Autor Thema: Diogenite mit Glitzerfaktor  (Gelesen 4003 mal)

Offline MarkV

  • Generaldirektor
  • *
  • Beiträge: 1385
Diogenite mit Glitzerfaktor
« am: November 02, 2008, 14:30:58 nachm. »
Hallo,
Diogenite sehen ja sehr verschieden aus, obwohl sie alle fast nur aus Orthopyroxen bestehen. Bilanga ist eher eintönig grünlichgrau. Hier glitzern die Kristalle kaum. Tatahouine besteht aus einzelnen sehr grossen Kristallen - ebenfalls kein Glitzereffekt. Nur bei Johnstown und einigen anderen Diogeniten hat man sehr viele Kristalle in verschiedenen Grössen. Im Licht glitzern die Kristalle sehr schön. Ich habe heute versucht, das typische Glitzern von Diogeniten wie Johnstown als Animation einzufangen. Neben Johnstown ist NWA 4302 (die quadratische Scheibe) sowie das bisher namenlose Individual von der München-Messe mit dabei:

http://www.parhelia.de/mets/vr/diogenites/diogenites.html

Zeigt doch auch mal eure Johnstowns. Gibt es noch andere NWA Diogenite, die ähnlich wie Johnstown aussehen?

Hoffentlich wird irgendwann mal ein richtig grosses Stück von solchen Diogeniten in der Wüste gefunden. Ich träum ja noch von einer grossen Vollscheibe von etwa 10x10cm oder einer Meteorite-Watch mit einem Zifferblatt aus dem Material.

Grüsse,
Mark

Offline Haschr Aswad

  • Direktor
  • ******
  • Beiträge: 719
    • Meteorite Recon
Re: Diogenite mit Glitzerfaktor
« Antwort #1 am: November 02, 2008, 15:36:28 nachm. »
schönes Exemplar. Der Refraktionsgrad an den Schnittflächen ist u.a. eine Frage der Größe der Pyroxene, die je nach Entstehungstiefe in der Schmelze unterschiedlich ausgeprägt ist.

Anbei einige Vergleichsstücke: http://www.meteorite-recon.com/de/meteorit_diogenit.htm

Unten noch einmal Bilanga (58g Individual) und ein 38g Endschnitt eines NWA-Diogeniten (Outat el Hadj), der gerade klassifiziert wird.

Grüße, Haschr

Offline lithoraptor

  • Foren-Veteran
  • *
  • Beiträge: 3894
  • Der HOBA und ich...
Re: Diogenite mit Glitzerfaktor
« Antwort #2 am: November 02, 2008, 16:23:24 nachm. »
Moin!

... und ein 38g Endschnitt eines NWA-Diogeniten (Outat el Hadj), der gerade klassifiziert wird.

Welches Mineral bildet denn die kleinen schwarzen (?) Kristalle am rechten Rand des Stückes?

Gruß

Ingo

Peter5

  • Gast
Re: Diogenite mit Glitzerfaktor
« Antwort #3 am: November 02, 2008, 16:41:17 nachm. »
Hallo ..

.. also mein NWA 1877 ("Olivine Diogenit" = Achondrit) besteht z.B. überwiegend aus Olivin (siehe meine Fotos unter Highlights..) und Pyroxen. Letzteres Mineral müsste dann auch bei den von Mark abgebildeten Stücken die mehr dunklen Stellen zeigen. Olivin geht wohl insgesamt mehr ins graugelbe, gelbe, bräunliche oder auch grüne. Außerdem gibt es dann noch die Feldspäte (heller).
Kamazit (Nickeleisen) müsste dann auch noch in jedem Stein-Meteoriten mit einem bestimmten Gehalt vorkommen. Daher sind alle Steinmeteorite wohl auch mehr oder weniger magnetisch. :smile:

Gruß Peter5 .. :winke:

Offline Haschr Aswad

  • Direktor
  • ******
  • Beiträge: 719
    • Meteorite Recon
Re: Diogenite mit Glitzerfaktor
« Antwort #4 am: November 02, 2008, 18:03:42 nachm. »
Moin!


Welches Mineral bildet denn die kleinen schwarzen (?) Kristalle am rechten Rand des Stückes?


Das wüßte ich auch gerne. Bisher liegt noch kein Dünnschliff dieses Materials vor. Unter dem Auflichtbino erinnern die Klasten an Schmelzgläser.

Offline lithoraptor

  • Foren-Veteran
  • *
  • Beiträge: 3894
  • Der HOBA und ich...
Re: Diogenite mit Glitzerfaktor
« Antwort #5 am: November 02, 2008, 21:04:45 nachm. »
Moin!
Unter dem Auflichtbino erinnern die Klasten an Schmelzgläser.

Das klingt ja spannend. Beim ersten Blick hatte ich an Chromit oder Magnetit gedacht, aber einer wirkt auf mich fast pentamer. Dann scheidet das wohl aus...

Halte uns BITTE auf dem Laufenden!

Gruß

Ingo

Thin Section

  • Gast
Re: Diogenite mit Glitzerfaktor
« Antwort #6 am: November 02, 2008, 21:08:29 nachm. »
Hallo "Diogenes" Gruppe,  :winke:

Doch, es handelt sich bei Diogeniten mit hoher Wahrscheinlichkeit um Chromit!


Bernd

Offline Haschr Aswad

  • Direktor
  • ******
  • Beiträge: 719
    • Meteorite Recon
Re: Diogenite mit Glitzerfaktor
« Antwort #7 am: November 03, 2008, 11:07:11 vorm. »

Doch, es handelt sich bei Diogeniten mit hoher Wahrscheinlichkeit um Chromit!

Das ist sicher das naheliegendste. Ich habe hier allerdings nur terrestrisches Chromit als Einschluss im Serpentinit zum Vergleich. Letzteres scheint kompakter und es fehlen die opaquen Einschlüsse. Ich warte auf den Dünnschliff.

Offline lithoraptor

  • Foren-Veteran
  • *
  • Beiträge: 3894
  • Der HOBA und ich...
Re: Diogenite mit Glitzerfaktor
« Antwort #8 am: November 03, 2008, 16:38:46 nachm. »
Moin!

Chromite lassen sich in jedem OC finden, sind also gar nicht so selten (zeigen häufig einen quadratischen bis rhombischen Anschnitt). Du hast da also bestimmt eine Menge "Aliens" zum Vergleichen Haschr.
Bei der Erzmikroskopie sind sie in der Regel nicht vollständig opak. Das gilt im Besonderen für dünne Splitter, diese können bräunlich bis rotbräunlich durchscheinen.

Gruß

Ingo

Offline Allende

  • Direktor
  • ******
  • Beiträge: 767
Re: Diogenite mit Glitzerfaktor
« Antwort #9 am: November 03, 2008, 19:11:16 nachm. »
Zeigt doch auch mal eure Johnstowns.

Hoi Mark

Hier meine Johnstown-Platte. Gltzerglitzer, ungefähr wie Weihnachten!

Und dann auch noch ein XL-Glitzerglitzer-Orthopyroxenbalken in meinem NWA 4034-Diogenit. Kleine, dünne NWA 4034-Teilscheiben mit Glitzereffekt habe ich noch abzugeben.

Gruss Allende

Thin Section

  • Gast
Re: Diogenite mit Glitzerfaktor
« Antwort #10 am: November 06, 2008, 00:39:20 vorm. »
Hallo Diogenes Gruppe :winke:

Mit einem solchen "Glitzerglitzer" Johnstown kann ich natürlich nicht konkurrieren aber dennoch möchte ich meine zwei ähnlich aussehenden ADIO Scheibchen hier im Forum präsentieren. Habe mich im Fliegerbräu mit MarkV angeregt über die Ähnlichkeit zwischen Johnstown und NWA 4302 unterhalten und denke gerne daran zurück, mit welcher Begeisterung und mit welchem Stolz MarkV seinen neuen NWA Diogeniten vorstellte. Nochmals herzlichen Glückwunsch zu diesem "showpiece"!  :super: Hier also das JPEG der beiden Diogenite:

Salve amici,

Bernd

Offline MarkV

  • Generaldirektor
  • *
  • Beiträge: 1385
Re: Diogenite mit Glitzerfaktor
« Antwort #11 am: November 06, 2008, 10:08:05 vorm. »
Habe mich im Fliegerbräu mit MarkV angeregt über die Ähnlichkeit zwischen Johnstown und NWA 4302 unterhalten und denke gerne daran zurück, mit welcher Begeisterung und mit welchem Stolz MarkV seinen neuen NWA Diogeniten vorstellte.

Hallo Bernd,
danke für's zeigen der Bilder. Welch ein Zufall, dass du auch ein Stück von NWA 4302 hast. Davon waren, soweit ich gelesen habe, weltweit nur 6 Scheiben verfügbar und das TKW ist magere 46 Gramm. Viel mehr bereits klassifizierte johnstownartige NWA Diogenite gibts ja offenbar nicht. Da sieht man mal wieder wie selten solche Meteorite sind. 6 Scheiben auf 6,7 Milliarden Menschen Weltbevölkerung ist wahrlich nicht viel. Zum Glück gibts so wenig Meteoritensammler  :smile: .

Das ist auch ein Grund, warum ich mich so über das frische und bekrustete Individual auf der Messe gefreut habe. Ich hätte nie gedacht, sowas mal zu besitzen. Ich hab auch noch nie so einen Meteoriten gesehen, nicht mal auf Bildern. NWA 4302 sah vielleicht vor dem Zerschneiden sehr ähnlich aus. Ansonsten gibts noch ein paar winzige Individuals von Johnstown im Museum von Denver ( http://www.meteorite-times.com/Back_Links/2008/june/johnstown.jpg ), nur wird man da als Sammler nie dran kommen.

Übrigens hat ein schweizer Sammlerkollege noch die fehlende Kappe von dem Individual für mich auf der München-Messe gesichert und es ist jetzt auch bei mir eingetroffen. Ich hatte dafür auf der Messe nicht mehr ausreichend Bargeld dabei und hatte auch keine EC Karte mit, um mir etwas am Automaten zu ziehen. Mein Leid hatte ich dann abends im Fliegerbräu beklagt und netterweise wurde das fehlende Stück am nächsten Tag gleich nach Öffnung der Börse für mich gekauft. Jetzt sind beide Stücke wieder vereint. :prostbier:

Grüsse,
Mark
« Letzte Änderung: November 06, 2008, 10:39:58 vorm. von MarkV »

Thin Section

  • Gast
Re: Diogenite mit Glitzerfaktor
« Antwort #12 am: Juli 15, 2009, 21:26:05 nachm. »
... nun mal wieder zurück zu den Diogeniten. Da der Shalka Diogenit ja in einem anderen Zusammenhang erst kürzlich Erwähnung fand, hier mal ein Bild meines "Shälkchens". Ich weiß nicht, ob man ihn in der Sparte "Diogenite mit Glitzerfaktor" unterbringen kann aber ich wollte nicht noch einen weiteren Diogenit-Thread aufmachen. Damit es nicht einfach bei einem hübschen Bildchen bleibt, hier mal einige Definitionen zu Diogeniten aus verschiedenen Quellen in der Übersicht:

- an achondrite meteorite of igneous origin primarily composed of orthopyroxene crystals as a cumulate; usually of hypersthene, bronzite, and ferrosilite [Norton O.R. (1998) RFS II, Glossary, p. 423.]

- an achondrite composed primarily of cumulus orthopyroxene [McSween H.Y., Jr. (1999) Meteorites and their Parent Planets, Glossary, p. 289.]

- an achondritic meteorite composed of magnesium-rich orthopyroxene cumulate. It may represent the upper mantle or lower crust of the asteroid 4 Vesta.
   [Norton O.R. 2002) Cambridge Encyclopedia of Meteorites, Glossary, p. 342.]  

- SEARS D.W. (1978) The Nature and Origin of Meteorites, p. 73: diogenites are almost pure pyroxene ...with very minor amounts of other minerals present in ordinary
  chondrites: olivine, troilite, metal, and chromite.

Ciao, Bernd  :winke:

Und hier isser:

Offline MarkV

  • Generaldirektor
  • *
  • Beiträge: 1385
Re: Diogenite mit Glitzerfaktor
« Antwort #13 am: Juli 17, 2009, 19:00:29 nachm. »
Hallo,
na dann nutze ich doch gleich mal diesen Thread, um die 47g Scheibe DHO 700 vorzustellen, die diese Woche bei mir eingetroffen ist. DHO 700 ist sowas wie ein Wüsten-Klassiker, den ich als Sammler von vorwiegend Wüstenmeteoriten unbedingt in meiner Sammlung haben wollte. Oben rechts ist eine Vertiefung zu sehen, bei der es sich wohl um ein Vesikel handelt, für die DHO 700 so bekannt ist. Die etwas dunklere Stelle unten links ist kein Einschluss, sondern der Rest von einem Aufkleber, auf dem das Gewicht der Scheibe stand   :crying:. Da muss ich wohl mal mit Alkohol ran.

http://www.parhelia.de/mets/dho700a.jpg

Hier noch ein Vergleichsbild, das zeigt wie unterschiedlich die Diogenite aussehen können. Links NWA 5613 (diese johnstownartigen Diogenite meine ich mit "Diogenite mit Glitzerfaktor", die anderen beiden würde ich nicht dazu zählen), dann DHO 700 und rechts NWA 4965.

http://www.parhelia.de/mets/dho700b.jpg

 :prostbier:

Viele Grüsse,
Mark

ironmet

  • Gast
Re: Diogenite mit Glitzerfaktor
« Antwort #14 am: Juli 17, 2009, 21:46:30 nachm. »
Hallo MarkV,

wow,die ist ja wieder in einer ordentlichen Größenordnung!!!!!!!!! :eek:
Schöne Scheibe!!!

Viele Grüße Mirko :prostbier:

 

   Impressum --- Datenschutzerklärung