Autor Thema: Die blauen Steine von Schönau  (Gelesen 5636 mal)

Offline locastan

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Die blauen Steine von Schönau
« am: Januar 27, 2020, 11:42:16 Vormittag »
Hallo liebes Forum,

ich war letztes Jahr im Sommer mit der Familie im Pfälzer Wald unterwegs und hatte im Biosphärenhaus Fischbach einen Artikel und ein (zugegeben wenig interessant gestaltetes Exponat) über die blauen Steine von Schönau gesehen. Angestachelt von dem wenigen was man im Netz darüber finden konnte, machten wir uns auf die Suche nach diesen historischen Schlackestücken. Ein erster Hinweis, auf dem Skulpturenwanderweg in Ludwigswinkel solche Steine am Wegesrand zu finden erwies sich als Niete, dennoch hatte Töchterchen ihren Spaß an den schönen Holzfiguren. Etwas weiter am Konigsweiher bei Schönau wurden wir dann endlich fündig.

Am Fuß eines großen Haufen Aushubs waren etliche der schönen Brocken versammelt und wir konnten einige Belegstücke sichern, die ich euch gerne präsentieren möchte.

Liebe Grüße aus der Pfalz,
Mario.

Offline locastan

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Re: Die blauen Steine von Schönau
« Antwort #1 am: Januar 27, 2020, 11:43:42 Vormittag »
Und als schmankerl noch den Hintergrund zu den Stücken (Artikel aus dem Biosphärenhaus Fischbach), sowie ein paar kleinere, schön marmorierte Exemplare und der versuch einen kleinen Cabochon zu schleifen.
;)

Es gibt noch ähnliche Schlacken in Schweden, die zu Schmucksteinen verarbeitet werden (meist Trommelsteine) und unter der Bezeichnung "Swedish blue" im Umlauf sind.

Gruß Mario.

Offline Met1998

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Re: Die blauen Steine von Schönau
« Antwort #2 am: Januar 27, 2020, 12:15:51 Nachmittag »
Moin Mario,
interessanter Artikel und schöne Stücke!

 :danke:, endlich mal jemand der hier keine „Blauen Meteorite“ vorstellt,  :wow:
sondern gleich sagt, dass es sich um blaue Schlacke aus der Eisenverhüttung vergangener Zeiten handelt.  :super:

Gruß Ehrfried  :hut:
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Offline JaH073

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Re: Die blauen Steine von Schönau
« Antwort #3 am: Januar 28, 2020, 19:08:49 Nachmittag »
Hallo Mario,

wir hatten uns an anderer Stelle ja bereits darüber unterhalten.
Leider hab ich es immer noch nicht geschafft hin zu fahren.
Vielleicht klappt es ja noch.

Beste Grüße

Hanno
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Offline locastan

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Re: Die blauen Steine von Schönau
« Antwort #4 am: Januar 28, 2020, 21:48:46 Nachmittag »
Hi Hanno,

Na dann mal hin und viel Glück beim Suchen.

Gruß Mario.

Offline locastan

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Re: Die blauen Steine von Schönau
« Antwort #5 am: Januar 31, 2020, 09:47:28 Vormittag »
Nachgereicht noch ein paar schöne Bilder von Ehrfried, der nun einer von mir geschnittenen und geschliffenen Hälfte ein schönes Zuhause bietet.

Damit wäre auch geklärt ob Magneten daran haften bleiben.  :einaugeblinzel:

Gruß Mario.

Offline Met1998

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Re: Die blauen Steine von Schönau
« Antwort #6 am: Januar 31, 2020, 10:23:35 Vormittag »
Moin Mario,
ja, hätte ich auch nicht gedacht, dass ich mir mal ein Stück Blaue Eisenschlacke in meine „Schöne Bude“ stelle!  :ehefrau:

Aber die farblichen Übergänge von Hellblau, Cyan, Dunkelblau, zu Schwarz/Blau sind einfach ein Hingucker:wow:

Der „Kleeene“ (2 Jahre) greift nur nach dem „Blauen Schönauer“ :unfassbar:.  Blau zieht eben an!

Der geschundene 10 mm „Goldmagnet“ hat übrigens ca. 20 Stunden Kanaren-Luft/Wasser auf dem Buckel.
(muss ich mal austauschen, ich hab ja noch 4 Stck.)

Gruß Ehrfried
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Offline JaH073

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Re: Die blauen Steine von Schönau
« Antwort #7 am: Januar 31, 2020, 18:39:58 Nachmittag »
Hallo Ehrfried,

also der "Blaue" Südwestpfälzer macht sich ja echt gut bei dir.  :super:   :super:   :super:

Beste Grüße

Hanno
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Offline Met1998

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Re: Die blauen Steine von Schönau
« Antwort #8 am: Januar 31, 2020, 20:15:32 Nachmittag »
 :danke: @Hanno (und @Mario),
eine Frage an die Pfälzer:
Laut Magazi-Zeitung färbt nur der Eisengehalt der Schlacke sie so hell- bis dunkelblau!  :gruebel:  :gruebel:

Wir haben in der Umgebung drei Gießereien, aber blaue Schlacke gibt es hier nicht!  :fingerzeig:
Ich könnte mir vorstellen, dass evtl. Kobalt oder ein anderer Zuschlagstoff in der alten 1457er Gießerei dem Eisen beigemischt wurde!

Gibt es zur Blauen Farbe (nur Eisengehalt) noch andere Erklärungen?  :nixweiss:

Gruß Ehrfried  :winke:
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Offline Met1998

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Re: Die blauen Steine von Schönau
« Antwort #9 am: Februar 01, 2020, 17:04:56 Nachmittag »
Georg Vogel,
hat es hier auf Seite 8 bis 13! mal schön zusammen gefasst:  :super:

http://www.angersteg.de/Downloads/DieblaueSchlacke.pdf

Eine endgültige Erklärung für das schöne Blau der Schlacke steht noch aus! :wow:

Gruß Ehrfried
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Offline locastan

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Re: Die blauen Steine von Schönau
« Antwort #10 am: Februar 01, 2020, 19:16:28 Nachmittag »
Hi Ehrfried,

Ich kenne nur "Berliner Blau" als Eisenanzeiger aus der Chemie...

https://youtu.be/NTGpM-E3Orc


Gruß Mario.

Offline Met1998

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Re: Die blauen Steine von Schönau
« Antwort #11 am: Februar 02, 2020, 10:46:44 Vormittag »
Der Ursprung alles Blauem:

Moin Mario,
„fachsimpeln“ wir bei steifen Böen und leichten Regenschauern in der Lausitz, weiter über Harzer, Eifel und Fränkischen „Blauen Burgunder“ und „Blauen Riesling“ als Löschmittel für Guss-Eisenschlacke:einaugeblinzel:
Frage 1:
Womit haben dann die Finnen (Kimo) ihre Eisen-Schlacke im Mittelalter abgelöscht? Da ist die Eisen-Schlacke ja Blau/gelb-Grün. (Ich weiß schon was jetzt kommt, Grüner...!)  :wehe:
Frage 2:
Nahm man das fränkische Rezat-Flußwasser als Löschmittel, wie heute jeder normale Feuerwehrmann?
Und waren die Flüsse in vergangenen Zeiten durch Gerbereien, Färbereien, Zement-, Zucker- und Papierfabriken so verseucht, dass irgend eine Chemikalie im Flusswasser die Schlacke Blau färbte?

Noch heute werden auf der ganzen Welt 1000 ° C heiße Eisen-Schlacken vorher abgestochen, in Loren zu Gruben transportiert, abgekippt und mit Wasser abgelöscht.

Es sieht jedenfalls so aus, als ob je nach Stückgröße, von oben eine Flüssigkeit in die Schlacke-Poren gesickert ist und so drei verschiedene Grundfarben (Blau-Farbzonen) entstanden sind. Die Schlacke wurde dann auf Wiesen und in Flüssen entsorgt, bzw. später im Wege- und Straßenbau verwendet.

- Verschiedene Produktionsverfahren (Bauweise der Öfen und
- verschieden Grundbestandteile/Erzsorten) Siliciumdioxid, Eisenoxyd, Stickstofftitan
- Blaue Schlacke als Übergangstadium,
sind nur Vermutungen. Was genau für das Blau sorgte ist bis heute unklar!?

Was hältst Du von der Löschwasser-Theorie des „Blaufrieds“:  :gruebel:
Bestimmte Verunreinigungen im Flusswasser!?  :wow:
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Offline locastan

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Re: Die blauen Steine von Schönau
« Antwort #12 am: Februar 03, 2020, 12:54:57 Nachmittag »
Hi Ehrfried,

ich würde bei der Enstehung des blauen Gradienten von einem Temperatureinfluß (langsam innen, außen schneller) ausgehen. Das dunkle Blau ist fast nur am Rand der Schacke zu finden. Es kommt aber auch vor, dass sich mal dunkle und helle Bereiche marmoriert mischen wenn in der flüssigen Schmelze gerührt wurde? Hat evtl. also auch was mit einer Luftkontaktzone (oxidation?) der Schmelze zu tun.

Bin bei der Recherche auch über diesen Link gestolpert:
http://www.nordbayern.de/region/roth/das-geheimnis-hinter-den-blauen-steinchen-1.2005333

Und aus Friedrichsgmünd eine sehr gute und umfangreiche Abhandlung zu den bauen Schlacken dort mit dem historischem, handwerklichem Hintergrund der Hochofenbedienung, welcher in der Pfalz wohl auch nicht viel anders abgelaufen sein wird:
http://www.angersteg.de/Downloads/DieblaueSchlacke.pdf

Dort wird auch viel zur blauen Farbe geschrieben mit Bezug auf uralte Publikationen die "Titansäure", Eisensilikate oder auch der Tyndall-Effekt trüber Gläser als Urheber der blauen Farbe angegeben! Aber: Nix genaues weiß man nicht!

Gruß Mario. :)

Offline Muschgard

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Re: Die blauen Steine von Schönau
« Antwort #13 am: Februar 03, 2020, 23:03:49 Nachmittag »
Hallo,

die schönsten mir bekannten blauen Schlacken hat im Harz die Steinerner Hütte im oberen Siebertal produziert.

Schon damals hat man Beachtung für die blauen Schlacken gefunden, hier ein paar Links...

https://books.google.de/books?id=NEJKAAAAcAAJ&pg=PA923&lpg=PA923&dq=steinrenner+h%C3%BCtte+blaue+schlacke&source=bl&ots=njY45YE5LU&sig=ACfU3U3kQFQPI4-2EUtIzIsHC4zeRADoPw&hl=de&sa=X&ved=2ahUKEwjM7ZHyrrbnAhURIMUKHamxAlgQ6AEwBnoECAoQAQ#v=onepage&q=steinrenner%20h%C3%BCtte%20blaue%20schlacke&f=false


https://books.google.de/books?id=ksYJAAAAIAAJ&pg=PA125&lpg=PA125&dq=steinrenner+h%C3%BCtte+blaue+schlacke&source=bl&ots=Phwza8WW9k&sig=ACfU3U0LMViDYxxZXk-eOpmQXs239aMqKw&hl=de&sa=X&ved=2ahUKEwjclb7_sLbnAhUF3qQKHVfyDAQQ6AEwAHoECAMQAQ#v=onepage&q=steinrenner%20h%C3%BCtte%20blaue%20schlacke&f=false

Zusammen gefasst lässt sich sagen, dass die Entstehung der blauen Schlacken davon abhängig ist, wie der Hochofen gefahren wird und in geringerem Umfang davon, mit welchen Erz er beschickt wird.

Grüße,
Michael

Offline Met1998

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Re: Die blauen Steine von Schönau
« Antwort #14 am: Februar 04, 2020, 09:47:58 Vormittag »
Moin Michael,  :hut:
Zitat von: Muschgard
...die schönsten mir bekannten blauen Schlacken hat im Harz die Steinerner Hütte im oberen Siebertal produziert.
Schriften/Bilder :wow:, oder eigene Fundstücke?  :nixweiss:

 :danke: für die alten Zeilen: „Die Eisen- und Stahlmanipulation zu Schmalkalden“
Wie ich in zum Schluss in Antwort #12? schon schrieb, das könnte erklären, wieso in

- Deutschland Blaue Schlacken (mehr Kohlenstoff als Sauerstoff) und in
- Finnland (Kimo) Grüne Schlacken (mehr Sauerstoff als Kohlenstoff)

aus der Eisenverhüttung gefunden werden. Die Vermutung: Verhältnis Stickstoff zu Wasserstoff bringt er auch noch ins Spiel!

Aber in den alten Schriften steht dann auch, dass es alles aufgestellte Theorien sind!

Fluss-Löschwasser mit chemischen Verunreinigungen wird allerdings nicht genannt!  :weissefahne:

Gruß Ehrfried
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