Autor Thema: Meteorite in der Literatur  (Gelesen 3130 mal)

Offline Mettmann

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Re: Meteorite in der Literatur
« Antwort #75 am: Juli 27, 2019, 23:04:39 nachm. »
"Grawutzi - Kapuzi" (Pezi "Bär" Petz *1949-1995)

Offline Wunderkammerad

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Re: Meteorite in der Literatur
« Antwort #76 am: Juli 27, 2019, 23:29:54 nachm. »

Offline Wunderkammerad

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Re: Meteorite in der Literatur
« Antwort #77 am: Juli 27, 2019, 23:43:34 nachm. »
Diese illuminierten Kometen sind wunderbar. Abgesehen von den Glühwürmern resp. E.T.A. Hoffmann'schen Feuerschlänglein und Leuchtsalamandern, gerade eben aus dem Punsch der Serapionsbruderschaft emaniert, zu Beginn, scheint beim Miniaturenmaler die Metapher des Blühens leitend gewesen zu sein. Und das ist ja auch so.

Zu Blatt 6, recto, yesss - da lehn ich mich mal verso gaaanz weit aus dem Fenster und behaupte: ein früher Vorläufer der Caganers, die im weihnachtlichen Katalonien traditionell die Krippe ... ja, man kann es nicht anders sagen: zu umscheissen pflegen.

https://media-cdn.sueddeutsche.de/image/sz.1.1195832/1200x675?v=1523581375
https://de.wikipedia.org/wiki/Caganer

Und schließlich diese ekstatischen Unterlängen in der jeweils letzten Zeile: selber dreinfahrende Boliden.





Offline Jura01

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Re: Meteorite in der Literatur
« Antwort #78 am: Juli 28, 2019, 19:07:59 nachm. »
Salü zäme

Spannend, was da alles zusammengekommen ist!

Hier noch ein kleiner Berner Beitrag betreffend Friedrich Dürrenmatt: Dieser Autor kam offenbar schon sehr früh mit Meteoritischem in Kontakt (Schulaufsatz mit 13-14 Jahren, ca. 1935), dann als angeheiterter Student 1943 im Fragment „Die Brücke“. In seinem Stück „Der Meteor“ tritt der Begriff allerdings nur im Titel auf.

Interessant ist auch, dass die Handlung des Kriminalromans „Der Richter und sein Henker“ (1950-51) im Fundgebiet des damals noch unbekannten Twannberg-Meteoriten spielt. So lässt Dürrenmatt seine zwei Fahnder in unmittelbarer Nähe einer der Hauptfundstellen im Twannbach dem Mörder auflauern: „Sie schwiegen wieder und warteten; da leuchtete der Wald von Twann her auf. Ein Scheinwerfer tauchte sie in ein grelles Licht. Eine Limousine fuhr an ihnen Richtung Lamboing vorbei und verschwand in der Nacht.“


Aufsatz um 1935 (Archiv Centre Dürrenmatt, Neuchâtel):
Ein Naturereignis.
(Ein Meteor)
Es war in Adelboden. Wir machten eine Tour auf den Wildstrubel. 1 Uhr nachts ging es in Adelboden fort.
Zuerst eine Fahrt mit dem Velo, und nach einer halben Stunde waren wir schon am Fusse der Aengstligenalp. Der Aufstieg begann. Wir hatten Kerzen mitgenommen. Wir mussten aufpassen. Stockdunkle Nacht.
Der Pfad war zwar gar nicht so schmal, aber dafür ging es dann steil hinauf. Der Himmel war klar, wolkenlos.
Gerade im Zenith Wega, einer der hellsten Sterne, dann der Schwan, das nördliche Kreuz.
Sehr schön war auch der Grosse und der kleine Bär und der Drache zu sehen. So schön und so klar habe ich die Sterne nie mehr gesehen. Nichts war da, das das Licht der Sterne trübte. Wir hatten Rast gemacht. Ich sass auf einem grossen Stein. Wenige Meter vor mir der Abgrund. Ich schaute die Sterne an. Plötzlich taucht, etwa in Nordwest, ein Stern am“. Blitzsehnell überquert er den halben Himmel, einen langen Schweif mit sich ziehend. Sein Kopf ist etwa noch einmal so hell wie Venus. Ich glaube ihn zischen zu hören (Natürlich Einbildung.) In der Nähe der Wega ist er verschwunden. Sein Schweif ist etwa noch eine halbe Stunde lang zu sehen, dann ist alles wie vorher. Das war ein Prachtexemplar von einem Meteor. Der verdiente schon die Bezeichnung ”Feuerkugel" (so wurden die grossen Meteoren genannt, die manchmal so stark wie der Vollmond leuchten.) Ich habe schon viele Sternschnuppen gesehen, aber das war der schönste und grösste.


Die Brücke
Konkreter: Wenn der 22jährige Student F. D. am
15. Oktober 1943 drei Uhr vierzig Minuten und sieb-
zehn Sekunden Schweizer Zeit von einem Meteor
erschlagen worden wäre, als er nachts betrunken in
Bern über die Kirchenfeldbrücke in Richtung Hi-
storisches Museum nach Hause torkelte und dabei
durch das Eisengeländer auf den Fluß hinunterpin-
kelte, auf die Aare, als der Meteor zuschlug - zufällig
beobachtet vom Gurten aus, einem Hügel südlich
der Stadt, von einem ebenfalls betrunkenen Studenten
der Astronomie, der im Norden den Orionnebel
fotografieren wollte, der im Süden stand -, würde
diese Aussage im großen und ganzen mit der Wahr-
heit übereinstimmen und wäre nur insofern zweifelhaft,
als sich über die Genauigkeit einer Zeitangabe
streiten ließe und das „nach Hause“ eine bloße An-
nahme bedeuten würde. Doch wäre die Interpretation
der Aussage nicht leicht zustande gekommen.
Der verunfallte F. D. hätte genau untersucht und das
zufällig aufgenommene Foto des Astronomiestudenten
in einen unzweifelhaften Zusammenhang mit
dem Unfall gebracht werden müssen, eine sorgfältige
und lückenlose Indizienkette wäre notwendig
gewesen, somit eine beträchtliche Strapazierung der
Vernunft. Doch ließe sich anhand des Beobachteten
die Bahn des Meteors berechnen, trotz ihres nur se-
kundenlangen Aufleuchtens, es ließe sich nachweisen,
woher das kosmische Geschoß gekommen wäre, es
wäre ein Partikel der Protosonne gewesen, aus der
sich die Sonne entwickelt hätte. Die Interpretation
des unwahrscheinlichen Unfalls erwiese sich als deduktiv,
setzt doch die Möglichkeit, seine Bahn zu berechnen,
die Kenntnis der Gesetze der Schwerkraft
voraus. Der lächerliche Steinsplitter, der diesen lä-
cherlichen F. D. erschoß, war seit sechs Milliarden
Jahren im Sonnensystem herumgewandert, seit sei-
nem Anbeginn nämlich, bevor er, von irgendeinem
matterhorngroßen Miniplanetoiden abgelenkt, ins
Schwerefeld der Erde geriet und so unglücklich, aber
durchaus gesetzmäßig, niedersauste, daß der kosmi-
sche Unfall wie ein geplanter Mord aussah. Mit Ein-
schränkungen freilich: Je mehr wir vom Unfall, der
sich durch einen simplen Satz ausdrücken läßt und
eine ebenso simple, wenn auch wunderliche Interpretation
auslöst, auf die Faktoren zurückschließen,
die den Unfall auf der Kirchenfeldbrücke in Bern ermöglichten,
desto mehr geraten wir in immer kompliziertere
Interpretationen; sind die Gesetze der
Schwerkraft noch bekannt, wirft die Schwerkraft
selber schon Fragen auf, ebenso die Entstehung des
Meteors. Die Antworten auf diese Fragen, das heißt
die Interpretationen, werden nur noch wahrschein-
lich statt wahr, bis sie endlich ins bloß Mögliche,
Hypothetische führen. Sind Wahrheit und Interpretation
beim bloßen Faktum noch identisch, bei der
weiteren Rekonstruktion des Faktums klaffen sie
mehr und mehr auseinander. Das Mögliche braucht
ebensowenig wahr zu sein wie das Logische.

Offline Thin Section

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Re: Meteorite in der Literatur
« Antwort #79 am: Juli 28, 2019, 19:23:51 nachm. »
Passage aus dem Aufsatz von 1935: "...Sein Schweif ist etwa noch eine halbe Stunde lang zu sehen, dann ist alles wie vorher..."

Hmm, eine halbe Stunde lang ???  :gruebel:


Bernd  :winke:
(247553) Berndpauli = 2002 RV234

Das Ärgerlichste in dieser Welt ist, dass die Dummen todsicher und die Intelligenten voller Zweifel sind. (Bertrand Russell, britischer Philosoph und Mathematiker).

Offline Mettmann

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Re: Meteorite in der Literatur
« Antwort #80 am: Juli 28, 2019, 22:41:41 nachm. »
Ja früher hatten die Boliden eben noch eine Qualität...

Nun aber, sonntagsabends schreiben wir uns die noch kommenden einführenden Meteoritenbücher um.
Ihr kennt es ja, geht es um die Historie der Meteorite, kommt der Plinius d.J. mit seiner Historia Naturalis von 77 n.Chr. so sicher, wie das Amen in der Kirche,
als eine der ältesten Quellen, da dann auch immer der Fall von Aigos Potamoi/Gallipoli/Gelibolu.

Viel eindrücklicher fänd ich aber dieses Zeugnis in die Standardbücher aufzunehmen, weil als Original erhalten und 340 Jahre älter:

Der Parische Marmor von 264 o. 263 v.Chr,
 eine Steintafel, in die chronolgisch bedeutende Ereignisse von 1582 - 299 v.Chr eingemeißelt wurden.

Ein Fragment davon wird in Oxford aufbewahrt, so sieht es aus:
http://www.dh.uni-leipzig.de/wo/wp-content/uploads/2014/07/MarmorParium1.jpg

und das steht drauf:
https://chs.harvard.edu/CHS/media/viewImage/3305


Und man kann also lesen:

ἀφ’ οὗ ἐν Αἰγὸς ποταμοῖς ὁ λίθος ἔπεσε, καὶ Σιμωνίδης ὁ ποιητὴς ἐτελεύτησεν, βιοὺς ἔτη ...., ἔτη..... ἄρχοντος Ἀθήνησι Θεαγενίδου.

Hab ka Grichich ghabt  :crying:
d.h.
From the time a meteorite fell in Aegospotami, and Simonides the poet died, being 90 years of age, 205 years (= 468/7 BCE), when Theagenides was archon in Athens.

Ist doch toll, oder?

 :fluester:
"Grawutzi - Kapuzi" (Pezi "Bär" Petz *1949-1995)

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Re: Meteorite in der Literatur
« Antwort #81 am: Juli 29, 2019, 00:06:32 vorm. »
Feine Texte.

"Leuchtete grell auf" und "verschwand in der Nacht" - Dürrenmatts Ermittler haben offenbar in einer Art Flashback oder deja vu den Twannberg daherzischen sehen. Oder es war ein extremer Zeitraffer vom vor- und wieder zurückrückenden Rhonegletscher. Es gibt solche Geisterseher in der Schweiz.

Der halbstündig nachleuchtende Lichtschweif ... gute Frage. Entweder, Bernd, ein klarer Fall von behäbigem Weltraumschrott der 30er Jahre
 : - )  Oder der Mettmann liegt richtig: das waren noch Feuerkugeln von echtem Schrot und Korn, sonnensystemische Qualitätsarbeit eben. Oder eben es handelt sich hier um die Beschreibung des nämlichen besoffenen Astronomiestudenten, eine alcoolbasierte Zeitdilatation.

Der in Stein gehauene Fallreport Aegospotami, eine Wucht. Wenn man bedenkt, was viel spätere Zeiten an - zum Teil durchaus charmanten - Fantastereien bemüht haben - hier im parischen Marmor ist die ganze causa knapp, nüchtern und straight auf den Punkt gebracht.

Einer geht noch:
"Thus the patriarch Photius informs us that 'Asclepiades ascended Mount Lebanon, near Heliopolis, in Syria', and that 'he saw there many of the so-called ... baetyli, concerning which he narrates countless prodigies.' And, according to Eusebius Pamphilos, 'the god Uranus conceived the baetyli, thus creating souled stones.' The same author also states that 'Astarte ... travelling over the earth, found a star that had fallen from heaven; she picked it up and consecrated it in the holy island of Tyre.'" (E.M. Antoniadi, On ancient meteorites, and on the origin of the crescent and star emblem. The Journal of the Royal Astronomical Society of Canada. May/June 1939.)
(Zu der Episode mit Astarte gibts, wenn ich mich nicht täusche, sogar eine geprägte Bronzemünze, die in einer meiner Schubladen sich irgendwo befinden muss - habe aber kein Foto parat.)


Offline Mettmann

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Re: Meteorite in der Literatur
« Antwort #82 am: Juli 29, 2019, 19:11:52 nachm. »
Pausanias schreibt in seinem Reiseführer Griechenland, Ἑλλάδος Περιήγησις, den er zwischen 160 und 175 n.Chr. abgefaßt hat,
im 38.Kapitel des neunten Buches:

At Orchomenus is a sanctuary of Dionysus, but the oldest is one of the Graces. They worship the stones most, and say that they fell for Eteocles out of heaven. The artistic images were dedicated in my time, and they too are of stone.

Orchomenos gibt es heute noch als Städtchen.

 :prostbier:

"Grawutzi - Kapuzi" (Pezi "Bär" Petz *1949-1995)

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Re: Meteorite in der Literatur
« Antwort #83 am: Juli 30, 2019, 21:51:48 nachm. »
Wann es still ist, gibt es eben wieder Rilke.
Schreibt an Ilse Erdmann am 9.10.1915:

..Ich erinnere Rodins Unwillen über die von Francis Jammes wiederholte Behauptung van Tieghem's,
daß der Same gewisser Blumen, eingeschlossen in Meteorsteine, von anderen Sternen auf die Erde gekommen sei -:
so wenig wollte er, der wußte, wieviel uns hier zu leisten bleibt (ach was nicht?!) die Neugier hinaus
und hinüber gewendet wissen. Aber andererseits ist ja auch das möglich:
den gestirnten Himmel zugehörig ums Herz zu haben, so empfanden Sie ihn, denk ich mir,
neulich an jenen Abenden, da Sie über die Wiesen gingen und die früheren Sternkenntnisse in sich wieder aufsuchten.
Da wäre ich gern mitschauend, lernend, mit Ihnen gewesen, und was mag das für eine Zeit in Ihrer Kindheit
gewesen sein, daß man Ihnen die Namen der Sterne vorsagte - wer?
Mir fällt ein, ich weiß wenig von Ihrer Kindheit. Fast nichts.


https://kuerzer.de/vonstuckdecke


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Re: Meteorite in der Literatur
« Antwort #84 am: Juli 30, 2019, 23:15:39 nachm. »
Ludwig Bechstein (der von den Märchen) besuchte im Frühjahr 1831 Aachen und besichtigte auch den dortigen gewaltigen Meteoriten:

Im Hofe des Regierungsgebäudes sah ich den merkwürdigen Aerolithen oder die gediegene Eisenmasse, welche im Jahre 1762 entdeckt,
und im November 1814 ausgegraben wurde. Dieser unförmliche Klumpen wiegt mehr als 7400 Pfund Gewicht.
 Es ist beinahe unmöglich, einen andern Ursprung dieser Masse anzunehmen, als daß sie, gleich andern Meteorsteinen,
vom Himmel gefallen sey, obgleich die gelehrten Untersucher und Beschreiber derselben diese Meinung zu äußern
vermieden haben, da die chemischen Bestandtheile derselben mit denen andrer gediegenen Meteormassen,
welcher zwar nickelhaltiges Eisen, Eisenoxyd, Kieselerde, Talkerde, Schwefel ec., aber keinen Arsenik enthalten,
nicht gänzlich übereinstimmen.
Allein auf welchem Wege sollte dieser ungeheure Klumpen nach Aachen gekommen seyn, das auch in den frühsten Zeiten
keine Schmelzwerke hatte, und in seiner Umgebung kein Arseniklager enthält? Sicher schleuderte die gebährende Weltkraft
ihn auf die Erde, der er auf ihrer Bahn begegnete, vielleicht wurde die polarische Masse mächtig angezogen
von dem magnetischen Strom, der von den Polen ausgeht, und das, was Kern eines Wandelsternes werden konnte,
fand durch einige Jahrtausende ein dunkles Grab im Schoos der Erde, bis ein Zufall und der Menschen Forschergeist
es an das Licht hob.
Die Masse ist erstaunlich fest, und nur mit Mühe gelang es mir, selbst von der sich leichter abblätternden oxydirten Rinde
einige kleine Stückchen zu erhalten; diese sind leberfarben, im Bruch von mattem Metallglanz, wie Brauneisenstein,
werden durch den Strich der Feile heller glänzend, wie Blei, und vom Magnet angezogen, ohne selbst
magnetische Anziehungskraft zu besitzen. Obgleich leicht gebrechlich und bröckelnd, widerstehen sie der Feile doch mehr
als gewöhnliches Eisen. Mir war es interessant, diesen muthmaßlichen Aerolithen zu sehen, und ich dachte
bei der räthselhaften Masse an die Masse des Räthselhaften in der Natur, das unser Blick noch nicht durchdrungen,
unsere Weisheit noch nicht ergründet hat, und wo wir uns oft nur mit dem Ausruf der Moslemin begnügen
und bescheiden müssen:  Masch Allah! Gott is groß!


Schaut,
da liegt der derselbige Klumpen vor der Uni Aachen und ist heut noch nicht ergründet
https://www.aachener-nachrichten.de/lokales/aachen/geheimes-aachen-der-raetselhafte-metallbrocken-vor-der-uni_aid-30744609


 :eek:
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Offline Mettmann

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Re: Meteorite in der Literatur
« Antwort #85 am: Juli 30, 2019, 23:31:24 nachm. »
und Fußnote für den Wunderkammerad:

Zuvor war Bechstein in Düsseldorf; in der Wallraffschen Gemäldegalerie hat ihm ein Bild besonders gefallen, er schreib:
Recht spaßhaft ist ein niederländisches Katzenkonzert, anzusehen. Mehre Kater singen kläglich einen in Noten gesetzten Kanon:
De Katers sollen de Katten huylen! Maun, Maun! 
Wenn jemand Lust dazu hat, mag er diesen Kanon componiren.
https://kuerzer.de/DuesKatz
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Re: Meteorite in der Literatur
« Antwort #86 am: Juli 31, 2019, 00:29:38 vorm. »
Also dieser Rilke ... dachte der hätt's nur mit Rosen und Engeln. Sapperment. Hätte aber gewarnt sein können. Wer sich leidenschaftlich mit der Kronennaht des menschlichen Schädels abgibt und diese am liebsten mit einer Grammophonnadel abgetastet hätte um welche Musik auch immer zu hören, dem kann mag auch Himmelssteine zutrauen.

Dank auch fürs Kleingedruckte zu Düsseldorf. Einen Kanon sehe ich bei diesen Protagonisten allerdings eher weniger. Zu wenig koordiniert, der eine guckt hier-, der andre dorthin. Lass eine Maus hindurchhuschen, und aus ists mit allen höheren Betrebungen. Chaos rules. Fressen geht über Gesang. (Wär's doch nur auch so bei dem Männergesangsverein, der jeden Freitag und vor Festen gern auch öfters hier direkt gegenüber trainiert  :wehe:  Auf jeden Fall ist jene Kazz die schlaue, die oben in der Loge kauert.


Lavinia Greenlaw, Islands

This passion for iron,
their metal from heaven,
the heaviest element
created by fusion
at the heart of a star
which then collapses,
folding and folding
till the core explodes
to scatter and settle
within the triangle
of past, present, future
- all possible worlds.


 

Offline Wunderkammerad

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Re: Meteorite in der Literatur
« Antwort #87 am: Juli 31, 2019, 01:58:46 vorm. »
Special Service for Mettmann: Kazzn - I can hear Music, sweet, sweet music - Himmelssteine !!! (obacht: sehr, sehr avantkazzistisch ...)
https://www.youtube.com/watch?v=YXkRxnOoOyc


Offline Mettmann

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Re: Meteorite in der Literatur
« Antwort #88 am: Juli 31, 2019, 20:30:24 nachm. »
Heute gibt es ein aufklärerisches Lehrgedicht über Kometen, das der Mathematicus Abraham Gotthelf Kästner (der Doktorvater von Gauß) 1744 abgefasst hat
und welches der heilige Gottsched derart belobigt:
Dieß Gedicht ist wirklich schön; und stellet auch diese philosophische Lehre in einer so leichten Schreibart dar,
daß sie nicht nur Naturkündigern und Sternsehern, sondern auch mittelmäßigen Lesern verständlich wird,
die nicht einmal Halbgelehrte zu seyn begehren. Das ist nun aber das Amt der Poesie, daß sie die Philosophie der großen Welt
werden; nicht aber nur in die wenigen und engen Studierstuben der Gelehrten eingesperret bleiben soll.


Folglich mag ich kein Gestöhne hören, daß es nicht twitterkurz ist,
schließlich wollt Ihr doch mindestens mittelmäßige Leser und mindestens Halbgelehrte sein, gell?

Es heißt:
« Letzte Änderung: Juli 31, 2019, 20:47:52 nachm. von Mettmann »
"Grawutzi - Kapuzi" (Pezi "Bär" Petz *1949-1995)

Offline Mettmann

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Re: Meteorite in der Literatur
« Antwort #89 am: Juli 31, 2019, 20:31:55 nachm. »
Philosophisches Gedichte von den Kometen

Mein Lied beschreibt den Stern, der weit von unsern Kraisen,
Nur selten sich uns naht, uns Kopf und Schweif zu weisen;
Und wenn er sich so tief in unsre Welt verirrt,
Des Weisen Neugier reizt, des Pöbels Schrecken wird.
möchte mir davon ein solches Werk gelingen!
Als, wenn es Opitz wagt, Vesuvens Brand zu singen,
Und durch sein Beyspiel zeigt, auch so ein Vers sey schön,
Der nur Gelehrte reizt, den Kinder nicht verstehn.

Das Volk, dem die Natur das Haupt umsonst erhöhet,
Das stets den trägen Blick zur niedern Erde drehet,
Vergißt sich doch manchmal, und sieht den Himmel an,
Wenn seine Schläfrigkeit was neues reizen kann:
Bald, wenn es dunkle Nacht, am heitern Mittag, schrecket,
Da uns der schwarze Mond das Sonnenlicht verdecket;
Bald, wenn bey Phöbus Glanz, da jeder Stern vergeht,
Mit kühnem Schimmer noch die lichte Venus steht;
Bald, wenn gebrochnes Licht, das durch die Dünste strahlet,
Der Einfalt Sarg und Schwerdt und Todtenköpfe malet.
Doch kann wohl nichts so sehr der Dummheit furchtbar seyn,
Als Sterne, die um sich die blassen Haare streun,
Und wo man sie erblickt, auf schreckensvollen Schweifen,
Krieg, Pest, des Fürsten Tod, und Hunger nach sich schleifen.
O hätte diese Furcht den Pöbel nur gequält,
Wo Fleiß und Unterricht dem blöden Geiste fehlt!
Wie aber, daß darinn ihn Männer selbst bestärkten,
Die auf des Himmels Lauf geschickt und ämsig merkten?
So viel kann Vorurtheil, von Andacht unterstützt!
Der Gottheit Rachschwerdt droht, wenn ein Komete blitzt,
Dieß glaubt man, und genug, daß vor dem Wunderzeichen
Die Kenner der Natur, wie dummes Volk erbleichen.

Doch ist die ietzt hin; kaum sind es funfzig Jahr,
Da noch Chaldäens Wahn der Meßkunst Schandfleck war;
Der Mensch ist nicht der Zweck von Millionen Sternen,
Die er theils kaum erkennt, theils nie wird kennen lernen;
Und daß ein Ländchen nur sein künftig Unglück sieht,
Schickt Gott nicht eine Welt, die dort am Himmel glüht.
"Grawutzi - Kapuzi" (Pezi "Bär" Petz *1949-1995)

 

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