Autor Thema: Meteoritensuche  (Gelesen 29497 mal)

Offline gsac

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Re: Meteoritensuche
« Antwort #45 am: August 09, 2016, 12:21:34 Nachmittag »
Aus vielen der letzten Beiträge ist eine Grundskepsis herauszulesen, die verständlich ist. Ich bin auch erst dann wirklich überzeugt, wenn positive Ergebnisse von Herrn Laubenstein aus Italien vorliegen und es weitere sichere Indizien für die Annahme gibt, dass sich hier tatsächlich etwas ereignet hat, was wir alle bisher, und aus gutem Grund auch, für nahezu unmöglich, oder zumindestens recht unwahrscheinlich gehalten haben. Dem Werbespruch eines bekannten Autoherstellers folgend kann man dem aber auch entgegenhalten "nichts ist unmöglich". Also würde ich es jetzt, als nächsten Schritt, der Wissenschaft überlassen, objektive Aussagen zu liefern. Und ganz wichtig: angeklagt wird hier niemand, es gilt insofern auch kein "in dubio pro reo", aber kritisch hinterfragen soll und muß man es grundsätzlich schon, das halte ich für völlig legitim und auch notwendig. Siehe dazu auch meine längere Mail an Rainer weiter oben. Und das passiert ja (z. B.) gerade in einem Labor. Also einfach erst mal Ruhe und Grundgelassenheit bewahren, auf Daten und Fakten zum Ereignis gucken - es wird sich dann schon klären bzw. abschliessend unspekulativ bewerten lassen.

Alex

Offline lithoraptor

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Re: Meteoritensuche
« Antwort #46 am: August 09, 2016, 13:53:16 Nachmittag »
Moin!

Um es gleich von Anfang an zu sagen: Ich gehöre auch zu den Skeptikern und ich finde auch nichts Falsches daran. Eine natürliche Skepsis gehört einfach dazu und ist neben der anfänglich als wichtig bezeichneten Motivation (neben Neugierde und Wissensdrang - wie ich ergänzen möchte) der Grundstock jeder Wissenschaft und auch des wissenschaftlichen Diskurses. Mal ganz zu schweigen von dem Fakt, dass wir hier jedes Jahr mit vielen Fakes jeglicher Qualität zu tun haben und ich ggf. auch noch etwas von der Hamburg-Story geschädigt bin.

Ich halte es grundsätzlich wie Alex und warte die weiteren Untersuchungen einfach ab und auch das ist sicher sehr vernünftig.

Im Grunde wollte ich mich hier auch raushalten, aber es gibt ein paar Infos, die ich mit Euch teilen möchte. Wie vermutlich viele von Euch habe ich mich inzwischen mit anderen Sammlerfreunden außerhalb des Threads über diese Thematik ausgetauscht. Thema dabei war u.a. ob ein Detektor wie der Seben Deep Target, der mit einer Arbeitsfrequenz von 5,5 kHz läuft, überhaupt einen Chondriten finden kann oder nicht. Nun bin ich kein Sondengänger und verstehe auch nicht sonderlich viel davon, aber ich habe dennoch einen Detektor, der mit der gleichen Arbeitsfrequenz läuft - den MD 3009. Bei meinen Nachforschungen im Internet habe ich schnell herausgefunden, dass dieses Gerät offensichtlich nicht nur völlig baugleich mit dem Seben ist, sondern, dass beide Geräte vom gleichen Hersteller produziert werden und dann von diversen Unternehmen unter unterschiedlichen Namen vertrieben werden.
Die Ansichten innerhalb der Sondengänger-Community über diese Geräte (insbesondere über die Frage, ob man sie einem Anfänger empfehlen kann oder nicht) sind geteilt. Einige bezeichnen die Geräte schlicht als "unbrauchbaren Schrott" andere halten es für eine gute Anfangsinvestition, wenn man überprüfen möchte, ob das Hobby etwas für einen ist. Es gibt Beschreibungen bei denen berichtet wird, dass Münzen mit dem Gerät schlicht ohne Ausschlag überlaufen wurden, solche die berichten wie schnell das Gerät kaputt war und solche, die das Gegenteil belegen. Die Sachlage ist in etwa so, wie wir dem Kauf eines Stückes Nantan gegenüberstehen würden, wenn uns ein Anfänger danach fragt.

Nun gut - laaange Rede kurzer Sinn. Ich habe zwei 9V-Blocks geladen und das Gerät mit H-Chondriten getestet. Verwendet habe ich diverse Einstellungen am Gerät nebst einer 11,8 g Pultusk-Vollscheibe, einem 20 g Oum Dreyga Individual, zwei Gao-Guenie Vollscheiben mit 36,3g und 62,8 g, ein Gao-Guenie Individual von 158,5 g sowie zwei Scheiben von Vyatka mit 77,1 g und 97,16 g. Der Detektor hat bei allen Stücken inkl. der kleinen Pultusk-Scheibe und jeglicher Einstellung angeschlagen. Allerdings teilweise bei Abständen von unter 5 cm Entfernung zur Spule - wobei ich sagen muss, dass ich alle Stücke in ihren Plastikdöschen/ -tütchen gelassen habe. Ich habe den Test mit einem 826 g Individual von NWA 869 auch auf L-Chondrite ausgeweitet und auch hier hat der Detektor angeschlagen. Ich weiß aber auch, dass ich einen ähnlichen Test vor einigen Jahren (vermutlich mit nicht so vollen Akkus :nixweiss: ) gemacht habe, und dass das Ergebnis damals deutlich weniger zufriedenstellend war.

Dennoch bleibt festzuhalten, dass ein oberflächennaher Chondrit-Fund mit einem solchen Gerät zumindest grundsätzlich möglich wäre.

Gruß

Ingo

Offline Mettmann

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Re: Meteoritensuche
« Antwort #47 am: August 09, 2016, 17:02:54 Nachmittag »
 :belehr: Augustinus sagt:
"Vivere se tamen et meminisse et intellegere et velle et cogitare et scire et iudicare quis dubitet? Quoandoquidem etiam si dubitat, vivit; si dubitat, unde dubitet meminit; si dubitat, dubitare se intellegit; si dubitat, certus esse vult; si dubitat, cogitat; si dubitat, scit se nescire; si dubitat, iudicat non se temere consentire oportere. Quisquis igitur alicunde dubitat de his omnibus dubitare non debet quae si non essent, de ulla re dubitare non posset."

Will meinen, daß die Zweifel berechtigt sind, denn nur allzuoft wurden von Menschenhand deponierte Meteorite (manchmal gar nur Steine) als autochthone Funde ausgegeben. Hier nun gar zwo verschiedene vom gleichen Fleck, wo sonst derlei Funde gleichenorts i.d.R. mit Generationen Abstand oder bei penibler Beackerung großer arider Streufelder gemacht werden. Und Ingtin, sei ihnen nicht bös, aber die Kenneraugen gemahnt der Brandlecht (stone) an einen gleisschottrigen Durchschnittswüstenranzler, das Eisen aber an einen abgebeizten Campo oder runtergeputzten Odessa.
Insofern und aus Plausibilitätsgrünen der Fundsituation, ich mein so ein verwitterter Stein müßt eigentlich tiefer im Boden liegen, es sei denn, es ist ein aufgepflügter Ackerfund; naja und wenn, sagen wir mal, das Stader Atomkraftwerk in die Luft fliegt und viele Generationen später ein Sondengänger in den Ruinen der Seidlvilla mehrere Mets unterschiedlichen Typs fönde, wäre es einleuchtender...
..darfst es weder als pers. Angriff verstehen, sondern mußt es den Kennern nachsehen,
daß sie beim Eisen erstmal die Werte der Spurenelemente und beim Stein das terrestrische Alter (und vielleicht welcher Art der Dreck in den tieferen Rissen ist) abwarten, weil das Eisen dann ggfs. gut zugeordent werden könnt und wenn der Stein ein typisches Wüstenalter hätt, er zu verwerfen wär. (So oid, wie die daherkemma, wird man an kurzlebigen Isotopen eh nix mehr finden).

Zitat
Hätten wir wie ich es vermutet habe das Fundgebiet bekannt gegeben, dann wären Hunderte dort wie die Heuschrecken eingefallen um alles auf Links zu drehen.

Was lege artis die wissenschaftlich zielführendste Methode ist. Je mehr Augenpaare, je mehr Suchzeit, desto größer die Chance auf Nachfunde/Hauptmassenfunde, desto mehr Material für Forschung und Sammlungen. Bei Neufällen ein MÖST (siehe doch z.B.Stubenberg).
Da es sich aber um Altfunde handelt, ist hier keine Eile geboten, ob etwaige Angehörige noch ein Jahr länger im Boden ruhen ist unerheblich.
(zudem setzt sich das neue Paradigma, daß Leute für harte Arbeit, wie es im Alltag üblich ist, enlohnt werden, bei der Meteoritenzunft eher schleppend durch).

Ich schlage vor, Du gibst die Koordinaten am 11.11.2018 bekannt. 1. Ist das der bäuerliche Abrechnungstag, an dem das Arbeitsverhältnis der Knechte und Feldarbeiter verlängert wird; 2. Eisenmühlen mahlen langsam, könnten bis dahin die Spurenelemente des Eisens vorliegen 3. Ist es mein Namenstag; 4. würden etwaige Fakes gemildert, da es Karnevalsbeginn ist.

 :prostbier:
Ma
"If any of you cry at my funeral,
I'll never speak to you again."
(S.Laurel 1890-1965)

Offline Ingtin

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Re: Meteoritensuche
« Antwort #48 am: August 09, 2016, 17:04:40 Nachmittag »
Hallo Julien,
es war kein Sichtfund. Der Detektor gab einen minimalen Signalton. Bei der Überprüfung der Stelle mit dem PinPoint Knopf war das Signal laut und deutlich. Um deine Frage besser beantworten zu können, habe ich gerade einen Test durchgeführt mit einem Chondriten. Bei einem Abstand von 5 cm gibt der Detektor einen kurzen Signalton ab. Mit gedrücktem PinPoint ist ein lautes und deutliches Signal in einem Abstand von 15cm zu hören. Der PinPoint Modus verstärkt deutlich die Leistung des Detektors.
LG Ingo

Offline Murchison´s friend

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Re: Meteoritensuche
« Antwort #49 am: August 09, 2016, 17:26:34 Nachmittag »
lieber Martin,

endlich schreibst wieder mal was Knackiges !
Ich gehöre von Natur aus zu den Skeptikern - nicht nur was Meteorite betrifft !!!
Beim Brandlechter Eisen fiel mir sofort der Morasko ein - und nicht nur mir kam der Pole in den Sinn !!!

LG,
Michael
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Offline Murchison´s friend

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Re: Meteoritensuche
« Antwort #50 am: August 09, 2016, 19:20:20 Nachmittag »
und was ich auch nicht verstehe :

vom Stein gibt es ein in situ Bild, der Stein, den Herr Bartoschewitz in der "Beifangkiste" nach Durchsicht mitnahm !
Vom Eisen, das Ingo sensationeller weise eine Woche später fand, gibt es kein in situ Bild !

Aber Herr Bartoschewitz wird schon recht haben - er hat extreme Erfahrung !  :hut:

LG,
Michael

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Offline gsac

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Re: Meteoritensuche
« Antwort #51 am: August 09, 2016, 19:38:25 Nachmittag »
..... naja und wenn, sagen wir mal, das Stader Atomkraftwerk in die Luft fliegt und viele Generationen später ein Sondengänger in den Ruinen der Seidlvilla mehrere Mets unterschiedlichen Typs fönde, wäre es einleuchtender...

"Seidlvilla"? Huch, das muß ich meiner Frau erzählen! :laughing: Hier werde aber ich angesprochen, und ich muß es sofort korrigieren: in Stade fliegt einem der Atommeiler nicht mehr um die Ohren, weil er schon seit langer Zeit stillgelegt ist und "rückgebaut" wird, wie es so schön heißt.

Das war also ein sehr fiktives, aber dennoch, und so meint Mettmann das natürlich auch, nicht völlig undenkbares Szenario, wenn die Ausgangslage mit dem AKW denn noch anders wäre. Es gibt so viele andere denkbare fiktive Szenarien, wie Pfefferkörner in meiner Pfeffermühle sein mögen (...und die ist groß und hoch, ein Modell von Peugeot, da geht viel rein!). Mir fiel zwischenzeitlich z. B. ein, jemand könnte ja vor einigen Jahren aus irgendwelchen unerquicklichen Gründen seine Met-Sammlung in den Wald geworfen haben, ohne das zu erzählen. Was fände man denn dann, 21 oder 42 Jahre später? Aber Spaß beiseite - das sind natürlich nur krude Gedanken und unerhörte Modelle. Aber selbst diese Gedankenspiele haben eine Quintessenz, deshalb schreiben wir sie auf, und diese heißt verkürzt, wie in der Autowerbung und heute schon mal zitiert "nichts ist unmöglich!". Das Undenkbare muss auch gedacht werden können, und erst eine sichere Beweislage zählt! Das ist der Prozeß, der gerade durchlaufen wird, eine objektive forensische Analyse, wenn man so will.

Und nochmal, damit wir uns richtig verstehen, ich habe das heute auch schon mal gesagt, richte das aber gern wiederholt sowohl an den Finder als auch an meinen sehr geschätzten Kollegen Rainer: hier wird niemand weder a priori persönlich verdächtigt, noch erst recht angeklagt! Es ist einfach so, dass auch jenseits der handelnden Personen eine Grundskepsis erlaubt sein muss bei solchen Dingen und Herbert hat es sehr schön auf den Punkt gebracht mit der sinngemässen Aussage, dass besondere Ereignisse auch eine besondere Aufmerksamkeit verlangen. Umso besser, wenn dann alles gut ist am Ende. Und wenn dem so sein wird, hätten wir ein paar neue Sätze für künftige Geschichtsbücher über Kuriosa der Meteoriterei...

Alex

Offline gsac

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Re: Meteoritensuche
« Antwort #52 am: August 09, 2016, 20:59:16 Nachmittag »
http://www.lpi.usra.edu/meteor/metbull.php?sea=Hambleton&sfor=names&ants=&falls=&valids=&stype=contains&lrec=50&map=ge&browse=&country=All&srt=name&categ=All&mblist=All&rect=&phot=&snew=0&pnt=Normal%20table&code=36590

Hambleton.

Sowas passiert auch, ebenso nahezu unglaublich, aber dann wohl tatsächlich authentisch, das ist dann so...
Als Entry ins MetBull. Weiß denn jemand, was aus Rob Elliott geworden ist? Ich bin ja weder auf FB noch in den sonstigen sozialen Media unterwegs. Habe irgendwann vor etlichen xxxxx Jahren mal ein Trade mit ihm gemacht, Steinbach gegen einen antarktischen Meteoriten, den ich hatte (...schlecht für mich, hätte ich nicht tun sollen!). Rob war (ist noch?) fascinated by meteorites, hat aber auch ein ziemliches Hype inszeniert um sich herum. Ein Bob Haag auf Scotsman, diverse geheime Militäraufgaben im Namen von Her Majesty, erfolgreicher Geschäftsmann, dies und das noch, dann aber wohl Schluss mit der Sammlung, private Nachsuchen, private Funde in splendid isolation in Britain, Hambleton einer davon, ist danach wohl auch nicht der einzige Fund geblieben...

It happens!

PS @admin, würdest Du bitte die Laufzeile hier unten löschen mitsamt dieses PS? Ich sehe die Laufzeile nicht im Editor, und weiss auch nicht wie sie zustande kommt oder gekommen ist... Danke.
« Letzte Änderung: August 09, 2016, 21:17:14 Nachmittag von gsac »

Offline ironsforever

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Re: Meteoritensuche
« Antwort #53 am: August 09, 2016, 22:41:30 Nachmittag »
Skeptiker sind mir egal. Wer es nicht glauben will der glaubt es halt nicht. Es gibt genug Leute die Interesse an der Sache zeigen und denen sind wir auch bereit Fragen zu beantworten.
(...)
Ich beantworte gerne weitere Fragen an die jenigen, die sich für das Thema interessieren. Wie gesagt wer jetzt was glaubt ist uns egal.
Gruß Ingo

Das macht die Geschichte nicht gerade nachvollziehbarer, wenn man den Zweiflern weitere Fragestellungen verwehrt. So eine Reaktion hatte ich allerdings erwartet. Überrascht mich nicht wirklich :einaugeblinzel:.

Sei´s drum. Für mich sind und bleiben das 2 echte Meteoriten, die mit ziemlicher Sicherheit nicht in Deutschland gefallen sind - ergo auch keine deutschen Meteoriten sind.
Nur meine Meinung, ohne hier jemandem etwas konkret unterstellen zu wollen. :einaugeblinzel:

Da Dir meine Meinung aber ohnehin egal ist, spare ich mir auch weitere Ausführungen zu den zahlreichen Gründen, die mich zu dieser Auffassung bewogen, denn ich muss nicht jeden "Finder" füttern. :troll:

Sollen sich die anderen hier selbst eine Meinung bilden...

Ich bin raus. :winke:

Offline Ingtin

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Re: Meteoritensuche
« Antwort #54 am: August 10, 2016, 06:54:52 Vormittag »
Warum fahrt ihr nicht mal einen Gang runter, geht noch mal ganz zum Anfang zurück und lest euch in aller Ruhe den Text durch den Rainer eingestellt hat. Zitat: Nun aber nach fast einem halben Jahr der Nachforschungen kann ich bestätigen das Ingtins unglaubliche Fundsituation den Tatsachen entspricht. Zitat Ende. Ich finde es echt Krass, das seine Forschungsarbeit hier in Frage gestellt wird. Die nächsten Antworten werden sein das es nicht so ist. Sorry in meinen Augen schon. Es wurde von einem Fachmann bestätigt. Das ist echt Mega Krass. Was mich wundert, das es so viele anerkannte Meteoritenfunde gibt, wenn jeder neue Fund so in der Luft zerrissen wird. Morasko. Was kommt als nächstes? Imilac, Vaca Muerta? Ich wollte damals nur wissen was das für Funde sind. Hätte ich geahnt wie das endet, dann hätten wir die Sache komplett Geheim gehalten und gar nicht Veröffentlicht. Da eh keine vernünftigen Antworten mehr kommen bin ich vorerst raus.

Offline ironsforever

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Re: Meteoritensuche
« Antwort #55 am: August 10, 2016, 11:58:22 Vormittag »
Hallo Ingtin, Rainer, Forum,

Ingtin beruft sich nun auf Rainer´s Forschungsarbeit, die seiner Auffassung nach beweisen sollen, dass es sich hierbei um eine authentische Geschichte handelt und spielt jetzt beleidigte Leberwurst. Nun bleibt es mir wegen dem Bezug zu Rainers Arbeit nicht erspart, doch klar Stellung zu beziehen.

Zunächst: Ich stelle nicht die Forschungsarbeit von Rainer in Frage. Diese ist in Anbetracht der laufenden Nachuntersuchungen aber noch nicht der Weisheit letzter Schluss! Wenn es nach Dir ginge, Ingtin, wären offenbar überhaupt keine weiteren Untersuchungen mehr notwendig, denn der Beweis ist Deiner Meinung nach bereits durch Rainer erbracht.

Vor den abschließenden Untersuchungen, die ja gerade die Frage der Herkunft bzw. von Pairings klären sollen, sollte man im Hinblick auf vergangene Betrugsversuche noch nicht mal von deutschen Meteoriten sprechen. Es ist m. E. verfrüht, hier diese beiden Meteoriten (und das werden sie wohl sein), bereits mit dem Namen "Brandlecht (iron) – neuer deutscher Meteoritenfund" und "Neuer deutscher Meteorit - Brandlecht (stone)" vorzustellen. Eine solche Präsentation dieser beiden "Funde" vor Abschluss der abschließenden Untersuchungen entspricht sicher nicht gerade üblichen wissenschaftlichen Gepflogenheiten.
Was, wenn sich nach Abschluss der Untersuchungen herausstellen sollte, dass es sich um bekannte ortsfremde Pairings bzw. NWAs handelt? Dann muss man alles wieder revidieren, Gegendarstellungen schreiben und relativieren. Erfahrungsgemäß springen die Medien immer sehr schnell und ungeprüft auf so etwas an und schon ist das Kind in den Brunnen gefallen.
So sehr ich Rainer als Mensch und auch seine Leistungen in Sachen Meteoriten schätze, ist er m. E. in diesem Fall wohl etwas übers Ziel hinausgeschossen.

Ein Blick in die Vergangenheit zeigt, dass es immer wieder fragwürdige Funde gab (zum Glück stellten wir hier diese Fragen!), zuletzt durch Marc Wiekhorst, der mit seinem "Hamburger Chelyabinsk" die gesamte Öffentlichkeit narrte. Aus diesem Grund ist eine gesunde Portion Skepsis in jedem Fall veranlasst, auch wenn sich bereits ein Privatwissenschaftler mit dem Fall befasste. Wenn der Finder dann auch noch aggressiv wird auf einen Einwand, unsachlich auf den Skeptiker eingeht ("sind mir egal", "soll glauben was er will" etc. pp) und nur noch Fragen von Nicht-Skeptikern beantworten will, macht man eine unglaubliche Geschichte nicht gerade plausibler – ganz im Gegenteil.

(Ich muss meinen Beitrag nun trennen, weil ich die max. Länge überschritt. Es geht gleich weiter...)

« Letzte Änderung: August 10, 2016, 12:14:16 Nachmittag von ironsforever »

Offline ironsforever

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Re: Meteoritensuche
« Antwort #56 am: August 10, 2016, 12:06:45 Nachmittag »
...Nachfolgend möchte ich meine Zweifel ausführlich begründen:

Es wird sich mit Sicherheit herausstellen, dass es sich in diesem Fall um Meteoriten handelt, was jedoch nicht heißen muss, dass diese hier in Deutschland fielen. Es gibt nach meinem heutigen Wissensstand so viele Ungereimtheiten in dieser Sache, dass ich eher ausschließen muss, dass an der Geschichte etwas dran ist.

Zum Eisen:

Leider wird man an einem totgebürsteten Eisen kaum noch Beweise finden können, die darauf schließen lassen, dass es sich um einen gefakten Fund handelt, da Anhaftungen der Umgebung mechanisch beseitigt und chemisch (Öl) verändert wurden. Schade.
In diesem Zusammenhang stellt sich mir schon die Frage, warum man als Finder ein unbekanntes Fundstück derart massiv abschrubbt, dass das blanke Eisen zum Vorschein kommt. Das macht man weder mit Meteoriten, aber auch nicht mit sonstigen Funden, wie z. B. Artefakten etc. pp.. Der Finder beruft sich diesbezüglich auf seine Unkenntnis, dass er nicht gewusst habe, dass es ein Meteorit war und dass er auch nicht wusste, dass man so etwas nicht mit einem Meteoriten macht.
Das wiederum steht aber völlig im Widerspruch zu der von Rainer hervorgehobenen angeblichen Professionalität der Dokumentation des Eisenfundes durch den Finder
Zitat
Ingtin hatte den Fund für einen Laien sehr gut dokumentiert.
. Wie kann man einerseits nicht wissen, um was es sich handelt, es durch exzessive "Reinigung" gleichsam zerstören und trotzdem bei der Funddokumentation so penibel sein?

Der Finder behauptet hier, er habe das Eisen
Zitat
mit einer kleinen Bürste und Pflegeöl gereinigt
. Tatsächlich sieht das Teil - nicht nur nach meiner Auffassung - aus wie ein üblicherweise massiv abgeschruppter Campo oder Morasko. Um ein Stück verwittertes Eisen derart blank zu kriegen, bedarf es weit mehr als eine "kleinen Bürste", nämlich mindestens eines groben Drahtbürsten-Aufsatzes für eine Bohrmaschine o.ä.

Zum H5:

Auf dem In-Situ-Foto des H5 erkennt man stellenweise braune Erde bzw. Humus direkt am Meteoriten anhaftend, der sonst ausschließlich von Sand umgeben ist. Wie erklärt sich dies?

Eigenartig ist zudem, dass der weiße Sand gänzlich unbeeindruckt vom verwitterten eisenhaltigen H5 ist, der darin mindestens Jahrzehnte, wenn nicht Jahrhunderte lang gelegen haben musste. Der Sand weist nicht mal die geringste Verfärbung am Kontaktpunkt zum Meteoriten auf. Ein Meteorit müsste den ihn umgebenden Boden nach so langer Zeit nachhaltig verändert haben. Aufgrund von Eisenoxiden sollte der Sand an dieser Stelle sichtbar bräunlich bzw. rötlich gefärbt sein. Die Sandkörner in der Umgebung und am Meteoriten haben jedoch alle dieselbe Farbe.

Beim H5 handelt es sich augenscheinlich um einen recht verwitterten Meteoriten, der offenbar schon längere Zeit auf der Erde liegt. Auch deshalb klingt es für mich nicht gerade plausibel, wenn dieser oben aus dem Bogen lugt. Alte Fälle erwarte ich eher in tieferen Bodenschichten (z.B. Pultisk), es sei denn, sie wurden mit dem Pflug wieder nach oben befördert, was im Fall von Sandboden ja wohl auszuschließen ist.

Auch die Frage von Michael ist berechtigt: Warum macht der "Finder" In-Situ-Fotos von einem stark verwitterten H5, der danach in der Schrottkiste landet, nicht aber vom späteren Eisenfund. Das Eisen hätte schon aufgrund seines Gewichts viel mehr als "exotisches Etwas" auffallen müssen als ein brauner Stein.

Wie kann man mit dem billigsten Detektor der Welt (bei Amazon 70€) einen H5 finden, aber nicht die Münzen, die direkt an der Fundstelle lagen und später geborgen wurden? Münzen bringen jeden Detektor zum Schreien, gleichwohl konzentriert sich Ingtin auf den "minimalen Signalton" des H5, den er dann noch Pinpointen muss, um etwas zu hören? Und warum macht der Finder nach diesem Fund später nochmal einen Test mit seinen "Seben" und einem offenbar anderen Chondriten und stellt das Ergebnis hier ein? War er sich nicht sicher, was bzw. ob er überhaupt etwas beim Fund des H5 hörte?

Ich habe es noch nicht ausprobiert, meine aber behaupten zu können, dass selbst teure Detektoren, mit denen man u.a. einen Bodenabgleich durchführen kann, einen verwitterten (!) H5 nur sehr schwer bzw. gar nicht orten können (anders sieht es möglicherweise bei einem frischen H5 aus).

Ich selbst führe schon lange einen Deus XP und werde das gerne mal ausprobieren. Leider geht das wegen Stromleitungen und anderen Störfaktoren nicht in der Wohnung, weshalb ich die Prüfung irgendwann im Freien durchführen muss. So viel vielleicht vorab: Ich erinnere mich gut an ein sehr langes Gespräch mit meinem viel erfahreneren Suchkollegen Sergey Vasiliev über die massiven Schwierigkeiten, Chondriten überhaupt mit dem Detektor orten zu können.

Rainer schreibt, dass er erst nach Aufforderung durch den "Finder" die Kiste durchsah. Damit ist dies nach meinem Verständnis sicher kein Zufallsfund mehr, denn seine Aufmerksamkeit wurde ja gezielt auf die Kiste gelenkt. Ja, es muss betont werden: Theoretisch ist nicht ausgeschlossen, dass jemand seine Meteoritensammlung in der Gegend um Brandlecht entsorgte, womit alle Beteiligten über jeden Verdacht erhaben sind. Ich will hier niemandem etwas unterstellen, aber es ist ebenso möglich, dass weitere Fragmente in der Umgebung des H5-Fundes drapiert wurden, und auch etwaige Zeugen zu irgendwelchen Geschichten habe ich in meinem Leben schon zu Genüge fallen sehen :einaugeblinzel:.

Das Fundszenario

Naja und dann haben wir das äußerst merkwürdige Fundszenario an sich: Kein Mensch in Deutschland (bzw. weltweit außerhalb von Wüsten) fand nach meiner Kenntnis bislang…

a) …mit dem (wohl billigsten) Detektor…
b) …zwei verschiedene Meteoritenklassen…
c) …innerhalb einer Woche…
d) …an einem Ort...
e) ...im Boden.

Rainer war weder beim angeblichen Fund des Eisens anwesend, noch beim Erstfund des H5. Es erschließt sich mir deshalb nicht, wie die spätere Forschung die frühere Fundgeschichte (!) beider Stücke bestätigen kann. Diese Geschichte ist mir, neben den anderen Ungereimtheiten, dann doch etwas zu glücklich bzw. abenteuerlich.

Schließlich lege ich noch des "Finders" aggressive Reaktion auf meinen Einwand in die Waagschale, wo ich ihm nicht einmal konkret etwas unterstellte. Solch offensive Reaktionen erlebe ich regelmäßig bei unbequemen Fragestellungen. Unbenommen ist es sicher bequemer, nur noch mit seinem Fanclub zu korrespondieren.

Da die Wissenschaftler mangels vorhandener Kruste auf dem Eisen kaum noch etwas Nennenswertes zur wahren Herkunft untersuchen können und – wen wundert´s – auch kaum etwas zur Herkunft feststellen werden, werden diese "Funde" zumindest für mich aufgrund der unglaublichen Fundgeschichte mit zahlreichen Ungereimtheiten kaum deutsche Meteoriten sein bzw. werden.

All diese Ausführungen repräsentieren meine persönliche Meinung und ich will niemandem etwas unterstellen oder jemandem an den Karren fahren. Ich habe als langjähriger Sammler und Sucher lediglich ein Interesse an absoluter Authentizität.

Andi
« Letzte Änderung: August 10, 2016, 13:08:07 Nachmittag von ironsforever »

Offline Murchison´s friend

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Re: Meteoritensuche
« Antwort #57 am: August 10, 2016, 13:07:29 Nachmittag »
Lieber Andi,

Dein Kommentar ist Extraklasse - perfekter geht es nicht mehr !  :hut:
Was noch hinzuzufügen wäre : NIX, absolut nichts !

LG,
Michael
Murchison`s friend ist für alles Neue offen - besonders um Meteorite zu finden !

Offline gsac

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Re: Meteoritensuche
« Antwort #58 am: August 10, 2016, 13:23:02 Nachmittag »
Interessant, wie es hier jetzt doch ein wenig zu eskalieren scheint, aber auch völlig ok aus meiner Sicht! Eine Grundskepsis, gerade bei so einem derart geballten Zusammentreffen von geschilderten Ereignissen mit jeweils eher geringer Einzelwahrscheinlichkeit in einem recht engen Bereich des Raum-Zeit-Kontinuums, muss einfach erlaubt sein und ist insofern selbstverständlich auch jetzt, im Nachhinein, diskussionswürdig. Die direkt Beteiligten sind, ich sage es wohl schon zum dritten Male, hier nicht angeklagt, aber sollten das auch gelassen sehen, denn die Dinge nehmen doch ihren Lauf so oder so. Insofern finde ich Deine Reaktion jetzt auch völlig übertrieben, werter Finder Ingo, mit Deinem etwas empörten Rückzug. Was soll das denn nun? Meine persönliche Meinung ist unmaßgeblich, aber ich finde, Andi hat auch ein gutes Recht auf seine Ansprache, und wir alle haben natürlich ein Interesse daran, wie das Ganze aufgelöst werden wird. Dazu gibt es work in progress durch eine Isotopenanalyse in Italien, und jenseits der Isotope wird man sich auch um eine forensische Analyse der Bodenanhaftungen an dem Stein bemühen, um die Dinge zu klären. Da muß man sich jetzt einfach etwas in Geduld üben, und dann wird es ein Ergebnis geben, auf das auch ich gespannt bin, jenseits allen aktuellen Eifers...

Howgh!
Alex

Offline speul

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Re: Meteoritensuche
« Antwort #59 am: August 10, 2016, 14:49:04 Nachmittag »
Hallo Ingtin,
unbenommen der ganzen Zweifel, wenn es so war, wie Du und Rainer schildern, dann braucht ja niemanden vor den Untersuchungsergebnissen bange zu sein.
Ich habe aber da mal eine Frage, da ich weder selber Mets gesucht habe, noch jemals eine Sonde in der Hand hatte oder jemanden, der die hatte besehen.
Wie läuft so eine Suche eigentlich ab, schlenderst Du d am Waldrand oder am Weg entlang oder quer durch den Wald. Wenn Du was gehört hast, dann gräbst Du es aus und steckst es in den Rucksack und weiter geht die Suche. Sortiert man dann zu Hause, ein Haufen für Münzen, einer für Kronkorken, einer mit Nägeln und einer mit Kanonenkugeln und noch einer mit undefinierbaren Schrott?
Würde mich echt mal interessieren, wie so der durchschnittliche Sondengänger unterwegs ist.
Sicherlich ist alles anders als mein Hirnkino mir da vorgaukelt.
Ich hoffe Du bist noch nicht ganz raus
Grüße
speul
Lächle einfach - denn du kannst sie nicht alle töten

 

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