Autor Thema: Meteorite und ihre Mutterkörper  (Gelesen 3286 mal)

MeteoritenanundVerkauf

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Meteorite und ihre Mutterkörper
« am: Januar 23, 2008, 20:55:02 nachm. »
Hallo,
heute mal ein ganz anderes, neues Thema.

Mich interessiert nicht nur der Stein und Meteorit als solches - sondern auch die Entstehung - bzw Geschichte des Mutterkörpers.

So verwundert es mich sehr, dass zum Beispiel in einem L4-6 NWA869 kleine Bestandteile einer niedrig equilibrierten Aussenschicht eines Asteroiden vorhanden sind.

So auch in einem Eukriten in der Regel keine howarditischen Bestandteile vorliegen. Also ein ähnliches Muster.

Also stelle ich mir die Entstehung dieser Mischbrekzien so vor:

Ein Körper schlägt auf der Vesta oder dem Mutterkörper des NWA869 ein. Durch den Einschlag wird ein Krater ausgehoben. Das Ejecta - Blanket legt sich weitläufig um den Krater. Vieles wird sicherlich auch vom Mutterkörper sofort entweichen. Der so erzeugte Auswurf von Typ Eukrit - oder eben NWA869 liegt dann sicherlich einige weitere Jahrhunderte auf der Oberfläche und dem darunter liegenden niedriger equilibrierten ehemaligen Oberflächenmaterial.

D.h. der Eukrtit auf dem Howardit und der NWA869 auf einem L3 Oberflächenmaterial.

Dort sammelt das Material noch einige Fremdstoffe auf wie z.B. Eisen, das man ab und an in den Eukriten findet - oder eben das achondritische Material im NWA869...

Später wird dann das Brekzienmaterial durch weiter kleinere (siehe Mond)- oder einen größeren weiteren Einschlag wieder verfestigt und durch einen weiteren späteren Einschlag dann von Mutterkörper getrennt und begibt sich auf seine Reise Richtung Erde. Ergo sollte die Brekzie bei ihrer Entstehung idealerweise mindestens 3 dieser Ereignisse erlebt haben.

So weit meine Theorie. Ich habe zwar auch Bücher gelesen, aber keine wirklich zufriedenstellende Erklärung zur Brekzienentstehung gefunden. Wie gesagt; ich vermisse irgendwie die niedrigst equilibrierten Bestandteile in einer Brekzie. Laut meiner Logik sollte diese auch ein Bestandteil des Ganzen sein.

Oder ist das Ejecta - Blanket so mächtig, dass das Oberflächenmaterial eben durch eine zu mächtige Schicht überdeckt wird, so dass ich im Eukriten oder auch NWA869er Beispiel eine Probe dieses mächtigen Blankets in der Hand halte, dass das ursprüngliche Oberflächenmaterial eben total überdeckt und deshalb nix davon  enthalten ist ???

Ich bitte um sachliche Hinweise. Wenns geht - keine wilden Spekulationen, sondern realistische Szenarien, oder auch gerne Verweise auf Fachliteratur !

Svend, Stefan, Thomas I und II, Hanno - Maddin - sonst wer noch ???

Dank und Gruß - Micha

MeteoritenanundVerkauf

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Re: Meteorite und ihre Mutterkörper
« Antwort #1 am: Januar 26, 2008, 12:31:56 nachm. »
Hallooooooooooo.... 

Keine Meinungen oder sachdienliche Hinweise ?   :gruebel:


Offline MarkV

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Re: Meteorite und ihre Mutterkörper
« Antwort #2 am: Januar 26, 2008, 13:48:20 nachm. »
Hallo,
hier ein guter Artikel, der die Oberfläche von Eros anschaulich beschreibt:
http://www.wienerzeitung.at/Desktopdefault.aspx?TabID=3946&Alias=wzo&lexikon=Astronomie&letter=A&cob=5647

Video:
http://www.youtube.com/watch?v=JrlO2ZjnAbY


So verwundert es mich sehr, dass zum Beispiel in einem L4-6 NWA869 kleine Bestandteile einer niedrig equilibrierten Aussenschicht eines Asteroiden vorhanden sind.

So auch in einem Eukriten in der Regel keine howarditischen Bestandteile vorliegen. Also ein ähnliches Muster.

Den Absatz verstehe ich nicht. Meinst du vielleicht statt "kleine"  "keine Bestandteile einer niedrig ..."?

Zitat
Wie gesagt; ich vermisse irgendwie die niedrigst equilibrierten Bestandteile in einer Brekzie. Laut meiner Logik sollte diese auch ein Bestandteil des Ganzen sein.
Ich glaube niedrig equilibriertes Material ist insgesamt ziemlich selten und ich glaube dass das eher bei kleinen Asteroiden zu finden ist und nicht bei den grossen. Je grösser der Mutterkörper, um so stärker wurde der mal erhitzt.

Grüsse,
Mark
« Letzte Änderung: Januar 26, 2008, 14:41:42 nachm. von MarkV »

MeteoritenanundVerkauf

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Re: Meteorite und ihre Mutterkörper
« Antwort #3 am: Januar 26, 2008, 17:04:30 nachm. »
Hallo Mark,
gut erkannt; natürlich hab ich mich wieder vertippt.   :user: Ich meinte naturellemante auch beim NWA869 - dass da KEINE Bestandteile einer niedrig equilibrierten Aussenschicht eines Asteroiden vorhanden sind.  Gut erkannt.

Dank für die Links  :super:

Das beste Buch bisher: Planetologie von Ludolf Schultz.  Kennt wer noch andere gute Werke ?

Micha


MeteoritenanundVerkauf

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Re: Meteorite und ihre Mutterkörper
« Antwort #4 am: Januar 29, 2008, 20:08:16 nachm. »
Ich bitte nochmal um Hilfe der Cracks im Forum.

Ich denke mal, dass es auch andere Sammler interessiert, ob man inzwischen einige (ausser der HED Gruppe) Meteorite schon konkreten Mutterkörpern zuordnen kann...  Kann man ?

Vielleicht kennt der eine oder andere auch ein tolles Buch zum Thema Meteorite und ihre Mutterkörper ?       :weissefahne:

Danke !

Offline gsac

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Re: Meteorite und ihre Mutterkörper
« Antwort #5 am: Januar 29, 2008, 20:26:55 nachm. »
Vielleicht kennt der eine oder andere auch ein tolles Buch zum Thema Meteorite und ihre Mutterkörper ?       :weissefahne:

Wurde Prof. Harry "Hap" McSweens Buch über "Meteorites and Their Parent Planets" schon
genannt? Kann es jetzt nicht so schnell nachvollziehen, bin im Stress. Ist auf jeden Fall eine
gute Lektüre zum Thema. Ansonsten gibt es auch Listen potenzieller Kandidaten für die diversen
Meteoritenklassen, habe ich schon gesehen, aber wie gesagt - muß man recherchieren, und mir
fehlt momentan die Zeit. Mettmann, hast Du das gerade schnell at hands oder in Deinem Archiv..??

Alex

MeteoritenanundVerkauf

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Offline gsac

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Re: Meteorite und ihre Mutterkörper
« Antwort #7 am: Januar 29, 2008, 20:42:39 nachm. »
http://www.amazon.de/Meteorites-Their-Parent-Planets-McSween/dp/0521587514/ref=sr_1_1?ie=UTF8&s=gateway&qid=1201634553&sr=8-1

Sehr empfehlenswertes Buch, wenn auch die letzte Auflage schon ein paar Jahre zurückliegt,
eine Art "Klassiker im modernen Sinne" sozusagen, gut zu lesen und verständlich auch für den
interessierten "layman", für den es ja auch gedacht ist. Solltest Du Dir anschaffen, gibt´s
vielleicht auch im Ebay (?).

Alex

(PS: Hap McSween ist übrigens auch persönlich ein sehr, sehr netter und umgänglicher Typ,
kann klasse formulieren und hat in seiner Disziplin einen guten Namen! Ich glaube zuletzt
University of Tennessee)


MeteoritenanundVerkauf

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Re: Meteorite und ihre Mutterkörper
« Antwort #8 am: Februar 08, 2008, 20:51:26 nachm. »
Hallo Alex,
das Buch hab ich hir noch um einiges günstiger gefunden, wenns noch wen interessiert...!?

http://www.bol.de/shop/home/schnellsuche/any/;jsessionid=fdc-ydze8qevgp1.fdc41?fc=ANY&fq=Meteorites+and+Their+Parent+Planets&x=35&y=7

Offline Dirk

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Re: Meteorite und ihre Mutterkörper
« Antwort #9 am: Februar 09, 2008, 17:14:02 nachm. »

http://www.meteorites.com.au/odds&ends/origin.html


Hallo Michael  :winke: ,

das ist in dem link eine schöne Auflistung der möglichen Mutterkörper zu verschiedenen Meteoritenklassen.

Der Vollständigkeit halber möchte ich nochmal den NWA 4901 (pairing vom NWA 011) erwähnen, den die Chladnis vor kurzem hier angeboten haben. Martin hatte ja auch den link zu David Weirs website gepostet:   

http://www.meteoritestudies.com/protected_NWA011.HTM

Da werden ja für den NWA 011 (ungrouped basaltic achondrite) verschiedene Asteroiden vermutet: z.B. 1459 Magnya, 17 Thetis, 847 Agnia, 808 Merxia, 16 Psyche, 216 Kleopatra.

Wollte ich nur noch mal hinschreiben - passt ganz gut an dieser Stelle.

 :user:
Dirk

Offline gsac

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Re: Meteorite und ihre Mutterkörper
« Antwort #10 am: Februar 09, 2008, 17:42:22 nachm. »
Der Vollständigkeit halber möchte ich nochmal den NWA 4901 (pairing vom NWA 011) erwähnen, den die Chladnis vor kurzem hier angeboten haben. Martin hatte ja auch den link zu David Weirs website gepostet:   
http://www.meteoritestudies.com/protected_NWA011.HTM
Da werden ja für den NWA 011 (ungrouped basaltic achondrite) verschiedene Asteroiden vermutet: z.B. 1459 Magnya, 17 Thetis, 847 Agnia, 808 Merxia, 16 Psyche, 216 Kleopatra.

Ich bin auch in den Genuß eines dieser Raritätenscheibchens vom 4901er, gepaired mit
dem 011er gekommen. Das kommt tatsächlich sehr schön im "Leopardengewand" daher,
wie der Neffe es beschrieb. Ich denke mir den mal hin auf "16 Psyche", das paßt....

:einaugeblinzel: Alex

Offline Dirk

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Re: Meteorite und ihre Mutterkörper
« Antwort #11 am: Februar 09, 2008, 17:53:17 nachm. »

[/quote]
Ich bin auch in den Genuß eines dieser Raritätenscheibchens vom 4901er, gepaired mit
dem 011er gekommen. Der kommt tatsächlich sehr schön im "Leopardengewand" daher,
wie der Neffe es beschrieb. Ich denke mir den mal hin auf "16 Psyche", das paßt....
:einaugeblinzel: Alex
[/quote]

Hallo Alex,

ja, ich hab auch eine schöne Scheibe abbekommen - tolle Struktur. Vielleicht ist irgendwann eine klarere Zuordnung zu einem bestimmten Asteroiden möglich. Das Leopardengewand könnte natürlich auch zu Kleopatra passen, oder ...... :wow:  die hatte zumindest bei Asterix und Obelix (bei den Ägyptern?) solche Mietzekatzen um sich herum  :lacher:

 :prostbier:
Dirk

Offline Mettmann

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Re: Meteorite und ihre Mutterkörper
« Antwort #12 am: Februar 09, 2008, 18:03:46 nachm. »
Es muß zumindest einstmal was sehr großes gewesen sein...

Nunja, wenigstens werden wir dank der Dawn-Sonde bald wissen,wie's auf der Vesta und wie's auf der Ceres, die ja für einige Kohlige verdächtigt wird, ausschaut.

Hoffer....
"If any of you cry at my funeral,
I'll never speak to you again."
(S.Laurel 1890-1965)

Offline gsac

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Re: Meteorite und ihre Mutterkörper
« Antwort #13 am: Februar 09, 2008, 18:12:55 nachm. »
ja, ich hab auch eine schöne Scheibe abbekommen - tolle Struktur. Vielleicht ist irgendwann eine klarere Zuordnung zu einem bestimmten Asteroiden möglich. Das Leopardengewand könnte natürlich auch zu Kleopatra passen, oder ...... :wow:  die hatte zumindest bei Asterix und Obelix (bei den Ägyptern?) solche Mietzekatzen um sich herum  :lacher:

Was schert den Meteoriten schon sein Aussehen? "Beauty is in the eyes of the beholder", und
die für Herrn Müller oder Herrn Kaiser (..ich meine den "von der Versicherung") am "attraktivsten"
daherkommenden Meteorite müssen noch lange nicht den forschenden Wissenschaftler oder auch
nur den Sammler, der noch gerade eben eine hinterletzte Klasse für sich braucht, hinter dem Ofen
hervorlocken...

Ein Lob dem "Leoparden" - der hat sich immerhin schön verkleidet. Wäre halt gut gewesen, wenn
er integer geblieben wäre statt gleich auf mehreren Hochzeiten zu tanzen, was letztlich nur dazu führt,
daß sich ihn die Braut hernach wieder aus mehreren vierstelligen Nummern als Bräutigam rekonstruieren
muß.

Alex

 

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