Autor Thema: Neuer Fall in NRW?  (Gelesen 1034 mal)

Offline locastan

  • Oberrat
  • *****
  • Beiträge: 494
    • Allsky Bornheim
Neuer Fall in NRW?
« am: August 19, 2022, 08:41:07 Vormittag »
Hallo,

im AKM Forum postete jemand den Link zu dieser Pool Geschichte:

https://www.derwesten.de/region/nrw-neuss-sternschnuppe-weltall-wuenschen-pool-id236187239.html

Hat jemand was davon gehört?

Gruß Mario.

Offline karmaka

  • Administrator
  • Foren-Gott
  • *****
  • Beiträge: 5960
    • karmaka
Re: Neuer Fall in NRW?
« Antwort #1 am: August 19, 2022, 09:56:25 Vormittag »
Ein Video auf RTL News sagt alles.  :platt:

Grüße

Martin

Offline lithoraptor

  • Foren-Veteran
  • *
  • Beiträge: 3987
  • Der HOBA und ich...
Re: Neuer Fall in NRW?
« Antwort #2 am: August 19, 2022, 11:03:19 Vormittag »
Moin!

Ich halte es für völligen Unsinn. Bei Schnuppenschauern kommt doch nichts makroskopisch Sichtbares unten an. Das eintretende Material ist schlicht zu klein. Selbst wenn es zu einem Meteoritenfall gekommen sein sollte, wie sollte denn der, in den mit Wasser gefüllten Pool, fallende Stein diesen Schaden verursacht haben? Die Fallgeschwindigkeit wird durch das Wasser sofort abgebremst. Naja und die Temperatur des Stückes?! Wie war das mit der Ablation und der Aufheizung? Geglüht hat da nichts und selbst wenn es heiß gewesen sein sollte, dann kühlt das Wasser das doch sofort wieder runter.

Bleiben der Schaden im Pool und ein paar kleine Steine, die vom Magneten angezogen werden und in der Filteranlage des Pools gefunden wurden. Ich gebe gerne zu, dass die durchaus meteoritisch aussehen. Aber diese Winzlinge können den Schaden nicht verursacht haben und ein größerer Stein wurde nicht gefunden. Die Story ist für mich so nicht stimmig und meine Alarmglocken schrillen schon wieder…

Hier gleich nochmal der direkte Link zur RTL-Seite mit Video: https://www.rtl.de/cms/perseiden-2022-in-neuss-schlaegt-eine-sternschnuppe-in-den-pool-eines-paares-ein-5002356.html

Gruß

Ingo

P.S. Wie unbedarft in der Presse mit den Begriffen „‚Astronom“ und „Astrologe“ umgegangen wird, finde ich doch sehr bedenklich und bildungsstörend.

Offline ganimet

  • -Sheriff-
  • Generaldirektor
  • *****
  • Beiträge: 1982
Daß alles vergeht;weiß man schon in der JUGEND;
aber wie schnell alles vergeht,erfährt man erst im ALTER.

Offline hugojun

  • PremiumSponsor
  • Oberrat
  • *****
  • Beiträge: 338
Re: Neuer Fall in NRW?
« Antwort #4 am: August 20, 2022, 10:53:40 Vormittag »
Einfach nur peinlich...... :dizzy:

https://www.t-online.de/region/duesseldorf/id_100040922/familie-betroffen-sternschnuppe-zerstoert-offenbar-pool-.html

Warum peinlich?

Die Familie tut alles, um die Sache aufzuklären.


Das solch ein Steinchen nicht den Boden des POOL ruinieren kann, wissen ja nur die Spezialisten hier im Forum.

Möglichkeiten für den Schaden gibt es viele.

Die Familie sucht nur nach Erklärungen.

Wenn die Untersuchung in die richtigen Hände kommt, werden wir eine Erklärung bekommen.

Das würden wir doch alle dieser Familie empfelen , oder?

LG
Jürgen
« Letzte Änderung: August 20, 2022, 11:27:51 Vormittag von hugojun »

Offline Flo

  • Sekretär
  • **
  • Beiträge: 45
  • ImpactSim-Programmierer
Re: Neuer Fall in NRW?
« Antwort #5 am: August 28, 2022, 22:08:17 Nachmittag »
Hallo!

Ich denke, es gibt gute Hoffnung, herauszubekommen, was tatsächlich hinter diesen Steinchen steckt. Die richtige Expertise (ernst gemeint) ist schon fleißig am werkeln !?

Aber zwei Dinge sind mir bei dieser Story zunächst wieder mal etwas sauer aufgestoßen, die bei jedem "sensationellen" Fall bzw. Fund immer wieder zu beobachten sind:


1. Die Medien machen aus Vermutungen SEHR schnell Tatsachen. Ihre Berichte sind gespickt mit Halbwissen, das auch ein Laie mit ein paar vernünftigen Überlegungen anzweifeln könnte: Welche Temperatur müsste denn ein Steinchen (Meteorit noch nicht einmal in Betracht gezogen) haben, damit es trotz Abkühlung durch Wasser in dieser Tiefe noch ein Schmelzen der Bodenwanne bewirkt?

2. Fast noch schneller finden sich sog. "Experten", die die Authentizität eines Meteoriten bestätigen. Und wenn es sich hier um den Leiter einer Sternwarte oder eines geologischen Instituts o.ä. handelt und nicht um einen "Astrologen" (*hüstel*), dann sollte gerade er vor der Kamera mit Schnellschüssen etwas zurückhaltend sein, da man gerade bei dieser Personengruppe ja davon ausgehen dürfte, dass er über ein grundlegendes Basiswissen über Meteoriten und Meteoritenfälle verfügt.

Aber das erlebt man ja immer wieder... Mit dem Fund des "glänzenden Meteoriten" in einem Bach ist ja auch nicht mehr viel herausgekommen, obwohl die Geschichte anfangs ja ziemlich hochgekocht wurde.
Auch ein schon etwas länger zurückliegendes Ereignis (August 2000) aus meinem näheren persönlichen Umfeld, das in der lokalen Presse ziemlich präsent war, als ein gewisser Herr Dr. Dr. med. T. aus Plattling einen Meteor auf sich zurasen sah und sich dann "im letzten Moment" durch einen Hechtsprung beiseite rettete, bevor der Stein neben ihm im seinem Blumenbeet stecken blieb. Auch in dieser Geschichte wurde ein Brocken aus dem Perseiden-Schwarm gemutmaßt. :bid: Zum Glück blieb er nicht in seinem Kopf stecken, obwohl er da wohl nicht recht viel angerichtet hätte, denn besagter Herr verlor kurze Zeit zuvor einen seiner beiden Doktortitel wegen Betrugs in einer anderen Geschichte. Da wird man den Eindruck nicht los, dass es den meisten Personen immer nur um Publicity geht!


Aber zurück zum aktuellen Fall:
Mich würde hier nur eine theoretische Überlegung interessieren: Unabhängig von der Unmöglichkeit eines thermischen Schadens am Poolboden, was schätzt ihr, ab welcher Restmasse würde zumindest ein mechanischer Schaden am Grund (ausgehend von einer Tiefe von 1 bis 1,5m) im Bereich des Möglichen sein? Ich hätte jetzt mal so 2 bis 3 kg bei einem Steinmeteoriten angesetzt. Was denkt ihr?

Flo
« Letzte Änderung: August 28, 2022, 22:33:28 Nachmittag von Flo »

Offline locastan

  • Oberrat
  • *****
  • Beiträge: 494
    • Allsky Bornheim
Re: Neuer Fall in NRW?
« Antwort #6 am: August 29, 2022, 10:15:51 Vormittag »
Hi Flo,

das hat mich auch interessiert. Zumindest ansatzweise Berechnungsgrundlagen findet man hier:
https://henry.baw.de/bitstream/handle/20.500.11970/102940/mb50_Kniess.pdf

Hier wurde die Fallenergie und Geschwindigkeit von Gestein gemessen das ins Wasser gekippt wird. (Zur abschätzung von eventuellen Beschädigungen an Uferbefestigungsgewebe etc.)
Ich hatte aber noch keine Zeit konkret weiter damit zu spielen. :)

Gruß Mario.

Offline Flo

  • Sekretär
  • **
  • Beiträge: 45
  • ImpactSim-Programmierer
Re: Neuer Fall in NRW?
« Antwort #7 am: August 30, 2022, 22:35:40 Nachmittag »
Hallo Mario!

Interessanter Beitrag. Soweit ich das jetzt überflogen habe, werden die Steine in dem Aufsatz erst unter Wasser in Bewegung gesetzt.

Angenommen, so ein Stein trifft mit 300 km/h auf die Wasseroberfläche, ab welcher Tiefe würde er so stark abgebremst sein, dass er keinen Schaden mehr anrichtet?

Ich hätte ja gute Lust, das an meinem Pool auszuprobieren, aber ich kriege die Beschleunigung auf 300 km/h mit meinen Muskeln einfach nicht hin!  :einaugeblinzel:


Nein, im Ernst, ich habe jetzt mal mein Simulationsprogramm ImpactSim so umprogrammiert, dass es auch mit der Dichte von Wasser arbeiten kann und ein paar Simulationen gestartet.

Verwendete Parameter:
Dichte des Körpers: 3500 kg/m³ (entspricht in etwa einem Steinmeteoriten)
Dichte Medium (Wasser): 1000 kg/m³
Strömungs-Widerstandsbeiwert: 1,0
Anfangsgeschwindigkeit: 300 km/h
Wasstertiefe: 1,5 m
Masse: variabel

Ergebnisse (Endgeschwindigkeit in 1,5 m Tiefe):
1 kg: 13,7 km/h
2 kg: 23,8 km/h
3 kg: 32,2 km/h
4 kg: 39,1 km/h
5 kg: 45,1 km/h
6 kg: 59,2 km/h
7 kg: 54,8 km/h
8 kg: 58,9 km/h
9 kg: 62,6 km/h
10 kg: 66,0 km/h

15 kg: 79,7 km/h
20 kg: 89,8 km/h
50 kg: 122,9 km/h
75 kg: 137,4 km/h
100 kg: 147,5 km/h

So, das sollte mal für den Anfang reichen. Wenn man Lust hat, kann man jetzt noch Impuls und Energie berechnen.
Im Anschluss kann man mal spekulieren, ab wann eine Beschädigung auftritt. Das kommt nun sicherlich auf das Material der Bodenwanne (Kunststoffart, Dicke, evtl. Fliesen, Folie mit Flies-Schicht darunter) und die Beschaffenheit des Fundaments (gestampfter Untergrund, Beton, usw.) an.

Aber wenn man sich die Endgeschwindigkeiten ansieht, dann könnte es in blöden Fällen tatsächlich ab 2 bis 3 kg zu mechanischen Schäden kommen.


Und zu guter Letzt: Zum Vergleich habe ich jetzt mal für so ein Steinchen (großzügige) 25 g angenommen. Endgeschwindigkeit in 1,5 m Tiefe: 4,1 km/h
« Letzte Änderung: August 30, 2022, 23:04:59 Nachmittag von Flo »

 

   Impressum --- Datenschutzerklärung