Autor Thema: Meteoritenalter der chilenischen Wüstenfunde  (Gelesen 1381 mal)

Offline Sikhote

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Meteoritenalter der chilenischen Wüstenfunde
« am: Mai 25, 2019, 21:54:37 Nachmittag »
Hallo Freunde,

vielleicht wisst ihr es schon: Das hohe Alter der chilenischen Meteorite überrascht die Wissenschaftler.

https://www.wissenschaft.de/erde-klima/atacamawueste-birgt-aelteste-meteoriten/

Grüße
Sigrid

Offline Wunderkammerad

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Re: Meteoritenalter der chilenischen Wüstenfunde
« Antwort #1 am: Mai 25, 2019, 23:08:03 Nachmittag »
Interessant, sicher auch für unsere Kollegen und Freunde, die während der vergangenen Jahre die Atacama besucht haben. Aber die wissen das wahrscheinlich eh schon.

Konkret würde mich in diesem Zusammenhang interessieren: ist die terrestrische Verweildauer von Imilac auch bekannt?

Offline karmaka

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Re: Meteoritenalter der chilenischen Wüstenfunde
« Antwort #2 am: Mai 25, 2019, 23:21:01 Nachmittag »
Konkret würde mich in diesem Zusammenhang interessieren: ist die terrestrische Verweildauer von Imilac auch bekannt?

Das terrestrial age von Imilac liegt, glaube ich, bei 90.000 ± 180.000 bzw. 130.000 ± 180.000 Jahren, je nach Rechnung.

Offline Wunderkammerad

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Re: Meteoritenalter der chilenischen Wüstenfunde
« Antwort #3 am: Mai 25, 2019, 23:36:31 Nachmittag »
Danke - das ging aber fix.

Nun, damit zählt Imilac auch schon zu den älteren Herrschaften. Gefallen zu einer Zeit, als unsere Ahnen noch mit monofacial zugerichteten Steinbrocken aufeinander eingedroschen haben. Umso erstaunlicher und schöner, dass gerade die neuesten Funde aus dem Streufeld so feine Features zeigen wie Schmelzkruste, Fluglinien, Schmelzlippe etc.; und die Kristalle, selbst die an der Oberfläche befindlichen, sind zum großen Teil von berückender Klarheit und Transparenz.

Offline karmaka

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Re: Meteoritenalter der chilenischen Wüstenfunde
« Antwort #4 am: Mai 25, 2019, 23:39:28 Nachmittag »
Das œuvre in Gänze zur Lektüre:

The meteorite flux of the last 2 Myr recorded in the Atacama desert

PDF

Offline Gibeon2010

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Re: Meteoritenalter der chilenischen Wüstenfunde
« Antwort #5 am: Mai 26, 2019, 14:42:07 Nachmittag »
Das terrestrial age von Imilac liegt, glaube ich, bei 90.000 ± 180.000 bzw. 130.000 ± 180.000 Jahren, je nach Rechnung.

In der deutschen Wikipedia steht ca. 500 Jahre. Andere Quellen konnte ich so auf die Schnelle nicht finden.  :nixweiss:
Bei der Streubreite 90.000 ± 180.000 Jahre könnte er theoretisch auch gestern gefallen sein.  :einaugeblinzel:
Viele Grüße
Jens

Offline MetAur

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Re: Meteoritenalter der chilenischen Wüstenfunde
« Antwort #6 am: Mai 26, 2019, 14:48:37 Nachmittag »
Das terrestrial age von Imilac liegt, glaube ich, bei 90.000 ± 180.000 bzw. 130.000 ± 180.000 Jahren, je nach Rechnung.
In der deutschen Wikipedia steht ca. 500 Jahre. Andere Quellen konnte ich so auf die Schnelle nicht finden.  :nixweiss:
Bei der Streubreite 90.000 ± 180.000 Jahre könnte er theoretisch auch gestern gefallen sein.  :einaugeblinzel:
... oder er fällt erst in ferner Zukunft?  :nixweiss: :laughing:

Offline Haschr Aswad

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Re: Meteoritenalter der chilenischen Wüstenfunde
« Antwort #7 am: Mai 26, 2019, 14:50:58 Nachmittag »


In der deutschen Wikipedia steht ca. 500 Jahre. Andere Quellen konnte ich so auf die Schnelle nicht finden.  :nixweiss:
Bei der Streubreite 90.000 ± 180.000 Jahre könnte er theoretisch auch gestern gefallen sein.  :einaugeblinzel:

Exakt das war auch mein Gedanke.

Pedersen zitiert einige Quellen, darunter Buchwald, die das irdische Alter von Imilac basierend auf den geologischen Indizien mit „einigen hundert Jahren“ angeben.

http://articles.adsabs.harvard.edu//full/1987Msngr..47....1P/0000002.000.html

Wer den Krater und das Streufeld kennt, und auch die sintflutartigen Regenfälle erlebt hat, die alle paar Jahrzehnte über dem Streufeld niedergehen, kann bestätigen, dass der Fall keinesfalls älter als einige Tausend Jahre sein kann. Mit Sicherheit liegt der Fall im Holozän. Weder bei den Kleinstfragmenten im Kraterauswurf noch bei den kleinen Massen am Beginn des Streufeldes hat irgendeine Verlagerung stattgefunden, die liegen sämtlich noch in situ. Bei den kg-Masse sind sogar teils die Impaktmulden erhalten.

Wahrscheinlich ist Buchwald mit einigen hundert Jahren da noch näher dran.

Offline Gibeon2010

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Re: Meteoritenalter der chilenischen Wüstenfunde
« Antwort #8 am: Mai 26, 2019, 15:41:00 Nachmittag »
Oder er fällt erst in ferner Zukunft?  :nixweiss: :laughing:
Da hast du natürlich Recht.  :laughing:

Danke Haschr Aswad für die Infos.
Viele Grüße
Jens

Offline karmaka

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Re: Meteoritenalter der chilenischen Wüstenfunde
« Antwort #9 am: Mai 26, 2019, 16:33:38 Nachmittag »
Ich habe noch einmal nachgesehen.

Für das terrestrische Alter wurden 41Ca und 36Cl gemessen, allerdings sind die Ergebnisse überraschend deutlich höher als die Daten zum terrestrischen Alter der Eisenmeteorite (nach Lavielle et al. (1999) oft nicht älter als 40.000 bzw. 80.000 Jahre).

Somit könnte es sich um einen systematischen Messfehler unbekannten Ursprungs bei den 41Ca-Messungen handeln, wie die Autoren vermuten.

Möglicherweise liegt das terrestrische Durchschnittsalter der Pallasite eher bei ~30.000 Jahren, passend zu den Eisenmeteoriten. Honda (2002) geht wohl von einem Alter von weniger als 20.000 Jahren für Imilac aus.

Die Berechnung der terrestrischen Alters scheint nicht so einfach zu sein.

Bezug:
Cosmic‐ray exposure ages of pallasites
G. F. Herzog, D. L. Cook, M. Cosarinsky, L. Huber, I. Leya, J. Park
MAPS 2015

Tabelle 9, Appendix E

 :nixweiss:
« Letzte Änderung: Mai 26, 2019, 17:02:08 Nachmittag von karmaka »

Offline Gibeon2010

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Re: Meteoritenalter der chilenischen Wüstenfunde
« Antwort #10 am: Mai 26, 2019, 17:17:19 Nachmittag »
Danke karmaka für die weitergehenden Informationen. Da könnte ja mal jemand weitere Forschungen betreiben.
Wir können ja in Ensisheim mal darüber fachsimpeln.
Viele Grüße
Jens

 

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