Autor Thema: Spaltflächen in Hexaedriten - visualisiert  (Gelesen 1370 mal)

Offline Allende

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Spaltflächen in Hexaedriten - visualisiert
« am: Dezember 04, 2016, 20:54:26 nachm. »
Hallo Forum

Nach Monaten der freiwilligen Zurückgezogenheit vom Forum (ich hatte die Nase voll von einigen Schreiberlingen), möchte ich ein hiermit ein kurzes Lebenzeichen absetzen.

Ich beschäftige mich momentan ein wenig mit Hexaedriten und habe etwas Schönes fotografisch festgehalten, dass mir würdig erscheint, es mit Euch zu teilen.

Wir alle kennen die Neumannschen Linien in Hexaedriten (Beispiel: Boguslavka, North Chile, Guadalupe Y Calvo, Braunau usw.) und es wird immer von der „Spaltbarkeit nach dem Hexaeder“ gesprochen, geschrieben. Aber was ist denn die Spaltbarkeit? Oft werde und wurde ich schon gefragt, ob ich die Spaltbarkeit zeigen könnte. Jetzt möchte Euch gerne die Spaltbarkeit der Hexaedriten anhand einiger Bilder zeigen.

Vorgeschichte: Eine dünne Platte North Chile hatte sich beim Schneiden im Keller mit dem Schneidblatt verhakt und dabei hat es einen kräftigen Ruck/Knall gegeben und das alte, aber noch funktionstüchtige Schneidblatt hat sich mit einem Schlag ins Jenseits verabschiedet. Beim Heraushebeln der NC-Platte ist es dann passiert. Ein knapp 3 g Stückli ist an genau diesen „Spaltflächen“ von dem grösseren Stück abgebrochen. Als der erste Ärger vorbei und der „Schaden“ akzeptiert war, hab ich vor lauter Begeisterung nur noch so gestaunt. Spaltflächen per Excellence!

Ni-arme Eisenmeteorite (Hexaedrite) haben ca. 5.5 bis 6.5% Ni-Gehalt. Bestehen also nur aus Kamazit. Das metallkundliche Gitter von Kamazit ist kubisch-raumzentriert (krz). Die Spaltflächen liegen gemäss der Millerschen Indizierung auf den kristallografischen Flächen <<110>> der Elementarzelle der Gitterstruktur. Die Winkel der Flächen sind bei der Spaltung also in Abhängigkeit von den möglichen Flächen innerhalb der krz-Struktur zu sehen. Was wir hier in den folgenden Bildern makroskopisch zu sehen bekommen ist also die räumliche Darstellung der Kristallflächen eines krz-Gitters eines riesigen Kamazit-Einkristalls.

Wünsche noch einen schönen Abend.
Gruss, Allende

Offline Allende

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Re: Spaltflächen in Hexaedriten - visualisiert
« Antwort #1 am: Dezember 04, 2016, 20:56:45 nachm. »
Und noch weitere 2 Bilder mit perspektivischer Ansicht der Spaltflächen, sowie das zerstörte Schneidblatt.

Gruss, Allende

Offline Allende

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Re: Spaltflächen in Hexaedriten - visualisiert
« Antwort #2 am: Dezember 04, 2016, 21:03:25 nachm. »
Und hier noch das gesamte Arrangement.

Offline Murchison´s friend

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Re: Spaltflächen in Hexaedriten - visualisiert
« Antwort #3 am: Dezember 05, 2016, 11:14:56 vorm. »
grüß Dich lieber Allende,

traumhaft !!! x-02

LG,
Michael
Murchison`s friend ist für alles Neue offen - besonders um Meteorite zu finden !

Offline Contadino

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Re: Spaltflächen in Hexaedriten - visualisiert
« Antwort #4 am: Dezember 05, 2016, 11:15:36 vorm. »
Hallo Allende,

das nenn ich mal einen "felicitous accident" !
Vielen Dank für die wirklich interessanten Bilder  x-08

Herzliche Grüße und eine schöne Adventszeit!

Ciao,
Heiner
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Offline ironsforever

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Re: Spaltflächen in Hexaedriten - visualisiert
« Antwort #5 am: Dezember 05, 2016, 11:40:36 vorm. »
Hallo Forum,

danke, Allende, für den Input. North Chile auf der Säge entlang seiner „Spaltflächen“ zerbrochen. Es ist sehr interessant, dies mal an einem aussagekräftigen Stück zu sehen!

Einen weiteren spaltbaren Hexaedriten möchte ich ergänzend zu diesem Thema vorstellen: Twannberg, der wie bereits einigen bekannt ist, seit geraumer Zeit erfolgreich nachgesucht wurde. Wir haben solche Spaltflächen mittlerweile an bzw. in vielen Twannberg-Individualen gefunden. Als Twannberg in der Atmosphäre zerbrach, geschah dies oftmals entlang dieser Sollbruchstellen. Viele Individuale weisen plane Flächen und auffällig kubische Formen auf. So hat z.B. Sergey „the cube“ gefunden, ein Twannberg-Individual, das wir alle zunächst für eine alte Schraubenmutter hielten. Erst eine genaue Analyse durch Beda Hofmann offenbarte, dass es sich tatsächlich um meteoritisches Material handelt (Abb. S. 52 oben im Buch „Der Twannberg-Eisenmeteorit“, Beda A. Hofmann u.a.). Die Spaltbarkeit des Hexaedriten erkennt man wunderbar auch auf bzw. im Schnitt des TW93, eines der größten je gefundenen Twannberg- Individuals („Der Twannberg-Eisenmeteorit“, Beda A. Hofmann u.a., Seite 37 f.).

Und gerade die Geschichte der Spaltbarkeit des Twannberg-Eisens scheint nun auch in eine archäologische bzw. historische Richtung zu führen: Wir fanden auf dem Fund-Berg Mont Sujet auffällig viele kleine Keile (vgl. anliegendes Bild). Zunächst dachten wir an „Axtkeile“ der Waldarbeiter, also Keile, die zur Befestigung des Axtkopfes im Holzschaft dienten. Aber schon die große Anzahl machte uns irgendwann stutzig: Mittlerweile sind es weit über 100 dieser kleinen Keile, die allesamt eine auffällige Wulst am Kopfende besitzen. Da musste man schon -zig Mal wenn nicht hunderte Male draufgeschlagen haben, damit so ein Wulst entsteht. Ergo kann es sich kaum um einen Axtkeil handeln, der ja nicht zum Spalten dient, sondern nur 1-2 Mal in den Schaft eingetrieben wird und wenn er sich lockert, schnell verloren geht. Es liegt vielmehr nahe, dass diese Keile dazu dienten, etwas auf diesem Berg zu spalten…

Auf eine mögliche historische Nutzung des Twannberg-Meteoriten deutet auch folgender Umstand hin: In nur ca. 7 km Luftlinie von unseren Funden entfernt liegt ein kleiner Ort namens La Tène. In der Eisenzeit war dieser Ort eines der Hauptzentren keltischer Eisenproduktion. Bereits seit dem 19. Jahrhundert ist dieser Ort namensgebend für die Latène-Eisenzeit, einer vorrömischen Epoche von etwa 450 v.Chr. bis ca. Christi Geburt. Ist es nicht einfacher massives Eisen zu verarbeiten, statt aufwendig Eisen aus Erz zu verhütten?

Was nun könnte man auf dem Fund-Berg Mont Sujet spalten außer Stein? Es käme durchaus in Betracht, dass die Menschen bereits vor über 2000 Jahren meteoritisches Eisen auf dem Mont Sujet fanden und es sammelten um es zur Eisenproduktion zu verwenden. In diesem Zusammenhang sein betont, dass die Funde allesamt nicht sehr tief lagen, im Einzelfall sogar aus der obersten Bodenschicht herauslugten. Größere Massen wären früher wohl sichtbar gewesen.

Unterstellt, die Menschen hätten bereits vor über 2000 Jahren meteoritisches Eisen auf dem Mont Sujet abgebaut, wäre es sehr vorteilhaft, wenn größere Brocken zerkleinert werden könnten, zum einen um sie leichter transportieren zu können, zum anderen aber auch um sie einfacher einschmelzen zu können. Ich behaupte mal, dass ein hexaedritisches Eisen relativ leicht mit einem kleinen Meissel entlang der Sollbruchstellen zu spalten ist.

Das würde auch erklären, wo die verschollene Masse eines Körpers verblieben ist, der vor dem Eintritt in die irdische Atmosphäre einen Durchmesser von bis zu 20 m mit einer Masse von 33.000 t hatte („Der Twannberg-Eisenmeteorit“, Beda A. Hofmann u.a., Seite 17 f.).

Ich möchte betonen, dass der erste, der diese Theorie aufwarf, Marc Jost war. Mittlerweile gibt es einige Befürworter dieser Theorie, mich eingeschlossen, denn wir fanden noch viele weitere Indizien über frühe Aktivitäten auf dem Mont Sujet, wie z. B. zahlreiche steinerne Fundamente (alle 4mx4m groß und oft in Rufweite zueinander um den Berg herum angeordnet bzw. an strategisch günstigen Stellen), die nach unserer laienhaften Auffassung auch Fundamente von Wachtürmen gewesen sein könnten. Was soll man auf dem Berg bewacht haben, wenn nicht das wertvolle gediegene Eisen? Dass sich dort oben Menschen bereits seit der Bronzezeit aufhielten, dürfte mittlerweile aufgrund der zahlreichen archäologischen Funde unstreitig sein.

Wen dieses Thema näher interessiert, dem sei das Twannberg-Buch mit „Marc´s Vision“ ab S. 58 (zu beziehen hier: http://wck.me/10MC) sowie auch das aktuelle Space Rocks Magazine von Michael Johnson (Ausgabe November 2016, in englischer Sprache http://wck.me/10MB) ans Herz gelegt.
Auch die aktuelle Museums-Website des Naturhistorischen Museums Bern wird immer wieder mal geändert oder ergänzt: www.twannbergmeteorit.ch

Gruß,
Andi x-02

P.S.: Ich werde mich noch um aussagekräftige Bilder von Individualen bemühen. Muss ich erst mit dem Urheber abklären...
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Offline gsac

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Re: Spaltflächen in Hexaedriten - visualisiert
« Antwort #6 am: Dezember 05, 2016, 16:43:28 nachm. »
Sehr spannender Input, vielen Dank "Allende" und Andi!

:hut: Alex :super:

Offline herbraab

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Re: Spaltflächen in Hexaedriten - visualisiert
« Antwort #7 am: Dezember 05, 2016, 23:04:15 nachm. »
Danke, Allende und Andi, für die Infos und die Bilder.

@Andi: Ich nehme an, ihr habt die "Axtkeile" auch mal untersuchen lassen, ob diese selbst aus meteoritischem Eisen bestehen? Gibt es eventuell auch eine Altersbestimmung dieser "Axtkeile"?

Ich möchte zu dem Thema ein Foto des 2,1 kg schweren Stückes des Hexaedriten von Braunau betitragen, das im NHM Wien aufbewahrt wird. Das Stück zeigt links eine Sägefläche, rechts eine "Bruchfläche" (eigentlich Spaltfläche), wobei der "Bruch" entlang der gut erkennbaren, würfelförmigen Spaltflächen erfolgte.

Buchwald merkt in seinem "Handbook of Iron Meteorites" an: "Haidinger (1847) observed that the whole mass was one ductile crystal which would easily split along the cubic cleavage planes with a blow from a hammer". Möglicherweise hat Haidinger die Hammerschlag-Spalt-Methode an dem hier gezeigten Stück erprobt.

Die beigefügte Aufnahme stammt aus dem Jahr 2011, entstand also noch vor der Neuaufstellung der Meteoritensammlung des NHM. Wie hier zu sehen ist, wurde mit einem Schild damals auf die Spaltfläche extra hingewiesen. Das ist heute (leider) nicht mehr der Fall.

Hier gibt es ein Video das den Meteoriten Boguslavka im Fersman Mineralogical Museum in Moskau zeigt. Was hier wie ein gerader Schnitt durch den Meteoriten aussieht, ist tatsächlich eine Spaltfläche, entlang der sich die beiden Stücke, die rund 1km voneinander entfernt gefunden wurden, beim Fall getrennt haben. Buchwald schreibt dazu: "...the two masses match almost perfectly along a cubic cleavage plane...".

x-02
Herbert
« Letzte Änderung: Dezember 05, 2016, 23:38:07 nachm. von herbraab »
"Daß das Eisen vom Himmel gefallen sein soll, möge der der Naturgeschichte Unkundige glauben, [...] aber in unseren Zeiten wäre es unverzeihlich, solche Märchen auch nur wahrscheinlich zu finden." (Abbé Andreas Xaverius Stütz, 1794)

Offline Pinchacus

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Re: Spaltflächen in Hexaedriten - visualisiert
« Antwort #8 am: Dezember 06, 2016, 08:18:34 vorm. »
Und gerade die Geschichte der Spaltbarkeit des Twannberg-Eisens scheint nun auch in eine archäologische bzw. historische Richtung zu führen: Wir fanden auf dem Fund-Berg Mont Sujet auffällig viele kleine Keile (vgl. anliegendes Bild). Zunächst dachten wir an „Axtkeile“ der Waldarbeiter, also Keile, die zur Befestigung des Axtkopfes im Holzschaft dienten. Aber schon die große Anzahl machte uns irgendwann stutzig: Mittlerweile sind es weit über 100 dieser kleinen Keile, die allesamt eine auffällige Wulst am Kopfende besitzen. Da musste man schon -zig Mal wenn nicht hunderte Male draufgeschlagen haben, damit so ein Wulst entsteht. Ergo kann es sich kaum um einen Axtkeil handeln, der ja nicht zum Spalten dient, sondern nur 1-2 Mal in den Schaft eingetrieben wird und wenn er sich lockert, schnell verloren geht. Es liegt vielmehr nahe, dass diese Keile dazu dienten, etwas auf diesem Berg zu spalten…
[...]
Was nun könnte man auf dem Fund-Berg Mont Sujet spalten außer Stein?[...]

Ich möchte betonen, dass der erste, der diese Theorie aufwarf, Marc Jost war. Mittlerweile gibt es einige Befürworter dieser Theorie, mich eingeschlossen, denn wir fanden noch viele weitere Indizien über frühe Aktivitäten auf dem Mont Sujet, wie z. B. zahlreiche steinerne Fundamente (alle 4mx4m groß und oft in Rufweite zueinander um den Berg herum angeordnet bzw. an strategisch günstigen Stellen), die nach unserer laienhaften Auffassung auch Fundamente von Wachtürmen gewesen sein könnten. Was soll man auf dem Berg bewacht haben, wenn nicht das wertvolle gediegene Eisen? Dass sich dort oben Menschen bereits seit der Bronzezeit aufhielten, dürfte mittlerweile aufgrund der zahlreichen archäologischen Funde unstreitig sein.

Hallo Andi, hallo Allende,

danke für das Zeigen des interessanten Stückes und für die Hintergrundinformationen!

Zu der (prä)historischen Nutzung der Höhenlage ein paar (all)gemeine Anmerkungen eines Advocatus diaboli: (  :winke: )

Die Zusammenführung "Keile, "Befestigungsanlagen" und "Eisen" hat natürlich etwas "Leckeres", und ich möchte nicht bestreiten, dass der "Twannberg" vorzeitlich evtl. zu großen Teilen zu profanen Gebrauchsgegenständen weiter verarbeitet wurde (wenigstens wurde er nicht gegessen, so wie andere Mets). Die herkunft des Eisens sollte sich ja auch gut bestimmen lassen. (Evtl. etwas für die VW-Stiftung, die finanziert ja die meisten montanarchäologischen Projekte in Europa?)

Aber: Höhenlagen waren stets von solchem Wert (wirtschaftlich, strategisch, militärisch), dass ein Befestigungswerk alleine schon aus sich selbst heraus gerechtfertigt war. Da ihr die Gegend gründlich angesucht habt (und, bezogen auf die Größe der Fläche, sicherlich deutlich gründlicher als das ein archäologisches Survey-Team getan hätte), verwundert mich die Anzahl der gefundenen Keile nicht. Zur Verwendung: wenn es eine hölzerne Verbindung der Wachtürme gab: es gab es sicherlich auch einen Bedarf für viele Keile beim Bau. Und auch die steinernen Fundamente sind sicherlich vor Ort gebrochen worden (?). Wenn ich mir meine Meißel nach so manchem Geländeeinsatz ansehe: da braucht es keine lange Nutzung um solche Bärte zu erzeugen.

So aus Sicht eines Geoarchäologen: ich denke nicht, dass die archäologischen Beifunde dort liegen, weil der "Twannberg" dafür gesorgt hat, dass das eine besondere ("heilige", "schwingungsgeladene", oder gewinnbringende) Location war. Falls die Sachen doch alle miteinander verknüpft sind, wurde das Eisen eher als Rohstoff-Sahnehäubchen genutzt, um naheliegende und eh geplante Befestigungsbauvorhaben zu "supporten".

Besten Gruß

Johannes
« Letzte Änderung: Dezember 06, 2016, 08:54:15 vorm. von Pinchacus »
So lange Fiktionsapparaturen latente Illusionen nicht manifestieren können, ist eine Realisation des Illusionären latent Fiktiv!

Be more specific! http://www.youtube.com/watch?v=PusCpQIbmCw

Offline Andyr

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Re: Spaltflächen in Hexaedriten - visualisiert
« Antwort #9 am: Dezember 06, 2016, 08:52:03 vorm. »
Beeindruckendes Foto, Herbert  :super:
Danke für's Zeigen.

Gruß

AndyR

Offline ironsforever

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Re: Spaltflächen in Hexaedriten - visualisiert
« Antwort #10 am: Dezember 06, 2016, 09:36:41 vorm. »
Hallo Forum,

wie versprochen hier ein Bild vom Cube, das mir dankenswerterweise von Beda Hofmann vom Naturhistorischen Museum Bern (NMBE) überlassen wurde (copyright Thomas Schüpbach).

Danke auch für die letzten Beiträge. Ich habe mich sehr gefreut über den Youtube-Link von Herbert, wo man endlich mal den Boguslavka-Meteoriten in voller Pracht erkennen kann. Seit Jahren bin ich schon auf der Suche nach einem aussagekräftigen Foto der Fundmasse, da ich von diesem Material ein schönes Stück in meiner Sammlung habe.

@ Herbert: Soweit mir bekannt, werden die gefundenen Werkzeuge und Artefakte schon auf einen Zusammenhang zu Meteoriteneisen untersucht - bislang noch ohne (veröffentlichtes) Ergebnis. Das Problem dabei ist der sehr niedrige Nickelgehalt des Twannberg-Meteoriten: Der Nickelgehalt beträgt nur ca. 4,5% im Metall („Der Twannberg-Eisenmeteorit“, Beda A. Hofmann u.a, S. 16). Es dürfte im Hinblick auf frühere Schmiedeversuche anderer reiner Meteoriteneisen - das Ergebnis war zumeist enttäuschend - naheliegend sein, dass auch Twannberg in reiner Form nicht für Werkzeug und Waffen zu geeignet war. Wahrscheinlich hätten die Schmiede dieses Eisen mit Alteisen anderer Art erst strecken bzw. aufbereiten müssen. Damit wird der Nachweis von Meteoriteneisen in Werkzeugen schwierig.

Johannes führt nachvollziehbare Argumente ins Feld, wonach die die Besetzung des Berges (auch) aus wirtschaftlichen, strategischen und militärischen Gründen erfolgt sein könnte; auch ich hatte die mögliche Nutzung der Keile zum Bruch von Steinen ja bereits oben angedeutet. Und in der Tat dürfte der Mont Sujet strategisch wichtig gewesen sein, zumal man von dort aus das erste Paralleltal zum Bieler See überwachen konnte. Während es unten am See sicher sumpfig war und schwierig, vorwärts zu kommen, war es dort oben im Bereich der heutigen Gemeinden Lamboing, Diesse und Nods wohl einfacher von Nord nach Süd oder umgekehrt zu reisen.

Marc, Sergey und ich sind aus archäologischer Sicht blutige Laien und auch keine Meteoritenwissenschaftler. Gleichwohl bekommt man nach jahrelanger Arbeit vor Ort ein Gesamtbild in den Kopf, das mehr und mehr auf frühere, zielgerichtete Eisengewinnung hindeutet. Ein weiteres Indiz hierfür sind z.B. auch Hänge auf dem Mont Sujet, die übersät sind mit Löchern (durchschnittl. Durchmesser ca. 2 m), neben welchen - ausnahmslos hangabwärts - der Aushub liegt. Zuerst dachten wir  an eine natürliche Entstehung, beispielsweise reißt ein durch Sturm umgestürzter Baum mit seinen Wurzeln das Erdreich auf. Wenn Baum und Wurzelballen verrotten, bleibt ein Loch mit einem Steinhaufen daneben. Unerklärlich ist aber, warum die Haufen allesamt hangabwärts liegen. Auf diese Art gräbt man ein Loch am Hang, alles andere wäre kontraproduktiv, weil der Aushub sonst wieder zurück ins Loch fällt. Bei einem Sturm würden aber nicht alle Bäume hangabwärts fallen. Und warum gibt es diese Hügel mit Löchern nicht auf den benachbarten Bergen? Erstaunlicherweise waren diese lochübersäten Hänge oft dort zu finden, wo wir auch Meteoriteneisen fanden. Nicht auszuschließen ist natürlich auch, dass die Menschen dort große Steine abbauten, aber irgendwie ist die Theorie der frühen Eisengewinnung noch lange nicht vom Tisch.

Die Meteoritenfragmente liegen - soweit wir bislang fündig wurden - nicht in tiefen Erdschichten. Das harte Grundgestein taucht oft schon in 10-20 cm Tiefe auf. Auch Krater haben wir bislang keine gefunden. So könnte doch ein flacher Eintrittswinkel des Boliden in dieser Gegend ein Streufeld geschaffen haben, bei dem das Eisen früher mehr oder weniger an der Oberfläche lag, sodass es auch die Menschen vor 2000 Jahren finden konnten.

Wie gesagt - das sind bislang alles Spekulationen und Theorien von uns Laien. Bislang gibt es meines Wissens noch keine "offizielle" Theorie seitens der Wissenschaft, die in Richtung Eisengewinnung deutet. Gleichwohl macht es viel Spaß, sich mit solchen Fragen zu beschäftigen und vielleicht ist ja manchmal eine unbedarfte Laiensicht der Grund für weitere Forschung und Erkenntnis.

Beste Grüße,
Andi x-02
Metaphysik ist der Versuch, in einem verdunkelten Zimmer eine schwarze Katze zu fangen, die sich gar nicht darin befindet (Karl Valentin)

Offline herbraab

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Re: Spaltflächen in Hexaedriten - visualisiert
« Antwort #11 am: Dezember 06, 2016, 20:59:36 nachm. »
wo man endlich mal den Boguslavka-Meteoriten in voller Pracht erkennen kann. Seit Jahren bin ich schon auf der Suche nach einem aussagekräftigen Foto der Fundmasse, da ich von diesem Material ein schönes Stück in meiner Sammlung habe.

Ein einigermassen gutes Bild (wenn auch in Scwarz/Weiss) ist in "Principles of Meteoritics" von Krinov auf Seite 230 zu finden. Das selbe Bild (in etwas besserer Druckqualität) ist auch in "Meteorites" von Brian Mason auf Seite 36 abgedruckt.

x-02
Herbert
« Letzte Änderung: Dezember 06, 2016, 21:37:44 nachm. von herbraab »
"Daß das Eisen vom Himmel gefallen sein soll, möge der der Naturgeschichte Unkundige glauben, [...] aber in unseren Zeiten wäre es unverzeihlich, solche Märchen auch nur wahrscheinlich zu finden." (Abbé Andreas Xaverius Stütz, 1794)

Offline speul

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Re: Spaltflächen in Hexaedriten - visualisiert
« Antwort #12 am: Dezember 06, 2016, 21:46:15 nachm. »
Moin,
Du zeigst die Spaltfläche nach 110.
Müßte nicht auch eine, neben der gezeigten von 100, eine nach 111 existieren?
speul
Lächle einfach - denn du kannst sie nicht alle töten

Offline Allende

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Re: Spaltflächen in Hexaedriten - visualisiert
« Antwort #13 am: Dezember 07, 2016, 21:30:45 nachm. »
Hallo Speul

Gut, ich war vielleicht etwas ungenau mit meiner Erklärung/Deutung. Hier ein erweiterter Erklärungsansatz.

Die Spaltflächen oder Spaltebenen entsprechen grundsätzlich auch in einem ungestörten Elementarzellenverbund = Gitterstuktur den Gleitebenen. Im kubisch raumzentrierten alpha-Eisen, hier „übersetzt“ mit Kamazit sind 6 Gleitebenen  <<110>>, weitere 6 Gleitebenen <<211>> und 24 Gleitebenen <<321>> theoretisch möglich. Welche der Gleitebenen zu Spaltebenen werden, hängt von der Schock-Vorgeschichte (Stossrichtung der Druckwelle, z.B. bei Kollisionen des Mutterkörpers oder beim Herausschlagen aus dem Mutterkörper) des Eisens ab. So kann ich es mir von der Metallkunde der Eisen auf die Eisenmeteorite selber ableiten und verständlich machen.
<<111> Spaltebenen sind im kubisch raumzentrierten-Gitter nicht möglich. Im kubisch flächenzentrierten Gitter (kfz) sind sie als Gleiteben jedoch Tatsache.

Hoffe, dass es hilft und klarer geworden ist.

Gruss, Allende

 

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