Autor Thema: Wie es sich entwickelt....  (Gelesen 3883 mal)

Offline gsac

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Wie es sich entwickelt....
« am: Mai 08, 2008, 20:00:32 nachm. »
Der sogenannte und vielzitierte "Anfänger" (Sammlerlaie...), einfach nur so per Zufall oder vielleicht sogar auch vom persönlichen Grundinteresse an Astronomie oder Mineralogie getriggert, schaut hier und dort mal und kennt das Ebay, kauft erstmal eher Billiges bzw Ihm-ganz-besonders-preiswert-Erscheinendes und Glitzerstoff wie der rein zufällige Messebesucher auf Mineralienbörse xyz, der sich die Zeit vertreibt, Hauptsache "außerirdisch" steht drauf, bleibt dran am Hobby oder läßt es bald sein - je nach Lust und Laune oder schlimmerenfalls auch einem handfesten Grund wie späterem Rost auf einem der erstandenen Billigeisen, egal: aufgehört bleibt aufgehört! Falls aber weitergemacht, so wird dies mit vergleichsweise immer noch kleinen, preiswerten Stücken getan - der Eine vielleicht in Richtung ernsthafte Systematik, der Andere in Richtung Ästhetik oder Irgendwasundwirdsichschonnochzeigen.

Nach Jahren hat der Sammler 142 oder vielleicht 242 Stücke angehäuft, wird sie verwalten (...was er dann sinnvollerweise auch tut!), also vor allem dokumentieren, für sich allein oder auch für andere zur Schau stellen, also "...das ganze Programm!" (Dittsche). Jetzt, recht spät, kommt er auf die Idee: ich brauche nicht nochmals 242 Stücke, mir reichen eigentlich höchstens 42 oder vielleicht auch sogar nur 24 oder 12 insgesamt, aber die mögen dann wirklich sehr schön da stehen als "Solitäre", als beeindruckende Individuale, Endstücke oder Scheiben - muß ja nicht immer gleich Museumsniveau sein, aber auch nicht gerade weit davon entfernt! Man trennt sich vom Kleinen, wie auch immer, ob per Verkauf oder Verrechnung oder Tausch, man upgraded auf Größeres...

Also: zurück zu den Wurzeln, zum Eigentlichen, die Vielfalt reduziert auf das Wesentliche, der Blick gerichtet auf das Zentrale. Der fortgeschrittene Kick bestehend aus echten Handstücken der "Monalisen" statt nur Mikros oder Makros. Für den Systematiker ist es eher schwierig, wenn es um den allerhinterletzten kaum erhältlichen und trotz Wüste immer noch teuren CM oder Ungruppierten geht, für den reinen Ästheten eher teuer, wenn es um eine repräsentative Pallasiten-Vollscheibe von Marjalahti o. ä., jedenfalls nicht gerade Brahin oder Brenham, geht, für den Historiensammler auch nicht einfach, wenn er noch ein frischbekrustetes und unbeschädigtes Superindividual von Mocs oder auch nur ein repräsentatives Exemplar von Knyahinya oder Tabor oder Elbogen braucht. Aber die Grundtendenz bleibt: nicht die 842. kleine Texas- oder NWA-Normalchondriten-Salami soll es sein, sondern alle Kraft voraus dem nächsten Ziel in Gestalt eines optisch repräsentativen Stücks, und sei dies auch nur ein ganz ordinärer Wüstenchondrit, wenn er in einem feinen, ausladenden Gewand daherkommt!

Klasse statt Masse!

Ist das haltbar als These bzw grundsätzlich beobachtbare Langzeittendenz für Sammler? Frage an die Händler hier, und auch an die Sammler, die schon etwas länger dabei sind. Der monetäre Aspekt interessiert mich dabei viel weniger als der Qualitätsaspekt in folgendem Sinne: wie und wohin entwickelt sich der übliche Sammler, der langzeitmässig über eine etwa gleichbleibende finanzielle Kaufkraft verfügt (...und nicht etwa deutlich steigende oder fallende!) mit seiner Sammlung? Neigt er eher zur Verdichtung seiner Sammlung in Form von weniger, aber "besseren" Stücken, oder neigt er eher zur Erweiterung in Gestalt von einem noch höheren Counter für seine Sammlungsstücke? Kann man das empirisch überhaupt zuverlässig beantworten, oder bleibt es unbeantwortbar, weil die zahlenmässige Grundlage für eine Statistik fehlt? Oder ist es wenigstens "gefühlsmässig" beantwortbar, wie eine "gefühlte Temperatur"...??

Für mich persönlich habe ich natürlich eine Antwort, aber ich hätte gern auch Input von den lieben Sammlerkollegen und auch den Händlern, die solche Tendenzen empirisch kommentieren könn[t]en.

Alex
« Letzte Änderung: Mai 08, 2008, 21:00:02 nachm. von gsac »

Offline ironsforever

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Re: Wie es sich entwickelt....
« Antwort #1 am: Mai 08, 2008, 20:51:56 nachm. »
Hallo Alex,

erst heut morgen hat der Postbote ein neues Sammlungsstück gebracht (Allende) und ich hab mir Gedanken über genau dieses Thema gemacht: Wohin geht die eigene Sammlung?

Ich hab ziemlich früh angefangen, ziemlich konsequent nur geätzte Eisenscheiben zu sammeln und diese auch nur im 10 - 20 g Bereich (egal, wie teuer oder billig die Lokalität ist). Nach mittlerweile mehr als 3 Jahren ist da einiges zusammengekommen. Zwangsweise entwickelt sich die Sammlung nun eher Richtung "Klasse statt Masse": Die üblichen Lokalitäten hat man irgendwann zusammen und dann wirds schwieriger: Fairfield, Okahandja, Guanghua oder Elbogen - sowas kriegste halt nicht mehr für n´Appel und n´Ei und da entwickelt sich selbst die 10-g-Beschränkung zum Problem. Mittlerweile sammel ich auch andere Mets, weil Eisen kaum noch her geht und rare Eisen dürfen auch gern mal weniger als 10 g wiegen.

Ich denke, dass es den meisten Sammlern ähnlich geht. Man fängt relativ harmlos mit Klassikern an und je mehr man sich mit dem Thema beschäftigt, desto weniger "Massenware" fehlt in der Sammlung und desto herausfordernder sind die raren und teuren Lokalitäten.

Gruß, Andi K.  :winke:
Es ist sehr einfach, prinzipiell gegen jede Norm zu sein. Das wirklich Geniale ist hingegen nicht so einfach, wie manch Einfacher denkt.  :einaugeblinzel: (Bekannt)

Offline Allende

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Re: Wie es sich entwickelt....
« Antwort #2 am: Mai 08, 2008, 22:46:08 nachm. »
Stimmt, Alexp und Andi   :super:

Jetzt aber das andere Extrem...

Bei mir haben sich nach bald 24 Jahren Sammlertätigkeit und endloser Selektion von guten und weniger guten Lokalitäten insgesamt 484 Lokalitäten mit inzwischen 400 kg Sammlungsgewicht angehäuft, bzw. sind in der Kernsammlung hängengeblieben. In Sinne von Deiner Frage, Alexp, habe ich die Sammlung immer wieder qualitativ verdichtet bei gleichzeitiger kontinuierlicher Expansion. Falls Du das physikalisch nicht erklären kannst, kann ich es Dir 1:1 zeigen.  :einaugeblinzel: Die besten Jahre waren dabei die späten 80er bis etwa Mitte oder Ende der 90er Jahre. Da waren Museen und Universitäten gerne zum Materialaustausch bereit und da kam auch richtig Freude auf und dann kam die gnadenlose Wüstensteinschwemme und hat viele Museumstüren zugedrückt. Zurück zum Thema: Ja, im Laufe der Jahre sammelt sich was an und „satt“ meint man nach dem nächsten Stück, nach jedem Deal immer zu sein, bis dann die nächste Gelegenheit zum Zuschlagen kommt. Ich liebe und verehre jedes Gramm, jede historische Probe, jedes Display-Stück, jede Rarität, jeden Ordinäristen, jedes Eigen(p)fund-Stück, jeden 5, 15 oder 25 kg Knaller! Wichtig für den Aufbau der eigenen Sammlung sind zwei Dinge: Dranbleiben und Lesen! Wer nicht liest, hat selber Schuld und Dranbleiben versteht sich von alleine. Alles andere ergibt sich so nach und nach.

Die Mietwohnung wurde im Laufe der Jahre unerträglich voll. Überall Steine (ich) und Keramik, Kristallgläser und stapelweise Modezeitschriften (meine M) und dann haben wir uns extra ein eigenes Hüüsli (Chateau J) bauen müssen, damit meine M nicht ständig meine Nörgelei von wegen „zu wenig Platz!“ aushalten musste.  :ehefrau:

Andi, Dein Besuch bei mir ist für Ende Mai geplant und ich freue mich darauf. Zahnbürsteli und Herzpillen nicht vergessen! Erzähle anschliessend dem trägen Alexp davon, vielleicht kommt er dann einmal aus seinem Berlin mal raus und pendelt nicht immer nur nach Stade oder Gölln, sondern fliegt einfach auch mal nach Niederhasli.

Bier steht kalt und Wein ist auch immer genug vorhanden.  :prostbier:

Allende grüsst Alexp und Andi  :winke:

Offline gsac

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Re: Wie es sich entwickelt....
« Antwort #3 am: Mai 08, 2008, 23:15:34 nachm. »
....und pendelt nicht immer nur nach Stade oder Gölln, sondern fliegt einfach auch mal nach Niederhasli.

Seit wann hat "Niederhasli" (PS: siehe z. B. google-maps) denn einen eigenen Flughafen...???  :baetsch:

Im Ernst: ich komme mal vorbei, aber dann eher per Bahn via Basel und Zürich! Momentan dachte ich an
meine geplante Ensisheim-Tour, aber die ist derzeit sehr schwer gefährdet wg. einer Software-Maßnahme
an meiner Arbeitsstelle ausgerechnet an *jenem* Wochenende, da bin ich schon jetzt sehr frustriert, und
schaffe es wohl nicht, aber per auszunutzender BC100 dann sicher noch im weiteren Verlauf des Jahres...

Ansonsten freue ich mich über Deinen Beitrag, Du gibst hiermit ein gutes Exempel für die ansonsten eher
stumm bleibende olle Sammlerelite!!! Und damit hat meine Initialzündung schon mal eingeschlagen und es
folgt hoffentlich noch weiteres an qualifizierten Beiträgen! Die gestellte Frage ist ja nicht uninteressant..

:super: A´p


Offline gsac

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Re: Wie es sich entwickelt....
« Antwort #4 am: Mai 08, 2008, 23:41:58 nachm. »
Wichtig für den Aufbau der eigenen Sammlung sind zwei Dinge: Dranbleiben und Lesen! Wer nicht liest,
hat selber Schuld und Dranbleiben versteht sich von alleine. Alles andere ergibt sich so nach und nach.

Das finde ich auch richtig und sehr wichtig! Und da muß ich auch noch mal nachkarten: das eine ist der Aufbau
und die Investition in eine Sammlung, das andere ist die Investition in Wissen - was vielgestaltig daherkommen und durchaus auch kostenintensiv sein mag - aber ohne letzteres geht nichts, wenn man es ernsthaft betreiben will.

"Pay a stone, pay a book!"? Weiß es nicht exakt zu erläutern, aber zu einem Großteil der monetären Investition in eine gute Meteoritensammlung gehört auf jeden Fall die Investition in Literatur bzw. generell gesprochen in "Wissen" über Meteorite, wenn man es ernsthaft als Hobby betreiben will! Die ernsthaften Sammler sind übrigens allesamt Mitglied in der Meteoritical Society (...oder sollten es sein). Die IMCA ist ein anderes Thema, auch dort darf und soll man gern Mitglied sein imho, aber es hat eine andere Zielrichtung...

Alex
« Letzte Änderung: Mai 09, 2008, 00:19:28 vorm. von gsac »

Offline aknoefel

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Re: Wie es sich entwickelt....
« Antwort #5 am: Mai 08, 2008, 23:56:26 nachm. »
Tja, nicht so einfach bei mir  :laughing: Rein rechnerisch sammle ich seit mehr als zehn Jahre Meteorite...  :baetsch: Aber neun Jahre hatte ich meine drei Stücke (ok, es waren wenige mehr), so richtig als 'Sammler' fühle ich mich erst seit wenigen Monaten. Latent war das Interesse immer vorhanden (so war auch ich einer von denen, die Neuschwanstein gesucht haben). Aber ehrlich gesagt kannte ich die heutigen Möglichkeiten nicht bzw. nutzte sie nicht, weil ich meine 'alten' Mets noch zur internet-Urzeiten kaufte und bis vor kurzem nicht wusste  was z.B. iiiibay an Mets bietet. Ich war da irgendwie nicht mehr auf dem Laufenden...

Dann wollte mir jemand etwas gutes tun und hat mir zwei Mets geschenkt (weil ich etwas behilflich war) und mich dann auch noch zum Stammtisch geschleppt  :wow: - damit hatte ich mich mit dem Virus infiziert - man schaut sich plötzlich um und möchte die Sammlung  vergrößern.. Es kam also es wie es kommen musste: natürlich habe ich ebay erst mal abgegrast und mich mit 'Standard' eingedeckt. Und ich bereue es keinesfalls... Jetzt bin ich so mit etwas mehr als 60 verschiedenen Mets dabei - viele Stücke eher klein bis sehr klein, aber auch einige 'bessere Teile' . Und nicht nur ebay war nun das Maß aller Dinge - ich habe gelernt, das einige schönere Stücke eher nicht dort angeboten werden...Inzwischen geht es jetzt doch schon eher in eine andere Richtung.... ich lege mir nun sicher nicht mehr den xten H5 in die Sammlung - etwas wählerischer bin ich inzwischen... Es gibt natürlich Stücke, die ich mir vorläufig nur als 'Kleinteile' leisten kann - z.B. die 'Märse'. Aber immerhin, es ist bereits mehr als einer und nicht nur im mg-Bereich... Ich denke mal so: in Zukunft wird es bei mir weniger Masse werden sondern schon eher 'bessere' Stücke. Eine gewisse Spezialisierung scheint es auch zu geben - da möchte ich mich aber noch nicht wirklich festlegen. Auf alle Fälle hat die Zukunft bei mir schon begonnen...  :einaugeblinzel:

Gruß
  Andre
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Offline Odessa

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Re: Wie es sich entwickelt....
« Antwort #6 am: Mai 09, 2008, 09:11:19 vorm. »
Mets Sammeln tu ich seit ca. 4 Jahren, seit 1 1/2 Jahr Intensiv. Über Mets Lesen, Museumsbesuche, Vorträge besuchen usw. das machete ich schon mehrere Jahre bevor mein erster kauf getätigt wurde.

Wie viele andere Sammler auch, kaufte ich die  "Üblichen Verdächtigen" zuerst, also Campo, Nantan und NWA 869. Einfach weil davon jede Menge zu haben war. Zwischendurch kam immer mal wieder ein kleines Stück dazu (Messekauf). Vor 1 1/2 Jahren dann kam die Überlegung: wie soll meine Sammlung eigentlich aussehen/wo will ich hin? Dann habe ich ebay entdeckt und angefangen nach der Systematik zu Sammeln. Egal wie gross das Stück war oder welche Form es hatte. (also nicht das ich jetzt jeden Schei.... gekauft hätte). Mittlerweile nervt es mich, das einige meiner zugeschnittenen Exemplare eine unnatürlich Form haben (siehe Foto Seymchan, 61,6 g). Auch das gewisse Stücke zu klein sind. Ich meine, ich liebe alle mein Exemplare gleich fest, aber es stimmt schon, nach einer gewisse Zeit des Sammelns möchte man Qualitativ hochwertigere Stücke.
Über ebay kauf ich nur noch selten. Nur noch "spontankäufe" wenn ich wieder mal auf "Entzug" bin.
Aber dank ebay habe ich auch die meisten Händler kennengelernt, die ich heute lieber Privat anfrage, wenn ich auf der suche nach einem Met bin.
Momentan fahre ich Zweispurig;1. Kauf von ansehnlicheren und qualitativ Hochwertigeren Stücken. Bei Individuen die Schmelzkruste, bei Scheiben, nicht all zu Verwittert usw.
2. Kauf von Schweizer-,Deutschen- und Österreichischen Mets.

Naja, eigentlich weiss ich auch jetzt noch nicht in welche Richtung ich Sammeln möchte. Aber da ich, wie ich denke, noch ein Greenhorn bin im Sammeln, brauche ich auch noch nicht zu wissen wie meine Sammlung auszusehen hat. Oder gibt es da eine Zeitlimite? Ich glaube nicht.
Einfach dranbleiben, Materie vertiefen und die guten Sammler/Händlerkontakte pflegen.

Gruss, Sandro

P.S, kein gutes Foto, sorry

Offline Odessa

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Re: Wie es sich entwickelt....
« Antwort #7 am: Mai 09, 2008, 09:28:49 vorm. »
 :platt:

nicht das richtige Foto, aber auch so ein Beispiel. Hier das richtige.

Offline Odessa

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Re: Wie es sich entwickelt....
« Antwort #8 am: Mai 09, 2008, 09:46:32 vorm. »
Zitat
Niederhasli.

Apropos Niederhasli. Salü Allende.
Jetzt habe ich 25 Jahre in Dielsdorf gewohnt und nicht gewusst das es ein weiterer Sammler und Met-Wissender im Nachbardorf gibt.  :crying:

Offline Mettmann

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Re: Wie es sich entwickelt....
« Antwort #9 am: Mai 09, 2008, 11:22:40 vorm. »
Eine recht interessante Frage, Oheim.

Zunächst muß man vorausschicken, daß es kein "richtiges" und kein "falsches" Sammeln gibt.
(- auch wenn ich hin und wieder gewettert habe dagegen, sich den Schrank nur mit Campos und unklassifiziertem Gleisschotter voll zu laden - das ist eben ein Ausdruck meines Unverständnisses, da ich nicht nachvollziehen kann, was der Sammler daraus für einen Gewinn für sich erzielen kann).

Ich denke, die Vorlieben und die Art der Sammelweise/-stücke wachsen einerseits mit dem zunehmenden Wissen des Sammlers und die Begehrlichkeiten ergeben sich automatisch, und zusätzlich ists natürlich auch eine Funktion der Zeit.

"Pay a stone, pay a book" - ich glaube nicht, daß man diese Parole sonderlich ausgeben muß, Sammler, die nicht immer mehr über ihre Stücke erfahren wollen, sich nicht groß vertiefen wollen, die gibt es ja praktisch kaum.
Und mit dem Wissen kommen die Vorlieben und die Ziele der Sammlung von selbst.
Liest er über eine Lokalität in einem Buch, findet sie abgebildet, so möchte er vielleicht ein Stück haben. Geht er ins Museum und sieht die Hauptmassen, findet er den Gedanken verlockend, daheim ein Stück von diesem Fall im Schrank zu haben. Kommt er aus der Raumfahrtecke, so lockt ihn Mond und Mars, Vesta, Eros und Ceres. Liest er eine Biographie Niningers, will er Stücke dessen Erstfunde. Ist er Mineraloge, so setzt er auf die Vielfalt der Klassen, ist er Philosoph auf unäquilibrierte und CAIs usw. usf. - das geht recht schnell, daß sich der beginnende Sammler von einer gewissen Beliebigkeit bei der Auswahl verabschiedet.

Anfänglich mag er natürlich wie der Ox vorm Berg stehen, angesichts der vermeintlich undurchschaubaren Vielfalt an Angboten, aber mit zunehmender Zeit, lichten sich die Nebel doch recht zügig und er erkennt, daß es einschließlich der NWAs gar nicht soviele Namen und Nummern und Vertreter einer Klassen gibt, die permanent erhältlich wären.

Nun kommt natürlich die Zeit ins Spiel, die Sammlung wächst, und da hängt es eben von den selbstgesteckten Zielen ab, welche Ausformungen sie annimt.
Der Andi schriebs ja schon, er ist ein Eisenfan mit der Richtung bspw. nun nicht einzelne, besonders ausgeprägte Stücke, orientierte oder dergleichen zu sammeln, sondern möglichst viele verschiedene - vermutl. mit dem Ideal alle 900 Eisen, die es gibt, zu versammeln. Genauso wie es Sammler gibt, die geographisch Sammeln, also bsp alle deutschen Meteorite oder New Mexico komplett, wieder andere kaprizieren sich auf einzelne Klassen, wie bspw. alle Kohligen habens ihnen angetan, andere wollen alle Märse, wieder andere sind von HEDs begeistert..

Diese Art zu Sammeln zielt auf Vollständigkeit ab, alles, was in den Fokus paßt, komplett zu bekommen.

Die andere Art wäre, einen weiter ausgelegte Vorliebe zu haben - also bspw. die historischen Fälle bis ins 19 Jhdt., besonders ausgeprägte, wie bspw. Orientierte oder Stücke, die ganz bestimmten ästhetischen Kriterien genügen müssen.

Beide Arten des Sammelns haben etwas gemein, nämlich, daß man mit dem fortschreitenden Wachstum der Sammlung bald an die Grenzen kommt, daß man das gängige oder gerade erhältliche bereits besitzt und es zunehmend schwieriger wird, neue Verteter der Zielsetzung herzubekommen, man immer mehr Geduld braucht, sein Ziel weiter zu verfolgen.
Nehmen wir die deutschen Meteorite her, da sind etlich praktisch kaum mehr erhältlich, andere gar nicht. Schauen wir in den Catalogue, die Fälle und Meteoriten mit Namen - müßte man mal machen, zu prüfen, wieviele davon niemals erhältlich waren oder nur alle Jubeljahrzehnte oder längst schon durch sind - ich glaube, es wäre die Mehrheit. Ähnliches gilt für die Wüste, durchschaut man die Pairings, was einem mit wachsender Erfahrung immer besser gelingt, sieht man, daß es gar nicht soviele verschiedene Vertreter einer Klasse gibt und sieht man sich die Nummern an, die heutzutage aktuell angeboten werden, merkt man, daß die meisten Nummern längst schon passe und nimmer erhältlich. Früher wißts noch, die ganzen DaGs, die HaHs oder die NWAs, da werden ja vorwiegend die höheren Nummern grad gehandelt...das ist zumeist schon alles weg.

Nun und bei der zwoten Art, wie oben geschrieben, muß man sowieso von vornherein Geduld mit bringen, da da die Angebote spärlich gesät und man warten muß, bis was kömmt.

Und da entscheidet sichs dann - wie es weitergeht. Die allerwenigsten können ihre Jägernatur verleugnen, als daß sie sich disziplinieren könnten und nur noch ein, zwei Stück im Jahr zu kaufen bzw. jahrelang auf noch Fehlendes zu warten.

Nun und da setzt dann Alex' "Masse statt Klasse" ein. Daß man eben seine Stücke durch bessere des gleichen Meteoriten ersetzt oder ihnen bessere Exemplare zugesellt.
Was allerdings keineswegs die einzige Methode darstellt.

Was ich häufig beobachte, ist, daß Sammler sozusagen "mehrgleisig" sammeln. Vorrang hat immer der Hauptfocus, aber gleichzeitig schaffen sie sich mehrere Zielsetzungen oder Brennpunkte mit verschiedenen Prioritäten.

Der Marsmensch sammelt nebenher HEDs, der Eisenmann geht zusätzlich auf die Pallasite und Mesosiderite, beim NWA-Nummernsammler schleicht sich hin und wieder ein Fall ein usw.

Was ich glaube, am Häufigsten beobachtet zu haben, ist zweierlei:
Nämlich daß neben dem Hauptschwerpunkt gesammelt wird:  querbeet
Oder aber, daß sich neben der Vorliebe eine möglichst komplette Systematik nach Klassen und Unterklassen, oft aus Referenzsstücken, will sagen nicht die Riesenmuseumsteile, angelegt wird - verständlich, da das ja nun gerade die Jahre (noch) sind, wo das überhaupt möglich und erschwinglich ist, durch den Wüstenrausch.

Und eine kleine Nebenbemerkung vielleicht noch; scheint ein Paradigmenwechsel stattgefunden zu haben, bereits vor einigen Jahren. Die Wüste wird mittlerweile als mehr oder weniger gleichrangig mit den Namenmets angesehen, also die Zäsur, Namen&Historie hier, und ab da geschichtslose und gesichtlose Nummern aus dem Nirgendwo und daher geringzuschätzen, die gibt es nicht mehr.
Wohl weil die Wüste dominant, die Menge an Historischem Material durch die gewachsene Zahl der Sammler abgenommen hat, viele Sammler erst dazugekommen, als die Wüste am Blühen, was ja zeitgleich mit der Verbreitung des Internets eingetroffen und es nicht anders kennen und schließlich noch, weil viele der Historienliebhaber natürlich erkannt haben, daß da höchstvorzügliches und knuspriges Material aus der Wüste gekommen ist, was es früher nicht gab und daß es natürlich eine Sünd wär, es bei den gegenwärtig so verlockenden Preisen stehen zu lassen.

Nuja, und dann gibt's Sammler, die sind schon so lange dabei bzw. so tüchtig, daß sie wirklich schon alles haben, was es an Namen gab und gibt, und an interessanteren Wüstennummern - die schnappen dann natürlich sofort zu, wenn von irgendwoher mal ein Name kommt, den sie noch nicht haben und kaufen auch alle neuen Nummer aus der Wüste, solangs nix gepairtes ist, wasse schon besitzen und solangs kein H4,5,6 - L4,5,6 ist - und haben damit genug zu tun, als daß sie die bereits existierenden Sammlungsstücke upgraden können.

Ausdünnen - es gibt recht viele Sammler, Oheim, die haben noch NIE einen Meteoriten vertauscht oder verkauft.

Uuuund natürlich ists meist eine Mischung aus allem, was grad geschrieben.

Mein ich
 :prostbier:
Mettmann

« Letzte Änderung: Mai 09, 2008, 11:57:35 vorm. von Mettmann »
"Grawutzi - Kapuzi" (Pezi "Bär" Petz *1949-1995)

astro112233

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Re: Wie es sich entwickelt....
« Antwort #10 am: Mai 09, 2008, 12:28:33 nachm. »
Hallo Sammler,

logischerweise beginnt eine jede Sammlung mit eher unspektakulären Boten aus dem All. Als Führerscheinanfänger kauft man sich üblicherweise auch nicht sofort einen Porsche.

Und das ist auch gut so, denn wer weiß ob man dem Hobby über lange Jahre treu bleibt und es sich nicht nur um ein vergängliches Strohfeuer handelt.       

Da ich mich seit meinem vierzehnten Lebensjahr mit der Astronomie beschäftige war es 1994 längst überfällig einen Meteoriten zu erwerben. Meinen ersten bekam ich von meiner damals noch diesbezüglich verständnisvollen Frau geschenkt. Ein 154g Toluca Endstück von Rolf Bühler. Das war die Initialzündung schlechthin. Dann folgte Stück für Stück, mit einer längeren Zeit der Enthaltsamkeit. Doch seit einigen Jahren blühte das Verlangen nach neuen Meteoriten wieder auf.

Mittlerweile besitze ich etwa 130 Meteoriten und 100 Tektiten. Eine bunte Mischung. Derzeit üben die sogenannten Hammer Stones eine besondere Faszination auf mich aus. Andererseits setze ich keine expliziten Sammlungsschwerpunkte, noch nicht. Noch fische ich mir aus dem Ozean der Angebote jene Stücke heraus, die für mich finanziell erschwinglich sind und mir besonders gefallen. Gefallen, ja das müssen mir meine Auserwählten. Ästhetisch müssen sie sein. Glücklicherweise gibt es diesbezüglich so viele individuelle Affinitäten wie Sammler.

Einen meiner Lieblinge zu tauschen oder zu verkaufen brachte ich bisher noch nicht übers Herz. Kommt vielleicht noch? Andererseits hängen an einigen Stücken viele Erinnerungen und Erlebnisse. Z.B. wie manipulierte ich den Händler XY oder wie schmuggle ich einen Meteoriten über die Schweizer-Grenze. :auslachl:  Kleine liebenswerte Geschichten die ich nicht vergesse. Gerade diese Teile zu verkaufen grenz für mich persönlich an moralischen Hochverrat.

Für meine dementsprechend interessierten privaten Besucher legte ich mir einige kleine NWAs zur Seite, als kleines unvergängliches Präsent. Kommt immer sehr gut an, wie ich zu meiner Freude feststelle.

Und ein wichtiger und unerlässlicher Punkt ist für mich die liebevolle Präsentation der eigenen Sammlung. Keinesfalls in Schubladen oder Schuhkartons horten und verstecken. Schön ordentlich in einer ansprechenden Vitrine dekorieren. Je nach dem eingedost und mit gedruckten Belegkärtchen versehnen oder auf entsprechenden Unterlagen positionieren. Steht reziprok im Verhältnis zur Größe der Stücke. Je winziger der Meteorit, desto aufwendiger das Ambiente. Große imposante Stücke benötigen allerdings diesen Aufwand nicht, sie sprechen für sich.

Deshalb muss, darf ich immer viel dekorieren.  :lacher:

Gruß Konrad  :hut:                     

Offline Dirk

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Re: Wie es sich entwickelt....
« Antwort #11 am: Mai 10, 2008, 00:17:12 vorm. »
Hallo Alex,

ich selber habe mit dem Meteoritensammeln 1994 angefangen. Erst sehr langsam, weil ich als Student nur wenig Geld hatte. Habe vor allem in Gifhorn und auf Mineralienbörsen "eingekauft". Ebay kam erst ab 2000 dazu. Gleichzeitig hatte ich in dem Jahr 2000 den ersten Job nach dem Studium und somit deutlich meht Geld als vorher. Seitdem gibt es ein deutliches Wachstum meiner Sammlung. Mittlerweile habe ich nach ca. 14 Sammlerjahren ungefähr 150 verschiedene Lokalitäten, ca. 30kg Masse.
Es gibt tatsächlich bei mir eine Entwicklung in Richtung Klasse und Qualität. Verschiedene Faktoren haben das mit beeinflusst: wachsendes Wissen über das Thema, tieferes Eintauchen in die Gemeinschaft der Meteoritensammler, damit verbunden eine Vergrößerung und Intensivierung der Beziehungen zu Händlern und Sammlern, dadurch bekam ich viel häufiger qualitativ hochwertige Stücke angeboten, die für mich sehr verlockend waren. Allerdings spielt die persönliche finanzielle Entwicklung ein wichtige Rolle. Wäre ich jetzt noch Student, dann hätte ich mir viele Stücke meiner Sammlung nicht leisten können. Nach 8 Jahren Meteoritensammelei lag das teuerste Stück (ein 2900g Campo) bei 220€. Ich hätte wahrscheinlich kleinste Scheiben und Individuale gesammelt, um irgendwann die Met-Systematik annähernd voll zu bekommen. Exklusive Stücke ( über 200€) hätte ich mir nicht leisten können, höchstens 1-2, wenn ich diszipliniert gespart hätte. Nur dann wäre der Jagdtrieb nur wenig befriedigt gewesen. Ich will ja kontinuierlich neue Stücke - die Sammlung halt wachsen sehen! Also eine Entwicklung von Masse zur Klasse ist bei mir stark von meiner beruflichen und finanziellen Entwicklung abhängig gewesen. Früher kaufte ich fast ausschliesslich bei e-bay und einmal im Jahr in Gifhorn, heute fast nur noch bei Internethändlern auf deren websites. Dieses Jahr will ich zum ersten Mal (!) nach Ensisheim und München. In den letzten 4 Jahren sind ca. 20 Top-Stücke in die Sammlung gekommen, die von Größe, Wert, Seltenheit und Ästhetik hervorstechen. Anfangs wollte ich lediglich ein paar verschieden Meteoriten zu möglichst wenig Geld - jetzt verfolge ich das Ziel einer vollständigen Systematik und gleichzeitig möchte ich von den "Klassikern" Top-Stücke, also ein paar Schwarzkruster,  schön skulpturierte Individuale von SA, CD, Gibeon im Kilobereich, jeweils eine schöne große Scheibe von Gibeon, Imilac usw.. Gleichzeitig greife ich bei seltenen Gelegenheiten gerne zu und ärgere mich natürlich, wenn ich nicht flüssig genug bin und das Top-Stück an mir vorbei zieht  :laughing: . Das kennen die anderen natürlich auch! Als Strategie der letzten Jahre kam auch dazu, wenn möglich, Doubletten zu erwerben, wenn eine günstige Gelegenheit bestand, um dann mit anderen Sammlern zu tauschen. Stücke verkauft habe ich bis jetzt so gut wie gar nicht, außer ein paar Henburys aus einem größerem Lot, das ich vom Norbert Kammel 2001 erworben habe. Auch upgrades gab es bis jetzt nicht bei mir. Noch habe ich genügend Platz und ich würde mir lieber eine neue Vitrine kaufen als eins meiner Stücke zu verkaufen. Tatahouine ist ein witziges Beispiel: angefangen habe ich mit einem 1g Stück - habe mir aber vorgenommen, mich sukzessiv auf ein 30gStück vorzuarbeiten. 4 Grüne habe ich schon, das Größte wiegt knapp 5g  :laughing: .

Soviel von mir,
 :prostbier:
Dirk

Offline MarkV

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Re: Wie es sich entwickelt....
« Antwort #12 am: Mai 10, 2008, 04:45:46 vorm. »
Also: zurück zu den Wurzeln, zum Eigentlichen, die Vielfalt reduziert auf das Wesentliche, der Blick gerichtet auf das Zentrale.

Hallo Alex,
das sehe ich auch so. Das Zentrale wäre dann für mich der Stein als solches. Er darf auch gerne aussehen wie ein Stein. Halt so wie er gefunden wurde, vielleicht noch mit einer angeschliffenen Seite, aber sonst so naturbelassen wie möglich. Keine Eulen, Ringe, Quadrate, Kugeln etc. Ausserdem ist mir Frische sehr wichtig. Wenn irgendwie möglich, versuche ich den frischesten Meteoriten seiner Klasse zu bekommen. Wobei ich mich aber inzwischen auf NWA und Wüstenfälle beschränke, nachdem ich bereits die meisten Klassiker zusammengetragen habe. Je mehr ich mich in das Thema NWA einarbeite, um so mehr Pairings erkenne ich und um so mehr wird mir klar, dass auch die guten NWA Meteoriten sehr rares Zeug sind. Man darf sich da nicht von den 5000 Nummern abschrecken lassen. In Wirklichkeit handelt es sich um eine recht überschaubare Anzahl von Funden (siehe den Thread zu den LL4ern). Jedenfalls sammel ich derzeit in erster Linie möglichst frische Wüstenfunde. Mir sind einige wenige repräsentative Stücke lieber als hunderte Mikros.

Ich sammel ja noch nicht so lange und habe von Anfang an nur Stücke angeschafft, die mir vom Aussehen sehr gut gefallen haben und von denen ich wusste, dass sie mir auch in einigen Jahren noch Freude bereiten. Das waren dann meist grössere Stücke, aber im Grammpreis lagen und liegen die eher in der unteren Preisklasse.

Man sollte Meteoritensammeln als Hobby ansehen. Das ist keine geeignete Form der Geldanlage, schon weil man sich eh nicht mehr von den Steinen trennen möchte :-) Allerdings ist der Wert etwas beständiger, als wenn man z.B. Autotuning als Hobby hat.


Grüsse,
Mark
« Letzte Änderung: Mai 10, 2008, 05:01:16 vorm. von MarkV »

Offline gsac

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Re: Wie es sich entwickelt....
« Antwort #13 am: Mai 10, 2008, 11:06:10 vorm. »
Man sollte Meteoritensammeln als Hobby ansehen. Das ist keine geeignete Form der Geldanlage, schon weil man sich eh nicht mehr von den Steinen trennen möchte :-) Allerdings ist der Wert etwas beständiger, als wenn man z.B. Autotuning als Hobby hat.

Ganz Deiner Meinung, Mark! In erster Linie sollte es ein Hobby sein, es sollte einem persönlich Spaß bringen und, in dem man damit umgeht und sich Wissen darüber aneignet (siehe oben), letztlich, wenn man es über die Wissenschaft hinaus sogar philosophisch sieht, im übertragenen Sinne den eigenen "Standort" erkennen und relativieren helfen. Schließlich sind wir alle aus dem Zeug gemacht, und es ist für mich nach all den vielen Jahren noch immer eine faszinierende Idee, das älteste und ursprünglichste Material überhaupt in Händen halten zu können, viel älter als das älteste Gestein, welches man hier auf der Erde finden kann. Nebenher darf man noch den Traum vom kosmischen Flug träumen...

Es ist eben nicht nur der Stein als solcher, wie man ihn rein optisch wahrnimmt, es ist schon auch die "Idee", die man persönlich damit verbindet. Und das kann man nicht in Euro, Dollar, oder Franken ausrechnen. Wer eine Geldanlage sucht, sollte Goldbarren sammeln (bzw inzwischen besser gesammelt haben...:-)) und kann diese dann aber auch getrost ins Depot wegschliessen, statt sich damit auf andere Weise zu beschäftigen.

Wobei gar nicht mal ausgeschlossen ist, daß manche Meteorite sich tatsächlich auch als eine gute Geldanlage erweisen können. Nur um ein Beispiel zu nennen: wer hätte vor wenigen Jahren noch gedacht, wie es sich mit dem damals allerorts reichlich erhältlichen Gibeon entwickelt? Für fein skulpturierte Individuale zahlt man inzwischen ein Vielfaches des damaligen Preises. Bei Sikhote-Alin-Individualen sieht es ähnlich aus, und auch ein veritabler Henbury hat jetzt seinen Preis, wenn es ein schönes, großes Schaustück sein soll. Andersherum geht es auch: wer noch vor 15 Jahren allermindestens 250 Dollar oder eher das Doppelte oder noch mehr im Gramm für einen CO- oder CH-Chondriten hinblättern mußte, bekommt dies derzeit zu einem kleinen Bruchteil des damaligen Preises, und zwar in größeren und damit aussagekräftigeren Stücken als sie damals in der Prä-NWA-Zeit verfügbar waren. Mal ganz abgesehen davon, daß der Dollar damals noch viel höher bewertet war als heute. Es gibt bei Meteoriten halt kein zuverlässiges Regelwerk, außer der jetzt beobachtbaren Tendenz einer Verknappung des Materials bei zunehmender Nachfrage, aus der jeder seine eigenen Schlüsse für die Sammlung ziehen sollte.

Alex


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Re: Wie es sich entwickelt....
« Antwort #14 am: Mai 10, 2008, 11:32:03 vorm. »
Hihi, Oheim,ich seh Dich grad, wie Du Dich am Hintern kratzt und in Deinen 3er starrst:
Mein Hintern ist daraus gemacht!  Der Stein bin ich!

Und wißt ihr was? Der Schauder, der ihm dabei über den Rücken jagt, ist nicht der wohlige, der ihn erfaßt, weil er so ausgiebig gekratzt hat,
sondern weil der Alex Recht hat ! - es ist ein luzider, da er in diesem Moment einen Zipfel der Ahnung über den Urgrund seiner Existenz erhascht hat!



Dytt Wertthema hammer schon zur genüge durchgekaut, Meteorite sind an und für sich so krisensicher, daß nur noch eine kosmische Katastrophe ihren monetären Wert verderben könnt. Das bisschen - einmal hoch und einmal niedrich, ja das ist der A vom Friedrich im Detail, das sitzt man auf der Hälfte der Backe ab, die man derweil zur Hervorrufung obiger Offenbarungserlebnisse kratzt - die Mittlungslinie steigt stetig. Denn wo kommer den her, aus einem rel. soooo winzigen Teilnehmerfeld, das wäxxt und wäxxt und wäxxt, Wüste ist auch fast vorbei, also läßt sich der willkommene Mitnahmeeffekt, daß die Steine immer teurer werden, kaum vermeiden. Fragts mich nicht, was das Diddl-Maus-,  Ü-Eier-, Effzehbayernwimpelglump in 20, 30 Jahren wert sein wird, ob sich da noch einer dafür interessieren wird - von Mets indes, wird immer eine Faszination abstrahlen und zwar für immer mehr Erdenbürger.

 :prostbier:
Martin

"Grawutzi - Kapuzi" (Pezi "Bär" Petz *1949-1995)

 

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