Autor Thema: Pallasovka  (Gelesen 5232 mal)

Offline MarkV

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Re: Pallasovka
« Antwort #15 am: Februar 24, 2008, 15:40:34 nachm. »
Nein Watson,
für so eine Übeltat wie die Versetzung eines Meteoriten brauchen wir ein Motiv!

Es könnte sich so abgespielt haben: Irgendwo in den Weiten Russlands: Ein Arbeiter findet beim Ausheben einer Baugrube den Meteoriten. Er schafft ihn beiseite und hält es geheim, weil er fürchtet, ihn an seinen Arbeitgeber oder an den Grundstückseigentümer abgeben zu müssen. Jetzt sitzt er auf einem 200kg Pallasiten und möchte ihn verkaufen. Er wendet sich vertrauensvoll an die Stadt P, die nach Pallas benannt ist. Diese meint, dass es für das Stadtmarketing sicherlich gut sei, wenn man einen Pallasiten mit dem Namen der Stadt hätte und ausserdem wäre die Bekanntgabe so eines Fundes die Krönung für das bevorstehende 100jährige Stadtjubiläum. Die Stadt kauft also den Meteoriten von dem Finder ab. Dann wird der Meteorit zum Damm verfrachtet und sein Fund dort fingiert.

(jede Ähnlichkeit mit lebenden Peronen ist rein zufällig)

Grüsse,
Mark





Offline Mettmann

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Re: Pallasovka
« Antwort #16 am: Februar 24, 2008, 16:38:04 nachm. »
Welch teuflischer Plan!

Nur hammer dann wieder das Problem des Risikos, daß die MetSoc den Klotz nach einen der nähergelegenen Orte hätte benennen können und so hättens den Knödel näher an der Stadt vergraben müssen.

Zudem hat die Stadt ihre Finger nicht drin, denn wemmer so schaut, so sind es die üblichen russischen Kollegen, die das Material vertreiben.

Psst Mark, aber es gibt noch viel unwahrscheinlichere Zufälle mit Meteoriten!
So gibt es zwei Orte, wo gleich jeweils zwei beobachtete Fälle stattgefunden haben, kein Witz!
Bulletin-database geht immer noch nicht, vielleicht hats ja jemand im Kopf?

Martin

PS: Ned daß der falsche Eindruck entsteht, Pallasovka führmer nicht.

"Grawutzi - Kapuzi" (Pezi "Bär" Petz *1949-1995)

Offline herbraab

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Re: Pallasovka
« Antwort #17 am: Februar 24, 2008, 18:11:27 nachm. »
Psst Mark, aber es gibt noch viel unwahrscheinlichere Zufälle mit Meteoriten!
So gibt es zwei Orte, wo gleich jeweils zwei beobachtete Fälle stattgefunden haben, kein Witz!

Wethersfield, Connecticut. Am 8. April 1971 krachte ein 350g schwerer L6-Chondrit durch ein Hausdach, und am 8. November 1982 krachte ein weiterer L6-Chondrit mit 2756g durch das Dach eines anderen Hauses.

Grüße, Herbert
"Daß das Eisen vom Himmel gefallen sein soll, möge der der Naturgeschichte Unkundige glauben, [...] aber in unseren Zeiten wäre es unverzeihlich, solche Märchen auch nur wahrscheinlich zu finden." (Abbé Andreas Xaverius Stütz, 1794)

H5P6

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Re: Pallasovka
« Antwort #18 am: Februar 25, 2008, 11:23:47 vorm. »
Hallo, :winke:

ich vermute das unbewusste oder bewusste Verlegungen der Fundorte von Meteoriten weiter verbreiter sind ,als angenommen.Die Gründe könnten sein:Unklarheit über den tatsächlichen Fundort / das sich die Wissenschaft überhaupt
erbarmt, das Objekt zu untersuchen / oder die Eigentumsfrage.

gewissermaßen,sozusagen,in etwa,quasi
                 Jürgen :smile:

Offline Mettmann

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Re: Pallasovka
« Antwort #19 am: Februar 25, 2008, 13:41:08 nachm. »
Eine völlig unbegründete Vermutung.

Wir dürfen von uns nicht immer auf andere schließen.
Noch immer weiß so ziemlich kein Mensch auf Erden, was ein Meteorit überhaupt ist, noch hat irgendeiner Interesse daran.
Daß Meteorite überhaupt sichtbar geworden sind, geschah hauptsächlich durch das Internet.
(Ein Nininger auf Vortragsreisen, ein Haag im Glitzerkostüm auf 3 Messen im Jahr, hat eben wenig Publikum erreicht).
Der allererste Internetsitus, auf dem Meteorite feilgeboten, den gabs vor gerade einmal 11 Jahren. Und davor und auch noch einige Zeit danach, war die Meteoriterei eine Sache von einem Grüppchen von ein paar Hundert Hanseln weltweit in splendid isolation.

Die Profanisierung der Himmelssteine bspw. durch das Erscheinen im Ebay geschah erst mit der Verbreitung des Internets und Ebay und im wesentlich durch den Sahararausch.
Daher gab es im Übrigen auch keine Spinner, die sich in den Kopf gesetzt hatten, daß bei ihnen vor der Tür alles voller Meteoriten läge, die man nur zu finden bräucht und die dann solche Wertobjekte seien, daß sie einem sofort abgeknöpft werden würden, da die Meteoriterei von Leuten betrieben wurd, die über soviel Wissen verfügten, daß das ein sinnloses Unterfangen ist und darüberhinaus auch wußten, daß es aufflöge, nehme man einen bekannten Met um ihn woanders neu zu finden.
Die die heutzutage nicht in Wüsten und in bekannten Fall/Fundgebieten suchen, die finden erstens nie etwas, was sie versetzen könnten (und wennse dann ev. so  frustriert sind, dasse sich verleiten lassen, ihrem Erstfund nachzuhelfen, dann nehmens dankenswerterweise das billigste, wasse kriegen könnten, also Zeug mit Wüstenlack oder die bekannten ebay-Masseneisen, also Sachen, die man leicht identifizieren kann). Sind also meteoritisch zu wenig gebildet, was sich im Übrigen auch auf die mögliche Fundortverfälschung auswirkt, wennse denn jemals was fänden, da diese, wenn sie nicht gerade dem Schatzsucher- und Sondengängermilieu entstammen, nicht von einer Paranoia gebeutelt werden, der Staat würde ihnen ihren Stein rauben.

Nun - und warum muß immer ich das machen - werfmer wieder mal einen Blick auf die Statistik.
Hammer mittlerweile um die 44.000 Meteorite. 35.000 bereits fertig.
Von denen kommt fast alles aus der Antarktis, wo die Orte akribisch aufgezeichnet und aus den Wüsten. Wobei in den Wüsten Profis am Werk, die die Koordinaten nehmen bzw. den Ort angeben, weil sie wissen daß eine gute Dokumentation einen besseren Preis gibt und ansonsten gibts eben die NWAs, die alle ohne Fundort sind, es daher auch nix bringt, falsche Angaben zu machen, da sie sowieso Waisenkinder sind.

So und dann bleiben von dem ganzen Hühnerschmaus lediglich 3000+ Meteorite übrig,
davon sind 1000 beobachtete Fälle, die also nicht versetzt werden können,
und übern Daumen 2000 Funde aus den letzten paar hundert Jahren.

So und simmer großzügig und nehmen die letzten 15 Jahre her, als Zeitraum, in dem sich der Meteoritenhandel entwickelt und die Meteoriterei sich aus einem hauptsächlich institutionellen und universitären Umfeld wegbewegt hat, und den Laienfundversuchern ev. ein Licht aufgegangen sein könnt, daß man mit solcherlei Stein einen Reibach machen könnt,

ja wieviel Funde, die nicht in den Wüsten gemacht wurden (und wer schleppt schon Steine in die Wüste), gibt es denn da überhaupt???

Ca 80 bis 90.

Von denen kannst nocht die italienischen vom Matteo rausstreichen, und den bayrischen Sikhote geheißen Inningen + vielleicht noch, weils doch ein Gerücherl hat, den Königsbrück.

So und von den paar Dutzend Funden anzunehmen, daß ein nennenswerter Teil verfälschte Fundorte hat, ist ein Mumpitz.
Fundortverfälschungen spielen sich bei Meteoriten daher bestenfalls im Zehntelpromillbereich ab.

Im Übrigen die Zahl von weniger als 100 Nichtwüsten-Funden weltweit in den letzten 15 Jahren sollte geeignet sein, Deine Illusion, daß Du selbstverständlich einen Mett auf den paar Quadratkilometern, die Du beackerts, föndest, wenn Du nur genügend Steine heimschleppst, etwas dämpfen.
Die Du im übrigen gar nicht mit heimnehmen würdst, wennde nicht zu geizig hätt ich beinah geschrieben, tschuldigung, muß heißen zu "ökonomisch bewußt" wärst, nen Hunni auszugeben, um dir mal nen Satz echte Mets zu kaufen, damitte überhaupt mal weißt, wie sowas überhaupt ausschaut.

Nix für ungut!
 :prostbier:
Mettmann



"Grawutzi - Kapuzi" (Pezi "Bär" Petz *1949-1995)

Offline Mettmann

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Re: Pallasovka
« Antwort #20 am: Februar 25, 2008, 13:51:09 nachm. »
Kleiner Nachtrag: die Wissenschaft erbarmt sich lediglich nur ungern der verwitterten L4,5,6 und H4,5,6 aus dem NWA-Wunderland, da es zu wenige Kapazitäten gibt und es wenig Spaß macht und Erkenntnis bringt, den 800sten W3, H5 machen zu müssen, solange es aufregendere Steine zu klassifizen gibt, eine temporäre Erscheinung.

Nichtwüstenfunde werden immer bevorzugt behandelt und auch sofort klassifiziert.
Allerdings schauns sich in der Tat eher ungern an, wenn der Waldgeist mit Kötteln ankommt, denen man auf einen Blick ansieht, daß es kein Meteorit sein kann. Da hilft auch keine Fundortverfälschung.
Da tun wir Sammler den Wissenschaftlern mal was nützliches, als wir die erste Anlaufstelle sind für vermeintliche Meteoritenfunde und ihnen abnehmen, dasse viele Hundert Pseudos im Jahr anschauen müssen.

 :winke:
Mettmann
"Grawutzi - Kapuzi" (Pezi "Bär" Petz *1949-1995)

Offline dellenit

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Re: Pallasovka
« Antwort #21 am: März 10, 2008, 11:21:13 vorm. »
Wegen der Echtheit des Pallasovkas:

der ist echt - habe einige Scheiben davon und auch weitere bearbeitet. Hat andere Ätzfiguren als Brahin, und auch andere Olivine....
das einzige was er mit Brahin gemeinsam hat - er rostet sehr leicht...

lg

dellenit

Offline ObsidiJan

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Re: Pallasovka
« Antwort #22 am: Oktober 27, 2017, 21:02:01 nachm. »
Entschuldigung für die Reaktivierung dies alten Threads, aber das lässt mir jetzt doch keine Ruhe...

Daher gibt es durchaus einige Meteorite mit zweifelhaften Fundumständen in der Datenbank. Nehmen wir z.B. Marburg, Deutschlands einzigen Pallasiten-Fund. Da muss ich doch in dem weiter oben verlinkten Paper lesen, dass Marburg in Wirklichkeit Brenham ist. Sprich, da hat jemand nen Meteoriten aus Kansas/USA genommen, nach Marburg verfrachtet und in Marburg neu gefunden. Und das ist nach wie vor offiziell Deutschlands einziger Pallasit! Der ist auch auf der Seite von Metgold gelistet und in dem Nachbarthread von Andre. Sicher, das sind Ausnahmen, geb ich zu, aber es sollte mal erwähnt werden. Hat jemand den Fundgeschichte zu Marburg parat? Würde mich interessieren.

Das weiter oben verlinkte Paper bezieht sich wohl auf einen anderen Thread, den ich nicht finde.
Habt ihr hierzu Links / gilt der Verdacht noch?

Hier steht er auch: "MARBURG (wird angezweifelt --> evtl. Brenham)" (http://www.meteorite-lab.org/)

Ich finde sonst leider nichts konkretes :-/

Und bezieht sich der Verdacht auf den 3Kg Meteorit, der 1906 gefunden wurde und größtenteils verloren ging, oder um die 110g Restmasse, die Nininger in den 1960ern an einer deutschen Uni rückwirkend als "Marburg" identifiziert hat?

Viele Grüße und vielen Dank,
Jan

Offline Hungriger Wolf

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Re: Pallasovka
« Antwort #23 am: Oktober 28, 2017, 20:50:44 nachm. »
Hallo Jan!

Gute Frage...... :gruebel:

http://www.meteorite-lab.org/index_dateien/deutsche.htm

Brandlecht iron steht aber dort auch als deutscher Meteorit (in Untersuchung) ......und nicht als verirrter Campo del Cielo.....   

Grüsse :hut:
Achim


Offline ObsidiJan

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Re: Pallasovka
« Antwort #24 am: November 02, 2017, 22:16:53 nachm. »
Hallo Achim,

stimmt vielleicht ist die Seite auch einfach eine Weile nicht aktualisiert worden.

Hat sonst vielleicht jemand noch einen Link zu dem genannten Paper mit der Marburg = Brenham Vermutung?

Viele Grüße,
Jan

Offline Wunderkammerad

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Re: Pallasovka
« Antwort #25 am: November 02, 2017, 23:19:57 nachm. »

Brandlecht iron steht aber dort auch als deutscher Meteorit (in Untersuchung) ......und nicht als verirrter Campo del Cielo.....   

Tatsächlich - das ist schlechterdings dreist. Die Seite weist auch kein Impressum aus. Weiß jemand, wer sich hinter der Website verbirgt?

Offline ObsidiJan

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Re: Pallasovka
« Antwort #26 am: November 03, 2017, 00:14:42 vorm. »
Das ist die Seite von Rainer, der selbst die Untersuchung zu dem Meteorit durchgeführt (und den entsprechenden Beitrag eröffnet) hat und später selbst im Forum geschrieben hat, dass das italienische Labor Campo nachgewiesen hat.
Ich gehe stark davon aus, dass er die Seite einfach noch nicht aktualisiert hat.

Viele Grüße,
Jan

Offline Wunderkammerad

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Re: Pallasovka
« Antwort #27 am: November 03, 2017, 00:56:49 vorm. »
Ah, danke, das waren dann vermutlich die LNGS, Gran Sasso. 

Meteorite-Lab ist die Website von Rainer Bartoschewitz selbst? Überrascht mich jetzt schon, dass das so unkorrigiert da stehen bleibt, wenn man bedenkt, dass Brandlecht Iron von ihm hier ohne jede Einschränkung als neuer deutscher Meteoriten-Fund vorgestellt wurde. Ich hatte nie mit Herrn Bartoschewitz zu tun, habe aber den Eindruck, dass hier durch die Bank stets mit Respekt von ihm gesprochen wurde. Diese Sache jedoch hat mittlerweile das, was man in Schwaben ein "Gschmäckle" nennt.

 

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