Autor Thema: Gneis o. Sandstein?  (Gelesen 1863 mal)

Offline Steinpilz

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Gneis o. Sandstein?
« am: Juni 11, 2017, 15:52:19 Nachmittag »
Hallo Geschiebe-Spezialisten, :hut:
ich kann mich bei diesem Bewohner einer Endmoräne nördlich von Berlin nicht entscheiden, ob ich ihn als Gneis oder Sandstein Richtung Nexö-Sandstein ansprechen soll. :gruebel: Die oberflächlich stark verwitterte Rinde hat leidlich erkennbare Rillen bzw. Kratzspuren (denke ich), die ich dem Gletscher zuordnen würde. Auf den Bildern 1 und 2 von oben nach unten. Andererseits scheint er eine unregelmäßige Schichtung von rechts nach links zu haben. Auf dem Scann eventuell erkennbar.
Er zeigt oberflächlich einigen Glimmer (Katzengold) und eine insges. gleichmäßige wie körnige Matrix, welche aber deutliche Farbunterschiede hat. Er ist säureunempfindlich, nicht magnetisch und man kann relativ einfach, in Schichtrichtung, Splitter abschlagen. Das Gewicht beträgt 39g, er ist rund 4,5cm breit, 3,3cm hoch und durchschnittlich 1cm tief.

Könnt Ihr helfen?
 :winke:

Offline JFJ

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Re: Gneis o. Sandstein?
« Antwort #1 am: Juni 12, 2017, 19:17:26 Nachmittag »
Moin Steinpilz,

leider kann man auf den Fotos nicht die signifikanten Unterschiede zwischen den beiden Gesteinstypen erkennen.
Im frischen Bruch zeigen sich bei Sandsteinen an den Bruchflächen eindeutig einzelne Körner, welche bei Quarzitsandsteinen zu verwaschen beginnen, bzw. bereits verwaschen sind.

Ich meine auf dem 3. Bild Mafite als winzige dunkle Minerale (Biotit?) zu erkennen, die in einem Sandstein so nichts verloren hätten, oder täuscht das Foto?
Obwohl ich zu Gneis tendiere, kannst Du ja noch mal Detailfotos (frischer Bruch und die von Dir erwähnte Schichtung) versuchen.

Gruß
Jörg
Ich mag Geschiebe, weil sie die entgegenkommendsten Gesteine sind.

Offline Steinpilz

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Re: Gneis o. Sandstein?
« Antwort #2 am: Juni 12, 2017, 21:02:49 Nachmittag »
Ich dachte wegen der körnigen Verwitterungsrinde zuerst an Sandstein. Nach den beiden Anschnitten sofort an Gneis und nach dem Schleifen wegen der relativ gleichmäßigen Körnung wieder an Sandstein. Wozu aber die deutlich unterschiedlichen Färbungen, so nur bei wenigen Arten vorkommen und mit dunklem Biotid kannst Du durchaus recht haben. :gruebel:
Obwohl ich zu Gneis tendiere, kannst Du ja noch mal Detailfotos (frischer Bruch und die von Dir erwähnte Schichtung) versuchen.
Jo, es würde sonst nur ein Gerate bleiben, also haue ich mal drauf und mache dann die Foto's. Geht aber erst morgen.

Erstmal besten Dank für Deine Einschätzung! :hut:

Offline Met1998

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Re: Gneis o. Sandstein?
« Antwort #3 am: Juni 13, 2017, 14:42:19 Nachmittag »
Hallo Steinpilz,
für mich ist das Sandstein.

Ich möchte deine Fotos von Funden nördlich Berlins, und die Bedeutsamkeit? ob Sandstein oder Gneis, nicht beurteilen.
Ich zeige dir nur mal Sandsteine aus Kiesgruben südlich Berlins. Mit unterschiedlicher:
 · Korngröße, (3)
 · Festigkeit (Dichte/Gewicht)
 · Farbe und Farbverläufen (2)
 · Schichtungen von rechts nach links
 · Mit und ohne Glimmer
Ob aus dem Norden (Eiszeit) oder Süden (Urelbe), kann ich nicht beurteilen, ich bin auch nur Sammler und Jäger.

Der Große in der Mitte (1) sah voriges Jahr noch schön rötlich aus! Sie können also an der Luft/Wasser auch verblassen.

Gruß Ehrfried :hut:
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Offline Steinpilz

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Re: Gneis o. Sandstein?
« Antwort #4 am: Juni 13, 2017, 18:09:00 Nachmittag »
So, ich habe dann mal versucht, den Stein an der vermeintlichen Querschichtung  (Bild 1, siehe Pfeil) zu spalten. Das funktionierte leider eher suboptimal, denn der Stein brach in der Vertikalen, also in Richtung, der von mir vermuteten “Gletscherrillen“. Die gleiche Richtung, in der sich schon vorher relativ einfach, scherbige Splitter abschlagen ließen.
Ich wage keine Bestimmung und hoffe, dass die Bilder für Euch so nützlich sind, dass Ihr eine grobe Zuordnung vornehmen könnt. :gruebel:

Ich möchte deine Fotos von Funden nördlich Berlins, und die Bedeutsamkeit? ob Sandstein oder Gneis, nicht beurteilen.


Ehrfried ich verstehe Dich natürlich, aber es geht mir hauptsächlich darum, die “Grundarten” besser unterscheiden zu lernen. Bei einigen gelingt mir das schon recht ordentlich, aber es gibt auch noch ein paar Baustellen, wie Du hier siehst.
Mein Nahziel ist es, 90% der Steine grob und bereits vor Ort zuordnen zu können, damit ich nicht so viele “Ballaststeine” mit nach Hause schleppe, aber auch um die jeweilige Sammelstelle besser daraufhin beurteilen zu können, ob diese einen lohnenden Anteil des Geschiebes führt, dem meine Suche gilt. :einaugeblinzel:

Habe vielen Dank für Deine tollen Beispielbilder. Besonders das Erste ist sehr schön. Weißt Du, was für ein Sandstein das ist? :super::

Offline Steinpilz

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Re: Gneis o. Sandstein?
« Antwort #5 am: Juni 13, 2017, 18:13:07 Nachmittag »
Noch drei Bilder!

Offline Met1998

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Re: Gneis o. Sandstein?
« Antwort #6 am: Juni 13, 2017, 19:25:28 Nachmittag »
zum Sandstein:
Zitat
Mein Nahziel ist es, 90% der Steine grob und bereits vor Ort zuordnen zu können.
Davon bin ich noch weit entfernt! Ob das ein Geologe schafft.  :gruebel:

Zitat
Weißt Du, was für ein Sandstein das ist?
Ich vermute!:
Sphaerosiderit (Schonen, Bornholm)
http://strandsteine.de/Sphaerosiderit.htm

, oder
Orsa-Sandstein (Dalarna)
http://www.strandsteine.de/Orsa-Sandstein.htm

Ist für mich aber nicht von Bedeutsamkeit. Nicht vitrinentauglich, liegt im Kiesbett.

Ehrfried :winke:
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Offline Pinchacus

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Re: Gneis o. Sandstein?
« Antwort #7 am: Juni 13, 2017, 21:36:51 Nachmittag »
Zitat
Weißt Du, was für ein Sandstein das ist?
Ich vermute!:
Sphaerosiderit (Schonen, Bornholm)
http://strandsteine.de/Sphaerosiderit.htm

Eher ein feinkörniger Gneis. Bezüglich der Relevanz stimme ich Dir unumwunden zu.
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Be more specific! http://www.youtube.com/watch?v=PusCpQIbmCw

Offline Met1998

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Re: Gneis o. Sandstein?
« Antwort #8 am: Juni 14, 2017, 09:50:59 Vormittag »
Moin Steinpilz, :hut:
zu meinem roten Sandstein/feinkörniger Gneis:
Zitat
Eher ein feinkörniger Gneis.
Ich kenne zwar die Qualifikation von Pinchacus nicht, und sehe das auch nicht so verbissen,
eben drei Geologen/Fachleute – drei verschieden Meinungen!

Mit Hilfe von Lupe, oder Stereomikroskop, gibt ein frischer Bruch beim Aufsuchen des Gesteins, Aufschluss über den Gesteinstyp.
So wird es auch mit deinem dargestellten Sandstein/feinkörnigem Gneis sein. (signifikante Unterschiede)

Ich halte mich bei der Bestimmung an Hand von Fotos an Frau Hildegard Wilske, „Kann-sein"- Bestätigung:
Zitat
...die Gesteins-Vielfalt unserer Landschaft ist eine Ausnahmesituation - ein Geschenk und eine nicht immer leichte, aber spannende und abwechslungsreiche Aufgabe
(bzw. an karlov und Jörg)

Gruß Ehrfried
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Offline Steinpilz

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Re: Gneis o. Sandstein?
« Antwort #9 am: Juni 14, 2017, 11:24:52 Vormittag »
Moin, Moin Ehrfried, :hut:
bin ganz bei Dir. Ich finde, dass dies nur ein weiteres schönes Beispiel dafür ist, wie schwierig selbst die Zuordnung zu einer „Grundart“ im Einzelfall werden kann. Je mehr ich darüber lese, um so klarer wird mir dies. Besonders, wenn es um eine genaue Arten-Bestimmung geht, dann haben sogar Geologen gelegentlich im Feld große Schwierigkeiten und benötigen die Möglichkeiten Ihres Labors.

Und ja, 90% ist wohl eine etwas zu ambitionierte wie optimistische Zielstellung. :smile: Ich wollte eigentlich auch nur zum Ausdruck bringen, dass es mir hauptsächlich um die Unterscheidung in die Gruppen der Granite, Porphyre, Basalte, Gneise, Sandsteine, Flinte, Kalksteine und Quarze geht. Eine Arten-Bestimmung wird mir auch in Jahren sicherlich nur im Einzelfall und bei den eher einfachen Problemstellungen (wie Feuerstein) gelingen. :lacher:   

Deinen Stein finde ich trotzdem sehr hübsch, egal ob nun im Sediment oder metamorph entstanden. :super:

Ich weis nicht, ob jedem hier immer so klar ist, wie sehr Ihr gerade Anfängern helft, sich in Euer Hobby oder gar Profession einzuarbeiten und damit für den eigenen Nachwuchs sorgt.
Schon klar das es die „Hardcore-Indianer“ nervt, wenn sie zum tausendsten Mal einen Brauneisenstein bestimmen sollen, weil ein Töchterchen seinen Papa gezwungen hat, den, beim Pilzesuchen gefundenen, schönen braunschwarz glänzenden Stein mitzunehmen und festzustellen, ob der Fund denn etwas Besonderes und/oder Wertvolles ist. :einaugeblinzel:

Aber da müsst Ihr Experten halt durch!  :baetsch:

Bis die Tage Ehrfried :winke:

Offline Buchit

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Re: Gneis o. Sandstein?
« Antwort #10 am: Juni 14, 2017, 21:30:39 Nachmittag »
Hallo, :hut:

nochmal kurz zum Anfangsgestein: Da steckt - wie Jörg schon angemerkt hat - offensichtlich einigermaßen reichlich Biotit drin. Biotit (und Glimmer allgemein) kommen aber eigentlich nur in kompositionell unreifen Sedimentgesteinen häufiger vor; sonst sind sie in Metamorphiten und Plutoniten deutlich häufiger. Und wenn man sich mal die einheitliche Korngröße im Querschnitt des dritten Bildes anschaut, dann hat man nicht das Gefühl, einem kompositionell unreifen Sedimentgestein gegenüber zu stehen: Die Körner scheinen fast alle gleich groß zu sein, und Quarz scheint zu dominieren.

Alles in allem: Ich schließe mich der Gneis-Fraktion an (wie immer unter Vorbehalt).

Gruß,
Holger

Offline Pinchacus

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Re: Gneis o. Sandstein?
« Antwort #11 am: Juni 14, 2017, 23:16:05 Nachmittag »

Eher ein feinkörniger Gneis. Bezüglich der Relevanz stimme ich Dir unumwunden zu.

Ich meinte natürlich das Geröll vom Steinpilz und nicht Ehrfrieds roten Sandstein (der geschiebetechnisch nicht so einfach zuzuordnen ist, einen Sphaerosiderit möchte ich aber ausschließen)

Glück Auf!

Johannes
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Offline Steinpilz

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Re: Gneis o. Sandstein?
« Antwort #12 am: Juni 15, 2017, 13:58:03 Nachmittag »
Jo, dann mal allen Beteiligten meinen herzlichsten Dank. :danke:

Es freut mich, dass ich nicht so weit daneben lag (wird doch langsam), Ihr habt sehr geholfen. Der nächste Kandidat liegt schon bereit, aber ich will vorher noch ein paar bisher ungelesene Quellen durchsehen, bevor ich Euch wieder behellige.

Dann bis zum nächsten Stein! :winke:

 

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