Autor Thema: Meteorit Marburg (Pallasit)  (Gelesen 1661 mal)

Offline ObsidiJan

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Meteorit Marburg (Pallasit)
« am: Oktober 23, 2017, 23:16:59 nachm. »
Hallo zusammen,

ich habe etwas über den Meteorit Marburg recherchiert, der 1906 gefunden wurde und später im Krieg (teilweise) verloren gegangen ist. Sehr viel habe ich nicht gefunden, eigentlich steht alles was ich weiß hier: https://www.mindat.org/loc-264286.html
Beim googlen kommt viel über den Meteorit Treysa (der heute ja in Marburg liegt und über Marburg flog, damit also viel Anklang in lokalen Zeitungen fand), aber über den verloren gegangenen Marburger findet man nicht soviel.

Habt ihr noch Infos? Mich würde insbesondere der genauere Fundort interessieren, aber auch Infos über den Verbleib / Schwund des Meteoriten.

Der Link oben (und Wikipedia) geben sogar GPS Koordinaten an. Wenn man die aber bei Google Earth prüft, landet man in einem Wald ca 90 Meter entfernt vom nächsten Lahnufer (der Meteorit soll am Lahnufer gefunden worden sein). Da die Stelle auch deutlich höher liegt, gehe ich nicht von einer Flusskorrektur aus, die Koordinaten sollten so also falsch / ungenau sein.

Oft wird auch das Paper "Marburg—a new pallasite" verlinkt, lohnt sich das, wenn man eher an der Geschichte interessiert ist, als an der wissenschaftlichen Beschreibung? Oder hat vielleicht sogar jemand den Artikel und würde ihn gebraucht verkaufen?

Generell würde ich mich auch freuen, falls jemand einen Tipp hat, wo man eine Miniprobe des Meteoriten erwerben kann :-)

Ein bisschen schwingt natürlich auch die Überlegung mit, ob da nicht mehr gefallen ist, als der 3 KG Brocken, dass vielleicht findbar wäre... So unwahrscheinlich ein Fund nach all der Zeit in einem dicht besiedelten Gebiet auch ist (ja, ich habe einige der Statistiken zur Wahrscheinlichkeit in anderen Beiträgen gelesen).

Ich freue mich also über jegliche Infos :-)

Vielen Dank und viele Grüße,
Jan

Offline MetAur

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Re: Meteorit Marburg (Pallasit)
« Antwort #1 am: Oktober 24, 2017, 02:19:21 vorm. »
Hallo Jan,
hier der von Dir gesuchte Artikel:
https://pdfs.semanticscholar.org/f48d/5c905ca298e5dbec77ebaf6decd95ec7283b.pdf
Vielleicht hilft er Dir ja etwas weiter.
Gruß, Dieter

Offline MetAur

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Re: Meteorit Marburg (Pallasit)
« Antwort #2 am: Oktober 24, 2017, 02:45:11 vorm. »
Zur Positionsfrage:
Es sind nur Grad und Bogenminuten angegeben, Bogensekunden fehlen. Nun entspricht aber 1' mehr als 1,8 km in der geographischen Breite und hier etwa 1,2 km in der geographischen Länge. Somit ergibt allein die Rundung eine Unsicherheit von etwa +/- 900 m in Nord-Süd- bzw. +/- 600 m in West-Ost-Richtung.



Offline Riesgeologie

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Re: Meteorit Marburg (Pallasit)
« Antwort #3 am: Oktober 24, 2017, 07:50:51 vorm. »
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Offline Riesgeologie

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Re: Meteorit Marburg (Pallasit)
« Antwort #4 am: Oktober 24, 2017, 07:54:56 vorm. »
Sorry,
der Link ist ja schon drin.
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Offline Riesgeologie

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Re: Meteorit Marburg (Pallasit)
« Antwort #5 am: Oktober 24, 2017, 10:22:23 vorm. »
Hallo Jan,

und etwas zum Ankauf bzw. der Suche nach einem Mikrostück:
Vom Moderator dieser Seite hatte ich mein Mikrostück (Sammlungsnummer j-m 108) vor längerer Zeit gekauft (Siehe Foto und Link: https://www.mineralienatlas.de/lexikon/index.php/RockData?rock=Pallasit).
Der Verkäufer teilte mir mit, dass Fragmente von dem Meteorit Marburg (Pallasit) wohl sehr, sehr selten sind. Eine Restprobe scheint noch bei einer Uni zu sein. Die Hauptmasse wurde durch einen Luftangriff vernichtet.
Wegen der wirklich "dünnen" Dokumentationslage bezüglich Fotos habe ich mich zusammen mit Hannes Osterhammer dazu entschlossen, wenigstens eine schöne Mikroaufnahme meines Sammlungsstückes zu machen.

Einen Sonnigen Tag wünscht

Olli
 :hut:
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Offline Hungriger Wolf

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Re: Meteorit Marburg (Pallasit)
« Antwort #6 am: Oktober 24, 2017, 12:41:31 nachm. »
Wäre eine Met.-Suche sinnvoll?

Grüsse  :hut:
Achim

Offline ObsidiJan

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Re: Meteorit Marburg (Pallasit)
« Antwort #7 am: Oktober 24, 2017, 23:18:14 nachm. »
Hallo zusammen,

@Olli und Dieter: Vielen Dank euch beiden, das hat mir sehr geholfen :-)
In dem Paper wird ja als Quelle für den Fund RAMDOHR P. (1965) "Über Mineralbestand von Pallasiten und Mesosideriten und einige genetische Überlegungen" angegeben aus "Monatsberichte der Deutschen Akademie der Wissenschaften zu Berlin, Band 7". Ich werde mal versuchen diese Quelle aufzutreiben, vielleicht sind da noch etwas genauere Infos enthalten.

Aber auf jeden Fall sieht man in Zahlen, wie viel Material bei dem Luftschlag verloren ging und wo der Rest liegt (lag).
Mal gucken ob man noch den ursprünglichen Aufbewahrungsort oder genaueren Fundort raus bekommt.
Das wären damit ja zwei potentielle Quellen für Material.

Olli, ich kannte lustigerweise dein Bild bereits, toll hier auch den Besitzer kennen zulernen!
Herzlichen Glückwunsch zu diesem tollen Meteoriten und dem großartigen Bild!
Vielleicht finde ich ja doch noch einen Verkäufer.

@Achim: Ich hab das Thema schon länger im Hinterkopf... :-) Die Chancen sind vermutlich wirklich minimal, aber ich gebe die Hoffnung noch nicht auf ;-)

Wer mehr Infos hat, bitte jederzeit melden :-)

Viele Grüße,
Jan

Offline ObsidiJan

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Re: Meteorit Marburg (Pallasit)
« Antwort #8 am: Oktober 27, 2017, 21:12:43 nachm. »
Zur Positionsfrage:
Es sind nur Grad und Bogenminuten angegeben, Bogensekunden fehlen. Nun entspricht aber 1' mehr als 1,8 km in der geographischen Breite und hier etwa 1,2 km in der geographischen Länge. Somit ergibt allein die Rundung eine Unsicherheit von etwa +/- 900 m in Nord-Süd- bzw. +/- 600 m in West-Ost-Richtung.

Vielen Dank nochmal, ich hab mir das mögliche Fundgebiet heute nochmal auf der Karte aufgezeichnet, also das Quadrat aus
  • 8°45.5’E, 50°48.5’N
    8°45.5’E, 50°49.5’N
    8°46.5’E, 50°48.5’N
    8°46.5’E, 50°49.5’N

Die Distanzen die du genannt hast passen genau :-)
Irgendwo in dem Bereich, nahe dem Verlauf den 1906 die Lahn hatte, sollte er also gefunden worden sein.

Wobei ich jetzt noch nicht weiß, ob er einfach nur Zufällig nahe des Flusses lag, oder tatsächlich durch ihn transportiert wurde.
Wie lange kann ein Meteorit wohl in einem deutschen Fluss unter Wasser überleben und bewegt sich so ein 3 Kg Brocken überhaupt nennenswert in der Strömung? Ich kann mir irgendwie nicht vorstellen, dass so ein 3 KgMeteorit vorher zig km durch den Fluss getrieben würde, aber vielleicht unterschätze ich da auch den steten Tropen...

Zu den allgemeinen Fundinfos: ich habe ein paar Mails geschrieben und versuche weiterhin das Paper "RAMDOHR P. (1965): Über Mineralbestand von Pallasiten und Mesosideriten und einige genetische Überlegungen" zu bekommen und vielleicht einen Zeitungsartikel aus 1906 zu dem Fund... Mal schauen ob sich das was raus bekommen lässt, die Informationslage zu dem Meteoriten ist echt dünn :-)

Viele Grüße und ein schönes Wochenende,
Jan

Offline ObsidiJan

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Re: Meteorit Marburg (Pallasit)
« Antwort #9 am: November 02, 2017, 22:05:10 nachm. »
Ein kurzes Update:
Ich hatte Gelegenheit den Artikel zu lesen, auf den sich die weiter oben verlinkte Klassifizierung bezieht:
"RAMDOHR P. (1965) Über Mineralbestand von Pallasiten und Mesosideriten und einige genetische Überlegungen. Monatsber. Deut. Akad. Wiss. Berlin 7, 923—938"
Es gibt nur einen kurzen Abschnitt zu dem Meteoriten, aus dem geht aber auch nur der Beruf des Finders hervor und eine Erklärung, warum bis zu Niningers Aufklärung das Teilstück in Heidelberg als Pseudometeorit galt, es wurde nach meinem Verständnis vom damaligen Zuständigen in Heidelberg nicht als Meteorit anerkannt. Das hat dann erst Nininger später wieder gerade gerückt (der "Pseudometeorit" wurde zum Glück verwahrt).
Sonst keine weiteren Informationen zum Fundort.

Viele Grüße,
Jan

Offline MetAur

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Re: Meteorit Marburg (Pallasit)
« Antwort #10 am: November 02, 2017, 23:36:54 nachm. »
Hallo Jan,
ist im Ramdohr-Artikel auch nichts über den Verbleib oder zum Verlust des Meteoriten erwähnt? Woher kommt denn dann die Bomben-Geschichte?
Ist zumindest die Jahreszahl des Finders klar genannt?
Zwar sagt man 1906, aber in Niningers Erinnerungen "Catch a Falling Star" lese ich sehr konkret, dass auf dem Etikett des Stücks mit der Nr. 96 gestanden haben soll: "Pseudometeorit 108.47 q. Fund: 1909 in der Nähe des Lahnufers bei Marburg."
Das kann natürlich ein Erinnerungs- oder Schreibfehler sein, aber...

Offline ObsidiJan

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Re: Meteorit Marburg (Pallasit)
« Antwort #11 am: November 03, 2017, 00:02:51 vorm. »
Hi Dieter,

beide Quellen geben 1906 an, beide Quellen schreiben, dass die Hauptmasse bei einem Luftangriff verloren ging.
Vorher(nehme ich an) wurde mindestens einmal eine Probe entnommen von ca 110g, die nach Heidelberg gelangt ist. Diese wurde zwischendurch als Pseudometeorit identifiziert, bevor Nininger die Probe wiederum als Meteorit Marburg erkannt hat. Ab da verblieb die Hälfte an der Uni (bis heute???), die andere Hälfte ging mit Nininger in die USA. Nach seinem Tod ging der Großteil seiner Sammlung an zwei Museen, ich würde vermuten, dass seien 55g auch dabei waren.

Viele Grüße,
Jan

Offline Thin Section

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Re: Meteorit Marburg (Pallasit)
« Antwort #12 am: November 03, 2017, 13:12:14 nachm. »
Hallo Zusammen,

Laut Catalogue of Meteorites, 5th Edition, p. 319, sollen sich 5 Gramm in der Bartoschewitz Colln. befinden. Vielleicht hat ja Rainer weiterführende Infos?!

Bernd  :winke:
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Offline stollentroll

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Re: Meteorit Marburg (Pallasit)
« Antwort #13 am: November 03, 2017, 14:00:32 nachm. »
4,45 g befinden sich bei mir, allerdings habe ich auch keine weiterführenden Informationen.

Grüße,
Thomas

Offline Thin Section

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Re: Meteorit Marburg (Pallasit)
« Antwort #14 am: November 03, 2017, 16:21:24 nachm. »
4,45 g befinden sich bei mir, ...

Hallo Thomas,

Da kannst Du aber stolz sein, von so einem "elusiven" Pallasiten immerhin 4.45 Gramm zu besitzen!  :super:

Die 5th Edition des Meteoritenkatalogs stammt aus dem Jahr 2000. Vielleicht hat Rainer also diese 5 Gramm garnicht mehr, bzw. vielleicht sind Deine 4.5 Gramm ein Teil der 5 Gramm, die Rainer damals besaß.

Bernd  :winke:
« Letzte Änderung: November 03, 2017, 16:55:17 nachm. von Thin Section »
(247553) Berndpauli = 2002 RV234

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