Autor Thema: Meteor Berlin  (Gelesen 19745 mal)

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Re: Meteor Berlin
« Antwort #225 am: März 18, 2024, 19:37:58 Nachmittag »
Mein Blick ging zur Uhr. Es war noch nicht mal 11 Uhr – noch viel Zeit zum Suchen. Ich machte genau so weiter, wie ich es den ganzen Morgen lang getan hatte. Irgendwann kam ein Anruf von Dr. Peters, der das Suchgebiet inzwischen erreicht hatte. Wir trafen uns im Gelände – etwa dort, wo Dirk und ich uns am ersten Suchtag getrennt hatten. Das war sehr praktisch, denn inzwischen war in mir der Gedanke gereift die Schlacke-Haufen zu fotografieren, was ich auch tat. Ich befuhr also den Weg zwischen Feld und Wald doch kam nicht ans Ziel. Ein gewaltiger Baum hatte auch hier dem Sturm nicht mehr trotzen können und war umgestürzt. Ich stellte das Auto seitlich ab und ging zu Fuß. Das zweiköpfige Such-Team mit Dr. Peters und ich trafen uns am Feldrand. Etwas stolz zeigte ich meinen aktuellen Fund und Fotos von meinem ersten Stück.

Wie wir da so standen und den aktuellen Fall diskutierten, näherte sich uns eine Gruppe von Spaziergängern – zwei Frauen, ein paar Kids und ein großer Hund. Das Grüppchen war sehr neugierig und fragte, ob wir Meteoritensucher sein und ob wir etwas gefunden hätten. Sie wollten gerne wissen, wie so ein Meteorit denn aussieht. Solche Momente sind es, die ich einfach liebe - Interessierte Leute treffen. So erklärte ich, wie ein Meteorit normalerweise aussieht bzw. wie und warum Ribbeck nun anders war. Nach Aufforderung der Dame zog ein Junge ein paar Steine aus der Tasche, welche ich begutachten sollte. Leider waren es keine Meteorite. Zu einem schwarzen Flint mit bläulich-weißer Rinde sagte ich, dass das aber farblich schon sehr gut sei. Dann packte ich den Ribbeck erneut aus und zeigte ihn vor. Ich erlaubte der Damen das Stück auch vorsichtig in die Hand zu nehmen und zu befühlen. „Der ist ja rau!“ meinte sie und fuhr dann fort: „Ich dachte immer, die müssen glatt sein!“ Ich erklärte dann die Umstände der Bildung von Fusions-Kruste, die ja ein Glas ist, sowie die schnell stattfindende Ablation – natürlich in einfachen Worten. Nach weiteren Gesprächen, in denen ich noch dazu riet, mehr im Raum Berge zu suchen und den Farbeindruck des Feuersteins im Kopf zu behalten, bedankte sich die Gruppe und verschwand im Wald. Nach einer Weile und weiterem Diskurs über das Material, trennten sich dann auch das Such-Team Dr. Peters und ich wieder. Ihr wisst schon: Das Meteoriten-Fieber…

Ich fuhr wieder nach Berge parkte das Auto und setzte meine Suche auf den Pferdekoppeln und in deren Knicks dort fort. Mittlerweile war es Nachmittag geworden und es war klar, dass nicht mehr viel Zeit an diesem Suchtag blieb. Ich war gerade mitten auf einer der Koppeln, als ich plötzlich einen schrillen und fast schon ekstatischen Schrei von einem Nachbarfeld hörte. (mG: „OK, da hat wohl eine Dame etwas gefunden.“) Danach war alles still. Plötzlich ertönte wieder ein Schrei. (mG: „Wird sie jetzt abgestochen, oder was?!“) Es folgte lautes Stimmengewirr und es war völlig klar, dass dort – von mir aus hinter dem Knick - etwas gefunden worden sein musste. Nun muss man wissen, dass das besagte Feld schon vielfach von Suchern abgesucht wurde – überall waren Spuren zu sehen. Bestellt war das Feld auch – wohl mit Pflanzen zur Bodenverbesserung, nachdem es mit Mais bepflanzt war. Das Grün war allerdings sehr spärlich und jeder Stein gut zu sehen. Da ich wusste wer da sammelte rief ich Alex an – leider ohne Erfolg, denn er ging nicht ran. (mG: „Gut, gehe ich halt mal rüber.“) Gedacht – gemacht! Also ab durch die Hecke bzw. quer durch den Knick. Dabei habe ich mir dann, da ich auch im Knick mehr auf den Boden als auf das Gestrüpp geachtet habe, die Hand an ein paar übereifrigen Brombeerranken aufgerissen. (mG: „Sch…!!!“) Auf dem Feld fiel sofort eine Person in einer knallpinken Regenjacke auf. (mG: „Zu der Dame musst Du!“) Leider fing „die Dame“, bei der es sich tatsächlich um Sang-Hyeok Lee handelte, an, sich von mir weg zu bewegen. Auch Michael Hurtig war, durch die Schreierei angelockt, auf das Feld gekommen. Gemeinsam mit Alex holten wir Sang-Hyeok ein, dem immer noch die tiefe Glückseligkeit des Finders ins Gesicht geschrieben stand. Es wurde geplauscht und fotografiert. Tja und dann gingen wir alle wieder unserer Wege. Ihr wisst schon: Das Meteoriten-Fieber…

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Re: Meteor Berlin
« Antwort #226 am: März 18, 2024, 19:39:35 Nachmittag »
Lasst es mich kurz machen. Auch die nächsten beiden Tage wurden wieder einige Meteorite gefunden - leider nicht von mir. Am 5. Februar kehrte ich Ribbeck dann endgültig den Rücken und fuhr etwas ausgelaugt, aber doch glücklich nach Hause zurück.

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Re: Meteor Berlin
« Antwort #227 am: März 18, 2024, 19:41:20 Nachmittag »
3. Ribbeck-Suche vom 09.-13. Februar 2024 oder Der „Fluch“ ist gebrochen

Es kam, wie es kommen musste: Ribbeck ließ mich nicht los und so startete ich ein drittes und wirklich allerletztes Mal zur Suche nach Ribbeck. Mein letztes Quartier war auch wieder zu haben und so war alles perfekt.

Für diese Suche hatte ich mir das Gebiet südwestlich bis südöstlich von Lietzow vorgenommen. Ich denke, dass ich nicht zu viel verrate, wenn ich sage, dass dieser Bereich viele Meteoritenfunde geliefert hat. Hier kam es über die Tage – besonders an den Wochenenden - immer wieder zu kleineren und größeren Treffen von Sammlerfreunden. Gefühlt war das halbe Forum vor Ort.

Als ich am 10. Februar mitten auf einem gutbegehbaren Raps-Acker stand erreichte mich ein Anruf von Michael Kobusch, welcher mit seiner Frau ein Nachbarfeld absuchte. Wir diskutierten ein Fundstück von dem er mir via WhatsApp Bilder zu kommen ließ. Für mich war das klar kein Meteorit – der Eindruck bestätigte sich später. Dann kam sie die Frage, die ich befürchtet hatte: „Hast Du schon was gefunden?“ Leider musste ich diese Frage mit „NEIN!“ beantworten, denn ich war auf dieser Tour noch nicht fündig geworden. Nach einem kurzen Plausch darüber, wer, in den letzten Tagen, so alles etwas und wie viel gefunden hatte, wollten wir beide unbedingt weitersuchen. Ihr wisst schon: Das Meteoriten-Fieber!

Ich hatte das Handy kaum weggesteckt und war in meiner Feld-Reihe ein paar Schritte weitergelaufen, da heftete sich mein Blick an ein graues Objekt am Boden. (mG: „Das gibt es ja nicht!!! Da telefoniert man gerade noch und sagt, dass man nichts gefunden hat und nur ein paar Meter weiter liegt das Ding.“) Also, Handy und Würfel raus - Bilder machen…  Ein kleines orientiertes Stück, welches mit der orientierten Seite nach unten lag, kam zum Vorschein.

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Re: Meteor Berlin
« Antwort #228 am: März 18, 2024, 19:43:04 Nachmittag »
Das Stück brachte später 2,03 g (trocken) auf die Waage – bröselte allerdings etwas. Nun, das war jetzt mein 3. Fund, den ich aber am 2. Tag der 3. Suchtour gemacht habe – sollte mir das nun etwas sagen? Egal! Der „Fluch“ immer nur am dritten Tag etwas zu finden war gebrochen. Nun konnte es doch nur noch besser werden. Oder?!

Irgendwann schlugen Mirko und Tina auf dem Feld auf. Nach einer kurzen Begrüßung gingen wir auf die Suche. Mirko suchte dann etwas weiter unten (bergab in nördlicher Richtung) auf dem Feld, Tina ein Stück weiter und ich und ich oberhalb eines kleinen Hügels. Dann brauste, über einen schmalen Grünstreifen zwischen den Feldern, plötzlich ein Pickup heran. Es war der Landwirt, dem das Feld gehörte und er war sehr angefressen. Mirko ging sofort auf ihn zu und konnte ihn etwas runterkühlen. Ich suchte mir zeitgleich meinen Weg nach unten. Als ich unten ankam fuhr er bei Mirko los und hielt bei mir. Er war freundlich aber bestimmt und erklärte mir, dass er es nicht gut fände, wenn wir über seinen Acker gehen würden, wenn da Pflanzen drauf seien, da seine Existenz daran hänge. Ich sagte ihm, dass ich seinen Acker gewählt hätte, da ich hier zwischen die Pflanzen treten könne. Dann meinte er, dass ich dort (er deutete auf das mit Wintergerste bestellte Nachbarfeld) nicht zwischen die Pflanzen treten könne. Ich entgegnete: „Deswegen suche ich dort nicht!“ Er grinste. Wir haben uns dann darauf verständigt, dass wir nur die Traktor-Spuren betreten. Daran haben wir uns dann gehalten und diese Bitte auch an andere Sucher kommuniziert.

Mirko und ich suchten dann in Sicht- und Hörweite nebeneinander – jeder seine eigene Traktor-Spur entlang. Dabei diskutierten wir über die Geschiebevielfalt die es allgemein und im Speziellen vor Ort gab – insbesondere die Wrongs. Das ging schon eine ganze Weile und plötzlich meinte Mirko sowas wie: „Da ist wieder ein Hübscher… mit Punkten… Ist aber kein Meteorit.“ Er drehte den Stein etwas (dabei sah er dann die Cracks) und meinte plötzlich: „Doch! Ist doch einer… sieht aus wie ein Dalmatiner!“ Ich meinte (ohne den Stein bis dahin selbst gesehen zu haben): „Das sind Kuh-Steine, Mirko. Kuh-Steine!!! Da sie wie eine Schwarzbunte aussehen…“ Mirko entgegnete: „Kühe haben aber keine Punkte, die haben nur Dalmatiner!“ Damit hatte er unzweifelhaft Recht und ihr wisst nun, wie Mirko den Dalmatiner-Stein fand. Hätten wir nicht auf die Traktoren-Spuren wechseln müssen, dann wäre es dazu vielleicht nie gekommen.

Wie ich hörte, gab es mittlerweile interessante Bildauswertungen, die Größe der gefallenen Massen betreffend. Diese ließen den Fall einer Masse von 380 Gramm möglich erscheinen. Ich machte mir da so meine Gedanken dazu und ging auf auch mal eine Weile auf Hauptmassen-Pirsch. Natürlich war selbst weit außerhalb des berechneten Streufeldes – schon längst alles abgesucht. Die Spuren, die ich überall im Gelände fand, sprachen da eine klare Sprache. Selbst durch dickes Brombeerrankengestrüpp hatten sich Sucher bereits durchgekämpft.

Auch die vielen Kilometer meiner weiteren Suche, die ich auf den klassischen Äckern abgerissen hatte, blieben erfolglos. So verließ ich das Streufeld von Ribbeck am 13. Februar zum dritten und wirklich aller letzten Mal.

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Re: Meteor Berlin
« Antwort #229 am: März 18, 2024, 19:46:03 Nachmittag »
4. Ribbeck-Suche vom 05.-07. März 2024 oder Häufig kommt es anders, als man denkt…

Die Wochen nach meiner dritten Suchtour waren bereits lange im Voraus anderweitig verplant, so dass ich nicht zum Suchen kommen würde. Obwohl ich knapp eine Woche sehr viel näher am Streufeld verbrachte, als mir lieb gewesen wäre, lohnte sich eine Tagestour (und mehr hätte es nicht werden können) von dort aus nicht, da die Fahrt fast genauso lange gedauert hätte, wie von mir daheim. Natürlich kam ich aber gedanklich nicht von Ribbeck los. Dies lag nicht nur darin begründet, dass ich ruhige Stunden nutzte, um an meinem Suchbericht zu tippen, sondern schlicht an diesem, so extrem ungewöhnlichen, Material. Mir ist völlig klar, dass ich höchstwahrscheinlich, in der mir noch verbleibenden Lebensspanne, niemals wieder ein exotischeres Material finden werde – zumindest nicht bei einem frischen europäischen Fall. Sicher auch dann nicht, wenn ich mit weit über 80, falls ich überhaupt so lange durchhalte, noch mittels Rollator durchs Gelände schlurfe. (mG: „Gibt es für die Dinger eigentlich Geländereifen?! ODER: Wird dann jemand bereits den Antigravitationssessel erfunden haben und lässt sich der mit Roboter-Armen bestücken? Das wäre doch eine coole Idee! Einfach über das Feld schweben und…“)
Aber gut, ich schweife ab. Ich stand weiterhin mit einigen Suchern vor Ort im stetigen Kontakt und sog jede Ribbeck-Fundmeldung, die ich bekam oder online finden konnte, begierig auf. Wieder brach es aus: Meteoriten-Fieber! Wieder wollte ich unbedingt suchen fahren – nur für ein paar Tage, mehr war aus diversen Gründen nicht mehr möglich. Kaum wieder daheim ging es auch schon los mit der Planung: ein neues Quartier finden, Tasche packen etc. pp.

Mein Plan war, ein Feld mit relativ dicht stehendem Winterraps südwestlich von Lietzow etwas genauer unter die Lupe zu nehmen. Ich hatte die Hoffnung, dass dieses Feld auf Grund des dichter stehenden Grünzeugs noch nicht so intensiv abgesucht worden war. Das war allerdings ein Trugschluss, wie mir die unzähligen Spuren verrieten. (mG: „Nun gut, macht nichts! Dann eben seitlich – von den Traktoren-Spuren aus zwischen die Pflanzen gucken…“) Das Schöne an dem Feld war, dass es, verglichen mit anderen Feldern, hier nur wenig Steine gab. So fiel jeder Kiesel, und somit auch ein möglicher Meteorit, sofort ins Auge. Unschön war hingegen die Tatsache, dass hier gerade fleißig Kunstdünger ausgebracht worden war. Alles lag voll mit kleinen weißlich durchscheinenden Ellipsoiden. Die Pflanzen standen auch schon deutlich höher, als bei meiner letzten letzten-Suche. „Nun gut!“, dachte ich und marschierte los. Die doch sehr einseitige Belastung des Nackens kompensierte ich dadurch, dass ich die Laufrichtung nach jeder Spur wechselte. Also: In der ersten Spur auf der rechten Seite hin und links zurück – dabei hauptsächlich nach rechts guckend (das Mittelteil jeweils auch im Auge) und in der folgenden Spur auf der linken Seite hin und rechts zurück, wobei ich hauptsächlich nach links geguckt habe. Doch es war zwecklos - ich fand mal wieder nichts. Irgendwann konnte ich einfach keinen Raps mehr sehen und wechselte auf die Traktoren-Spuren des benachbarten Felds mit Wintergerste. Auch hier war mir das Glück nicht hold – weder im Bereich der Gerste noch in den Knicks. Es war mittlerweile bereits später Nachmittag geworden. Meine Hoffnungen einmal am ersten Tag einer Suche einen Meteoriten zu finden hatten sich weitgehend zerschlagen. Etwas lustlos schlurfte ich in Richtung Auto – Wasser nachfüllen. Es war mit 8-9 °C doch deutlich wärmer geworden als in den Wochen zuvor. (mG: „Tja, was tun? Null Bock mehr auf dichten Raps für heute. Den Rest mach ich morgen.“) Mein Blick fiel auf das Feld, auf dem Mirko den Dalmatiner fand. (mG: „Lohnt es wirklich noch darüber zu laufen? Naja, zumindest siehste da mehr vom Boden und mehr Steine… S T E I I I N E E !!!“) Also zog ich da noch ein paar Bahnen. Der Blick glitt über den Boden, da lagen sie schwarze Flinte, Granitoide, Porphyre, weiße Flinte usw. in Hülle und Fülle. Aber irgendwie war bei mir die Luft raus – KEIN Bock mehr.

Ich blickte mich um. Weit entfernt im Osten zog jemand einsam seine Bahnen über ein Feld mit Wintergerste. (mG: „Das kann nur Juan sein. Geh mal hin und sag: Hallo! Sammlerkontakte sind ja auch eine schöne Sache und schaden nicht…“) In der Tat wusste ich, dass es den spanischen Sucher „Juan“ gab, dass er emsig und auch fündig geworden war – im Gelände getroffen hatten wir uns allerdings noch nie. Ich sah ihn, wie jetzt auch, immer nur aus der Ferne. Ich gab mir für die Stippvisite und zurück etwa 45 min (mG: „Die müssen einfach mal drin sein!“) Also ging ich flotten Schrittes - immer die Augen am Boden versteht sich - die Traktoren-Spuren entlang in seine Richtung. Das Wintergerste-Feld, welches Juan gerade ablief wurde schon extrem beharkt. Viele Sammlerfreunde hatten es – teils sehr engmaschig abgesucht. Das wusste er. Das wusste ich. Endlich hatte ich zumindest schon mal das richtige Feld erreicht, doch wo war Juan? Ich hatte ihn aus den Augen verloren. Ich mutmaßte, dass er sich aktuell gerade hinter einer kleinen Kuppe befinden würde und bog auf einer Höhe, von der ich dachte, dass sie passen würde, auf eine Traktoren-Spur ein. Diese lief ich dann entlang – mitten ins Feld hinein. Auch hier lagen immer wieder Steine und hin und wieder bückte ich mich. (mG: „Man muss ja sicher gehen!“) Natürlich waren das keine Meteorite.
 
Als ich die besagte Kuppe erreicht hatte, blickte ich auf. Wo war Juan? Etwas irritiert sah ich – fast am östlichen Feld-Ende - jemanden suchen. (mG: „Hääähh! Hast Du dich so geirrt und Juan ist das Feld gar nicht quer abgelaufen, sondern längs? Der ist doch nicht schon aufm Weg ins Quartier?“) Ich wusste, dass seine Unterkunft in Nauen lag und die Richtung passte… (mG: „Na toll! Der ganze Weg umsonst…“) Ich beschloss wieder an den Feldrand zurückzulaufen, denn da lief die Traktor-Spur in Längsrichtung und die war der schnellste Weg, wenn man nicht querfeldein laufen wollte. Evtl. hatte ich ja auch Glück, und Juan dreht noch mal um und läuft wieder zurück. Also ab auf die andere Spurseite und flotten Schrittes zurück, den Blick wie gewohnt am Boden: Porphyre, Wurm-Ködel, Plastik, gebrochene weiße Steine mit Rostflecken, Flinte in diverser… (mG: „Moment mal!“) Es hatte wirklich etwas gedauert, bis das Gesehene in meinem Gehirn angekommen und verarbeitet worden war. (mG: „Gebrochene? … weiße Steine? …. mit Rostflecken?“) Ich lief ein paar Schritte zurück und suchte am Boden nach dem Steinchen, das ich gerade so flott überlaufen hatte und welches sich quasi als Standbild in mein Hirn gebrannt hatte. Da, mitten in der Traktor-Spur, da lag er. Das war doch ein Meteoriten-Fragment, oder nicht? Daneben lagen noch weitere Krümel – ein Größerer etwas abseits. Ich griff zu, zog die Lupe raus. Ja, das könnte sein. Ich meinte glasige Kruste zu sehen, das war allerdings bei der tiefstehenden Sonne, dem Dreck auf dem Stück und in Kombination mit meinen doch schon sehr ermüdeten Augen nicht 100%ig zu sagen. Also, das Stück zurückgelegt und erstmal dokumentiert. Dann ging es ans Einsammeln. Infos an die Such-Kumpels… Nachdem ich alles verstaut hatte, blickte ich auf und stellte fest, dass es zwei Sammler auf dem Feld gab. Der Eine, der nicht Juan war, war ganz im östlichen Teil des Feldes unterwegs und den echten Juan, der deutlich dichter war, als ich dachte – zum Glück. Also lief ich zu ihm hin. Wir plauschten eine Weile und dann: Ihr wisst ja Bescheid…Meteoriten-Fieber! Juan wollte die Zeit nutzen. Ich trollte mich noch kurz auf ein benachbartes Gerste-Feld und nutzte die dortige Traktor-Spur um Richtung Auto zu laufen.
In meiner Unterkunft beäugte ich das Stück genauer. Es war tatsächlich ein Meteorit. Das Stück war aber sehr bröselig. Das Gewicht der beiden größeren Stücke lag gereinigt und getrocknet bei 2,56 + 0,22 g (zzgl. 0,23 g kleiner Krümel). Es blieb mein einziger Fund an diesem Tag.

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Re: Meteor Berlin
« Antwort #230 am: März 18, 2024, 19:47:29 Nachmittag »
...der größte Krümel - einige cm weiter...

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Re: Meteor Berlin
« Antwort #231 am: März 18, 2024, 19:49:30 Nachmittag »
Der 6. März war ein sehr sonniger Tag in Ribbeck und das war, aus den bereits beschriebenen Gründen, eine wirklich blöde Sache. Meine Suche, auf den restlichen Bereichen des Feldes mit dichtem Winterraps, war fast schon schädlich für die Augen und, sie war völlig erfolglos. (mG: „Dieses Sch… Grünzeug! Das geht gar nicht. Ich kann das Zeug nicht mehr sehn!!!“) Ich überlegte, wo ich nun hin gehen sollte, und ließ mein Blick über die weiten Felder schweifen. (mG: „Kein Grünzeug mehr! Auf keinen Fall!!! Geh auf die am wenigsten grünen Felder, die Du kennst!“) Eines davon konnte ich noch gerade so sehen. So wenig grün, war es gar nicht mehr. Das andere Feld, das auf dem Sang-Hyeok Lee seinen ersten Meteoriten fand, lag im Raum Berge. (mG: „Genau. Da fahre ich jetzt hin!“) Ausführung!

Als ich das Feld erreichte stellte sich mir die Frage, wo ich anfangen sollte – oben am Feldrand oder unten am Knick. Ich entschied mich dafür es genau so zu machen, wie die Katze mit der Wurst – also mittenrein. Ich zog meine Bahnen und was soll ich Euch sagen?! Es war Entspannung pur. Viel Boden, viele Steine und Schlacken und gaaaanz spärlicher Pflanzenbewuchs (Klee und anderes Zeugs). (mG: „Herrlich! Warum habe ich das nicht gleich gemacht?!“) Natürlich, war klar warum: weil da schon so extrem viele Sammler drüber gelaufen waren, dass es selbst der Regen der vergangenen Wochen nicht geschafft hatte alle ihre Spuren wegzuwaschen. In der Tat fanden sich gerade auf dem vorderen Teil keine zwei Quadratmeter ohne Abdrücke – viele alt, einige frischer. Nach hinten wurde das zwar weniger, aber auch hier war problemlos erkennbar, dass das Feld von vielen Sammlern abgelaufen wurde. Das spornte mich an. (mG: „Hier liegt bestimmt noch irgendwo was. Die haben doch alle gedacht, dass das Feld durch ist.“) Was soll ich sagen, so war es denn auch. Um 15:36 Uhr fiel mein Blick auf ein Stück Ribbeck, wie es schöner nicht hätte liegen können – einen typischen Kuh-Stein eben.

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Re: Meteor Berlin
« Antwort #232 am: März 18, 2024, 19:51:31 Nachmittag »
Das Stück wiegt gereinigt und getrocknet 4,48 g plus 0,12 g Krümel, die sich u.a. bei der Reinigung lösten. Es war mein letzter Fund auf dieser Tour, denn am nächsten Tag ging ich wieder leer aus. Ich fuhr glücklich nach Hause.
Eine Sache steht für mich fest: Das war meine letzte Ribbeck-Tour! … Ganz sicher! … Bestimmt!

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Re: Meteor Berlin
« Antwort #233 am: März 18, 2024, 19:52:49 Nachmittag »
In Summe habe ich also 4 Such-Touren von jeweils 3-5 Tagen gemacht und dabei insgesamt 17,5 Tage gesammelt. Ich bin etwa 340-350 Kilometer im Streufeld gelaufen und habe 5 Stücke gefunden. Ribbeck war damit die erfolgreichste Meteoritensuche, die ich jemals hatte.

Was ich nicht vergessen darf zu erwähnen ist, dass ich auf der letzten Tour auch mal ein Augenmerk darauf hatte, welche Schäden an den Pflanzen auf den Feldern aufgetreten sind. Ich hatte eigentlich erwartet, dass ich einen Haufen an zertrampelten Raps-Pflanzen finden würde. Zu meiner großen Überraschung war das nicht der Fall. Natürlich gab es Schäden, aber eben keine platt-gelatschten Pflanzen. Ich muss aber auch einschränkend sagen, dass man es einer Pflanze nicht unbedingt ansehen muss, ob sie noch in der Lage ist eine Blüte zu bilden und damit Samen zu tragen. Die Wahrheit wird der Bauer erst nach der Ernte im Vergleich zu den Vorjahren erfahren. Auch auf den Feldern mit Wintergerste war für mich keine nachhaltige Schädigung erkennbar.

Gut, kommen wir jetzt zu den Steinen. Hier ein paar Bilder meiner Fundstücke. Leider kann ich keine großartigen Stacking-Bilder bieten. Alle Bilder sind mit dem Handy gemacht.

Mein erster Fund (52,56 g):
« Letzte Änderung: März 18, 2024, 20:39:51 Nachmittag von lithoraptor »

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Re: Meteor Berlin
« Antwort #234 am: März 18, 2024, 19:53:57 Nachmittag »
...selbiges Stück von hinten - dort wo die Kruste schaumig wird:

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Re: Meteor Berlin
« Antwort #235 am: März 18, 2024, 19:55:40 Nachmittag »
Mein zweiter Fund (11,11 g):

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Re: Meteor Berlin
« Antwort #236 am: März 18, 2024, 19:56:54 Nachmittag »
anderer Winkel:

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Re: Meteor Berlin
« Antwort #237 am: März 18, 2024, 19:58:15 Nachmittag »
Nr. 3

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Re: Meteor Berlin
« Antwort #238 am: März 18, 2024, 20:01:08 Nachmittag »
Dann hatte ich ja versprochen, dass ich mich den Wrongs bzw. den Schlacken im Fallgebiet noch etwas widmen möchte. Da gibt es eine riesige Flöte, die von Granitoiden und Porphyren über diverse Sedimentite - allen voran Flint in diversen Varianten, Kalken, Gips bzw. Anhydrit bis zu Objekten mit anthropogener Genese reicht. Hier ein kleines Übersichtsbild einiger Kandidaten dieser mittlerweile als „Arschlochsteine“ bezeichneter Wrongs. Die Wortschöpfung stammt von Carina auf FB:

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Re: Meteor Berlin
« Antwort #239 am: März 18, 2024, 20:04:53 Nachmittag »
Der klassische "Arschlochstein" ist ein gewöhnlicher Stein (der oben genannten Typen), der einem Meteoriten, unter dem aktuellen Winkel, Licht bzw. Einschätzungsvermögens des Suchers, zum Verwechseln ähnlich sieht. Mein schönstes Exemplar (eines natürlichen Vertreters) fand ich auf meiner 4. Tour. Muss ich sagen, dass mir da kurz der Puls hoch ging?!

 

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