Autor Thema: Kristalline Geschiebe: "Bestimmungswarnung"  (Gelesen 4371 mal)

Offline Pinchacus

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Kristalline Geschiebe: "Bestimmungswarnung"
« am: Oktober 17, 2017, 13:36:26 Nachmittag »
Das hat sich ja die letzten Jahre schon angekündigt, aber seit gestern auch schriftlich auf kristallin.de: http://www.kristallin.de/aktuell.htm#Anker1

Besten Gruß

Johannes
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Offline karlov

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Re: Kristalline Geschiebe: "Bestimmungswarnung"
« Antwort #1 am: Dezember 02, 2018, 22:36:52 Nachmittag »
So richtig hat sich hier noch niemand rangetraut. Matthias Bräunlich ist jemand, der seit vielen Jahren den Leitgeschieben hinterherspürt, mit viel Akribie, Leidenschaft und auf einem wissenschaftlichen Niveau. Ich kann mich noch gut erinnern, dass ich immer ein wenig befremdet war, wenn er meine Geschiebebestimmungen, bei denen ich mir "100%ig" sicher war, zerpflückte und am Ende z.B. "bloß" ein Quarzporphyr oder ein porphyrischer Rapakiwi übrig blieb. Nach einigen Reisen nach Schweden und eifriger Sammelei im Anstehenden wurde mir langsam klar, dass unsere Kenntnis des skandinavischen Grundgebirges sehr rudimentär, allenfalls holzschnittartig ist.

Ich komme darauf, weil wir in einem anderen Thread ("1001 Gestein...") über die Problematik der Bennenung von Geschiebefunden ohne Referenz im Anstehenden sprachen.
Es ging um den "Ragunda-Sphärolithporphyr", und ich übernehme die dortigen Passagen nochmal hierhin, in der Hoffnung, die Diskussion am Laufen zu halten.

Zitat
Es ist insofern problematisch, als dass der Eindruck entsteht, es handele sich hierbei womöglich um Leitgeschiebe. Das Verknüften von Ortsnamen mit Gesteinstypen sorgt für eine schwer entwirrbare Nomenklatur, wobei einzelne Autoren die Benennungen in ihrem Sinne umdefinieren. Man denke nur an die Bezeichnungen "Växjö"- und Filipstad"-Granit, die nicht nach Lokalität, sondern nach Gefüge so gennant werden. Oder die Quarzporphyre aus Rapakiwi-Plutonen wie Rödö, Ragunda etc. Es bringt nichts, einen Porphyr als Rödö-Porphyr zu bezeichnen, wenn man nicht gute Gründe hat, ihn genau dorthin zu verorten und nicht in einem unbekannten Unterwasservorkommen etc.

Durch Bestimmungsbücher wie jenes vom geschätzen Frank Rudolph wird eine Übersichtlichkeit in der Geschiebekunde suggeriert, die nicht besteht. Eine Fahrt ins Anstehende zeigt jedem sofort, wie komplex die Materie vor Ort ist. Viele unserer "Leitgeschiebe" sind noch nicht einmal Momentaufnahmen der dortigen Geologie.

Ich finde den Ansatz von Matthias Bräunlich (und Smed und Vinx) gut: radikal entrümpeln, ohne Rücksicht auf Verluste oder lieb gewonnene Gewohnheiten. Nur bei erfolgtem Vergleich mit Anstehendproben und einigermaßen glaubhafter Begründung, warum diese Steine lokal einzigartig sein sollen, verdient es einen Namen mit Lokalangabe.
Dies würde die Geschiebekunde für alle, v.a. für Einsteiger und Laien, wesentlich zugänglicher machen. Und dann bleiben eben nur 50-60 Leitgeschiebe übrig. Alles andere Interessante sollte dann nur nach seiner petrographischen Auffälligkeit beschrieben werden. Was soll das auch für eine seltsame Genugtuung für den Laien sein, exotische Namen ("Rödö-Syenitporphyr") an Gesteine dran zu pappen?

Letzte Opfer dieser Entrümpelung sind übrigens: Angermanland-Syenitgabbro (Doppelgänger auf Aland) und Radmansö-Gabbro (Anstehendproben stimmen nur zu einem kleinen Teil mit unseren Geschiebefunden überein).

 :hut: karlov
« Letzte Änderung: Dezember 02, 2018, 22:58:49 Nachmittag von karlov »

Offline karlov

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Re: Kristalline Geschiebe: "Bestimmungswarnung"
« Antwort #2 am: Dezember 02, 2018, 22:47:53 Nachmittag »
Ein paar hübsche Bilder gehören natürlich auch dazu.

Das erste Bild zeigt einen Kali-Leptit aus Östergötland (Kolmarden). Wer dachte auf den ersten Blick an einen Flammenpegmatit?  :smile:

Das zweite Bild sind 4 Nahgeschiebe aus dem nordwestlichen Smaland. Der Siljan--Granit (oder das, was wir im Geschiebe so ansprechen), scheint einen Doppelgänger zu haben.

Offline karlov

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Re: Kristalline Geschiebe: "Bestimmungswarnung"
« Antwort #3 am: Dezember 02, 2018, 22:54:04 Nachmittag »
Das erste Bild ist ein Geschiebefund, den ich als nordschwedischen Sorsele-Granit (mit Fragezeichen) bestimmt habe. Aber wissen wir denn, ob es nicht ähnliche Granite an anderen Orten gibt? Bis Sorsele ist es weit...

Der zweite Fund ist ein Rapakiwi-Granit ("Bottensee-Rapakiwi"), der aufgrund einiger Charakteristika (viele dunkle Minerale, dunkle Ringe um kleine Ovoide, längliche bläuliche, kaum korrodierte Quarze der 2. Generation) möglicherweise als Leitgeschiebe geeignet ist (M. Bräunlich det.).

Offline karlov

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Re: Kristalline Geschiebe: "Bestimmungswarnung"
« Antwort #4 am: Dezember 02, 2018, 22:57:56 Nachmittag »
Zuletzt: woher kommen diese schönen grünen, augenscheinlich undeformierten Quarzporphyre mit den hübschen roten Einsprenglingen? Dieser Porphyrtyp wird immer mal wieder gefunden. Vielleicht gibt es davon mehrere Vorkommen. Vielleicht kommt er aus dem Gebiet des Roten Ostsee-Quarzporphyrs. Vielleicht wird der HSV Deutscher Meister.  :wow:
Ich habe ihn jedenfalls unter dem Namen hübscher grüner Quarzporphyr abgelegt.

Grüße  :winke:
karlov

Offline Pinchacus

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Re: Kristalline Geschiebe: "Bestimmungswarnung"
« Antwort #5 am: Dezember 03, 2018, 08:56:47 Vormittag »
Hallo Karlov,

schönes Stück, der Rhyolith im letzten Bild. Kannst Du davon auch mal die "Geschiebeseite" zeigen?

Besten Gruß

Johannes
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Offline Met1998

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Re: Kristalline Geschiebe: "Bestimmungswarnung"
« Antwort #6 am: Dezember 03, 2018, 12:31:35 Nachmittag »
Hallo karlov,                              
hier mal meine (Einsteiger) Meinung zum Thema:
Zuerst dachte ich, als ich Antwort #153 bei 1001 Gestein… las, oder hier Antwort #2:
Will karlov die Geschiebekunde aufmischen?  :wow:  Dein Paukenschlag Richtung mögliche Leitgeschiebe hatte nach einer Woche!, niemanden zu einer Reaktion veranlasst -  warum auch immer? Ich fand es jedenfalls richtig gut!
Erleuchtung führt manchmal zu Zweifeln an der Geschiebekunde.

1. Verknüfpen von Ortsnamen mit Gesteinstypen:
Für mich war es aber genau das, was ich schon immer denke. Die gleichen Elbegerölle, Schotter der Mulde und der Schwarzen Elster/Röder usw. bekommen ja auch nicht die Namen Quarzporphyr Löbnitz und Quarzporphyr Senftenberg, oder Hornfels-Ort..., oder Zellquarz-Ort…, usw…(Exkursion Tobi/Marc)
Bei den kleinen Elbeachaten steht auch nur noch Achate Lausitz, der Kiesgruben-Ort wird kaum noch angegeben und ist nicht von großer Bedeutung.

2. Radikal entrümpeln, ohne Rücksicht auf Verluste:
Das bedeutet aber, dass der Thread-Eröffner von 1001 Gestein… die Überschrift ändern müsste, in nur noch:
„60 Gesteine - Geschiebe von den norddeutschen Küsten“  :einaugeblinzel:
Aber jetzt mal Spaß beiseite:

2.1. Auf Geschiebesammler -Treffen, oder wo auch immer (mit allen Größen der Deutschen Geschiebekunde) muss eine einheitliche Linie/gleiche, wissenschaftlich Meinung gefahren werden. Die Überarbeitung der Leitgeschiebe von Fachleuten, allein in Deutschland, würde sicherlich Jahre dauern und führt bestimmt zu mächtigen Streitereien.  :streit:

2.2. Fast alle alten Bestimmungsbücher könnte man dann in die Tonne kloppen.
(Finanzielle Verluste für einige Autoren! Oder neues Geld mit neuen Büchern?)
Deshalb hat ja R. Vinx seine Erkenntnisse im 2016 Buch neu definiert. Der sieht das alles nicht mehr so dogmatisch. Das Wort „Leitgeschiebe“ taucht kaum noch auf!
Es besteht z. Zt. also keine einheitliche Übersichtlichkeit in der Geschiebekunde.

2.3. Falls sich dann irgendwann mal die deutschen Geschiebesammler über die derzeitige Anzahl der Leitgeschiebe einig sind, müssten die Schweden, Dänen, Norweger, Finnen, usw. auch annähernd die gleiche Leitgeschiebe-Anzahl in ihren internationalen Standard-Werken publizieren.
Von den Polen hört man in der Richtung gar nichts (die winken nur ab!), obwohl die ja mit die meisten nordischen Strand-Geschiebe besitzen. Liegt ja schließlich direkt gegenüber!

3. Zugänglichkeit der Geschiebekunde für alle, v.a. für Einsteiger und Laien:
Ohne deine und Jörgs gebetsmühlenartige Hilfe, könnte ich diese Zeilen heute nicht schreiben. Ich fände es auch einfacher, wenn ein Einsteiger/Laie nicht unbedingt Geologie usw. studiert haben, oder ein Fachbuch lesen muss, um ein kompliziertes Schild/Label an sein schönes Steinchen dran zu pappen.

4. Spaß am Sammeln und Begeisterung für die Schönheit der Gesteine:
Siehe Antwort #152 in 1001 Gestein...
Wenn ein Neuling sich nach seiner Gesteins-Anfrage, gleich ein Geschiebe - /Gesteinebuch kaufen und verstehen soll, von dem wirst du hier im Forum bald nichts mehr hören. Nicht jeder ist so hart im Nehmen wie ich!  :laughing:
Und wenn sich doch mal jemand Bücher kauft und auch liest, und evlt. versteht, bleibt immer noch die Frage der Ausdauer (Anhalten der Sammelleidenschaft!)
Kostet ja schließlich auch Geld! (Reisen, Bücher, Geräte-Gesteinsbearbeitung, Zeit)

Ist das mit den Gesteins-„Abgängern“ hier nicht erschreckend?:

https://www.jgr-apolda.eu/UV/F-Bilder/M-F/M-Fz-ABC.htm

Bei den Goldsuchern/-wäschern und Tektitsammlern sieht es noch schlimmer aus.
(Jugendlicher Nachwuchs, Material und Genehmigungen fehlen!)
Wie beim Angeln, alles wird immer be...  :fluester:

Das war die Meinung vom
„Steinfried“
zum Thema  :hut:
Der Mensch hat die Fähigkeit zur Vorahnung und er reift mit Geduld, wie Whisky, Käse und Wein!

Offline Pinchacus

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Re: Kristalline Geschiebe: "Bestimmungswarnung"
« Antwort #7 am: Dezember 03, 2018, 14:10:46 Nachmittag »
Hallo Steinfried,

hier ein paar Kommentare aus einem evtl. etwas anderen Blickwinkel. Da Du Deinen Beitrag so schön nummeriert gestaffelt hast, werde ich ihn bei den Punkten auf die ich antworte wegen der Lesbarkeit etwas "zerstückeln", ich bitte schon mal um Verzeihung!  :nixweiss:

Dein Paukenschlag Richtung mögliche Leitgeschiebe hatte nach einer Woche!, niemanden zu einer Reaktion veranlasst -  warum auch immer? Ich fand es jedenfalls richtig gut!
Vielleicht weil dieser "Paukenschlag" in der Community schon länger diskutiert wird, und es ja auf meinen Beitrag ja auch kaum Feedback gab (an Matthias B. übrigens auch nicht, obwohl seine Anmerkungen zu dem Thema deutlich mehr Menschen zugetragen wurden, als in der Kristallin-Fraktion interessiert involviert sind.

der Kiesgruben-Ort wird kaum noch angegeben und ist nicht von großer Bedeutung.
Nicht für den einzelnen Stein, das stimmt. In der Gesamtheit jedoch schon. Betrifft übrigens direkt oder indirekt Deine Punkte 2.1, 2.2, 2.3, 3 und den letzten mit dem Nachwuchs. ;)

2.1. Auf Geschiebesammler -Treffen, oder wo auch immer (mit allen Größen der Deutschen Geschiebekunde) muss eine einheitliche Linie/gleiche, wissenschaftlich Meinung gefahren werden. Die Überarbeitung der Leitgeschiebe von Fachleuten, allein in Deutschland, würde sicherlich Jahre dauern und führt bestimmt zu mächtigen Streitereien.  :streit:
"Streitereien" führen zu (of zeitlich limitiertem) wissenschaftlichem Konsens. Wenn Du diese "Streitereien" für überflüssig hältst, solltest Du möglichst vermeiden mit soetwas Wissenschaft in Berührung zu kommen.

2.2. Fast alle alten Bestimmungsbücher könnte man dann in die Tonne kloppen. (Finanzielle Verluste für einige Autoren! Oder neues Geld mit neuen Büchern?)
Deshalb hat ja R. Vinx seine Erkenntnisse im 2016 Buch neu definiert. Der sieht das alles nicht mehr so dogmatisch. Das Wort „Leitgeschiebe“ taucht kaum noch auf!
Es besteht z. Zt. also keine einheitliche Übersichtlichkeit in der Geschiebekunde.
Nein, sollte man nicht. Man muss sie nur richtig lesen, und Unwichtiges von Wichtigem filtern können. Auch ich blättere immer wieder im Hucke & Voigt und im Zandstra (und in den Strandsteine-Büchern), auch wenn ich nicht alles was da drin steht für b/wahre Münze halte. Wenn Du die Bücher gekauft hast, haben übrigens nicht die Autoren den finanziellen Verlust... ;)
Prof. Vinx hat übrigens noch nie etwas dogmatisch gesehen (außer evtl., dass man die ganzen schönen Steine gefälligst nicht mitnehmen darf, um die Natur nicht so auszuplündern, wie es die Geschiebesammler und "Schöne-Steine-Sammler immer so tun).
Und: es gab noch nie eine einheitliche Übersichtlichkeit in der Geschiebekunde. Es gab lediglich viele Leute, die nur ein oder zwei Bücher dazu im Regal stehen hatten. ;)

2.3. Falls sich dann irgendwann mal die deutschen Geschiebesammler über die derzeitige Anzahl der Leitgeschiebe einig sind, müssten die Schweden, Dänen, Norweger, Finnen, usw. auch annähernd die gleiche Leitgeschiebe-Anzahl in ihren internationalen Standard-Werken publizieren.
Von den Polen hört man in der Richtung gar nichts (die winken nur ab!), obwohl die ja mit die meisten nordischen Strand-Geschiebe besitzen. Liegt ja schließlich direkt gegenüber!
Warum müssen die das, bei den ganz anderen Geschiebetypen (und daraus folgend auch anderen Leitgeschiebeinventaren) in ihren Ländern? Und wieso besitzen "die Polen" die meisten nordischen Strandgeschiebe? Mal abgesehen davon, dass es in Polen viele Sand- und wenig Geschiebestrände gibt, ist das Geschiebespektrum auch eher "östlich" und nicht "nordisch" (was man im übrigen heute daran nachvollziehen kann, dass doch Leute sowas wie Fundorte notiert haben, siehe auch meine Anmerkung oben.


3. Zugänglichkeit der Geschiebekunde für alle, v.a. für Einsteiger und Laien:
Ohne deine und Jörgs gebetsmühlenartige Hilfe, könnte ich diese Zeilen heute nicht schreiben. Ich fände es auch einfacher, wenn ein Einsteiger/Laie nicht unbedingt Geologie usw. studiert haben, oder ein Fachbuch lesen muss, um ein kompliziertes Schild/Label an sein schönes Steinchen dran zu pappen.

Die Zugänglichkeit der Geschiebekunde wird durch einen entsprechenden Verein befördert, der das nur kann, weil Mitglieder sich aktiv (Vorträge, Fachartikel, Sammlergruppenlogistik) und passiv (Mitgliedsbeiträge, Zeitschriftenabos) einbringen. Jörg und karlov sind da für den Bereich der Kristallinen Brocken vorbildlich.
Wer also bei der Zugänglichkeit mithelfen möchte oder soetwas fordert, sollte Mitglied dort werden und "Geosinnungsgenossen" aktiv bewerben es ihm gleichzutun. (Muss ich jetzt als Vorstand in dem entsprechenden Verein sagen, entspricht aber auch der Realität, siehe auch den letzten Punkt weiter unten). beachten sollte man unbedingt, dass von den studierten oder autodidaktischen "geeks" irgendwann das Handtuch geworfen wird, wenn die "gegenüber" nicht mal bereit sind "ein Fachbuch" zu lesen. Das ist übrigens nicht weit hergeholt, sondern gerade passiert. Für den Betreffenden ist der "Verlust" mehr Zeitgewinn für sich selber und seine Projekte, für alle anderen, dass ihnen einer der kompetentesten Kristallinleute nicht mehr in dem gewohnten Maße "zur Verfügung" steht. Meiner Meinung nach ein sehr hoher Preis, dafür, dass einige ohne großen eigenen Aufwand "ein kompliziertes Schild/Label an (ihr) schönes Steinchen (...) pappen" wollen.


4. Spaß am Sammeln und Begeisterung für die Schönheit der Gesteine:
Siehe Antwort #152 in 1001 Gestein...
Wenn ein Neuling sich nach seiner Gesteins-Anfrage, gleich ein Geschiebe - /Gesteinebuch kaufen und verstehen soll, von dem wirst du hier im Forum bald nichts mehr hören. Nicht jeder ist so hart im Nehmen wie ich!  :laughing:
Und wenn sich doch mal jemand Bücher kauft und auch liest, und evlt. versteht, bleibt immer noch die Frage der Ausdauer (Anhalten der Sammelleidenschaft!)
Kostet ja schließlich auch Geld! (Reisen, Bücher, Geräte-Gesteinsbearbeitung, Zeit)
Das ist (und war schon immer) eine Frage des Eigenaufwandes. Die Anforderung sich in einem komplizierten und anspruchsvollen Thema wie der Geologie (oder den extraterrestrischen Steinen) soweit reinknien zu müssen wie man selber inhaltlich vordringen will, stellt halt auch einen gewissen Ausleseprozess dar. Wer das nicht will, muss sich damit begnügen, wenn auf eine Anfrage nach einem Gesteinsnamen nur der Vorschlag "Kai-Uwe" kommt. Ich unterstelle auch mal, dass die hier fachlich gut Antwortenden (Geo/Met/Gold) oft mehr Geld und Zeit in Reisen, Bücher, Geräte und Material investiert haben als die Fragenden. Was alle Betreffenden hier im Forum gerne tun, aber auf freiwilliger Basis, und bei Forderungen entweder irgendwann einen Kamm bekommen und/oder sich zurück ziehen.


Bei den Goldsuchern/-wäschern und Tektitsammlern sieht es noch schlimmer aus.
(Jugendlicher Nachwuchs, Material und Genehmigungen fehlen!)
Wie beim Angeln, alles wird immer be...  :fluester:

Gerade im Bereich Angeln habe ich ein wunderschönes Gegenbeispiel: der hiesige Anglerverband geht mit einer ehrenamtlichen Aktion mit regelmäßigen Terminen (ohne etwas dafür zu bekommen oder zu fordern) in den Schulhort und macht mit den Kleinen Umweltschutz, Ökologie, Artbestimmung, usw.

Über den obigen Geo-Verein machen wir (über ein paar Ecken) gute Jugendarbeit (Werbeblock: komm auf unsere nächste Jahrestagung 2019 nach Neubrandenburg um mehr zu erfahren) und die besonders Erfahrenen fördern die besonders Interessierten (weil die am nachhaltigsten dabei bleiben).

Nicht "alles wird immer be...", sondern es ist vielleicht nicht alles prima, aber es wird besser um jeden Beitrag, den man selber tut, ohne seinen eigenen direkten Vorteil vorneanzustellen.

Bitte meine Anmerkungen auch nicht falsch verstehen oder zu persönlich nehmen, aber den Punkt, an dem dem Du stehst mit Deinen kritischen Anmerkungen den haben wir Fachinteressierte alle irgendwie, entweder weil wir selber unter ihm "leiden", oder gleichzeitig noch unter Leuten "leiden", die derzeit an diesem Punkt "leiden"...  :weissefahne:   :prostbier:
« Letzte Änderung: Dezember 03, 2018, 14:28:47 Nachmittag von Pinchacus »
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Offline JFJ

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Re: Kristalline Geschiebe: "Bestimmungswarnung"
« Antwort #8 am: Dezember 03, 2018, 18:31:10 Nachmittag »
Ich begrüße es, dass die Diskussion auf antiquierte, nicht mehr haltbare Formationsnamen abzielt.
Dass sich eine Menge von Gesteinsnamen angesammelt hat, die so heute nicht mehr haltbar sind ist unbestritten und es besteht Bedarf zum „Ausmisten“.

Die Problematik in der Geschiebekunde (sofern man es als Problematik versteht) ist die Tatsache, dass die Geschiebekunde eine wissenschaftliche Disziplin innerhalb der Geowissenschaften ist. Und als solche müssen eben auch Bezeichnungen einen wissenschaftlichen Standard erfüllen – unbestritten.
Andererseits ist das Sammeln von Strandsteinen ein Hobby. Was der Einzelne daraus macht, bleibt ihm überlassen, insbesondere wie tief er in die Materie bereit ist einzutauchen.
Es wird der Wunsch nach „aussagekräftigen“ Zetteln an den Geschieben erst später oft zu dem Bedürfnis tiefer in die Geologie und explizit die Geschiebekunde einzutauchen.  Denn es sind die wenigsten, die von Haus aus geowissenschaftlichen Kreisen kommen.
Ich finde die weiter oben genannte Literatur eines sehr verdienten Mitglieds der Geschiebekunde als sehr wichtig, denn sie stellt oftmals (ich möchte behaupten überwiegend) den Einstieg für Interessierte in die Geschiebekunde dar.  Dort macht der Namen, der auf den Zettel übertragen wird, absolut Sinn.
Die Geschiebekunde ist mehr als nur das Sammeln von schönen Strandsteinen. Wir wissen das. Doch mit dem Sammeln beginnt es fast immer. Und das sollten wir interessierten Personen nicht mit zu viel Wissenschaft vermiesen. Andererseits, da die Geschiebekunde eine Wissenschaft ist, wird ein Spagat nicht möglich sein.
Es wäre also wünschenswert, wenn sich bei Leitgeschieben alle an den Terminus des (nachgewiesenen) Formationsnamens halten. Ich bin da guter Dinge, dass es irgendwann so sein wird. Die Richtung passt doch schon.

Vielleicht wird es als (Zit.: …alles wird immer be…) angesehen, da der Einzelne im Lauf der Zeit  immer tiefer in die Materie eingetaucht ist. Wo einem vorher nur der „fehlende Zettel“ interessiert hat, sind es jetzt eingehendere und weiterreichende Themen die einen berühren.

Ich freue mich übrigens sehr, wie sachlich die Diskussion bislang geführt wird und verzichte doch glatt auf einen Ragunda – äh - Advocatus diaboli.

Gruß in die Runde
Jörg
Ich mag Geschiebe, weil sie die entgegenkommendsten Gesteine sind.

Offline karlov

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Re: Kristalline Geschiebe: "Bestimmungswarnung"
« Antwort #9 am: Dezember 09, 2018, 00:55:23 Vormittag »
Hallo Johannes,
der grüne Quarzporphyr sieht auf der Geschiebeseite eigentlich genauso aus, hier mal ein Trockenfoto der Außenseite:

Grüße, karlov

Offline karlov

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Re: Kristalline Geschiebe: "Bestimmungswarnung"
« Antwort #10 am: Dezember 18, 2018, 23:17:57 Nachmittag »
Von mir auch noch einige Anmerkungen zu Ehrfrieds Ausführungen:

Zitat
Das bedeutet aber, dass der Thread-Eröffner von 1001 Gestein… die Überschrift ändern müsste, in nur noch:
„60 Gesteine - Geschiebe von den norddeutschen Küsten“  :einaugeblinzel:

Nein! Schöne oder diskussionswürdige Gesteine gibt es en masse! Nur die Anzahl der Leitgeschiebe sollte sich beträchtlich reduzieren. In der Praxis - beim Zählen von Leitgeschieben in glazialen Ablagerungen zur stratigraphischen Klassifizierung - werden auch nur eine gewisse Anzahl von Leitgeschieben verwendet.

Zitat
2.3. Falls sich dann irgendwann mal die deutschen Geschiebesammler über die derzeitige Anzahl der Leitgeschiebe einig sind, müssten die Schweden, Dänen, Norweger, Finnen, usw. auch annähernd die gleiche Leitgeschiebe-Anzahl in ihren internationalen Standard-Werken publizieren.
Soweit ich weiß, beschäftigen sich nur noch die Dänen und die Holländer mit Leitgeschieben. Es gibt vergleichsweise wenig Literatur aus Polen und Tschechien. Allerdings gibt es viele interessante alte Aufsätze aus den ehem. deutschen Ostgebieten.

Zitat
Dein Paukenschlag Richtung mögliche Leitgeschiebe hatte nach einer Woche!, niemanden zu einer Reaktion veranlasst -  warum auch immer?
Es ist ganz sicher nicht "mein" Paukenschlag   :baetsch:
Ein Grund mag darin liegen, dass es sehr viel Arbeit und Mühe macht, substanziell Neues zu den Leitgeschieben herauszufinden. Dies möchte verständlicherweise nicht jeder machen, sondern vielleicht nur in den Bestimmungsbüchern schmökern. Es dürfte aber klar sein, dass diverse wackelige Leitgeschiebe mit ominösen Namen (und ich glaube manchmal, nur deswegen stehen sie drin) aus solchen Büchern verschwinden können.

Zu den Bestimmungsbüchern (Korn, Hesemann, Hucke, Smed, Zandstra, Vinx): zusätzlich gibt es Internetquellen. Jedes dieser Bücher hat seine Vor- und Nachteile. In jedem findet man Nützliches, manchmal Widersprüchliches. Für eine praktische Geschiebekunde und eine einigermaßen zuverlässige Ansprache von Leitgeschieben favorisiere ich klar die Bücher von Smed und Vinx. Kein Buch hat aber z.B. so schöne Abbildungen wie der Platenatlas von Zandstra etc...

@Jörg:
Zitat
Und das sollten wir interessierten Personen nicht mit zu viel Wissenschaft vermiesen. Andererseits, da die Geschiebekunde eine Wissenschaft ist, wird ein Spagat nicht möglich sein.
Es wäre also wünschenswert, wenn sich bei Leitgeschieben alle an den Terminus des (nachgewiesenen) Formationsnamens halten. Ich bin da guter Dinge, dass es irgendwann so sein wird. Die Richtung passt doch schon.

Mit Wissenschaft vermiesen?  :smile: Befürchte eher, das Steinesammeln könnte manchem durch Esoteriker vermiest werden, die gibt es ja auch noch  :einaugeblinzel:
Ja, die Richtung passt schon, dank der erwähnten guten Bücher und der Arbeit all jener, die im Anstehenden auch mal genauer nachschauen, v.a. Matthias Bräunlich, aber auch div. Proben auf rapakivi.dk oder bei den Holländern (zwerfsteenweb.nl).

Grüße  :w-ge:
karlov




Offline karlov

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Re: Kristalline Geschiebe: "Bestimmungswarnung"
« Antwort #11 am: Dezember 18, 2018, 23:31:55 Nachmittag »
Viel Text, wenig Bilder, und das kurz vor Weihnachten. Eine Kleinigkeit habe ich noch.

Amethyst-Porphyrbrekzien (tektonische Brekzien) gibt es im Erzgebirge. Sie können, v.a. wenn zusätzlich Bandachat auftritt, als Leitgerölle der Elbe verwendet werden. In Sachsen gibt es "Heerscharen" von Sammlern dieser Gesteine, Stichwort Schlottwitzer Gangfolge.

Im nordischen Geschiebe sind mir solche Gesteine noch nicht aufgefallen, ich weiß auch nichts über derartige Funde von anderen Sammlern. Im letzten Sommer habe ich im nordöstlichen Smaland einige km N von Eksjö ein Geschiebe dieses Brekzientyps gefunden und staunte nicht schlecht. Es wurde vor Ort zerlegt, hier je ein Bild der Fundsituation und der mitgebrachten Probe.

Offline Met1998

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Re: Kristalline Geschiebe: "Bestimmungswarnung"
« Antwort #12 am: Dezember 19, 2018, 07:22:04 Vormittag »
Moin karlov,
nur mal so eine Idee von mir – graue Theorie:
Die Eiszeiten haben solche 100 Tonnen Brocken aus dem Norden in die Lausitz und in den Leipziger Raum verfrachtet.  :unfassbar:
Könnte es dann nicht auch sein, dass auf dem Rückzug des Eises (Schmelzwasser), vereinzelt kleine 10 cm Stücke
Amethyst-Porphyrbrekzien (tektonische Brekzien), aus den Elbeläufen (Erzgebirge) bis in die Provinz Jönköpings zurück
„geschleift, getragen, gespült“ wurden?

Was zu beweisen wäre.  :streit:

Gruß Ehrfried  x-02
« Letzte Änderung: Dezember 19, 2018, 18:01:35 Nachmittag von karmaka »
Der Mensch hat die Fähigkeit zur Vorahnung und er reift mit Geduld, wie Whisky, Käse und Wein!

Offline Hungriger Wolf

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Re: Kristalline Geschiebe: "Bestimmungswarnung"
« Antwort #13 am: Dezember 19, 2018, 09:14:37 Vormittag »
Hallo Karlov!

...und/oder:

Die Enstehung der Porphyrbrekzie und der Amethysteinlagerung ist zeitlich voneinander getrennt! -> Rißfüllung der Phorphyrbrekzien mit hydrothermal entstandenem Quarz/Amethyst!

Grüsse  x-09
Achim

Offline karlov

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Re: Kristalline Geschiebe: "Bestimmungswarnung"
« Antwort #14 am: Dezember 20, 2018, 00:55:34 Vormittag »
Hallo Achim,
na klar! In den erzgebirgischen Brekzien gab es gelegentlich wohl auch mehrere tektonische Ereignisse, dass auch die Rissfüllungen (Achat, Amethyst) später erneut brekziiert wurden.
 :w-ge: karlov

 

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