Autor Thema: Mocs, Rumänien (Fall: 1882)  (Gelesen 5782 mal)

Allende

  • Gast
Mocs, Rumänien (Fall: 1882)
« am: August 03, 2015, 17:59:05 Nachmittag »
Über Mocs gibt es verstreut über die Jahre schon eine Menge Infos hier im Forum, aber Alexp (GSAC) meinte in einer PM zu mir, dass ich das Thema ruhig hier bei den "Historischen Meteoriten 1850-1899" nochmals vorstellen soll, denn hier gehört es auch hin.

Also:

Name: Mocs (phonetisch wie "Motsch" mit einem gehauchten "i" hintendran, Info Mettmann von vor Jahren...)
F.O.: Cluj District, Rumänien
Klasse: Stein, L5-6 Chondrit, S5, Schockadern, Fa 25 mol%, Fs 21 mol%, Fetot 21.82%
Fall: 3. Februar 1882
Gesamtgewicht: Ca. 300 kg (Schauer), davon alleine über 1000 Exemplare im NHM-Wien...  :wow:

Ja, für meinen Steinhaufen habe ich drei schöne Stücke und ein kleines Scheibli zusammenbringen können. Allesamt universitär eingetauscht.

Zwei Bilder von den drei Stücken, einmal die Vorderseite, einmal die Rückseite.

Allende

  • Gast
Re: Mocs, Rumänien (Fall: 1882)
« Antwort #1 am: August 03, 2015, 18:03:18 Nachmittag »
Das 133.7g Stück zeigt eine rundliche Seite = Brustseite von einer leicht orientierten Fluglage, Eine Rückseite mit angedeuteter Schmelzlippe und zwei Bruchflächen, die sich wieder vollständig mit Schmelzkruste überzogen haben.

Hier die schönste Ansicht des 100% bekrusteten Individuals.

Allende

  • Gast
Re: Mocs, Rumänien (Fall: 1882)
« Antwort #2 am: August 03, 2015, 18:11:06 Nachmittag »
Das Endstück mit der auffälligen Schockader (22.0g) mit zwei Detailaufnahmen. Bildgrösse jeweils ca. 8 x 6.5 mm

Die Schockadern sind in vielen Mocs-Stücke enthalten = typisch für diesen Chondriten. Der oder das Shock Level ist mit S5 bestimmt worden.

Hier nochmal die "Übersetzung", was für Drücke bei den einzelnen Shock Levels vorgeherrscht haben:

S1 = unshocked   Increasing
S2 = very weakly shocked
S3 = weakly shocked
S4 = moderately shocked
S5 = strongly shocked   
S6 = very strongly shocked   
S5 = strongly shocked   
S6 = very strongly shocked   

Ref.: Stöffler et al., 1991, Stages of Shock Transformation S1-S6, "a-f" = old abbreviations


Allende

  • Gast
Re: Mocs, Rumänien (Fall: 1882)
« Antwort #3 am: August 03, 2015, 18:14:44 Nachmittag »
Im Dünnschliff ist so eine Schockader auch gut zu erkennen. Der Dünnschliff wurde aus einem kleinen Bruchstück gefertigt, dessen Reststück mit auf dem Bild zu sehen ist.

Gruss Allende  :winke:


Jetzt bitte kramt aus Euren Schatzkisten Eure Mocs-Stücke hervor und zeigt sie gerne hier im Anschluss.

Alter Streufeldkarte - Herbert?

Allende

  • Gast
Re: Mocs, Rumänien (Fall: 1882)
« Antwort #4 am: August 03, 2015, 18:19:01 Nachmittag »
Kleine Korrektur: Hier die richtige Referenzangabe:

Ref.: Stöffler et al., 1991, Increasing Stages of Shock Transformation S1-S6, "a-f" = old abbreviations.

Das "Increasing" war verrutscht (aus xls-File herauskopiert...)

Offline Thin Section

  • Foren-Guru
  • *
  • Beiträge: 4194
Re: Mocs, Rumänien (Fall: 1882)
« Antwort #5 am: August 03, 2015, 18:50:58 Nachmittag »
Das Label auf meinem Mocs stammt vom Petrographischen Institut Krantz. Der Mocs selbst von David New - gekauft November 1989. Der Dünnschliff kommt von Russ Kempton. Im Dünnschliff zwei schöne BO Chondren (Balkenchondren / BO = barred olivine) im kreuzpolarisierten Licht. Die erste BO Chondre mit einem auffallend dicken "igneous rim" - vor allem rechts unten.

Bernd  :winke:
(247553) Berndpauli = 2002 RV234

Das Ärgerlichste in dieser Welt ist, dass die Dummen todsicher und die Intelligenten voller Zweifel sind. (Bertrand Russell, britischer Philosoph und Mathematiker).

Offline gsac

  • Foren-Legende
  • ******
  • Beiträge: 6314
Re: Mocs, Rumänien (Fall: 1882)
« Antwort #6 am: August 03, 2015, 21:53:19 Nachmittag »
Sehr informativ - weiter so, Allende!  :winke:

:hut: Alex(p)

Offline herbraab

  • Generaldirektor
  • *
  • Beiträge: 1942
Re: Mocs, Rumänien (Fall: 1882)
« Antwort #7 am: August 04, 2015, 00:29:01 Vormittag »
Alexp (GSAC) meinte in einer PM zu mir, dass ich das Thema ruhig hier bei den "Historischen Meteoriten 1850-1899" nochmals vorstellen soll, denn hier gehört es auch hin.

:pro:
Und Danke für die Bilder. Insbesondere Dein 133.7g-Stück ist erste Klasse!  :nd:

Name: Mocs (phonetisch wie "Motsch" mit einem gehauchten "i" hintendran, Info Mettmann von vor Jahren...)

Mein Wissensstand ist der folgende:
Als der Meteorit 1882 gefallen ist, war das Fall- und Fundgebiet Teil des Königreichs Ungarn, das wiederum Teil der österreichisch-ungarischen Monarchie war - so wie übrigens Knyahinya (das heute zur Ukraine gehört) auch. Mócs (sprich: "Mootsch", was übersetzt übrigens so viel wie "Schmutz" bedeutet) ist der damals gängige, ungarische Name des Fallortes, und von dem hat der Meteorit auch seinen Namen erhalten. So ist als Ortsangabe für den Meteoritenfall in Friedrich Berwerth's "Verzeichnis der Meteoriten im k. k. naturhistorischen Hofmuseum, Ende October 1902" auf S. 69 angegeben: Mócs bei Klausenburg, Koloser Gespanschaft, Siebenbürgen, Ungarn. Auf Deutsch heisst Mócs übrigens Motzdorf.

Heute heisst der Ort auf rumänisch Mociu. So viel cih weiß wird das "Motschiu" (mit einem kurzem, gehauchten "i" vor dem abschliessenden "u") ausgesprochen. Aber Mettmann wird mich korrigieren, wenn das nicht korrekt sein sollte.

Gesamtgewicht: Ca. 300 kg (Schauer), davon alleine über 1000 Exemplare im NHM-Wien...  :wow:

Hier ein paar Bilder aus dem NHM Wien:
Das erste Bild zeigt ein aus Mócs-Steinen (von 3,4g bis 1,6kg) nachgebildetes, idealisiertes Streufeld. In dem ergänzenden Text wird die Zahl der am NHM aufbewarten Mócs-Steine mit "über 1600" angegeben. Das zweite Bild zeigt ein 5,6kg Individual.
« Letzte Änderung: August 04, 2015, 00:57:25 Vormittag von herbraab »
"Daß das Eisen vom Himmel gefallen sein soll, möge der der Naturgeschichte Unkundige glauben, [...] aber in unseren Zeiten wäre es unverzeihlich, solche Märchen auch nur wahrscheinlich zu finden." (Abbé Andreas Xaverius Stütz, 1794)

Offline herbraab

  • Generaldirektor
  • *
  • Beiträge: 1942
Re: Mocs, Rumänien (Fall: 1882)
« Antwort #8 am: August 04, 2015, 00:33:27 Vormittag »
Noch zwei Bilder zu Mócs aus dem NHM Wien: Ein Endstück mit fetter Schockader und ein orientierter Meteorit.
"Daß das Eisen vom Himmel gefallen sein soll, möge der der Naturgeschichte Unkundige glauben, [...] aber in unseren Zeiten wäre es unverzeihlich, solche Märchen auch nur wahrscheinlich zu finden." (Abbé Andreas Xaverius Stütz, 1794)

Offline herbraab

  • Generaldirektor
  • *
  • Beiträge: 1942
Re: Mocs, Rumänien (Fall: 1882)
« Antwort #9 am: August 04, 2015, 00:53:32 Vormittag »
Und zu guter Letzt noch Bilder von meinen zwei Sammlungsstücken. Das erste Bild zeigt die beiden Stücke (68,6g und 70,6g) auf einer Karte des Streufeldes aus dem "Bericht über den 3. Februar l. J. stattgefundenen Meteorsteinfall von Mócs in Siebenbürgen" von A. Koch (Sitzungsberichte der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, mathematisch-naturwissenschaftliche Classe, LXXXV Band, II. Heft, 1882). Die zwei anderen Bilder zeigen die beiden Stücke als Einzelaufnahme.

:hut:
Herbert
"Daß das Eisen vom Himmel gefallen sein soll, möge der der Naturgeschichte Unkundige glauben, [...] aber in unseren Zeiten wäre es unverzeihlich, solche Märchen auch nur wahrscheinlich zu finden." (Abbé Andreas Xaverius Stütz, 1794)

Offline ironsforever

  • Privater Sponsor
  • Foren-Meister
  • *****
  • Beiträge: 2954
Re: Mocs, Rumänien (Fall: 1882)
« Antwort #10 am: August 04, 2015, 08:14:29 Vormittag »
Hallo,

fantastisch, was es hier seit kurzem regelmäßig in der neuen Rubrik "Historische Meteorite" alles zu sehen gibt! :applaus:
Beeindruckend.

Gruß,
Andi

Offline herbraab

  • Generaldirektor
  • *
  • Beiträge: 1942
Re: Mocs, Rumänien (Fall: 1882)
« Antwort #11 am: August 04, 2015, 20:25:45 Nachmittag »
Alter Streufeldkarte - Herbert?

Bitte gerne!  :smile:

Hier ein Scan der Karte, die schon auf dem Bild von meinen beiden Mócs-Stückem zu sehen war.
Das Streufeld ist ca. 15 km x 3 km groß. Wie man sieht, weicht das tatsächliche Streufeld von der Darstellung einer idealtypischen Streuellipse im NHM doch merklich ab.  :fluester:
Weiters ist (insbesondere im mittleren und im südöstlichen Bereich des Sterufeldes) zu bemerken, dass sich die Funde nahe den Dörfern konzentrieren. Es kann daher wohl angenommen werden, dass zwischen den Dörfern noch viele weitere Meteorite niedergegangen sind, die nicht geborgen wurden.

:hut:
Herbert
"Daß das Eisen vom Himmel gefallen sein soll, möge der der Naturgeschichte Unkundige glauben, [...] aber in unseren Zeiten wäre es unverzeihlich, solche Märchen auch nur wahrscheinlich zu finden." (Abbé Andreas Xaverius Stütz, 1794)

Offline gsac

  • Foren-Legende
  • ******
  • Beiträge: 6314
Re: Mocs, Rumänien (Fall: 1882)
« Antwort #12 am: August 04, 2015, 20:26:47 Nachmittag »
Das ist alles wirklich einen Sonderapplaus wert!  :applaus:

Allende

  • Gast
Re: Mocs, Rumänien (Fall: 1882)
« Antwort #13 am: August 04, 2015, 22:51:26 Nachmittag »
Danke Herb und andere

Das ist wirklich grosse Klasse und sehr informativ, was da an Infos und Bildmaterial über den Mocs-Chondriten, aber auch über diverse weitere auch schon angesprochene Steine und Eisen zusammenkommt.

Hut ab und danke fürs Mitmachen.  :hut:

Gruss, Allende
 :winke:

Offline Murchison´s friend

  • Foren-Meister
  • *
  • Beiträge: 2488
Re: Mocs, Rumänien (Fall: 1882)
« Antwort #14 am: August 04, 2015, 23:12:47 Nachmittag »
Guten Abend Freunde der außerirdischen Materie,

unglaublich, was in so manchen Sammlungen anzutreffen ist !  :hut:

Da muß ich auch mein Individual vom Mocs vorstellen :

LG,
Michael
Murchison`s friend ist für alles Neue offen - besonders um Meteorite zu finden !

 

   Impressum --- Datenschutzerklärung