Autor Thema: Besuch in Rittersgrün (Steinbach Meteorit)  (Gelesen 9201 mal)

Offline aknoefel

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Besuch in Rittersgrün (Steinbach Meteorit)
« am: September 07, 2008, 00:31:28 vorm. »
Heute (uuups - schon gestern) war ich in Rittersgrün. Bei schönstem Wetter und Dank meines Navisystems fand ich mich auf kürzesten Wege in diesem netten Ort ein.




Ziel war das Sächsische Schmalspurbahn-Museum Rittersgrün e.V..



Denn witzigerweise findet sich dort eine Mini-Ausstellung über den Meteoriten von Rittersgrün, der dort 1833 gefunden wurde und der jetzt mit weiteren Funden als Meteorit Steinbach (kommt vom Ortsteil Steinbach von Johanngeorgenstadt) bezeichnet wird. Diese Tafel und die Vitrine stehen gleich im Vorraum des Museums - man muss also nicht unbedingt eine Eintrittskarte lösen, wenn man sich das anschauen möchte - aber das Museum ist doch so interessant, das man einen kleinen Rundgang wagen sollte.



Hier mal die Details des Auffindens der 'Himmelssteines':







Dazu gibt es in der Vitrine einen Cast des Meteoriten - das Orginal befindet sich in der Bergakademie Freiberg.



Nun intessiert es ja einen, wo denn nun der Meteorit gefunden wurde. Im Museum findet man keine Details. Aber durch Zufall ist mir ein Wanderbericht in die Hände gefallen, der beschreibt, das es da eine Informationstafel gäbe. Deshalb machte ich mich auf in den Ortsteil Ehrenzipfel, dort wo der Fundort laut den Berichten lag:



Kurz hinter dem Ortseingangsschild - aus Rittersgrün kommend, bei den Koordinaten N50°27.421' E012°49.688' befindet sich nahe der Grenze zu Tschechien ein Parkplatz, wo man das Auto abstellen kann. Von dort folgt man dem rot/blau Wanderweg in nordöstliche Richtung etwa 500m (dazwischen gabelt sich der Weg - links halten). Dann plötzlich sieht man bei den Koordinaten N50°27.488' E012°50.080' ein großes Gebilde, das sich als Infotafel entpuppt:





Schaut man sich das von unten an (Standort neben der weissen Baracke im folgenden Panorama-Bild in der Mitte) bietet sich folgender Anblick. Das weisse Dreieck oben am Waldrand ist die Infotafel:




Also gut, oben stehend einmal rumgedreht bot sich nun folgendes Panorama. Irgendwo in der Mitte es Bildes auf der Weide wird wohl der Fundort gewesen sein.




Es war ein interessanter Ausflug und auch die Fundstelle war ziemlich spannend - zumal sie wohl nicht so allgemein bekannt ist.

Soviel erst mal - viele Grüße

  André



« Letzte Änderung: September 07, 2008, 01:06:48 vorm. von aknoefel »
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Offline gsac

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Re: Besuch in Rittergrün (Steinbach Meteorit)
« Antwort #1 am: September 07, 2008, 00:41:02 vorm. »
Sehr schön und informativ, André!  :applaus:

Alex

Offline Dirk

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Re: Besuch in Rittergrün (Steinbach Meteorit)
« Antwort #2 am: September 07, 2008, 00:54:31 vorm. »
Hallo Andrè  :winke: ,

ich schliesse mich dem Alex an  :super: . Klasse Bericht - man bekommt Lust, da auch einmal hinzufahren. Auf den Infotafeln haben mich die Daten sehr beeindruckt: der Steinbach-Meteorit hatte lediglich einen Durchmesser von 40cm - man benötigte aber 8 Wochen bis der erste Schnitt vollendet wurde und es wurden 14 Stahlsägeblätter verbraucht sowie 100kg Schmiergel  :eek: . Wahnsinn!!!!

 :user:
Dirk

Offline gsac

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Re: Besuch in Rittergrün (Steinbach Meteorit)
« Antwort #3 am: September 07, 2008, 01:02:34 vorm. »
Dirk und André,

ja, es macht Spaß, die hiesigen Fall-Örtlichkeiten mal zu besuchen. Neuschwanstein
war ja in aller Munde und natürlich war ich auch mehrfach dort. Ansonsten hat mich
mein GPS mal zum (ungefähren) Fundort des Bremervörde-Meteoriten geführt, und
am Treysa-Fundort bin ich auch gewesen, habe dort allerdings mangels mitgeführter
Detailinfos das vorhandene Denkmal nicht gefunden...

Viele andere Fall-Lokalitäten gilt es noch zu besuchen. Wenn der eine oder andere
schon dort war, wäre es doch toll, hier davon zu lesen oder gar Fotos zu betrachten.
Hanno hat das ja neulich schon hervorragend für den Krähenberg-Meteoriten gemacht.

Gute Nacht,
Alex

Offline Aurum

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Re: Besuch in Rittersgrün (Steinbach Meteorit)
« Antwort #4 am: September 07, 2008, 08:47:24 vorm. »
Hallo Andre' ,

Sehr schöner und informativer Bericht  :super:

Wie ich auf den Schautafeln die auf deinen Bildern waren ist versucht worden den Meteoriten zu schmelzen  :dizzy:
Dazu habe ich ein Paar Fragen .
1 : warum ist es eigentlich nicht gelungen ihn zu schmelzen , die Zusammensetzung ist ja nicht so ungewöhnlich ?
2 : Wie hat er die Hitze rein äußerlich überstanden ist die Oberfläche Anmgeschmolzen worden ?
3 : hat sich das Inneregefüge durch die Hitze verändert , sprich Rekristallisation Auflösung der Linien ?

Hoffe das ich nicht allzu neugierig bin .

Bis dann Lutz :winke:
Aller Anfang ist schwer !!

Offline Andreas Gren

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Re: Besuch in Rittersgrün (Steinbach Meteorit)
« Antwort #5 am: September 09, 2008, 11:32:30 vorm. »
Hallo Andre,

sehr schöner Bericht. möchte noch etwas zum möglichen Falldatum hinzufügen.

zitiere aus "Die Untersuchungen des Eisenmeteoriten von Rittersgrün" Dr. Clemens Winkler Halle 1878
Das Deckblatt , so wie "Analytische Belege" sind auf den Fotos der Schautafel zu sehen.

Auf Seite 3 heißt es: ...... ,dass man es hier mit einem und dem selben Meteoritenfall zu thun habe, vielleicht mit jenem "Eisenregen"welcher nach dem Berichte des Meissner Superintendent Sarctorius (gest.1609) zu Pfingsten des Jahres 1164 "im Meissnischen" stattgefunden haben soll. Otto Buchner verlegt dagegen das Erigniss auf die Zeit zwischen 1540 und 1550.

auch noch eine nette Anekdote:

Die Auffindung des Meteoriten von Rittersgrün erfolgte im Jahre 1833 durch einen mit Ackerroden beschäftigten Waldarbeiter, welcher ihn als "altes Eisen" sowohl dem Schmied des Dorfes als einem benachbartem Hammerwerk wiederholt,jedoch vergeblich, zum Kauf anbot,.....

leider kann ich nicht den ganzen Bericht Online stellen, da er 50 Seiten umfasst.

Gruß
Andi
"Without deviation from the norm, progress is not possible."
- Frank Zappa -

ironmet

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Re: Besuch in Rittersgrün (Steinbach Meteorit)
« Antwort #6 am: September 09, 2008, 11:57:55 vorm. »
Hallo André,

ja,da schließe ich mich wirklich allen an!
Sehr schöner Bericht. :super:

Was ich jetzt aber nicht verstehe? :gruebel:
So wie Andi hier schreibt und einige Daten zum Fall nennt,stellt sich
bei mir die Frage,wie lange oder wieviele Jahrhunderte bleibt denn wohl
so ein Einschlagkanal erhalten,das Karl August Reißmann ihm noch 1833
hat nachgraben können??? :gruebel:

Viele Grüße Mirko

Offline aknoefel

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Re: Besuch in Rittersgrün (Steinbach Meteorit)
« Antwort #7 am: September 09, 2008, 12:28:09 nachm. »
Hallo Mirko,

ich könnte mir das nur so vorstellen, das die Konsistenz der Erde eine andere war (vielleicht etwas lockerer?) und er nachgrub. Ein Loch wird da wohl in der Form nicht mehr gewesen sein - vielleicht eine flache Mulde?

Gruß
  André
« Letzte Änderung: September 09, 2008, 13:09:53 nachm. von aknoefel »
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ironmet

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Re: Besuch in Rittersgrün (Steinbach Meteorit)
« Antwort #8 am: September 09, 2008, 13:02:56 nachm. »
Hallo André,

na ja,oben auf Deinem 4.Foto (DieTafel in Nahaufnahme) steht,das er einen kleinen
Kanal entdeckte,dem er nachgrub!
Wenn da kein Kanal oder Loch gewesen wäre,hätte er ja auch nichts entdecken
können,wo er nachgraben müsste.
Und wenn dann dieser Kanal noch vorhanden war,hm,Hut ab über die Jahrhunderte!!
.....wundert mich nur?? :nixweiss:

Viele Grüße Mirko

H5P6

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Re: Besuch in Rittersgrün (Steinbach Meteorit)
« Antwort #9 am: September 09, 2008, 16:36:22 nachm. »
Hallo Mirko, :winke:

ich kenne Rittersgrün und Umgebung ganz gut,habe dort gelernt.In höheren Lagen besteht der Boden dort aus ein Gemisch von losen Felsgestein und Erde.Ich vermute,daß ein Einschußkanal noch in hundert Jahren wahrnehmbar sein kann,wenn man darauf achtet.
Hier im Flachland kann ich bestätigen,daß im Waldboden mit Kiesuntergrund nach 18 Jahren nichts mehr zu finden ist.
Ich habe erst im Juni die intensive Suche nach dem hiesigen Einschlagsloch aufgegeben.Na sagen wir, solange mir keine
neue Suchmethode einfällt.

Gruß Jürgen  :smile:

ironmet

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Re: Besuch in Rittersgrün (Steinbach Meteorit)
« Antwort #10 am: September 10, 2008, 21:11:57 nachm. »
Hallo Jürgen,

na ja,100 Jahre wäre vielleicht noch vorstellbar!
Aber in dem Fall reden wir ja von einer Zeitspanne von 300 -700 Jahre !!

Viele Grüße Mirko

Jens ohne z

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Re: Besuch in Rittersgrün (Steinbach Meteorit)
« Antwort #11 am: September 10, 2008, 21:47:43 nachm. »
Hallo Metfreunde,

jetzt hab ich mal meine Festplatten nach dem Rittersgrüner Meteoriten durchsucht und tatsächlich etwas gefunden!

Abbildung des Meteoriten von Rittersgrün. - Von der k. Bergakademie zu Freiberg geschenkt.
Eine Tafel von circa 50 Cm. Breite auf 40 Cm. Höhe, welche in natürlicher Grösse einen Hauptschnitt des Eisen-Meteoriten in Farbendruck zeigt, der 1833 zu Rittersgrün im sächsischen Erzgebirge von einem Waldarbeiter beim Ackerroden zufällig aufgefunden wurde.
Das Hauptstück von 110 Pfund, welches, nach dem zwei Monate in Anspruch nehmenden, durch Hörnes in Wien beaufsichtigten Schnitte, übrig blieb, wurde der Sammlung der Bergakademie in Freiberg einverleibt, — die Abfallstücke von zusammen 48 Pfund wurden theils verschenkt, theils (das Loth zu 2 Thlr.) auf den Markt gebracht.
Etwa 3/10 des Volumens betrugen Meteoreisen, die übrigen 7/10 eine unmetallische, zumeist aus Bronzit bestehende braune Masse.

Aus: Vierteljahrsschrift der Naturforschenden Gesellschaft in Zürich - 1878


Der Eisenmeteorit von Rittersgrün.
In den Bereich von Section Johanngeorgenstadt fällt die Fundstelle  des bekannten Rittersgrüner Eisenmeteorites.
Der betreffende Punkt liegt am linken Gehänge des Pöhlwassers nahe dem Ostrande der Karte und ist auf dieser näher bezeichnet.

Das  Fundstück bestand aus einem, im mittleren Durchmesser einige  40 cm betragenden, 86 kg schweren Klumpen von unregelmässiger  Form, oberflächlich mit einer über l mm dicken Rinde von bräunlichgelbem,  ockerigem Brauneisenerz bedeckt, unter welcher eine  aus Magneteisenerz bestehende, pergameutstarke, sogenannte Braridrinde sich befand. 

Das Stück ergab als Ganzes ein spec. Gewicht  von 4,29 und erwies sich dem Volumen nach aus circa 3/10 Eisen  und 7/10 einer braunen, unmetallischen Masse zusammengesetzt,  welche vorherrschend aus Hypersthen und Bronzit besteht,  worin reichlich Magnetkies und spärlich Schreibersit eingesprengt  ist. Bei Behandlung mit Salzsäure bleibt ausser dem  Schreibersit und Bronzit noch eine weisse Substanz als unlöslich  zurück, die lediglich aus Kieselsäure besteht und mit dem Asmannit übereinstimmt. Der Bronzit  erscheint meist in krystallinischen  Körnern; die im Magnetkies eingesprengten sind ebenflächig, während  die mit dem Eisen verwachsenen gekrümmte Flächen zeigen.
 
Farbe:  leberbraun, oliven- bis pistaziengrün, z. Th. fast honiggelb. Spec.  Gewicht 3,39. Das von den übrigen Gemengtheilen möglichst befreite  Eisen von 7,60 spec. Gewicht ergab nach Dr. C. RÜBE folgende  Zusammensetzung: 

Eisen 87,31
Nickel 9,63
Kobalt 0,58
Phosphor 1,37
Kalkerde 0,25
Magnesia 0,15
Kieselsäure 0,98
----------
100,00


Aus: 1885 - Erläuterungen  geologischen Specialkarte  Königreichs Sachsen. Section Johanngeorgenstadt, S. 129 -130

Grüße
Jens

H5P6

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Re: Besuch in Rittersgrün (Steinbach Meteorit)
« Antwort #12 am: September 11, 2008, 10:15:34 vorm. »
Hallo Mirko, :winke:

wenn man davon ausgeht,daß der Hang als Ackerfläche genutzt werden sollte,müßte man meinen,daß sich der dort befindene Erdboden durch Regenanschwemmung aus höheren Lagen angesammelt hat.Das würde aber ausschließen,daß jemand noch nach über hundert Jahren ein zugeschwemmtes Einschlagsloch als beachtenswert wahrnimmt.
Also ist der Fall auch in diese Zeitspanne zu datieren,würde ich sagen.

Gruß Jürgen :smile:

Offline aknoefel

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Re: Besuch in Rittersgrün (Steinbach Meteorit)
« Antwort #13 am: Juni 25, 2009, 13:05:42 nachm. »
Wer Interesse an der Veröffentlichung

Die Untersuchung des Eisenmeteorits von Rittersgrün von Dr. Clemens Winkler (1878)

hat, kann ein 3MB großes PDF-File bei mir abrufen:

http://www.astroamateur.de/Rittersgruen/Winkler_Meteorit_Rittersgruen_1878.pdf

Gruß
  André
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Offline MetGold

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Re: Besuch in Rittersgrün (Steinbach Meteorit)
« Antwort #14 am: Juni 25, 2009, 14:31:05 nachm. »
Hallo André,

danke, daß du mit deinem Beitrag das Thema wieder hervorgeholt hast. Aus irgend einem unerklärlichem Grund ist das im letzten Jahr völlig unbemerkt an mir vorbeigegangen.

Ein sehr schöner (Bild-)bericht!  :super:


 :winken:   Metgold
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