Autor Thema: Die vermutlich ältesten Quarzkristalle des Sonnensystems  (Gelesen 2645 mal)

Offline Wunderkammerad

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Re: Die vermutlich ältesten Quarzkristalle des Sonnensystems
« Antwort #15 am: September 25, 2017, 23:56:42 nachm. »
Wurde eigentlich unabhängig vom neu vorgestellten NWA 11119 ein entsprechend hohes Alter für die Kristalle von NWA 7325 festgestellt? Wenn man das Postulat eines gemeinsamen parent bodies mal aufnimmt, wäre das doch naheliegend?

Offline Chondrit 83

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Re: Die vermutlich ältesten Quarzkristalle des Sonnensystems
« Antwort #16 am: September 26, 2017, 00:23:31 vorm. »
Hallo Wunderkammerad,

Hier werden einige Angaben zum Alter von NWA 7325 gemacht. Z.B. Das Kristallisationsalter von 4,56309 Jahren.
Also 4,2 Millionen Jahre nach der Bildung von CAIs (aus dem Text entnommen)

http://www.meteoritestudies.com/protected_NWA7325.HTM

Gruß

Marco
Mit einem Gibeon hat’s begonnen....

Offline Wunderkammerad

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Re: Die vermutlich ältesten Quarzkristalle des Sonnensystems
« Antwort #17 am: September 26, 2017, 00:39:44 vorm. »
Danke, Marco. Nun, damit scheinen die beiden NWAs 11119 und 7325 nicht allzu weit auseinander zu liegen, relativ gesehen. Einen gemeinsamen PB schließt das wohl nicht aus.

Immer wenn ich Fotos vom 7325er sehe, von Stefan oder von Peter Marmet, haut's mich schier vom Hocker. Unglaubliche Materie. Werde jetzt mal mein kleines 1 g Vollscheibchen rausholen ud kontemplieren.

Offline Chondrit 83

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Re: Die vermutlich ältesten Quarzkristalle des Sonnensystems
« Antwort #18 am: September 26, 2017, 00:43:56 vorm. »
Hallo Wunderkammerad,

ich teile deine Faszination zu 100%  :prostbier:

Liebe Grüße

Marco
Mit einem Gibeon hat’s begonnen....

Offline Wunderkammerad

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Re: Die vermutlich ältesten Quarzkristalle des Sonnensystems
« Antwort #19 am: September 26, 2017, 00:48:34 vorm. »
Grüße retour und wünsche ein guds Nächtle.

Offline stollentroll

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Re: Die vermutlich ältesten Quarzkristalle des Sonnensystems
« Antwort #20 am: September 26, 2017, 08:47:39 vorm. »
Das ist ein höchst faszinierendes Material.
Was mich allerdings irritiert ist, dass hier immer von Quarzkristallen die Rede ist. Gibt es eine analytische Bestätigung, dass es sich um Quarz handelt?
In den Veröffentlichungen wird das Material als Tridymit-reich beschrieben. Tridymit ist aber kein Quarz.
Die Bildungsbedingungen beider Phasen sind unterschiedlich, insofern hat eine korrekte Bestimmung erheblichen Einfluss auf die Deutung der Entstehung.

Grüße,
Thomas

Offline Wunderkammerad

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Re: Die vermutlich ältesten Quarzkristalle des Sonnensystems
« Antwort #21 am: September 26, 2017, 10:43:01 vorm. »
Tridymit ist eine Modifikation von Quartz, entstanden unter extrem hohen Temperaturen. Eine weitere Hochtemperaturmodifikation von Quartz ist Cristobalit. Dieses findet sich gelegentlich in LDG (Libyschem Wüstenglas). Vielleicht könnten sich daraus Schlüsse ziehen lassen? Wie ist es zu den Schmelzprozessen gekommen?

Wenn Agee vom ältesten ihm jemals untergekommenen differenzierten Gestein spricht und dieses bis auf ein paar wenige Millionen Jahre an das Alter von CAIs heranreicht, dann liegt jedenfalls da erstmal ein Pfund auf dem Tisch.

Offline stollentroll

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Re: Die vermutlich ältesten Quarzkristalle des Sonnensystems
« Antwort #22 am: September 26, 2017, 11:50:33 vorm. »
Die Formulierung ist nicht ganz korrekt.
Exakt ist: Quarz, Tridymit und Cristobalit sind Modifikationen von SiO2.
Die Entstehung von Tridymit ist auch nicht ganz so einfach wie in dem SiO2-Phasendiagramm dargestellt. Dort findet sich nur der sogenannte Hoch-Tridymit. Vom Tridymit gibt es aber verschiedenen Polytypen, die bis runter zu normaler Umgebungstemperatur gebildet werden können. Dabei spielt auch noch eine Stabilisierung der Struktur durch Einbau geringer Mengen an Fremdatomen eine Rolle.

Aussagen zur Temperatur sind ohne genauere Analysen unsicher. Man ist aber auf jeden Fall in einem Bereich mit geringem Druck.

Solange der Kristall nicht identifiziert ist (das sollte zerstörungsfrei mit Mikrodiffraktion gehen), sollte man hier auch nicht von einem Quarzkristall sprechen.

Grüße,
Thomas
 

Offline Thin Section

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Re: Die vermutlich ältesten Quarzkristalle des Sonnensystems
« Antwort #23 am: September 26, 2017, 14:30:09 nachm. »
Solange der Kristall nicht identifiziert ist (das sollte zerstörungsfrei mit Mikrodiffraktion gehen), sollte man hier auch nicht von einem Quarzkristall sprechen.

... sondern einfach von Siliziumdioxyd ?!  :gruebel:

Bernd  :winke:
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Offline stollentroll

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Re: Die vermutlich ältesten Quarzkristalle des Sonnensystems
« Antwort #24 am: September 26, 2017, 15:10:55 nachm. »
Ja, Siliziumdioxid wäre erstmal korrekt. Im Englischen geht das etwas eleganter: "silica". Das wird nur oft fälschlicherweise als "Quarz" übersetzt.
In dem Artikel wird das Material aus der Matrix als Tridymit und Cristobalit beschrieben. Kristalle aus Hohlräumen werden nur als "silica" bezeichnet.

Ob der eingangs gezeigte Kristall nun Cristobalit (sieht mir nicht so aus), Tridymit (halte ich für das Wahrscheinlichste) oder vielleicht sogar tatsächlich Quarz ist (würde ich nicht ausschliessen wollen) ist, müsste man eben durch Analysen belegen.

Grüße,
Thomas

Offline Thin Section

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Re: Die vermutlich ältesten Quarzkristalle des Sonnensystems
« Antwort #25 am: September 26, 2017, 15:26:58 nachm. »
Danke, Thomas!

Bernd  :winke:
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Offline Chondrit 83

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Re: Die vermutlich ältesten Quarzkristalle des Sonnensystems
« Antwort #26 am: September 26, 2017, 16:13:24 nachm. »
Hallo Thomas,

das müsste doch röntgendiffraktometrisch möglich sein oder?

Gruß

Mit einem Gibeon hat’s begonnen....

Offline stollentroll

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Re: Die vermutlich ältesten Quarzkristalle des Sonnensystems
« Antwort #27 am: September 26, 2017, 16:46:19 nachm. »
Ja, mit Mikrodiffraktometrie geht das sogar zerstörungsfrei.

Man kann auch Scheiben zerstörungsfrei röntgendiffraktometrisch analysieren. Ich habe mal meine NWA 7325-Scheibe von 19 x 13 mm ins Gerät gepackt und mit dem gemessenen Diagramm dann eine Rietveld-Quantifizierung gemacht. Das Material ist eigentlich zu grobkristallin dafür und hat fürchterliche Textureffekte gegeben, aber es liessen sich trotzdem 59 Masse-% Anorthit, 27 % Diopsid und 14 % Forsterit (das entspricht etwa 52 Vol.-% Anorthit, 30 % Diopsid und 18 % Forsterit) bestimmen, was sehr gut zu den wahrscheinlich mikroskopisch bestimmten Daten aus der Literatur passt.

Grüße,
Thomas

Offline Chondrit 83

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Re: Die vermutlich ältesten Quarzkristalle des Sonnensystems
« Antwort #28 am: September 26, 2017, 17:17:57 nachm. »
Genial  :wow: :super:
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Offline Hungriger Wolf

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Re: Die vermutlich ältesten Quarzkristalle des Sonnensystems
« Antwort #29 am: September 26, 2017, 20:15:00 nachm. »
Hochinteressanter Meteorit!

Zu -SiO2- in Meteoriten fand ich diese Graphik:

http://meteorites.wustl.edu/metcomp/si_femg.gif

//-> Silikate//

Es ist deshalb, nicht verwunderlich, das auch Kristalle von SiO2, in Meteoriten, vorkommen können!  :wow:

Grüsse  :hut:
Achim
« Letzte Änderung: September 26, 2017, 20:30:34 nachm. von Hungriger Wolf »

 

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