Autor Thema: Blaue Schlackesteine aus der Lausitz  (Gelesen 576 mal)

Offline Met1998

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Blaue Schlackesteine aus der Lausitz
« am: Juni 07, 2020, 17:01:44 Nachmittag »
1. Blaue Eisenschlacke:
Nachdem hier im Forum durch locastan schöne Blaue Steine von Schönau vorgestellt wurden:

https://www.jgr-apolda.eu/index.php?topic=12632.msg150766#msg150766

Kam ich diese Woche auch zu neuen Erkenntnissen.  :wow:

Beim Besuch der Bronze- und Eisengießerei (Kunstgießerei Lauchhammer KG), sah ich an der Fassade blaue Schlackesteine in Verbindung mit Ziegelsteinen. Und im Eingangsbereich in der Vitrine diesen kopfgroßen, blauen Schlackestein mit Label.

Gruß Ehrfried  :winke:
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Offline Met1998

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Re: Blaue Schlackesteine aus der Lausitz
« Antwort #1 am: Juni 07, 2020, 17:24:56 Nachmittag »
2. Blaues Baumaterial:
In Lauchhammer wurden vom frühen Mittelalter bis 2017 überwiegend Kunstwerke aus Eisen, Zink und Bronze, (Bronzeglocken) gegossen.
Zur Verhüttung im Holzkohle-Hochofen wurde der vor Ort gefundenen Raseneisenstein verwendet.
Erst ab 1805 wurde Gusseisen im Kupolofen erschmolzen (Gussherstellung nach zweiter Schmelzung)
Der heutige Gießereistandort ist also nicht der von 1725, aber die damals anfallende blaue Eisenschlacke wurde in der neuen Gießerei-Fassade als Baumaterial eingesetzt.

Allerdings auf die Frage, wo denn ab 1725 die blaue Farbe in den Schlackesteinen her kommt und heute nur noch braune, goldene, rötliche, silberne Schlacke in den modernen Schmelzöfen anfällt, konnten mir die Verantwortlichen auch keine genaue Antwort geben.
Das Wissen über die Rennöfen aus der Römer- oder Keltenzeit bis heute, ist eben sehr mager:

In den alten Schriften steht zur blauen Farbe auch nur - alles aufgestellte Theorien!:
- Deutschland Blaue Schlacken (mehr Kohlenstoff als Sauerstoff),
- Finnland (Kimo) Grüne Schlacken (mehr Sauerstoff als Kohlenstoff),
- Vermutung: Verhältnis Stickstoff zu Wasserstoff bringt blaue Farbe!,
- Salzhaltiges Kühlwasser könnte die Blaufärbung bewirken,
- Zusammensetzung des Ausgangsgestein ist evtl. dafür zuständig,
- Verwendung von Lausitzer Glassand in den Rennöfen,
- Zusammensetzung des Raseneisenerzes (Limonit),
- Verwendete Kohle (evtl. veredelte Braunkohle),
  Usw...
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Offline Met1998

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Re: Blaue Schlackesteine aus der Lausitz
« Antwort #2 am: Juni 07, 2020, 18:30:03 Nachmittag »
3. Fundstücke:
Den Rest kürze ich mal ab - wer fragt der findet!
Ohne die Hinweise des Gießereipersonals, hätte ich die Schlacke in der Erde allerdings nicht gefunden!
Hier die blauen „Steine“ in Größen von 3 cm bis 6 cm. Wie man sieht, der Magnet haftet.
Den 6 cm Großen (links unten) schneide ich im August noch gerade,
falls die 16. Lausitzer Mineralienbörse eine Säge hat und überhaupt statt findet!?

Nun haben wir in der Lausitz schon drei Fundstellen Blauer Schlackesteine an mittelalterlichen Gießereistandorten:
- Lauchhammer, (bei Senftenberg) :einaugeblinzel:
- Bernsdorf (bei Hoyerswerda)
- Peitz (bei Cottbus)
sowie die:
- Blauen Steine von Schönau (Pfalz)
- Sieberachat (Harz) und
- Bodeachat: (Sachsen Anhalt, Harz)

Die „Blauen Schlackesteine“ sind also über ganz Deutschland verteilt!

Der "Blausteinfried!  :prostbier:
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Offline locastan

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Re: Blaue Schlackesteine aus der Lausitz
« Antwort #3 am: Juni 07, 2020, 20:44:34 Nachmittag »
Hi Ehrfried,

Na da hat deine Sammlung ja bald blaue Steine aus ganz Deutschland zu bieten! Schöner Bericht und die Fassade ist beeindruckend. Ich hatte mich auch schon gefragt warum die damals die Schlacke nicht öfter in Backsteinformen gedrückt haben um harte Baumaterialien zu kriegen statt Abfall.

Gruß Mario.

Offline Muschgard

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Re: Blaue Schlackesteine aus der Lausitz
« Antwort #4 am: Juni 07, 2020, 23:46:57 Nachmittag »
Hallo,

ach ja, ich wollte ja dieses Jahr nach dem berühmten Sieberachat schauen...
Hier kann ich ihn endlich vorzeigen, das Original von der Steinrenner Hütte:

Grüße,
Michael


Offline Buchit

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Re: Blaue Schlackesteine aus der Lausitz
« Antwort #5 am: Juni 08, 2020, 09:08:08 Vormittag »
Hi Ehrfried,

Ich hatte mich auch schon gefragt warum die damals die Schlacke nicht öfter in Backsteinformen gedrückt haben um harte Baumaterialien zu kriegen statt Abfall.

Gruß Mario.
Weil die Konkurrenz zu groß war :gruebel: :gruebel: :gruebel:
https://de.wikipedia.org/wiki/Mansfelder_Kupferschlackensteine

Gruß,
Holger

 

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