Autor Thema: Das Rätsel der Zapfensande wurde gelöst.  (Gelesen 2350 mal)

Offline Eckard

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Das Rätsel der Zapfensande wurde gelöst.
« am: November 26, 2021, 14:45:28 Nachmittag »
Hallo Forum,

ich hoffe, dass ich den Link zu einem interessanten Bericht hier auf der richtigen Plattform zeige. Zapfensande waren mir bisher nicht bekannt,
aber vielleicht kennt jemand von Euch diese Sandformen und hat sich auch schon gefragt, wie sie entstanden sein können. - Hier gibt's 'ne Antwort.

Nun der Link:

https://www.scinexx.de/news/geowissen/raetsel-der-zapfensande-geloest/

  :winke:
Eckard
« Letzte Änderung: November 26, 2021, 15:02:05 Nachmittag von Eckard »
Wenn man aufhört, sich zu interessieren, wenn man aufhört, zu lernen,
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(Heinz Bennent am 17.10.2002 in 3sat)

Offline locastan

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Re: Das Rätsel der Zapfensande wurde gelöst.
« Antwort #1 am: November 26, 2021, 15:22:52 Nachmittag »
Oh, Dankeschön. Damit gibt es ja neben den Shattercones nun noch einen weiteren handlichen, gegologischen Beleg für den Riesimpakt den man sich in die Vitrine stellen könnte.  :smile:

Gruß Mario.

Offline Eckard

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Re: Das Rätsel der Zapfensande wurde gelöst.
« Antwort #2 am: November 26, 2021, 16:06:03 Nachmittag »
Hohoho, Mario,

ich habe doch im ersten Augenblick gedacht, Du willst Dir den Riesenimpakt in die Vitrine stellen.  :laughing:
Hab's aber einen Moment später doch kapiert, was da reingestellt werden kann. :totlach:

Wünsche Dir, dass Du solche Kleinodien - die ja im Grunde nur Sand sind, aber immerhin besonders geformt
und mit interessanter Vergangenheit - auch findest. :pro:

Besten Gruß
 :winke:
Eckard
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Offline Nordnugget

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Re: Das Rätsel der Zapfensande wurde gelöst.
« Antwort #3 am: November 26, 2021, 21:20:08 Nachmittag »
Interessanter Text, was ich nicht nachvollziehen kann, wie kommen die Zapfen der Zapfensande in den Schutthorizont ? Zumindest legt der Text das nahe. Nach meinem Verständnis müssten die Zapfensande Älter als 15 Mio. Jahre sein oder zumindest unterhalb des Schutthorizontes aufgefunden werden. Eine Erklärung für den physikalischen Prozess der Entstehung wird leider nicht geliefert.
Grüße Jens   

Offline Hungriger Wolf

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Re: Das Rätsel der Zapfensande wurde gelöst.
« Antwort #4 am: November 27, 2021, 23:52:21 Nachmittag »
Interessant!

Auf den ersten Blick, erinnern mich die Zapfensande, an mineralisierte Blitz-Fulgurite!

Suevit

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Re: Das Rätsel der Zapfensande wurde gelöst.
« Antwort #5 am: November 28, 2021, 19:18:05 Nachmittag »
Hallo Jens,

Interessanter Text, was ich nicht nachvollziehen kann, wie kommen die Zapfen der Zapfensande in den Schutthorizont ? Zumindest legt der Text das nahe. Nach meinem Verständnis müssten die Zapfensande Älter als 15 Mio. Jahre sein oder zumindest unterhalb des Schutthorizontes aufgefunden werden. Eine Erklärung für den physikalischen Prozess der Entstehung wird leider nicht geliefert.
Ich habe das Paper gelesen. Wenn ich es richtig verstanden habe, werden die Horizonte mit Zapfen als stratigrafisch älter als der Schutthorizont bezeichnet ("sand spikes were partially exposed below the distal ejecta horizon").

Was deinen anderen Punkt der Verunsicherung angeht, da habe ich mich auch gewundert: Es wird gesagt, dass es sich bei den Zapfen nicht um Konkretionen handeln könne, weil ihnen ein schaliger Aufbau fehlt. Als aktiver Sammler mit jahrzehntelanger Geländeerfahrung in Süddeutschland kann ich sagen, dass mir ständig echte Konkretionen ohne Lagenbau begegnen. Die Ausbildung von Lagen bedeutet lediglich schwankende Bildungsbedingungen. Bei konstanten Bildungsbedingungen - keine Lagen.
Entweder habe ich es im Paper überlesen und im Supplement nicht gesehen, oder es wurden keine Detailinformationen, Abbildungen und Beschreibungen der Dünnschliffe von Zapfen und deren Untersuchungsergebnisse (Dünnschliff-Durchlichtmikroskopie, SEM mit EDAX-Analyse) geliefert. Das ist äußerst enttäuschend. Die Geometrie und Generationen-Abfolge des Karbonatzements zwischen den Körnern ist unabdingbar für eine belastbare Erklärung für die Entstehung der Zapfen und vor allem für deren (postulierte) Abgrenzung gegen Konkretionen*

Weiters stößt mir die gemessene Ausrichtung der Zapfen auf: Auf den Richtungsrosen sehe ich eine große Streuung der Streichrichtung, mit jeweils bis zu drei unterschiedlichen Maxima, die auch im Paper explizit mit bis zu "90°" benannt wird. Keine dieser Richtungsrosen (außer der ganz nordöstlichen, Thierhaupten) zeigt genau auf das Nördlinger Ries, sondern, wenn überhaupt, nur allgemein in dessen Richtung. Im Fall von Impaktseismik könnte man noch Wellenbrechung und -ablenkung miteinbeziehen, aber dann müsste pro Richtungsrose eine Lineargruppe auf das Ries weisen, und - auf der Streuung von 90° herumreitend - der Rest bis zu 45° darum herum variieren. Dem ist laut Fig. 1 nicht so. Ich würde hier eher Zusammenhänge mit der Erstreckung und der Entwässerungsrichtung des Molassebeckens in die Diskussion einbringen, was das Paper ja per se ablehnt.

*) Was das verwendete Equipment lt. Paper angeht, so ist das genannte SEM "CamScan SC44", beheimatet an der Uni Stuttgart, erstaunlicherweise ausschließlich in Papern von Buchner und Schmieder erwähnt, die Firma CamScan kennt es auch nicht (hier könnte auch ein dauernd mitgeschleifter Typo mit rein spielen, sie haben tatsächlich eine Produktlinie "SC" (statt "CS")). Wenn es das ist, was ich glaube, dann ist es exakt das Gerät an der Uni Stuttgart, an dem ich seinerzeit Untersuchungen für meine Diplomarbeit vorgenommen habe, nebst der Nutzung anderer an der Uni vorhandener Ausstattung für optische petrografische Analysen; Bereiche meiner Arbeit hatten sich mit karbonatischen Zementen, Matrix(re)kristallisation und deren zeitlicher Abfolge befasst. Also genau das, was in der vorliegenden Arbeit auch nötig gewesen wäre, aber nicht belegt wird. Was ich sagen will, zumindest an den Gerätschaften kann es nicht hapern, die sind an der Uni Stuttgart vorhanden. Ich habe ein sehr klares Bild davon, was in der vorliegenden Arbeit fehlt.

So bleibt mir bei diesem Paper der Eindruck einer etwas oberflächlichen Bearbeitung, die bei weitem nicht alle Fragen beantwortet, die zu beantworten es behauptet. Vielmehr scheint mehr die Verifizierung als die Falsifizierung im Fokus zu stehen. Widersprüche werden ausgeblendet.

Grüße,
Rainer

Suevit

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Re: Das Rätsel der Zapfensande wurde gelöst.
« Antwort #6 am: November 28, 2021, 19:19:16 Nachmittag »
Auf den ersten Blick, erinnern mich die Zapfensande, an mineralisierte Blitz-Fulgurite!
Im Artikel steht, sie seien karbonatisch zementiert (was ich bestätigen kann) - das schließt Fulgurite aus.

Grüße,
Rainer

Offline Nordnugget

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Re: Das Rätsel der Zapfensande wurde gelöst.
« Antwort #7 am: November 28, 2021, 20:38:22 Nachmittag »
Danke für deine Einschätzung Rainer,
ich bin leider grade ziemlich eingespannt, sonst hätte ich auch mal einen Blick ins Paper geworfen.
Vielleicht wurden die Mikroskopie in älteren Veröffentlichungen schon schreiben. Schau ich mal nach wenn meine Turbolenzen vorbei sind.

Wissenschaftskommunikation ist auch eine Kunst für sich. Komplexe Inhalte auf einfache kurze Artikel runterbrechen. Vielleicht kommen die Ungenauigkeiten mit der Datierung daher.

Grüße Jens

Offline Moldavitarier

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Re: Das Rätsel der Zapfensande wurde gelöst.
« Antwort #8 am: November 29, 2021, 21:09:52 Nachmittag »
Buchner & Schmieder hatte ich mal für gute Wissenschaftler gehalten, aber mittlerweile verrennen sie sich in ihren nach wie vor unbewiesenen/unbeweisbarenTheorien. Erst trennen sie den Steinheim-Impakt von dem gut belegten Doppel-Impakt-Ereignis ab (Ries-Steinheim, was immer noch Bestand hat), und dann zitieren sie sich ständig selbst, um ihre neuen skurilen Ideen als bewiesen darzustellen. Unliebsame Literatur blenden sie einfach aus. Tja, so funktioniert leider Wissenschaft heutzutage oft. Man setzt sich nicht mehr mit dem Thema auseinander, wägt nicht ab, kein Für und Wider. Nein, das Ergebnis steht vorher fest und dann werden der Text so hingedreht und angebliche Beweise erbracht, dass das gewünschte Ergebnis heraus kommt.

 :bid:

Offline Nordnugget

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Re: Das Rätsel der Zapfensande wurde gelöst.
« Antwort #9 am: November 29, 2021, 22:18:01 Nachmittag »
Ja das stimmt leider. Am besten werden die Paper dann noch mittels predatory publishing veröffentlicht um ein ordentliches peer review zu umgehen. Eine Katastrophe für seriöse Wissenschaftler. Damit werden alternative Fakten untermauert und eine alternative Wissenschaft fern von Tatsachen und Fakten geschaffen. Heute kann jeder seine eigene Wahrheit haben...

Suevit

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Re: Das Rätsel der Zapfensande wurde gelöst.
« Antwort #10 am: November 29, 2021, 23:48:02 Nachmittag »
Hallo,

bei Elmar Buchner hatte ich im Studium Vorlesungen und Übungen zu Impaktgeologie und Petrografie von Meteoriten, nebst entsprechenden Exkursionen. Er hat sich da wirklich mit Enthusiasmus reingehängt und mich überhaupt erst auf dieses faszinierende Thema gebracht und dafür begeistert. Martin Schmieder hat mit mir zusammen studiert, wir waren gemeinsam auf denkwürdigen Exkursionen unterwegs. Beides echt feine Kerle, die seinerzeit noch ganz auf dem Boden der Wissenschaftlichkeit standen. Schade, dass ihr formales Vorgehen nun Anlass zu so viel (berechtigter) Kritik gibt.

Grüße,
Rainer

 

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