Autor Thema: Schmelzkruste  (Gelesen 3800 mal)

Campo del Ciero

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Schmelzkruste
« am: Januar 13, 2008, 20:13:34 nachm. »
Hi Leute,

hätt ne frage:

wie verhält sich eine Schmelzkruste im laufe der Zeit in einer Sammlung ? Also bröckelt diese ab, oder verfärbt sie diese ?

Grüße
David

Offline Mettmann

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Re: Schmelzkruste
« Antwort #1 am: Januar 13, 2008, 20:57:03 nachm. »
Nun David,

Schmelzkruste kann natürlich auch rosten, fleckig werden, braun werden.
Siehst zum bsp. an frischen Fällen wie Park Forest, Benguerir oder auch Juangcheng, bei solchen Exemplaren, die wennse auch nur ein paar Stunden Regen abbekommen haben oder ins Nasse gefallen sind, schon braune Stellen haben.

Darum sollte man bei Krüstlingen, ganz wie auch bei allen anderen Meteoriten, für eine trockene Lagerung sorgen,
dann brennt nix an.

Absolut makellose, frisch schwarze und jungfräuliche Krusten, wie bspw. bei vielen Amgalas, Bensours, Malis, Bassis sollte man nur mit Handschuhen anlangen, um spätere Bräunungen zu vermeiden.
Bringt man sie vonner Messe, wo sie die Besucher freudig als Handschmeichler durchgewalkt und eingeschweißelt haben, geht man ein bisserl mit Alkohol drüber.

NIEMALS darfst Lacke oder Öle an Schmelzkruste dranbringen (und selbstverständlich auch nicht diesen ekligen Kitt zum aufkitten in der Box, der ruiniert Dir jeden Stein).
Unproblematisch sind die Eisenarmen und -losen Achondrite, da kann nix rosten.

Schmelzkruste bei Eisen, da müßte man erstmal drüber streiten, was Schmelzkruste bei Eisen ist.
Die Vorstellung von Schmelzkruste bei Eisen, wie sie bspw. in den Ebays verzapft wird, teile ich persönlich nicht, aber auch sonst ist mir derBegriff bei den Eisen ein bisserl arg weitgefasst...
aber das ist ein anderes Feld.

Fürchte Dich also nicht, es ist alles ganz harmlos.
Wie gesagt, nur bei den ganz frisch schwarzen, da sollte man schon ein bisserl aufpassen, damitse so bleiben, den ein makeloser 100%-Kruster ist was Besonders (und auch mehr wert) und es wär schade drum.

Salü
Martin


"Grawutzi - Kapuzi" (Pezi "Bär" Petz *1949-1995)

Speci-Man

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Re: Schmelzkruste
« Antwort #2 am: Januar 14, 2008, 00:01:13 vorm. »
Hallo Martin!

Eine Frage beschäftigt mich schon länger: Es gibt Meteoriten mit rauher Schwarzkruste und glatter Schwarzkruste. Wie erklärt sich der Unterschied? Irdische Einflüsse? Fallbedingungen? Die Materialbeschaffenheit?

Grüße  :winke:
Gerhard

Offline Mettmann

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Re: Schmelzkruste
« Antwort #3 am: Januar 14, 2008, 00:19:38 vorm. »
Alles dreie, Gerhard!

Terrestrisch siehst ja, wennst bspw. einen W0/1-Wüstling hernimmst, der innen zwar noch vollkommen knackfrisch ist, aber schon ein paar Erdenjahrzehntchen auffem Buckel hat. Da ist die Kruste zwar noch wunderbar, aber eben nicht mehr so leicht samtrauh, wie mans gern bei ganz frisch gefallenen Chondriten hat, sondern schon leicht durch den Windschliff poliert.
Fallbedingungen sowieso, zum einen hast unterschiedliche dicke Krusten je nach dem, wie lange die entsprechenden Seiten der Schmölzung ausgesetzt waren, ganz besonders, wenn der Stein in der Luft zerplatzt ist und die neuen Bruchflächen angeschmolzen, was dann die dünnere Sekundärkrusten ergibt,
bzw wie sich der Stein ausgerichtet hat - sieht man ja bei den orientierten ganz gut, in Flugrichtung ist die Kruste meist glatter, auf der Rückseite hingegen nicht selten regelrecht blasig, und im Extremfall hast ja sogar bei orientierten oder teilweise orientierten regelrechte Zapfen von Schmelzkruste, wos die Schmelze nach hinten gedrückt hat,....aber das erklärt Dir besser der Plasmasurfer...
und das Material spielt natürlich auch eine Rolle. Äußerst typisch ist z.B. für die basaltischen Achondrite, die HEDs, aber auch teilweis die Märse, daß sie eine ganz besonders glänzende und glatte Kruste ausbilden. Monde hingegen haben gern einen ins grünliche gehenden Überzug.

 :prostbier:
Mettmann
"Grawutzi - Kapuzi" (Pezi "Bär" Petz *1949-1995)

Speci-Man

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Re: Schmelzkruste
« Antwort #4 am: Januar 14, 2008, 01:15:08 vorm. »
Hallo Martin!

Sehr schön erklärt. Die Antwort macht die Dinge natürlich komplexer.  :platt:
Tröstlich aber auch: Wenn nicht alles mit allem zusammenhinge, hätten wir Foristen kaum noch etwas zu schreiben...   :user:

Habe mir da übrigens letztes Jahr mal einen Gao mit teilweiser Sekudärkruste angeschafft. Die Kruste ist außerordentlich rauh.
Sicherlich stellt der nun wahrlich nicht nichts Besonderes dar, aber ich habe dennoch stets ein gutes Gefühl dabei. Kann deshalb Deinen Ansichten über Komplettkrustler nur beipflichten: Solch ästhetische Stücke sind zeitlos, von solitärem Wert.

Grüße  :winke:
Gerhard



« Letzte Änderung: Januar 14, 2008, 01:35:15 vorm. von Speci-Man »

Speci-Man

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Re: Schmelzkruste
« Antwort #5 am: Januar 14, 2008, 01:16:44 vorm. »
Uuuhps, Foto vergessen!

Campo del Ciero

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Re: Schmelzkruste
« Antwort #6 am: Januar 14, 2008, 18:40:01 nachm. »
sag ich nur  :danke: Martin !

Aber nochmal zurück zum Heavy Metal, habe schon öfters gehört das es drumrum eine Schmelzkruste geben soll, aber erkannt  als solches habe ich diese nicht  :gruebel:

Grüße
David

Offline gsac

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Re: Schmelzkruste
« Antwort #7 am: Januar 14, 2008, 18:45:21 nachm. »
Uuuhps, Foto vergessen!

Der ist für einen Gao noch ziemlich schwarz und hübsch - guter Fang!  :super:
Die Gao-Individuale können auch erheblich verwitterter daherkommen...
[PS: Gao hat zum Teil sehr schöne kleine orientierte Mets hervorgebracht]

Alex

Campo del Ciero

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Re: Schmelzkruste
« Antwort #8 am: Januar 14, 2008, 19:01:42 nachm. »
sorry für die Frage Gerhard,

Zitat
Habe mir da übrigens letztes Jahr mal einen Gao mit teilweiser Sekudärkruste angeschafft.
Wollte mehr über diesen Meteoriten rausbekommen  :google:, wann war der Fall bzw. der Fund ? 

Grüße
David

Offline gsac

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Re: Schmelzkruste
« Antwort #9 am: Januar 14, 2008, 19:19:01 nachm. »
Wollte mehr über diesen Meteoriten rausbekommen  :google:, wann war der Fall bzw. der Fund ? 

Aus MetBase ((c) Jörn Koblitz):

GAO-GUENIE
Burkina-Faso
* 5. März 1960, 17 Uhr
Ordinary chondrite, brecciated
H5 (S1-2)

"At least 16 stones, the largest weighing 2.5kg, fell 60 km N of the town of Leo, near the Upper Volta-Ghana border, reported, Met. Bull., 1967, (39), Meteoritics, 1970, 5, p.91. Analysis, olivine Fa18, B.Mason, GCA, 1967, 31, p.1100. Classification, A.L.Graham et al., Cat. Met. Software, 1992. Find circumstances, strewn field, W.Walton, Meteorite!, Nov. 1996, p.8. Noble gas data, shock classification, pairing with Guenie and Souma very likely based on noble gas isotope concentrations and petrography, J.Otto et al., MAPS, 1996, 31, p.A103 (abs.). Certainly identical with Guenie, M.Bourot-Denise et al., MAPS, 1998, 33, p.A181. The Nomenclature Committee has decided that a new, collective name, Gao-Guenie, will be bestowed upon all meteorites formerly identified as either Gao (Upper Volta) or Guenie, J.N.Grossman, Met. Bull. 83, MAPS, 1999, 34, p.A169. For details and references on Guenie, see separate entry under Guenie. Fe and Zn contents of olivines and pyroxenes, W.Klöck et al., MAPS, 1999, 34, p.A65 (abs.). Determination of grain density, L.B.Moore et al., LPSC, 1999, 30, abs. #1128. Bidirectional reflectance, N.Tomita and A.M.Nakamura, LPSC, 2002, 33, abs. #1100. Magnetic susceptibility, P.Rochette et al., MAPS, 2003, 38, p.251. Impact disruption experiments, G.J.Flynn and D.D.Durda, LPSC, 2004, 35, abs. #1072."

Alex

Campo del Ciero

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Re: Schmelzkruste
« Antwort #10 am: Januar 14, 2008, 19:30:49 nachm. »
Zitat
GAO-GUENIE
Burkina-Faso
* 5. März 1960, 17 Uhr
Ordinary chondrite, brecciated
H5 (S1-2)

sehr interessantes schönes Stück ! :super:

Grüße
David

Speci-Man

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Re: Schmelzkruste
« Antwort #11 am: Januar 14, 2008, 20:03:31 nachm. »
Hallo David!

Die von Alex genannten Informationen zu jedem offiziellen Meteoritennamen erhältst Du in der MetBull Database. Einfach den Namen ins Suchfenster eintragen. Der Link:

http://tin.er.usgs.gov/meteor/index.php?sea=Gao-Guenie&sfor=names&ants=&falls=&stype=contains&lrec=50&map=ge&browse=&country=All&srt=name&categ=All&mblist=All&phot=&snew=0&pnt=no&code=10854

Lediglich die Fundmengenangaben (TKW) sind bei stark fraktionierten Fällen mit Vorsicht zu genießen. Die hinken angesichts des unübersichtlichen Markts der Zeit oft weit hinterher. Auch im Falle des Gaos ist das so. Die Angabe „At least 16 stones were recovered” ist jenseits der Realität. Davon gibt es jedenfalls noch massenweise (auch schön bekrustete Exemplare) im Angebot.

Grüße
Gerhard

Offline gsac

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Re: Schmelzkruste
« Antwort #12 am: Januar 14, 2008, 20:28:16 nachm. »
Lediglich die Fundmengenangaben (TKW) sind bei stark fraktionierten Fällen mit Vorsicht zu genießen. Die hinken angesichts des unübersichtlichen Markts der Zeit oft weit hinterher. Auch im Falle des Gaos ist das so. Die Angabe „At least 16 stones were recovered” ist jenseits der Realität.

Das ist völlig zurecht bemerkt, Gerhard! Die letzte bei mir installierte MetBase-Version ist, glaube ich,
von 2003, und da sind vielleicht gerade mal bekannte Daten bis 2002 drin - also sind die TKWs und
damit (!) zusammenhängende Angaben mit äußerster Vorsicht zu geniessen. Das gleiche gilt auch für
die wirklich sehr gute, von Dir zitierte Online-Datenbank. Wer immer so ein Verzeichnis kompiliert oder
auch nur auf dem Laufenden hält, ist in puncto TKW (total known weight = bekanntes Gesamtgewicht)
eines Falls eigentlich immer hinten dran - und erst recht dann, wenn sich bei aktuellen Funden viele
Parteien, die "am Kreislauf beteiligt" sind, aus bekannten Motiven zurück halten und man deshalb bei
manchen Lokalitäten auch in vielen Jahren ab jetzt noch keine wirklich verläßlichen Angaben haben wird.

Das TKW an sich ist ein sehr großes Fragezeichen bei vielen Funden wie auch Fällen? Wer weiß denn
schon, wieviel Sikhote Alin wirklich inzwischen geborgen wurde, wer weiß es von Gibeon, wer weiß
oder wird es je genau wissen von Canyon Diablo, wer weiß es z. B. von Seymchan - gerade beim
letzten erwähnten Fund ist das ganz sicher eine Größe, die uns noch alle künftig überraschen kann/wird...

MetBase oder die von Dir erwähnte Datenbank liefern in allen möglichen Punkten verläßliche Grundinfos
über die angefragten Meteorite - beim TKW müssen sie in vielen Fällen passen, es sei denn, es handelt
sich um altbekannte, gar historische, oder wohldokumentierte Funde, wo es keinen Raum mehr für
aktuelle Spekulationen gibt. Selbst da gibt es aber Lücken...

PS: ...wie übrigens auch positive Ansätze,  z. B. bei so einem historischen Fall wie Ensisheim, wo sich
Prof. Zelimir Gabelica, der Ausrichter der Ensisheim-Börse und Besitzer einer eigenen äußerst veritablen
Privatsammlung von Meteoriten, um den aktuellen Verbleib der Restmasse dieses Meteoriten sorgt, von
dem über all die Jahrhunderte so viel abgeschlagen wurde...

Alex

Offline herbraab

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Re: Schmelzkruste
« Antwort #13 am: Januar 14, 2008, 20:45:51 nachm. »
wie verhält sich eine Schmelzkruste im laufe der Zeit in einer Sammlung ? Also bröckelt diese ab, oder verfärbt sie diese ?

David, es wird Zeit, dass Du mich einmal besuchst. Ich habe z.B. einen Meteoriten von Pultusk, gefallen 1868, und die Schmelzkruste sieht aus, als ob er gestern runtergefallen wäre. Meine Gaos hingegen haben - anders als das schöne Stück von Gerhard - schon Rostflecken auf der Schmelzkruste, weil sie länger im Feld gelegen sind. Wenn sie aber einmal im trockenen liegen und einigermassen pfleglich behandelt werden, dann verändert sich die Kruste innerhalb der Lebenserwartung des Sammlers kaum mehr...

Die Angabe „At least 16 stones were recovered” ist jenseits der Realität.

Seid nicht so pingelig! "At least 16", das können 16, oder 17, oder 20 oder 200 oder 2000 sein....  :auslachl:

Grüße, Herbert
"Daß das Eisen vom Himmel gefallen sein soll, möge der der Naturgeschichte Unkundige glauben, [...] aber in unseren Zeiten wäre es unverzeihlich, solche Märchen auch nur wahrscheinlich zu finden." (Abbé Andreas Xaverius Stütz, 1794)

Speci-Man

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Re: Schmelzkruste
« Antwort #14 am: Januar 14, 2008, 21:04:56 nachm. »
Uuups! Beitagsüberschneidung, aber trotzdem:

Hallo Alex!

Den Überblick zu halten, ist da schwerlich zu verlangen. Das Thema TKW haben wir ja bereits letztes Jahr bis zum GetNo
diskutiert.
Muß mich übrigens noch ein wenig korrigieren: Mir ist jetzt aufgefallen, dass ich im letzten Beitrag "at last" und "at least" verwechselt habe. Letzteres heißt "mindestens" und insofern ist die offizielle Lesart faktisch nicht zu beanstanden.
Freilich kann dennoch bei unerfahrenen Leuten ein falscher Eindruck entstehen. Die denken dann: "1960? 16 Stück? Dann können ja allenfalls eine Handvoll mehr noch aufgetaucht sein, dass man die Zahl bis heute hat stehenlassen. Grübel..."
Mein subjektiver Eindruck ist eher der, dass sich zumindest hunderte davon in Umlauf befinden.

Was mir Fragen aufgibt, ist folgendes: Es wird behauptet, dass immer noch Material nachfließt. Nach dem, was man so sieht, muß da wohl noch richtig gute Qualität dazwischen sein. Wie können die sich da so lange halten? Burkina Faso ist doch nun mal nicht die innere Sahara.

Grüße  :winke:
Gerhard

 

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