Autor Thema: Rohdiamanten im Nördlinger Ries-Krater?  (Gelesen 22450 mal)

Offline Hungriger Wolf

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Rohdiamanten im Nördlinger Ries-Krater?
« am: Mai 18, 2008, 12:26:47 Nachmittag »
Hallo!

Wer hat schon einmal Rohdiamanten im Nördlinger Ries-Krater gefunden?

Im Nördlinger Ries könnte ich jedenfalls Suevit+Chaoit, eine Kohlenstoffmodifikation selbst finden (siehe Photos).

Rohdiamanten sind mir selbst jedenfalls optisch dabei leider nicht aufgefallen!
Welche Untersuchungsmethode/-en? nach Rohdiamanten wäre mit einem Probestück denkbar (UV-Licht?/Sedimentationsversuch etc. zur Separation von Diamanten vom Gestein)?

schöne Grüsse von :winke:
Achim
« Letzte Änderung: Mai 18, 2008, 13:26:49 Nachmittag von Hungriger Wolf »

Offline pallasit

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Re: Rohdiamanten im Nördlinger Ries-Krater?
« Antwort #1 am: Mai 18, 2008, 12:47:15 Nachmittag »
Hallo Achim,

Frag am besten bei den Autoren des angeführten Beitrages nach, oder lass dir die Veröffentlichung schicken.
http://www.museum.hu-berlin.de/min/mitarbeiter/mitarb/ralf/diamant.html

Grüße Willi  :prostbier:

Offline Hungriger Wolf

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Re: Rohdiamanten im Nördlinger Ries-Krater?
« Antwort #2 am: Mai 18, 2008, 13:40:35 Nachmittag »
Hallo Willi!

Danke für den Tip! :super:

Eine e-mail-Anfrage, ob ich die Verarbeitungsvorschrift (Veröffentlichung) zur Extraktion von Diamanten aus Impaktmaterialien erhalten könnte,
habe ich an das Bayerisches Geoinstitut der Universität Bayreuth geschicht (e-mail-Adresse: bayerisches.geoinstitut@uni-bayreuth.de)

schöne Grüsse von   :prostbier:
Achim

 


Offline tozi

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Re: Rohdiamanten im Nördlinger Ries-Krater?
« Antwort #3 am: Mai 18, 2008, 22:34:32 Nachmittag »
hallo,
ich denk da anders.
allein aus der tatsache dass diamanten aufgrund großen druckes entstehen; darauf zu schliessen dass sie aufgrund eines met-einschlages entstehen könnten, ist wohl so nicht richtig. die drücke müssen wohl doch über längere zeit herrschen, sonst gibbet nix.
gruß tom

Offline Hungriger Wolf

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Re: Rohdiamanten im Nördlinger Ries-Krater?
« Antwort #4 am: Mai 18, 2008, 23:00:27 Nachmittag »
Hallo Tom!

Um diese Fragestellung geht es ja, ob Diamanten im Nördlinger Ries-Krater, beim Einschlag auf die Erdoberfläche, entstanden sind.

schöne Grüsse von :winke:
Achim

Offline pallasit

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Re: Rohdiamanten im Nördlinger Ries-Krater?
« Antwort #5 am: Mai 18, 2008, 23:48:53 Nachmittag »
Hallo,

Man geht recht sicher davon aus, dass die Ries-Diamanten beim Einschlag entstanden sind.

Siehe "Bayerns verborgene Diamanten":
http://www.lrz-muenchen.de/~NatSamm/deutsch/download/aviso_Diamanten.pdf

Willi
« Letzte Änderung: Mai 19, 2008, 00:18:55 Vormittag von pallasit »

Peter5

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Re: Rohdiamanten im Nördlinger Ries-Krater?
« Antwort #6 am: Mai 19, 2008, 06:38:01 Vormittag »
Hallo ..

es ist außerdem schon seit Langem bekannt, dass es unzählige Mikrodiamanten im Weltall gibt ..  :smile:

http://www.zeit.de/2002/29/Diamanten_im_Weltall

..wenn man da die richtigen "Robotersatelliten" bauen täte und diese Diamanten aus dem All auf die Erde schaffen könnte (nicht nur indirekt durch Meteorite), wäre De Beers langfristig betrachtet, pleite! :laughing:

das hier ist 1999 und daher überholt!

http://www.astronews.com/news/artikel/1999/05/9905-003.shtml

Selbstverständlich ist das All voll von dieser Kohlenstoff-Modifikation!

http://www.planet-wissen.de/pw/Artikel,,,,,,,C6E2D25F2A2C52D0E030DB95FBC36DDE,,,,,,,,,,,,,,,.html

http://www.china-intern.de/page/wissenschaft-des-universums/1079591930.html

Gruß Peter5.. :winke:

Labrador

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Re: Rohdiamanten im Nördlinger Ries-Krater?
« Antwort #7 am: Mai 19, 2008, 18:48:56 Nachmittag »
Hallo,

Optisch geht da wohl auch nix! Da geht´s um Zehntel-mm-Bereiche. Wie kann man die Diamanten erkennen? Ich kann nur ne Vermutung ins Feld führen. Per Schleifspuren auf einem genügend harten Untergrund (jaja, stark vereinfacht ausgedrückt...). So hat man es bei den Mikrodiamanten im Granulit von Forchheim im Erzgebirge gemacht, die hatten 1/30 mm.

Gruß
Labrador

Offline Hungriger Wolf

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Re: Rohdiamanten im Nördlinger Ries-Krater?
« Antwort #8 am: Mai 20, 2008, 18:02:40 Nachmittag »
Hallo Willi und Forenmitglieder!

Die Veröffentlichungschrift habe ich durch Herrn Schmitt erhalten (http://www.museum.hu-berlin.de/min/mitarbeiter/mitarb/ralf/diamant.html). :super:

Die Rohdiamanten wurden durch die Autoren der Veröffentlichungsschrift hierbei durch ein spezielles chemisches Verfahren mittels HF/HCl/H3B03 aus dem Impaktgestein (Suevit/Nördlinger Ries) herausgelöst und isoliert.

Fazit der Untersuchungen: Rohdiamanten sind im Nördlinger Ries-Krater vorhanden!
 


Jens ohne z

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Re: Rohdiamanten im Nördlinger Ries-Krater?
« Antwort #9 am: Mai 20, 2008, 18:22:17 Nachmittag »
Hallo Hungriger Wolf,

hab letztens gelesen dass die Diamanten im Nördlinger Ries in den 70ern durch Russen entdeckt wurden. Wenn es Dir weiterhilft:
Zitat
Quelle: Mineralogie
Eine Einführung in die spezielle Mineralogie, Petrologie und Lagerstättenkunde
7., vollständig überarbeitete und aktualisierte Auflage

ISBN 3-540-23812-3   7. Auflage Springer Berlin Heidelberg New York

Abschn. 02 Elemente; 2.3 Nichtmetalle - Seite 27

-----------
Gelegentlich findet man Diamant auch in Meteoriten-
kratern, in denen er sich beim Impakt unter den hohen
Drücken der Schockwellen-Metamorphose (Abschn. 24.2.3,
S. 323ff) aus Graphit in Kristallingesteinen gebildet hat.
So wurden im Nördlinger Ries bereits 1977 durch russi-
sche Forscher Diamanten entdeckt; daneben treten auch
Lonsdaleit, eine hexagonale Kohlenstoff-Modifikation
mit Diamant-ähnlicher Kristallstruktur sowie Moissanit
SiC auf (Schmitt et al. 2000; El Goresy et al. 2001, 2003).
Kürzlich wurde darüber hinaus durch El Goresy et al.
(2003) eine neue kubische C-Modifikation entdeckt, die
sich durch extrem große Härte und Dichte (2.49) auszeich-
net. Auch in Krustengesteinen, die im Zuge von Konti-
nent-Kontinent-Kollisionen tief versenkt wurden und eine
Ultrahochdruck-Metamorphose erlebten (Anschn. 24.2.5,
S. 326ff, Abschn. 26.3.9, S. 399ff), kann es zur Bildung
winziger Diamant-Kriställchen kommen, z. B. im Erz-
gebirge (Massonne 1999).

Zitat
Zitierte Literatur:

El Goresy A, Gillet P, Chen M, Kunstler F, Graup G, Stähle V (2001) In situ
discovery of shock-induced graphite-diamond phase transition
in gneisses from the Ries crater, Germany. Am Mineral 86:611–621

El Goresy A, Dubrovisnsky LS, Gillet P, Mostefaoui S, Graup G, Drako-
poulos M, Simionovici AS, Swamy V, Masaitis VL (2003) A novel cubic,
transparent and superhard polymorph of carbon from the Ries and
Popigai craters: Implications to understanding dynamic-induced na-
tural high-pressure phase transitions in the carbon system. LPSC 34

El Goresy A, Dubrovisnsky LS, Gillet P, Mostefaoui S, Graup G,
Drakopoulos M, Simionovici AS, Swamy V, Masaitis VL (2003) A
new natural, superhard transparent polymorph of carbon from
the Popigai impact crater, Russia. CR Geoscience 335:889–898

Massonne H-J (1999) A new occurrence of microdiamonds in
quartzofeldspatic rocks of the Saxonian Erzgebirge, Germany,
and their metamorphic evolution. Proceed 7th Internat Kim-
berlite Conf Cape Town, 1998, 2:533–539

Schmitt RT, Lapke C, Kenkmann T, Stöffler D (1999) Impaktdia-
manten aus dem Nördlinger Ries. Ber Dt Mineral Ges, Eur J
Mineral 12 Beih 1:187

Grüße
Jens

Offline dellenit

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Re: Rohdiamanten im Nördlinger Ries-Krater?
« Antwort #10 am: Mai 21, 2008, 08:12:55 Vormittag »
Hi,

also ich kann auf den Fotos keine Chaoit erkennen, nur Gläser und Kalkeinschlüsse.
Wo hast Du den Suevit denn her? Ist der aus dem Kristallinen Bereich von Möttingen?
lg

dellenit

Offline Hungriger Wolf

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Re: Rohdiamanten im Nördlinger Ries-Krater?
« Antwort #11 am: Mai 21, 2008, 17:53:02 Nachmittag »
Hallo dellenit!

Meine Experimental-Proben stammen aus Seelbronn!  :fluester:
Die kleinen schwarzen Bereiche auf den beiden Photos sind Kohlenstoff!
Graphit <-> [Diamant?]

schöne Grüsse von  :winke:
Achim

Offline ott

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Re: Rohdiamanten im Nördlinger Ries-Krater?
« Antwort #12 am: Januar 30, 2010, 10:36:09 Vormittag »
hallo zusammen

und wie kann man einen diamant erkennen ohne das suevit zu zerstören?
kann man auch mit anderen kristallen die im suevit enthalten sind glas zerkratzen?
 :gruebel:

gruss ott
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Offline schwarzwaldmineraloge

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Re: Rohdiamanten im Nördlinger Ries-Krater?
« Antwort #13 am: Januar 30, 2010, 10:55:03 Vormittag »
Hallo,

Die Diamanten im Ries sitzen in impaktmetamorph veränderten Paragneisen aus dem tieferen Untergrund, nicht in den Sueviten.

Paragneise führen Graphit, der bei der Metamorphose unter hohen Drücken (oder durch Schockwellen beim Impakt) in Diamant umgewandelt werden kann. Sind sehr sehr winzig. Nachweise entweder indirekt durch konzentrische Kratzer in der Politur oder direkt durch IR-Spektroskopie (Infrarot-Spektroskopie). Im Museum in Nördlingen ist einer dieser Diamanten ausgestellt. Man sieht aber mehr diese Kreise.

In der Zeitschrift "elements" gab es vor ein paar Jahren einen Beitrag zu Mikrodiamanten (im Themenheft Diamant).

Die Teile von der Saidenbach-Talsperre in Sachsen kenne ich, war schon da. Ist ein heller Muskovit-Granat-Gneis, die Diamanten sitzen in stecknadelkopfgroßen Granaten. Anhand einer seltenen Ti-Oxid-Phase konnte eine Tiefe der Subduktion (Versenkung) von mindestens 180 km Tiefe abgeleitet werden.

Glück Auf!
Sebastian
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Offline ott

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Re: Rohdiamanten im Nördlinger Ries-Krater?
« Antwort #14 am: Januar 30, 2010, 11:05:30 Vormittag »
und schon ist mir geholfen.
danke
gruss ott
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