Autor Thema: FLAMINGO ROCK EA 001  (Gelesen 1037 mal)

Offline KarlW

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FLAMINGO ROCK EA 001
« am: September 01, 2022, 10:55:38 Vormittag »
Liebe Meteoritenfreunde,

nach Ensisheim hatte ich etwas ominös angekündigt, dass nach unserem Sternenhimmel-Angriten von 2019 auch heuer wieder etwas womöglich noch Exotischeres auf euch zu kommt. Was also ist passiert?
In einer erneuten Kraftanstrengung haben wir die Hauptmasse eines nicht nur ungruppierten, sondern auch höchst außergewöhnlichen Achondriten aus Mali an Land gezogen: Erg Atouila 001.

MetBull: https://www.lpi.usra.edu/meteor/metbull.php?sea=Erg+Atouila+001&sfor=names&ants=&nwas=&falls=&valids=&stype=exact&lrec=50&map=ge&browse=&country=Mali&srt=name&categ=Achondrites&mblist=110&rect=&phot=&strewn=&snew=0&pnt=Normal%20table&code=75507

Noch am Abend des Ensisheim-Sonntags hat er in fröhlicher Runde wegen seines Erscheinungsbilds den Namen „Flamingo Rock“ abbekommen. Das eigentlich reinweiße Gefieder der Flamingos bekommt seine Rosatönung bekanntlich von Farbstoffen ihrer Nahrung. Unserem Stein mit seiner weißen Matrix aus großen Albit-Körnern und mit wunderschönen grünen Einschlüssen von Olivin und Klinopyroxen erging es ähnlich: die Verdauung der für einen Achondriten zum Teil ungewöhnlich großen Metalleinschlüsse sorgt für die charmante Färbung ins Rötliche. Und heute ist er auch im Meteorite Picture of the Day angekommen: http://www.tucsonmeteorites.com/mpodmain.asp


Bei der heurigen 53. Lunar and Planetary Science Conference hat er bereits Wellen geschlagen (LPSC 2442). Carl Agee als Klassifizierer stellt da die Besonderheiten heraus; Karen hat in bewährter Weise die Einordnung nach Sauerstoffisotopen vorgenommen. Dazu und zu den höchst anregenden Überlegungen zur Herkunft aber später an gleicher Stelle mehr.

Nach dieser ersten Vorstellung wäre es ungehörig, euch nicht schon etwas in Aussicht zu stellen. So wird es in Kürze bei den Verkaufsanzeigen ein Angebot geben und es sollte von dem hochwertigen Material für jeden etwas dabei sein.

Karl  :winke:
« Letzte Änderung: September 01, 2022, 11:12:41 Vormittag von KarlW »

Offline Murchison´s friend

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Re: FLAMINGO ROCK EA 001
« Antwort #1 am: September 01, 2022, 12:36:14 Nachmittag »
wow, lieber Karl,

herzliche Gratulation, das ist wahrlich was Extremes !
Bin schon auf Deine Angebote neugierig !

LG,
Michael


Murchison`s friend ist für alles Neue offen - besonders um Meteorite zu finden !

Offline KarlW

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Re: FLAMINGO ROCK EA 001
« Antwort #2 am: September 04, 2022, 18:47:53 Nachmittag »
Liebe Flamingo-Freunde,

ich hatte zuletzt noch etwas zur Herkunft des Neuen angekündigt. Das ist eine spannende Geschichte, die mit den Sauerstoffisotopen beginnt. Die sind des Längeren ein recht signifikantes Kriterium für die Zuordnung zu einer Meteoritenklasse. Gern wird dabei auch über gemeinsame Mutterkörper spekuliert. Wenn man dann genauer hinschaut und z.B. weitere Isotope misst (54Cr u.a.), wird es schnell wieder vielfältiger.
An unserem Flamingo EA 001 kann man das gut zeigen. Die Sauerstoffisotope passen verführerisch zur Gruppe der Acapulcoite und Lodranite. Nun sind ACA/LODs bekanntlich primitive Achondrite und in einzelnen sind Reste von Chondren gefunden worden. Das hat schon vor Jahren dazu geführt, dass über deren Verwandtschaft mit den CR-Chondriten spekuliert wurde, weil auch ihre Sauerstoffisotope gut passen.  Alan Rubin hat dann vor 15 Jahren an diesem Beispiel herausgearbeitet, dass es so einfach nicht ist.
 
Die Sauerstoffisotope sind eher charakteristisch für ein jeweiliges Reservoir in der protoplanetaren Akkretionsscheibe, aus dem die Mutterkörper ihr Material beziehen. So dürften CR-Chondrite, Acapulcoite/Lodranite und EA 001 alle aus relativ benachbarten Körpern unterschiedlicher Größe stammen. Die starke Ausdifferenzierung des Nestes, aus dem der Flamingo geflogen kommt, spricht für einen großen Körper mit hochentwickelter Geologie. Vielleicht haben wir da ja eine Probe von einem ausgewachsenen, aber frühzeitig untergegangenen Planeten aus dieser Nachbarschaft.
Auf die weiteren Untersuchungen dürfen wir gespannt sein.

Angeregte Grüße,   :winke:
Karl

Offline lithoraptor

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Re: FLAMINGO ROCK EA 001
« Antwort #3 am: September 13, 2022, 13:39:39 Nachmittag »
Moin!

… das ist wahrlich was Extremes !

Das sind wahre Worte, Michael, wahre Worte. Ich bin ja schon ein paar Jahrzehnte Meteoritensammler und als solcher ein absoluter Wüsten-Fan. Natürlich haben frische beobachtete Fälle, Orientierung, historische Stücke, Hammer etc. ihren Reiz, aber für mich sind und bleiben die unterschiedlichen Klassen DAS was mich interessiert und da liefern die Wüsten reichlich Stoff. Es sind Steine wie Erg Atouila 001, die das Sammeln so spannend machen. Als Geologe gesprochen: Ein Meteorit, den man als Albitit (Syentit bzw. Trachyt) ansprechen muss, wo gibt‘s denn sowas?! Wenn ich es mal so ausdrücken darf: Das Material ist vom Mineralbestand her so weit von allen Meteoritenklassen weg, wie bisher kein anderer. Das Material hat bereits Wellen geschlagen und ich vermute, da kommt noch mehr…

Schnell noch ein paar Links:

https://www.hou.usra.edu/meetings/lpsc2022/pdf/2442.pdf

http://www.meteoritestudies.com/protected_ERG-A001.HTM

https://ui.adsabs.harvard.edu/abs/2022LPICo2678.2442A/abstract

Thomas hat das Material auch auf seiner Seite kurz beschrieben: https://www.strahlen.org/tw/meteorite/meteorite_achondrite2.html

Ich bin schon sehr auf ein Kristallisationsalter gespannt. Da habe ich bisher noch nichts zu gefunden. @stollentroll hast Du da schon Infos?

Gruß

Ingo


 

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