Autor Thema: Farbätzung an einem Campo del cielo Meteorit  (Gelesen 227 mal)

Offline locastan

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Farbätzung an einem Campo del cielo Meteorit
« am: November 06, 2019, 16:20:31 nachm. »
Hallo liebe Forumgemeinde,

ich wollte hier ein Experiment mit Beraha Interferenzätzung an einem kleinen Campo del cielo vorstellen den ich auf der Munich Show gekauft habe. Ich hoffe es gefällt euch. :)

Versuchsdurchführung:
Schliff (Wassergekühlt! Am besten per Hand):
1.) Campo del cielo Planschliff/-schnitt um eine ebene Fläche zum polieren zu haben.
2.) Grobschliff 400 Korn.
3.) Feinschliff 1000 Korn.
4.) Feinschliff 2000 Korn.

Mit einer derart geschliffenen Fläche ist schon eine erste Farbätzung möglich, wobei für perfekte Ergebnisse noch bis optische Qualität (0,5µm Ceroxid Polierpaste oder 0,1µm Diamantpaste) poliert werde sollte, sonst sieht man immer noch Riefen unter dem Mikroskop.

Ätzen:
Berahas 10/3 Tint Etchant:
10g Na2S2O3 (Natriumthiosulfat)
3g K2S2O5 (Kaliummetabisulfit)
in 100 mL Wasser
(Über Nacht an einem dunklen Ort "reifen" lassen; für kleinere Volumen entsprechend umrechnen.)

1.) Meteorit in Ätzlösung tauchen. Empirisch: 45-200 Sekunden, je nach gewünschter Farbentwicklung (s.u.).
2.) Meteorit mit Wasser abspülen.
3.) Meteorit kurz in Spiritus tauchen.
4.) Meteorit ca. 1 Stunde trocknen lassen. (Die Farbe entwickelt sich erst jetzt richtig.)

Während des gesamten Prozesses sollte die polierte Fläche auf keinen Fall berührt werden um Kratzer und Fettflecken zu vermeiden.

Die Interferenzfarbe der Sulfidschicht beim Ätzen entwickelt sich je nach Ätzdauer in Abhängigkeit ihrer Dicke von Gelb->Rot->Violett->Blau->Grün. Ich habe gute Erfahrungen mit 120 Sekunden gemacht. Das muss jeder am Einzelstück austesten. Wenn es nix geworden ist kann man immer neu polieren und wieder Ätzen bis das Ergebnis dem Geschmack entspricht. :)

Nach dem Trocken ist die Farbätzung relativ unempfindlich kann aber durch festes reiben teilweise entfernt werden. Leider kann die Interferenzschicht nicht durch Lacke oder Überzüge konserviert werden, da sie ansonsten Ihre Farbwirkung verliert. Inwieweit sich die Farbe über längere Zeiträume an der Luft hält muss ich selber noch abwarten.

Anhängend noch ein paar Bilder vom geätzen Stück, mein Poliermittel für optische Spiegelqualität ist noch in der Post, daher bitte ich die Schleifriefen noch gnädigst zu übersehen. :D

Man kann schön einen thermischen Einfluss am Rand des Mets gut erkennen. Bei den ungefärbten hellen Bereichen dürfte es sich um Taenit und Rhabdit handeln.

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Re: Farbätzung an einem Campo del cielo Meteorit
« Antwort #1 am: November 06, 2019, 16:35:44 nachm. »
Hallo "locastan" und Forum,

Musste dabei sofort an folgende, farbenfrohe Aufnahme von Widmannstätten'schen Figuren denken (siehe beigefügtes Bild)!

Bernd  :winke:
(247553) Berndpauli = 2002 RV234

Das Ärgerlichste in dieser Welt ist, dass die Dummen todsicher und die Intelligenten voller Zweifel sind. (Bertrand Russell, britischer Philosoph und Mathematiker).

Offline locastan

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Re: Farbätzung an einem Campo del cielo Meteorit
« Antwort #2 am: November 07, 2019, 06:53:17 vorm. »
Hallo Bernd,

auch eine witzige Idee die Ausrichtung durch Lampenposition deutlich zu machen. Ich kam auf die Idee weil in der Bucht neuerdings chinesische Met-Scheibchen mit "aufwendiger Ätzung" auftauchen. Wollte ich mal nachkochen ob das auch im Hausgebrauch möglich ist. :)

So und diesmal vergesse ich den Schluss nicht!  :bid:
Liebe Grüße,
Mario.

Offline locastan

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Re: Farbätzung an einem Campo del cielo Meteorit
« Antwort #3 am: November 07, 2019, 21:16:54 nachm. »
Heute mal ein Canyon Diablo. Oberflächlich angeschliffen. 3 Minuten geätzt.

Schön zu sehen wie es von der rostenden amorphen Kruste in kristallines Material mit höherem Nickelgehalt übergeht!

Liebe Grüße,
Mario.

 

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