Autor Thema: Anfängerfrage, petrologische Typen 1 und 2  (Gelesen 1268 mal)

Offline FrankZ

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Anfängerfrage, petrologische Typen 1 und 2
« am: Februar 20, 2008, 12:52:29 nachm. »
Hallo,
ich habe mal wieder ne Anfängerfrage  :nixweiss:. Im Bühler steht, dass Meteorite der Typen 1 und 2 nicht durch Metamorphose verändert wurden und die ursprünglichste Materie des Sonnensystems darstellen. An anderer Stelle habe ich gelesen, dass die Typen 1 und 2 durch wässrige Metamorphose verändert worden sind. Das is für mich ein Widerspruch  :gruebel:. Wenn die Typen 1 und 2 verändert wurden, sind dann nich die Typ 3 Mets die ursprünglichste und am wenigsten veränderte Materie  :confused:.

Nix wissende Grüße
 :prostbier:
Frank

Offline pallasit

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Re: Anfängerfrage, petrologische Typen 1 und 2
« Antwort #1 am: Februar 20, 2008, 15:37:30 nachm. »
Hallo Frank,

Der Bühler ist schon gut, aber leider auch etwas älter. Erst in den letzten Jahren hat man festgestellt, dass wohl die meisten Type 1 und 2 Chondrite eine leichte Veränderung bei niedriger Temperatur und in wässrigem Milieu durchgemacht haben.

Robert Hutchison(2004) schreibt in "Meteorites a petrologic, chemical and isotopic syntesis" auf Seite 40:
"Types 1 and 2, for example, are restricted to the members of five groups of carbonaceous chondrites that have experienced extensive aqueous alteration at low temperatures.”
“Aqueous alteration extends into petrologic type 3 which does not, therefore, represent the midpoint of one process but the intersection of two processes: thermal metamorphism (types 3 - 6) and aqueous alteration (type 3 – 1).”

Grüße Willi

Offline gsac

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Re: Anfängerfrage, petrologische Typen 1 und 2
« Antwort #2 am: Februar 20, 2008, 18:26:17 nachm. »
Wenn die Typen 1 und 2 verändert wurden, sind dann nich die Typ 3 Mets die ursprünglichste und am wenigsten veränderte Materie

Das kann man so sehen. Beispiele für kaum metamorphierte Meteorite sind der berühmte Semarkona-
Fall aus Indien (LL3.0), über den sehr viel wissenschaftlich publiziert ist, aber von dem es nichts für
private Sammler gibt, sowie auch Bishunpur (LL3.1) oder Krymka (LL3.1). Nur bei letzterem Fall aus
der Ukraine hat man eine kleine Chance, daß man etwas davon für eine Privatsammlung bekommen
kann (...siehe auch mein Januarrätsel 2008). Auch der allseits verfügbare Fall von Allende ist nahe
dran am ursprünglichsten solaren Material - also eine Art "Ur-Diva", die sich jeder leisten kann, mit
den bekannten CAI-Einschlüssen, die zeitlich an die allerersten Anfänge des Sonnensystems gehen.

Kohlige Chondrite der Typen C2 oder CI sind etwas spezielles, weil sie, wie Willi schon schrieb, auch
einen Veränderungsprozeß durchlaufen haben, der aber nicht thermisch, sondern eher chemisch war,
in einer anderen, "kälteren" Umgebung "weiter draußen". Sie haben also eine andere Geschichte, wenn
man sich mal Artikel über deren mögliche Herkunft durchliest, und sind trotzdem, allein schon vermöge
der größeren Entfernung zum Zentrum des solaren Urnebels, auch noch sehr nahe dran am Elementemix
der "Ursuppe". Zudem sind sie ziemlich rar und von Sammlern auch insgesamt heiß begehrt...

Alex   

« Letzte Änderung: Februar 20, 2008, 18:46:58 nachm. von gsac »

Offline FrankZ

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Re: Anfängerfrage, petrologische Typen 1 und 2
« Antwort #3 am: Februar 20, 2008, 22:21:38 nachm. »
Hallo Alex und Willi,
vielen Dank für die interessanten Antworten  :danke:!

Frank

Offline Mettmann

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Re: Anfängerfrage, petrologische Typen 1 und 2
« Antwort #4 am: Februar 20, 2008, 22:29:29 nachm. »
Zitat
Zudem sind sie ziemlich rar

Was zum Teil auch daran liegen kann, daß viele derselben äußerst fragil sind, es daher auch kaum Funde gibt.

Zitat
auch noch sehr nahe dran am Elementemix
der "Ursuppe".
  Ja bis auf die flüchtigen Elemente liegen alle in einem Verhältnis vor, das dem Elementmix des Sonnensystems als Ganzes gut entspricht, weswegen man sie sich auch als "Pars pro Toto" ins Regal stellen sollt.
(auch wenns gern ein bisserl stinken. Da könnts Eure Kinder oder auch andere Aliens dran schnuppern lassen und sagen: So riecht das Sonnensystem).

 :prostbier:
Mettmann
"Grawutzi - Kapuzi" (Pezi "Bär" Petz *1949-1995)

Offline gsac

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Re: Anfängerfrage, petrologische Typen 1 und 2
« Antwort #5 am: Februar 20, 2008, 22:41:39 nachm. »
Zitat
Zudem sind sie ziemlich rar

Was zum Teil auch daran liegen kann, daß viele derselben äußerst fragil sind, es daher auch kaum Funde gibt.

Beispiele: "Orgueil", "Tagish Lake" --->> ...rar, deswegen recht teuer für den Sammler, und sehr fragil!

Ja bis auf die flüchtigen Elemente liegen alle in einem Verhältnis vor, das dem Elementmix des Sonnensystems als Ganzes gut entspricht, weswegen man sie sich auch als "Pars pro Toto" ins Regal stellen sollt.
(auch wenns gern ein bisserl stinken. Da könnts Eure Kinder oder auch andere Aliens dran schnuppern lassen und sagen: So riecht das Sonnensystem).

Der Murchison-Meteorit z. B. soll ja tatsächlich noch eine "Schwefelfahne" haben, auch wenn ich
sie an meinem kleinen Belegstück nicht mehr wahrnehme. Aber Mettmann hat schon recht - sowas
gehört in die Sammlung, egal ob es stinkt oder nicht. Bei den o. g. Meteoriten aus dem CI-Bereich
kann man dann gar erzählen oder sich vorstellen, sowas komme wahrscheinlich dem Staubanteil in
Kometen recht nahe, dem "Schmutz" also im Modell des "schmutzigen Schneeballs" für Kometenkerne...

Alex

 

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