Autor Thema: Impaktitähnliche Geschiebe  (Gelesen 684 mal)

Offline Sprotte

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Impaktitähnliche Geschiebe
« am: März 26, 2021, 21:21:46 Nachmittag »
Guten Abend

In der letzten Zeit konnte ich in meinem zentralen Sammelgebiet (Nordwestmecklenburg im Raum Grevesmühlen/Wismar) drei feinkörnige bis glasige Geschiebe finden, die starke Ähnlichkeiten mit Impaktschmelzgesteinen (insbesondere den Delleniten, wie sie https://skan-kristallin.de/schweden/gesteine/gesteinsdarstellung/impaktite/dellen/dellen.html zusammengestellt sind) aufweisen (leider geben insbesondere die Mikroaufnahmen den Eindruck, den ich selbst im Mikroskop hatte, nur ungenau wieder - schade).

Auf der Makroaufnahme sind die drei Geschiebe zusammen dargestellt: Geschiebe 1 - oben, Geschiebe 2 - rechts unten und Geschiebe 3 - links unten.

Es folgt eine genaue Einzelbeschreibung mit weiteren Bildern.

Viele Grüße
Sprotte

Offline Sprotte

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Re: Impaktitähnliche Geschiebe
« Antwort #1 am: März 26, 2021, 21:23:18 Nachmittag »
Geschiebe 1 (Größe: 3–6,5 cm) ist grau (im Anschliff teils auch dunkelgrau) und leicht rostig angewittert. In einer glasigen Matrix sind skelelettartige Plagioklaskristalle zu Garben und Sphärolithen angeordnet. Weiterhin sind nadelförmige Orthopyroxenkristalle zu erkennen. Das Geschiebe ist ferromagnetisch mit fein verteiltem Magnetit.

Offline Sprotte

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Re: Impaktitähnliche Geschiebe
« Antwort #2 am: März 26, 2021, 21:24:50 Nachmittag »
Geschiebe 2 (Größe: 2,5–4 cm) ist grau mit nadelförmigen Plagioklas- und Orthopyroxenkristallen (und Klinopyroxene ?) in einer feinkörnigen bis glasigen Matrix. Auch dieses Geschiebe ist ferromagnetisch mit fein verteiltem Magnetit. Es besteht eine sehr große Ähnlichkeit mit Nr. 8 auf der oben erwähnten Internetseite. Dieses Geschiebe führt 1–2 mm große Einschlüsse von Feldspat (und Quarz?). Der Feldspat ist rekristallisiert, wobei sich bei einem Feldspat im Anschliff bereits bei geringer lichtmikroskopischer Vergrößerung einer klassische „Checkerboard“-Struktur (Schachbrettstruktur) erkennen lässt.

Offline Sprotte

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Re: Impaktitähnliche Geschiebe
« Antwort #3 am: März 26, 2021, 21:25:55 Nachmittag »
Geschiebe 3 (Größe: 1–2 cm) ist fleckig schmutzgelb bis grau mit nadelförmigen Orthopyroxenkristallen in einer feinkörnigen Matrix. Dieses Geschiebe ist ferromagnetisch mit fein verteiltem Magnetit, wobei sich im Anschliff die gleichmäßige Verteilung der idiomorphen Magnetitkristalle sehr gut erkennen lässt. Dieses Geschiebe ähnelt sehr Nr. 9 und 11 auf der oben erwähnten Internetseite.

Offline Sprotte

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Re: Impaktitähnliche Geschiebe
« Antwort #4 am: März 26, 2021, 21:30:47 Nachmittag »
Wie gesagt, die Mikroaufnahmen sind nicht so gut und verfälschen teilweise den visuellen Eindruck erheblich (besser geht es mit der vorhandenen Aufnahmetechnik an meinem Mikroskop derzeit leider nicht). Die Aufnahmen in skan-kristallin geben den Eindruck viel besser wieder. Aber vielleicht kann ich bessere Bilder mit einem anderen Mikroskop machen.

Viele Grüße nochmals
Sprotte

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Re: Impaktitähnliche Geschiebe
« Antwort #5 am: März 29, 2021, 21:14:46 Nachmittag »
Die neue Bilder geben den wirklichen Farbeindruck von Geschiebe 2 und 3 gut wieder (Bildhöhe: ca. 1 cm).

Viele Grüße
Sprotte

Offline locastan

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Re: Impaktitähnliche Geschiebe
« Antwort #6 am: März 30, 2021, 10:36:05 Vormittag »
Ich finde das kommt schon gut hin. :)

Gruß Mario.

Offline Jedensteinaufheber

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Re: Impaktitähnliche Geschiebe
« Antwort #7 am: April 01, 2021, 22:30:36 Nachmittag »
Hallo Ralf,  :hut:

schöne Geschiebe hast du da, sowas ist ja wirklich selten. Leider kenne ich mich mit Impaktiten nicht wirklich aus.
Das einzige Impaktgestein das ich habe ist eine Impaktbrekzie die ich in Norwegen am Gardnos Impakt aufgelesen habe. Da ist das finden aber nicht so schwer.
Danke schön für das zeigen.

Viele Grüße
Alexander

Möge das Eis mit Euch sein.

Offline Sprotte

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Re: Impaktitähnliche Geschiebe
« Antwort #8 am: April 20, 2021, 10:57:33 Vormittag »
Hallo Alexander,

die Impaktbrekzien von Gardnos zeichnen sich ja aufgrund der schwarzen Matrix durch eine hohen Kontrast aus. Ich selbst habe zwei Geschiebe-Brekzien (die Klasten bestehen aus Gneis bzw. Feldspat/Quarz) gefunden, bei den die (nahezu) schwarze Matrix (teilweise) glasartig ausgebildet ist (ich gehe allerdings nicht von einer Herkunft von Gardnos aus).

Viele Grüße
Ralf

PS: Ich werde Fotos von den Geschieben machen und gesondert ins Forum stellen.

Offline karlov

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Re: Impaktitähnliche Geschiebe
« Antwort #9 am: April 22, 2021, 09:27:14 Vormittag »
Moin Ralf,

anhand welcher Merkmale hast du die dunklen Minerale in Deinen Funden als Orthopyroxen bestimmt?

Der folgende Fund stammt aus der Kiesgrube Tiesmesland/Wendland/Niedersachsen. Der Porphyr besitzt eine dichte ("glasartige") Grundmasse und weist eine gut entwickelte perlitische Textur auf. Einige der weißen Feldspäte besitzen klare eckige Umrisse, dunkle Minerale sind nicht näher bestimmbar. Zandstra 1988 (Text in o.g. Quelle https://skan-kristallin.de/schweden/gesteine/gesteinsdarstellung/impaktite/dellen/dellenit_text.html ) nennt vom Dellen-Impakt Gesteine mit einer perlitischen Textur, allerdings besteht kaum Übereinstimmung meines Fundes mit den gezeigten Proben. Ob es ein Impaktit ist oder nicht, wird man von Hand sicher kaum beurteilen können, aber woher könnten Porphyre mit perfekter Perlitstruktur stammen? Alle präkambrischen Vulkanite sind entglast und entsprechende Texturen verwischt, Relikte davon meist nur mittels Dünnschliffuntersuchung nachweisbar.

Das Gestein erinnert an die sächsischen Pechsteine (Triebischtal b. Meißen). Am Fundort ist mit südlichen Geröllen allerdings kaum zu rechnen, als Anzeiger von beimengten Elbgeröllen würden scharze Cherts dienen. Diese wurden an der genannten Lokalität bisher nicht gefunden.

 :winke:
karlov


Offline Sprotte

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Re: Impaktitähnliche Geschiebe
« Antwort #10 am: April 22, 2021, 09:58:45 Vormittag »
Hallo Karlov,

ein wesentlicher Unterschied zwischen Pyroxenen und Amphibolen ist ihre Witterungsbeständigkeit. Auf der angewitterten Geschiebeoberfläche sind Pyroxene daher vielfach herausgewittert (nur die Kristallnegative sind noch erkennbar, wie im vorliegenden Fall). Die Bestimmung als Pyroxene basiert weiterhin auf dem - hier allerdings nur mikroskopisch erkennbarem - Bruchverhalten: Die Pyroxene zeigen hier unregelmäßige Längs- und Querrisse. Die Bestimung als Orthopyroxene basiert auf der (gelblich)-braunen Färbung (die mir aus Geschieben bekannten Orthopyroxene weisen Farbnuancen zwischen grün und schwarz auf).

Viele Grüße
Sprotte (Ralf)

PS: Ich denke auch, dass es aufgrund der fehlenden Vergesellschaftung mit typischen südlichen Geröllen bei deinem wirklich schönen Stück eher um ein Geschiebe als um ein südliches Geröll handelt. Die an meinem Arbeitsort (Merseburg, Sachsen-Anhalt) typischen Saale-Elster-Mulde-Schotter bestehen zu großen Teilen neben den besagten dunklen Cherts aus Milchquarz (Segregationsquarz aus thüringischen Phylliten).

Offline karlov

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Re: Impaktitähnliche Geschiebe
« Antwort #11 am: April 22, 2021, 10:27:12 Vormittag »
Orthopyroxen: also neben der unvollständigen Spaltbarkeit und der leichten Verwitterbarkeit gegenüber Amphibolen die Farbe. Ich kenne nur schwarze oder in Chlorit o.ä. umgewandelte Orthopyroxene (Megakristalle) aus SW-Schweden. Und selbst bei diesen Megakristallen wird es schwierig, weil sie teilweise von retrograd gebildetem Amphibol durchsetzt sind. Zwei Pyroxene (schwarz und bräunlich durchscheinend) habe ich nur mal in einer Anstehendprobe von einem Hyperitdiabas nebeneinander beobachten können.

Milchquarz: Ja, Milchquarz überwiegt in einem Verhältnis von geschätzt mindestens 1:20 die dunklen Cherts. Aber wenn der Anteil südlicher Beimengungen sehr gering ist, sind Milchquarze kein zuverlässiger Anzeiger. Im Südostkreis (Wendland) kommen übrigens auch reine Elbeschotter (oder eines Nebenflusses) vor.

Nun fragt sich aber: woher stammt der Perlit? TIB/Smaland halte ich für sehr unwahrscheinlich. Nicht entglaste Vulkanite könnten aus dem Oslograben stammen, aber über Perlite von dort habe ich noch nichts gehört.

Offline Sprotte

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Re: Impaktitähnliche Geschiebe
« Antwort #12 am: April 22, 2021, 16:13:18 Nachmittag »
Hallo Karlov,

braune, teils auch idiomorphe Orthopyroxene sind mir auch bereits in anderen Geschieben untergekommen.

In einem der hier beschriebenen Geschiebe wurde neben den nadelförmigen Plagioklas- und Orthopyroxenkristallen auch schwarze nadelförmige Kristalle festgestellt, bei denen es sich unter Umständen um Klinopyroxen handelt kann.

Woher dein schönes Perlit-Geschiebe  :super: nun tatsächlich stammt, kann ich im Augenblick auch nicht sagen (leider). Sind die Feldspäte nun tatsächlich Einsprenglinge oder doch eher Klasten aus einem desintegrierten Gestein?

Viele Grüße
Ralf

Offline karlov

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Re: Impaktitähnliche Geschiebe
« Antwort #13 am: April 23, 2021, 08:09:33 Vormittag »
Moin Ralf,

Zitat
Sind die Feldspäte nun tatsächlich Einsprenglinge oder doch eher Klasten aus einem desintegrierten Gestein?
Augenscheinlich dürfte es sich um Einsprenglinge handeln, da einige der weißen Feldspäte perfekte Umrisse zeigen. Auch im Pechstein aus Meißen finden sich überwiegend Feldspat-Einsprenglinge mit unregelmäßigen Kanten, aber auch einige eckige. Ich habe noch ein Foto zum Vergleich gefunden (Pechstein Triebischttal, Aufnahme unter Wasser).


Offline Sprotte

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Re: Impaktitähnliche Geschiebe
« Antwort #14 am: April 26, 2021, 18:13:09 Nachmittag »
Hallo Karlov,

der Pechstein (aus der Umgebung von Meißen) hat wohl eine rhyolitische Zusammensetzung. Die perlitischen Tagamite von Dellen sind von andesitischer Zusammensetzung und deutlich ferromagnetisch (wie die auskristallisierten Tagamite auch). Ist Pechstein auch magnetisch?

Viele Grüße
Ralf (Sprotte)

 

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