Autor Thema: Interessantes Schriftstück/Darstellung  (Gelesen 1230 mal)

Offline majjoo

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Re: Interessantes Schriftstück/Darstellung
« Antwort #1 am: November 23, 2017, 10:41:06 Vormittag »
Interessant und auch bedeutend, möglicherweise. Insgesamt überzeugt die Ausführung der Zeichnung, auch im Vergleich mit der daraufhin gefertigten Radierung. Beschreibender Text und Fotomaterial gut. Allerdings vermisse ich zwei wichtige Aspekte: eine konservatorische Beschreibung des Zustands, unverzichtbar bei einer Papierarbeit von etwa 400 Jahre Alter. Und die Auflistung der Provenienz: aus wessen Sammlungsbesitz kommt das Blatt, wer waren die Vorbesitzer - nach wie vor unverzichtbar, wenn es um Authentizität geht.

Zudem frage ich mich schon, wie es sein kann, dass solch ein rares Stück ausgerechnet bei Ebay landet, und nicht bei Sotheby's oder Christie's. Dort arbeiten im Hintergrund erstklassige Fachleute, deren Expertise nicht zuletzt wertsteigernd für eine solche Altmeisterzeichnung sein kann, zudem beruhigend für den Interessenten.

Offline Mettmann

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Re: Interessantes Schriftstück/Darstellung
« Antwort #2 am: November 24, 2017, 11:52:13 Vormittag »
Zitat
ausgerechnet bei Ebay landet, und nicht bei Sotheby's oder Christie's
Hmm, ich würde zwei Gründe vermuten:
Zum einen würde die Preisvorstellung des Verkäufers bei diesen Häusern bei Weitem verfehlt werden,
schließlich ist es trotz der sehr guten Qualität der Darstellung ein kleines Format, unsigniert, eine Vorlage für einen Einblattdruck
und der große Komet von 1680/81 ist einer der meist dargestellten Kometen überhaupt, auf Flugschriften, in Dissertationen, Enzyklopädien, Himmelskarten - hier mit Eiern mit erschröklichen Zeichen auf der Schale, die unter dem Unstern gelegt worden sind und natürlich ein göttliches Strafgericht ankündigen...
Daß im Ebay astronomisches Schrifttum im vier- und fünfstelligen Preisbereich (und das oft berechtigt) angeboten wird und in der Regel von seriösen Antiquaren/innen, ist nicht ungewöhnlich - weils selten, dekorativ und äußerst begehrt und zudem ein überschaubares, gut dokumentiertes Sammelgebiet ist (der Run begann schon in den 80igern, nach dem es einige große Ausstellungen in den USA gegeben hatte - Preise seither nicht selten verzehnfacht)- und es sich auch verkauft,

zum anderen mag es daran liegen, daß die Provenienz vielleicht unklar ist,
die bei astronomischen italienischen Stücken wichtig geworden ist, seit vor ein paar Jahren die Biblioteca dei Girolamini in Neapel systematisch und auf abenteuerliche Weise ausgeräumt wurde.
Immerhin konnte ein Teil der Werke bei einem Münchner Auktionshaus sichergestellt werden:
http://www.sueddeutsche.de/muenchen/raubkunst-in-muenchen-die-buechermafia-und-ihr-bayerischer-arm-1.2346430

Zusätzlich sind auch noch weitere Werke als aus anderen italienischen Bibliotheken stammend identifiziert worden,

...sodaß vielleicht die großen Häuser die Einlieferung dergleichen ablehnen. 

(Im Übrigen ist der Verkäufer nicht vom Fach, sonst hätte er versucht, den Druck in den drei großen Bibliographien der astronomischen Literatur - Zinner, Houzeau, Poggendorff - nachzuschlagen und falls er ihn dort nicht gefunden hätte, diesen Umstand als Verkaufsargument benutzt).


« Letzte Änderung: November 24, 2017, 12:09:43 Nachmittag von Mettmann »
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Re: Interessantes Schriftstück/Darstellung
« Antwort #3 am: November 24, 2017, 14:57:41 Nachmittag »
Bemerkung.... (Bernini kann er vergessen, der starb am 28.Nov., das erste Ei wurde am 2.Dez. gelegt)

Mich elektrisiert das "Begleit"schreiben.
Ich kriegs nicht deutlich hin, glaube aber als Kopf zu lesen:

1685 dec. 29    Illustri Viro  Dn(?) Francisco Astoni  Ill. Reg. Societ. Secret..(?)
                       Joh. Hevelius G.

Dem berühmten (illustren) Herrn Francis Aston   dem berühmten Royal Societys Sekretär
       Johannes Hevelius G.(edansk/Danzig).

Auweia. Der Schrieb hätte nur indirekt mit der Zeichnung zu tun, (ist ja später datiert und sichtlich von anderer Hand)  aber eben doch, weil Hevelius ja nicht nur der größte Astronom seiner Zeit war, sondern der größte Kometenspezialist, 1661 bereits seine Cometographia herausgegeben und so ziemlich alle Kometen der Zeit heißen nach der neuen Nomenklatur nach dem Entdecker, also "Hevelius". Gute Kontakte zur Royal Society in London hatte er auch, hatte sich arg gekabbelt mit Hooke (Entdecker des Roten Flecks auf dem Jupiter), dem Vorgänger von Francis Aston als Erster Sekretär der Royal Society (der junge Halley wurde sogar nach Danzig zu ihm geschickt um zu schlichten).....

...müßte man sich also genauer ansehen, obs vielleicht eine Abschrift oder gar ein Original (Schriftprobe) eines Briefes sein könnt..
sehr interessant (& in Narrenhand)
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Re: Interessantes Schriftstück/Darstellung
« Antwort #4 am: November 24, 2017, 16:51:57 Nachmittag »
Da gäb's wohl noch etliches zu entdecken, aber man müsste das Blatt optimalerweise vor sich haben. Was etwas zögern lassen könnte: der Anbieter hat auf seiner Ebay Seite durchweg Hochpreisiges am Start (4-5stellig), Schmuck, Figürchen - aber außer dem Kometen nichts von bildender Kunst. Dergleichen findet auch bei seinen Bewertungen, wenn mal mal locker reinschaut, keinerlei Erwähnung. Scheint also zumindest kein Spezialgebiet von ihm zu sein.

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Re: Interessantes Schriftstück/Darstellung
« Antwort #5 am: November 24, 2017, 19:48:48 Nachmittag »
Kommissar Dicky ist da auf etwas - womöglich - Unschönes gestoßen:

Es handelt sich in der Tat um einen eigenhändigen Brief Hevelius´,
allerdings sollte er sich ausweislich dieses Websitus in der Privatsammlung geheißen "Karpeles Manuscript Library" befinden:
https://www.dkarpeles.com/science/hevelius-did-1st-moon-atlas/

Das hat ein Odeur, gell?

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Re: Interessantes Schriftstück/Darstellung
« Antwort #6 am: November 24, 2017, 23:40:33 Nachmittag »
In der Tat. Wäre das der originale Brief, bestünde schwerlich Anlass, besagte Sammlung als Provenienz zu benennen. Wie gesagt, was im Angebot enthalten ist, sieht gut aus, liest sich gut. Aber: es fehlt Entscheidendes. Da kann ich aus meiner Erfahrung mit den großen Auktionshäusern nur sagen: da steckt wirkliche Expertise dahinter, da kann man sich auch mal kontrovers auseinandersetzen, aber es ist produktiv. Dieser Kommissar Dicky wäre da durchaus ein Kandidat.

 

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