Autor Thema: Hatten Meteoritenfälle Einfluss auf die Kunst ....  (Gelesen 161 mal)

Offline hugojun

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Hatten Meteoritenfälle Einfluss auf die Kunst ....
« am: November 11, 2019, 15:07:08 nachm. »
Angeregt durch Olivers Faden "Hatten Meteoritenfälle Einfluss auf die Kunst.... "

möchte ich hier einen parallel Faden stricken,

Eine Sache , die mich schon seit dem Fund eines Kunstwerkes aus der Bronzezeit beschäftigt:
Alle bisherigen Versuche, die Darstellungen auf der Himmelsscheibe von Nebra zu deuten, wiesen in die Richtung eines astronomischen Kalenders.
Sonne, Mond, Plejaden, vereinzelte Sterne und goldene Streifen am Horizont wurden als Kalender gedeutet, der den Menschen der Bronzezeit  den Beginn einer Jahreszeit anzeigen sollte oder den Bauern als Saathilfe - Kalender diente( Sinn der Scheibe?).        Das Alter der Scheibe  wurde anhand von Beifunden und  Resten aus Birkenrinden in den Beifunden mit der 14C Methode auf ca. 1500 bis 1700 Jahre v.Chr.bestimmt (wenn die Beifunde wirklich gleiches Alter haben, ansonsten ist hier die eigentliche Aussage , dass die Scheibe durchaus älter oder auch jünger sein könnte).Die Altersangabe ist wohl aufgrund der Beifunde „ stilistisch“ verjüngt worden, den die eigentliche physikalische Messung durch Herrn Pernicka, räumt ein Zeitfenster von 4100Jahren BP bis 3700 Jahren BP ein( siehe Kasten ).
Physiker rückten der Scheibe mit Röntgenfluoreszenzanalyse, mit Synchrotronstrahlung – einer intensiven Form von Röntgenstrahlen –, der Analyse radioaktiver Isotope und der Altersbestimmung nach die C-14 Methoden zu Leibe. So fand der Chemiker Ernst Pernicka das Alter der Scheibe heraus: von 2100 bis 1700 vor Christus.

Mein Ansatz ist auch ein astronomisches Ereignis, aber ein Ereignis von hoher Seltenheit und enormer mentaler Wirkung. Ich möchte die Darstellung in Verbindung mit einem Meteoriten Fall bringen.  Ein in Polen, nahe der Stadt Morasko bekanntes Feld von Einschlagkratern könnte Künstler der Bronzezeit inspiriert haben.





Offline hugojun

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Re: Hatten Meteoritenfälle Einfluss auf die Kunst ....
« Antwort #1 am: November 11, 2019, 15:09:00 nachm. »
Das Alter der Krater
Dieses Kraterfeld von einem Durchmesser von ca. 800m enthält 7 Krater von der Größe von 25m bis hinauf zu 100 Metern. Der Untergrund dieser Krater wurde durch die letzte Eiszeit gebildet und hat demnach ein Alter von weniger als 10000 Jahren.
Andere Untersuchungen geben dem Untergrund ein noch geringeres  Alter von ca. 4600 Jahren. Stankowsky   hat eine 14C Altersbestimmungen der Kraterfüllungen durchgeführt. Er sieht ein Alter des Meteoritenfalls von ca.5000 Jahren BP (3000 J. v. Chr.) als bewiesen an( Alter der Sedimentfüllung des Kraters A und B ).Es könnte sich bei den Kraterfüllungen auch um Sedimente handeln , die dem Untergrund entstammen und nach dem Einschlag direkt in den Krater zurück gefallen oder gespült worden sind .Bei den anderen Kratern sind die Alter von Kraterfüllung als wesentlich jünger eingestuft worden ( E ca. 3600 Jahre BP , B ca. 2600 Jahre BP und C weniger als 1000 Jahre BP). Das tatsächliche Alter liegt wohl eher bei dem der Krater B und E . Eine zwischenzeitliche anthropogene  Freilegung und Neufüllung halte ich bei einigen Kratern, die nie eine Wasserfüllung hatten, eher wahrscheinlich(siehe weiter unten: Eisengewinnung). Ein zweiter Meteoriteneinschlag (vor ca. 2000 Jahren) ist  von Stankowsky    zur Erklärung der verschiedenen Alter der Krater für möglich eingeräumt worden, ist aber meiner Meinung nach eher unwahrscheinlich.
  http://de.wikipedia.org/wiki/Himmelsscheibe_von_Nebra
  Märkische Allgemeine   19.07.2012
  http://www.materialsscience.pwr.wroc.pl/bi/vol26no4/articles/ms_2007_11stankowski.pdf
  http://geoinfo.amu.edu.pl/sgp/LA/LA16/LA16_149-154.pdf

Offline hugojun

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Re: Hatten Meteoritenfälle Einfluss auf die Kunst ....
« Antwort #2 am: November 11, 2019, 15:10:30 nachm. »
Die Plejaden
„Siebengestirn…….  . Das ist auch ein Name für den Sternhaufen der Plejaden. Ein Vergleich zeigt, dass das Siebengestirn nicht das natürliche Abbild der Plejaden ist, sondern nur das Symbol“
Die als Plejaden gedeuteten Sterne auf der Himmelsscheibe könnten die Darstellung der Fragmente des Boliden beim Eintritt in die Atmosphäre  sein, die in ihrer Anzahl   ( 7 ) mit der der Anzahl der Krater übereinstimmt.
  M. Kerner , 2006 „ Bronzezeitliche Astronomie „http://www.mantis-verlag.de/?page_id=56
  http://www.meteoritemag.org/back_issues/past_TOC.htm

Offline hugojun

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Re: Hatten Meteoritenfälle Einfluss auf die Kunst ....
« Antwort #3 am: November 11, 2019, 15:11:51 nachm. »
Sonne und Mond nebeneinander ?
Aus anderen historischen Fallbeschreibungen ist die gleichzeitige Darstellung von Sonne und Mond neben den Sternen und Boliden als Hinweis für den Weltuntergang gedeutet worden .
Außerdem lässt sich die Helligkeit eines solchen Ereignisses damit beschreiben, dass man es mit der Helligkeit anderer Himmelskörper vergleicht . Die Helligkeit der Boliden  liegt zwischen der der Sonne, ca. – 27 mag, und der des Mondes mit ca. -13 mag.

  http://de.wikipedia.org/wiki/Apokalypse_%28D%C3%BCrer%29
  http://de.wikipedia.org/wiki/Scheinbare_Helligkeit
  http://de.wikipedia.org/wiki/Bolide_%28Meteor%29
  http://science.tumblr.com/post/24262767288/volcanic-sunsets-and-years-without-summer-on

Offline hugojun

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Re: Hatten Meteoritenfälle Einfluss auf die Kunst ....
« Antwort #4 am: November 11, 2019, 17:22:58 nachm. »
Die goldene Barke
Auf Gemälden des 19. Jahrhunderts wurden Abendhimmel und Sonnenaufgänge in einzigartigen Farben dargestellt  . Diese Farbspiele ergaben sich aus Lichtbrechungen, die durch Staubpartikel in der hohen Atmosphäre erzeugt wurden und ihren Ursprung nachweislich in Vulkanausbrüchen und Meteoriteneinschlägen hatten(1908 Tunguska).Sollte es möglich sein, dass der Künstler der damaligen Zeit dieses Phänomen mit der goldenen Barke am Horizont andeuten wollte?

Eisengewinnung
Weiterhin kann ich mir vorstellen, dass der plötzliche " Reichtum" an von dem Meteoriten stammenden Eisen,  den Übergang von Bronzematerialien als Werkstoff, dem Eisen ein Anschub verlieh(Hallstatt A 1200-1000 v.Chr. ). Schmuckstücke aus Meteoriten-Eisen sind in Polnischen Sammlungen bekannt .Fundstücke des Morasko- und Seeläsgen Meteoriten weisen Bearbeitungsspuren auf, die durch Erhitzen und/oder Kaltverformung entstanden sind , aber laut Buchwald   1975 , im Falle  Seeläsgen erst im 19. Jahrhundert entstanden .Nähere Untersuchungen der bearbeiteten Meteoriten Fragmente und der  aus Meteoriteneisen gefertigten Schmuckstücke , könnten einen Zusammenhang über die Herkunft der Materialien für die Schmuckstücke   belegen .Eine direkte Altersbestimmung an archäologischen metallischen Gegenständen ist nicht möglich , bei Meteoriteneisen ist es aber wegen der kosmischen Bestrahlung wieder möglich , soweit das Eisen nicht zur Aufschmelzung und Um -Kristallisierung durch Menschenhand gebracht wurde. Frühere Bedenken, die Schmuckstücke könnten bei Untersuchungen beschädigt oder zerstört werden, treffen so nicht mehr zu , da sich die Probenmengen , die zur Untersuchung nötig wären ,sich im  Mikro- oder Milligramm   Bereich bewegen würden .
  http://de.wikipedia.org/wiki/Hallstattzeit
  http://adsabs.harvard.edu/full/2004M%26PSA..39..151K
  Handbook of Iron Meteorites vol 3
  http://www.sachsen-anhalt-tourismus.de/xxl/de/jahresschwerpunkt/_articleId/828845/
  http://www.lda-lsa.de/himmelsscheibe_von_nebra/die_phasen_der_himmelsscheibe/
  https://www.museumsportal-berlin.de/de/magazin/das-neue-museum/der-berliner-goldhut-und-das-astronomische-wissen-der-bronzezeit/

Offline hugojun

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Re: Hatten Meteoritenfälle Einfluss auf die Kunst ....
« Antwort #5 am: November 11, 2019, 17:25:22 nachm. »
Sinn der Scheibe
Meines Erachtens ist der Sinn der Existenz der Scheibe nicht  völlig klar .Sollte die Scheibe ein astronomisches Instrument sein?
Eher nicht, da die astronomische Vermessung des Himmels durch Peilungen von höherer Genauigkeit  mit Anlagen wie Goseck  besser geeignet waren. Zudem ist die Scheibe in einzelnen Schritten  entstanden, wobei die goldenen Randbeschläge nicht ursprünglich angebracht waren. Aber gerade Diese sind als die Markierungen für die Sommer Sonnen Wende gedeutet worden. Ohne diese Beschläge hatte die Scheibe nicht als Kalender oder astronomisches Messgerät funktioniert. Kalender dieser Art  hat es zudem schon gegeben. Diese orientierten sich allerdings an der damals besser verstandenen Himmelsmechanik der Planeten

Die Himmelsscheibe von Nebra Könnte das älteste Dokument der Darstellung eines Meteoritenfalls in Mitteleuropa sein.

Leider sind einige links nicht mehr auf dem neusten Stand , ich bitte dies zu entschuldigen

Gruß
Jürgen

Offline metnet

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Re: Hatten Meteoritenfälle Einfluss auf die Kunst ....
« Antwort #6 am: November 11, 2019, 18:24:27 nachm. »
Hallo lieber Namensvetter,

zufällig lese ich auch gerade diesen Bestseller von Harald Meller und Kai Michel über die Himmelsscheibe. Und ich muss zugeben, dass die Lektüre auch meine Phantasie anregt. Du hast dir ja ausführlich Gedanken gemacht und eine richtige Fleißarbeit abgeliefert. Ich will deine Ideen nicht in Bausch und Bogen wegwischen, aber so ganz plausibel erscheint mir das nicht. Natürlich KANN es da Zusammenhänge geben, aber irgendwie ist mir das zu stark konstruiert. Falls die 7 Goldplättchen tatsächlich 7 Meteoritenfragmente symbolisierten, dann müssten die Leute aus Aunjetitz doch extrem genau über Morasko Bescheid gewusst haben. Wäre es in einem solchen Fall nicht konsequent gewesen, die Himmelsscheibe ebenfalls aus Meteoriteneisen herzustellen?

Viele Grüße
Jürgen

Offline hugojun

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Re: Hatten Meteoritenfälle Einfluss auf die Kunst ....
« Antwort #7 am: November 11, 2019, 18:47:30 nachm. »
Hallo Jürgen,
was ich da abgeliefert habe, ist nicht ganz komplett, wie ich es einst mal schriftlich niedergelegt habe. Der Grundgedanke ist geblieben.
„Wäre es in einem solchen Fall nicht konsequent gewesen, die Himmelsscheibe ebenfalls aus Meteoriteneisen herzustellen?“
Gemeint habe ich, dass die größten Hauptstücke am Himmel zu sehen gewesen waren, quasi im Formationsflug, der Einschlagort aber dem Künstler nicht bekannt, oder nicht gleich bekannt war und die Verarbeitung von Eisen auch (noch) nicht.
Auf einer Linie vom Fundort der Nebra Scheibe bis zum Kraterfeld gibt es noch zwei Meteoriten-Funde, die vom selben Ereignis stammen könnten, aber anthropogen verbracht worden sein könnten (Tabarz ; Seelässgen )
Natürlich ist davon nicht zu beweisen, aber aus Indizien werden gelegentlich Urteile gestrickt.

Gruß
Jürgen

 

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