Autor Thema: Grüne Glasschlacke - Vom Blitz zum Glas  (Gelesen 2721 mal)

Offline Met1998

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Grüne Glasschlacke - Vom Blitz zum Glas
« am: November 22, 2016, 17:54:08 Nachmittag »
1. Grüne Glasschlacke:
Eisenschlacke wurde/wird im Forum genug vorgestellt, hier mal etwas Glasschlacke.

In der Böschung einer Lausitzer Kiesgrube, ca. 3 m unter den Wurzeln der darüber stehenden Bäume, steckten diese in der Sonne glitzernden, weiß-grünen Gläser.
Ohhh, Smaragde oder sogar Impaktglas? :wow: Da geht einem so manches durch den Kopf.
Die weißen Schlieren sind Quarz, kein Calcit (schäumt nicht mit  25%iger Essigsäure) Das Material lässt sich nicht ritzen, aber die Kanten sind nicht sehr scharf. Logischerweise lag dieser Abfall auch in der Siebanlage!

Auch wenn es nur wertlose Schlacke ist, die Stücke sehen ganz gut aus!

Der Spreewald (Brandenburg) ist das Kerngebiet slawenzeitlicher Siedlungsräume. Auch die Römer hatten hier Rennöfen (Eisengewinnung) und betrieben die Glasverarbeitung. Von Weißwasser über Döbern, Tschernitz, Kamenz, Torgau bis Drebkau, sind heute noch Glashütten und Glaswerke in der Lausitz und Umgebung zu finden.
Gleich bei mir um die Ecke, im Quarzsandwerk Hohenbocka, wird hochwertiger Glassand abgebaut und in die ganze Welt exportiert.

2. Vom Blitz zum Glas:
Da im Senftenberger Museum z. Zt. die Sonderausstellung „Vom Blitz zum Motor“ läuft,
kam mir deshalb die Idee - Vom Blitz zum Glas. :gruebel:
Ich vermutete, meine Stücke könnten evtl. durch Blitzeinschlag entstanden sein?“ Immerhin hat so ein Blitz 30.000 °C und 500 Millionen Volt.
In der Mitte der Kiesgrube befindet sich ein Teich, und Wasser zieht bekanntlich Blitze an!
Aber nach der Recherche musste ich leider feststellen, dass die versteinerten Finger Gottes - die Fulguriten (Gesteinsglas-Röhren durch Blitzeinschlag), „etwas“ anders aussehen als diese Funde.
Somit bleiben meine schönen Stücke wertlose Glasschlacken, aus der Verhüttung vergangener Zeiten.

Met1998
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Offline Sprotte

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Re: Grüne Glasschlacke - Vom Blitz zum Glas
« Antwort #1 am: November 23, 2016, 15:25:58 Nachmittag »
Somit bleiben meine schönen Stücke wertlose Glasschlacken, aus der Verhüttung vergangener Zeiten.

Nicht so pessimistisch: In der archäologischen Forschung Mecklenburg-Vorpommern ist der Nachweis von heute meist vergessenen Standorten (vor)industrieller (Glas)produktion derzeit ein intensiv betriebenes Forschungsgebiet insbesondere auch des ehrenamtlichen Bodendenkmalschutzes (mit entsprechenden Publikationen)

Viele Grüße
Sprotte

Offline Met1998

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Re: Grüne Glasschlacke - Vom Blitz zum Glas
« Antwort #2 am: November 26, 2016, 15:20:20 Nachmittag »
Moin Ralf, :winke:
bevor die kleine Kiesgrube von der Bodendenkmalschutz-Behörde zum Naturschutzgebiet erklärt wird, hole ich mir im Frühjahr lieber noch einige „Smaragde“. :einaugeblinzel:
Der Betreiber ist sicherlich begeistert, wenn seine Lebensgrundlage über Monate versiegt (Sperrung/Grabungen/Pleite)

1. Nichts gegen ehrenamtliche Bodendenkmalschützer, aber die Handhabung und Einstufung echter Funde, ist sicherlich von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich – wie leider auch das Schulsystem. :traurig:

2. Was passiert denn hier mit echten archäologischen Funden?
Sie werden z. B. in die Slawenburg Raddusch (rekonstruierte Burganlage bei Vetschau) verfrachtet. Die liegt schön weit weg, in der „Pampa“, die Leute werden mit Bussen angekarrt, und der Anlage droht öfters mal das Aus.
Die Landesregierung versucht mit notwendigen Investitionen (Fördermittel und Steuergelder) das Objekt zu unterstützen.
Hinweistafeln, wer hier schon alles gefördert hat, gibt es reichlich.
Eine Diskrepanz zwischen, hier soll etwas werden – aber es wird gerade nichts! :lacher:
Siehe „Sprache der Dinge“, (die Meinung einer Wissenschaftlerin)

Oder: Hilferuf aus der Slawenburg, vom 19.02.2016:
"Wir können seit Jahren nur den Status quo halten", sagt Frau Bönisch, die Geschäftsführerin.

3. Wenn 8 Festangestellte von der Stadt Vetschau jährlich 60.000 Euro „Unterstützung“ erhalten, sagt das auch etwas über das Lohnniveau und den Kassenstand der Stadt aus. Eine Entwicklung der Anlage unter den jetzigen finanziellen Bedingungen ist jedenfalls nicht möglich!

4. Ist solch eine geförderte Einrichtung dann mal pleite, wird das Zeug (Gegenstände) in Kisten verpackt und landet im verstaubten Keller eines Museums. Wenn nach Jahrzehnten Gras über die Sache gewachsen ist, bedient sich der Museumsleiter, oder ein Angestellter, an den Funden, oder sie verrotten wegen falscher Lagerung.

Deshalb ist es schon besser, wenn bei den Sammlern und Jägern auch einige „Smaragde“ auf der Ofenbank strahlen.

Schönes Wochenende wünscht
Met 1998 :isagnix: mehr!
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Offline Suevit

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Re: Grüne Glasschlacke - Vom Blitz zum Glas
« Antwort #3 am: November 26, 2016, 21:56:48 Nachmittag »
Hallo Met1998,

zunächst mal Danke für das Vorstellen der hübsch anzusehenden Stücke.

Weiter... Oft, wenn ich einen spürbar von Frust geprägten Beitrag lese, denke ich, es wäre nicht gut, wenn ich ihn kommentiere, weil dem Frust Erlebnisse zugrunde liegen mögen, die in einem kurzen Wortwechsel in einem Internetforum ohnehin nicht befriedigend (auf)geklärt werden können. Jedoch, bei dem einen oder anderen Thema kann ich nicht anders, weil es auch meinen Frust berührt. Ich bitte Dich schon mal um Verzeihung.

Zitat
Wenn nach Jahrzehnten Gras über die Sache gewachsen ist, bedient sich der Museumsleiter, oder ein Angestellter, an den Funden
Mich würde interessieren, woher dieses Bild von den Offiziellen kommt. Sicher gibt es unangenehme Einzelfälle. Aber diese Leute streben doch nicht generell einen finanziell und lebensumständlich meist unerquicklichen Job an nur mit dem Plan, nach Jahren und Jahrzehnten beim Ende ihrer Institution sich an den Preziosen aus dem Magazin zu bereichern. Mir missfällt der Generalverdacht, unter den hier ganze Berufsgruppen gestellt werden.

Zitat
Deshalb ist es schon besser, wenn bei den Sammlern und Jägern auch einige „Smaragde“ auf der Ofenbank strahlen.
In Verbindung mit dem davor Gesagten würde ich für mich daraus ableiten, dass es nicht verwerflich wäre, der Großmutter beim Verlassen der Bank die Handtasche zu rauben, weil generell alten Damen ihr Bargeldbestand durch Trickbetrüger abgenommen wird - da ist es doch gut, wenn auch mal jemand anderes von dem Geld profitiert statt immer nur die Trickbetrüger?

Aus meiner Sicht - und das wird dankenswerterweise auch immer öfter in entsprechenden Medienberichten betont - geht es bei echter Archäologie nicht um dinglichen Besitz, um Schätze, die sich irgend jemand oder irgend eine Institution irgendwo hinstellt, sondern um die Informationen, die im Befund - Fund und Kontext - vorhanden sind. Ja, auch Institutionen gehen nicht immer sorgsam mit den ihnen anvertrauten Funden um. Manches verschwindet, verrottet. Aber die publizierten Informationen dauern weit über das Materielle hinaus fort (der Daesh kann ein Lied davon singen...). Und sie sind es, die uns ein lebhaftes, manchmal lebendiges Bild vergangener Zeiten schaffen. Das einzelne Stück Glasschlacke ist ziemlich egal, ob nun auf einem Kaminsims oder in einer Museumssammlung. Nur ein Stück Glasschlacke. Aber für Wissen über den Kontext, wie sich Handelsbeziehungen, soziale Strukturen, Rohstoffverarbeitung, Warenfertigung usw. entwickelt haben, kann es bedeutend sein. Leider meinen viele Laien, das besser beurteilen zu können als Fachleute. Vor allem, wenn die Besitzfrage das Denken lenkt. Einen solchen Fund zu melden, ihn wissenschaftlich bearbeiten zu lassen, und ihn zum Schluss trotzdem zuhause in der Wohnung zu haben, muss kein Widerspruch oder gar eine Unmöglichkeit sein. Vorausgesetzt, man hat überhaupt den Wunsch, zu dieser Wissensvermehrung beizutragen, statt nur den materiellen Aspekt zu sehen.

Leider erlebe ich es selbst immer wieder - im Bereich Paläontologie -, dass wohlmeinende Privatsammler, die wissenschaftlich interessante Fossilien (und archäologische Beifunde) in ihrer Privatsammlung vor profitgierigen Museumsleuten in Sicherheit bringen oder vor dem Verrotten in Magazinen bewahren wollen, genau das Gegenteil erreichen: Nach dem Ableben des Sammlers landet alles auf der nächsten Bauschuttdeponie, wird mit schweren Transport- und Lagerschäden auf dem Flohmarkt verramscht, oder von den Anverwandten zur Dekoration des Gartens verwendet, wo die Verwitterung dann schnell den Rest besorgt. Dass man selbst als Sammler seine Fundstücke hegt und pflegt ist noch lange kein Garant dafür, dass sie die eigene Lebenszeit überdauern. Publiziert und damit zu einer Wissensbereicherung für die Öffentlichkeit werden sie im stillen Kämmerlein ohnehin nicht.

Gruß,
Rainer

 

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