich in Luft auf.
 
Gert-Jan konnte seine gute Laune kaum verbergen – endlich kein trockenes, schimmeliges Fladenbrot mehr.

Auch Mohamed hatte gute Nachrichten. Er konnte mit einen Freund telefonieren, der ihm die Lage des Al Haggouina Streufeldes anhand einiger Landmarken beschreiben konnte. Nach Mohameds Meinung befänden wir uns (‏إن شاء الله = Inschallah = So Gott will) zufällig an der richtigen Stelle. Wir hielten das allerdings für eine allzu große Fügung des Schicksals.

Die Dünen warfen mittlerweile schon lange Schatten und so beschlossen wir, uns weiter südlich im Dünenfeld ein Nachtlager zu suchen. Im Windschatten einer großen Sicheldüne hielten wir an.

Beim Aussteigen aus dem Auto bückte sich Joachim und hielt einen typischen Al Haggouina Meteorit in der Hand! Offensichtlich waren wir doch exakt im Streufeld gelandet und hatten uns einen ganz besonderen Lagerplatz ausgesucht.
« Letzte Änderung: April 30, 2015, 14:26:27 Nachmittag von Flaggaman »
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Re: Meteoritensuche West-Sahara November 2014
« Antwort #33 am: April 28, 2015, 15:45:17 Nachmittag »
Selbstredend, das unser Nachtlager noch warten musste. Die Suche im Umfeld „unserer“ Düne ergab noch weitere Funde.

Als die Sonne schon untergegangen war, trieb uns das entflammte Jagdfieber dazu, mit Kopflampen im Dunkeln weiter zu suchen. Selbst das brachte noch weitere Meteorite.

Nur das Eintüten und Dokumentieren fiel zunehmend schwerer, außerdem knurrten die Mägen, so dass wir beschlossen, erst am nächsten Morgen weiter zu suchen.
« Letzte Änderung: April 30, 2015, 11:56:26 Vormittag von Flaggaman »
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Re: Meteoritensuche West-Sahara November 2014
« Antwort #34 am: April 28, 2015, 15:47:47 Nachmittag »
Völlig begeistert machten wir uns daran noch etwas Feuerholz zu sammeln und die Zelte im Windschatten der Sicheldüne aufzuschlagen.

Mohamed hatte allerdings von Anfang an nur riesigen Schlafsack dabei. Auch Rob nutzte sein Zelt nur in der ersten Wüstennacht, um dann nur noch unter freiem Himmel zu schlafen. Dem Rest war irgendwie wohler, wenigstens ein dünnes Dach über dem Kopf zu haben
« Letzte Änderung: April 30, 2015, 11:58:09 Vormittag von Flaggaman »
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Re: Meteoritensuche West-Sahara November 2014
« Antwort #35 am: April 28, 2015, 15:51:07 Nachmittag »
Tag 9

Die Skorpion-Spuren in der Düne, die wir am nächsten Morgen entdecken, festigten meine Entscheidung für ein Zelt. Auch sonst waren des Nachts offensichtlich viele Insekten unterwegs, wie zahlreiche Laufstraßen von Skarabäen im Sand zeigten.

Auch eine Art Wanzen, die sich regelmäßig mit Anlauf ins Lagerfeuer stürzten, versetzte uns in Staunen. Offensichtlich ist der Drang nach Licht sehr stark, denn alle Wanzen verbrannten mit dezentem brutzeln in der Glut und keiner der Krabbler hielt auf dem Weg in die Flammen auch nur wenigstens kurz inne.
« Letzte Änderung: April 30, 2015, 14:28:51 Nachmittag von Flaggaman »
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Re: Meteoritensuche West-Sahara November 2014
« Antwort #36 am: April 28, 2015, 15:55:18 Nachmittag »
Natürlich waren wir früh auf den Beinen, denn keiner konnte es abwarten, wieder auf die Suche zu gehen.

Mein kuriosester Fund war ein US Dime aus dem Jahr 2000. Es wäre schön zu wissen, wer ihn, bei welcher Gelegenheit  dort in der Wüste verloren hat. Auf dem Foto liegt er auf dem kleinen Schild, dass ich, wie im Vorfeld bereits geschrieben, bei einem Nomaden erworben hatte.

Unser Problemreifen hatte über Nacht komplett die Luft verloren und musste nun doch getauscht werden.

Nachdem wir unseren Lagerplatz weiträumig abgesucht hatten, versetzten wir uns etwas weiter in südliche Richtung. Gert-Jan entdeckte mehrere Stücke eng beieinander. Mohamed hatte uns im Vorfeld schon erklärt, dass an der Oberfläche nah beieinander liegende Stücke oft durch Verwitterung abgeplatzte Stücke eines größeren Meteoriten sein könnten. Folgerichtig begann Gert-Jan zu buddeln und wurde prompt fündig.

Später beim Schneiden konnten wir das typische Aussehen dieses Paläo-Meteoriten sehen und erstaunlicherweise war sogar noch etwas Eisen vorhanden.
« Letzte Änderung: April 30, 2015, 12:10:32 Nachmittag von Flaggaman »
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Re: Meteoritensuche West-Sahara November 2014
« Antwort #37 am: April 28, 2015, 15:58:14 Nachmittag »
Den restlichen Tag verbrachten wir mit weiterem Suchen. Mohamed nutzte die Zeit für etwas Siesta und Körperpflege.

Als wir uns zur vereinbarten Zeit wieder an unserem Treffpunkt versammelten, sahen wir Mohamed zu ersten Mal sichtlich nervös. Sein Autoschlüssel war weg und er hatte auch keinen Ersatzschlüssel dabei.

Während wir die Umgebung absuchten, räumte Mohamed sein Auto mindestens 3 Mal komplett aus. Der Schlüssel blieb verschwunden. Hanno aber hatte nebenbei noch fünf kleine Al Haggouina Stücke entdeckt.

Gerade als wir anfingen, uns einen Plan B für das weitere Vorgehen auszudenken, sah Mohamed im Aschenbecher der hinteren Beifahrerseite nach – da lag der Schlüssel. Allgemeine Erleichterung machte sich breit. Offensichtlich war Mohamed so froh, sich nach so vielen Tagen mal wieder den Kopf richtig waschen zu können, dass er darüber gänzlich vergessen hatte, wo er den Schlüssel hingelegt hatte.
« Letzte Änderung: April 30, 2015, 14:31:30 Nachmittag von Flaggaman »
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Re: Meteoritensuche West-Sahara November 2014
« Antwort #38 am: April 28, 2015, 15:59:53 Nachmittag »
Unsere letzte Nacht in der Wüste verbrachten wir wieder im Schutz einer Sicheldüne. Da auch ich mittlerweile den ersten Meteorit meines Lebens gefunden hatte, gönnte ich mir eine Zigarre, die schon seit langem auf eine passende Gelegenheit wartete.
« Letzte Änderung: April 30, 2015, 14:33:33 Nachmittag von Flaggaman »
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Re: Meteoritensuche West-Sahara November 2014
« Antwort #39 am: April 28, 2015, 16:02:42 Nachmittag »
Tag 10

Für diesen Tag war das erste Teilstück für unsere Fahrt nach Erfoud geplant. Zeitig machten wir uns wieder auf den Weg Richtung Straße. Wieder mussten zahlreiche Wanderdünen umfahren werden, die immer wieder die Straße blockierten.

In der Nähe von Laâyoune ging es dann wieder in Richtung Norden.
« Letzte Änderung: April 30, 2015, 14:38:08 Nachmittag von Flaggaman »
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Re: Meteoritensuche West-Sahara November 2014
« Antwort #40 am: April 28, 2015, 16:04:36 Nachmittag »
Eine Zeitlang führte die Straße an der rauen Atlantikküste entlang.

In Akhfennir machten wir eine Mittagspause und genossen frischen Fisch, der in dieser Gegend offensichtlich reichlich gefangen wird. Das ließen zumindest die vielen Angler an der Küste vermuten. Auf manchen Felsen saßen die Petrijünger wie auf einer Perlenschnur aufgereiht.
« Letzte Änderung: April 30, 2015, 12:19:44 Nachmittag von Flaggaman »
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Re: Meteoritensuche West-Sahara November 2014
« Antwort #41 am: April 28, 2015, 16:08:45 Nachmittag »
Weiter ging es an der Küste entlang. Die Straße führte dabei mehrfach über Lagunen. In einer davon konnte man Flamingos auf der Jagd nach Krebsen beobachten.

Ab El Ouatia verläuft die Straße dann weiter landeinwärts in Richtung Tan-Tan. Am späten Nachmittag trafen wir auf einem Parkplatz in der Nähe von Guelmim noch mit einigen Meteoritenhändler zusammen. Schon seit Stunden hatte Mohamed ihnen regelmäßig unseren aktuellen Standort telefonisch durchgegeben, so dass wir nahezu gleichzeitig auf dem Parkplatz ankamen. Die Verhandlungen zogen sich hin und andere vorbeifahrende Neugierige an. Die letzten Geschäfte wurden im Schein unserer Taschenlampen besiegelt.

Trotz Dunkelheit wollten wir unbedingt noch Strecke machen. Ein paar Kekse an einer Tankstelle mussten genügen und weiter ging es in Richtung Nord-Ost. Wir passierten auch das berühmte Foum El Hisn.

Erst spät in der Nacht bogen wir irgendwann in der Nähe von Tata einfach von der Straße ab und suchten uns ein lauschiges Plätzchen für die Nacht.
Man stelle sich so ein Verhalten zuhause vor. In den Niederlanden würde man nach kurzer Zeit in einem Entwässerungsgraben und in Deutschland im Gefängnis landen.

Erst am nächsten Morgen konnten wir bei Tageslicht nicht nur die schöne Landschaft sondern auch die am Vorabend erworbenen Meteorite bewundern.
« Letzte Änderung: April 30, 2015, 12:37:04 Nachmittag von Flaggaman »
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Re: Meteoritensuche West-Sahara November 2014
« Antwort #42 am: April 28, 2015, 16:12:19 Nachmittag »
Tag 11

Schon früh waren wir wieder auf der N12 in Richtung Zagora unterwegs. Die Strecke ist sehr reizvoll, da man viele grüne Wadis und Oasenstädte passiert. Diese Route nutzten Karawanen für viele Jahrhunderte aufgrund der häufigen Wasservorkommen.
« Letzte Änderung: April 30, 2015, 12:24:15 Nachmittag von Flaggaman »
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Re: Meteoritensuche West-Sahara November 2014
« Antwort #43 am: April 28, 2015, 16:23:26 Nachmittag »
Ein weiteres Highlight war der Foto-Stopp in Tissint und der beschauliche Ort Akka N´Aut Sidi. Tissint bedeutet Salz auf Berber. Der Name stammt von einem Salzsee in der Nähe, der Jahrhundertelang zur Salzgewinnung genutzt wurde.

Die Mittagpause verbrachten wir in einem sehr netten Gasthaus in Foum Zguid. Neben Speisen und Getränken zierte eine Auswahl an Fossilien und Meteoriten den Tresen. Die aufgerufenen Preise allerdings waren ein eindeutiges Indiz dafür, dass wir jetzt wieder in von Touristen regelmäßig frequentierten Gegenden waren. Die Qualität der Steine rechtfertigte den aufgerufenen und kaum verhandelbaren Preis in keiner Weise.

Zum ersten Mal gingen wir mit leeren Händen, aber dafür mit gut gefüllten Mägen wieder auf die Reise.
« Letzte Änderung: April 30, 2015, 14:20:12 Nachmittag von Flaggaman »
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Re: Meteoritensuche West-Sahara November 2014
« Antwort #44 am: April 28, 2015, 16:25:46 Nachmittag »
Den nächsten Halt legten wir Zagora ein. Von hier aus benötigten in der Vergangenheit die Karawanen 52 Tage bis Timbuktu.

Sehr beeindruckend, die riesige Dattelpalmenplantage. Die Pflanzungen erstrecken sich über nahezu 200 km entlang des wunderschönen Draa-Tals.
« Letzte Änderung: April 30, 2015, 14:15:48 Nachmittag von Flaggaman »
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