Autor Thema: Goldrausch an der Elbe?  (Gelesen 1730 mal)

Jens ohne z

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Goldrausch an der Elbe?
« am: Dezember 15, 2008, 12:28:31 Nachmittag »
Goldrausch an der Elbe?

Bergung ist noch schwierig und kostspielig - Warten auf bessere Zeiten

Dresden/dpa. Der langanhaltende Run auf Rohstoffe hat Erinnerungen an alte Zeiten geweckt. Als im 19. Jahrhundert in Nordamerika das Goldfieber ausbrach und zehntausende Glücksritter anlockte, wurden Legenden geboren. Der einsame Goldsucher am Klondike River hat so überlebt, theoretisch ist sein Pendant auch in Sachsen denkbar: In den Sedimenten der Elbe lagert neben Silber, Platin, Palladium, Osmium, Iridium und Titan sogar Gold. Nach Angaben des Sächsischen Oberbergamtes gibt es dort gemessen an der Vielfalt die meisten Rohstoffe in Ostdeutschland. Doch ihre Bergung ist noch schwierig und kostspielig. Zudem sorgt die Wirtschaftskrise für geringere Nachfrage. So ist Warten auf bessere Zeiten angesagt.

2005 bekam die BEAK Consultants GmbH Freiberg eine Erlaubnis zur Erkundung der Elbe bei Dresden. Natürlich geht es hier nicht um Goldwaschen im klassischen Sinn. Vielmehr könnte das Edelmetall als Nebenprodukt aus der Kiesförderung gewonnen werden. Inzwischen sind die Freiberger zur Erkenntnis gelangt, dass sich ein Goldabbau derzeit kaum lohnen dürfte. Die goldführenden Sedimente liegen bis 60 Meter tief und sind sehr ungleichmäßig verteilt, die Gehalte zudem niedrig. «Das macht den Abbau kompliziert», sagt Firmenchef Andreas Barth. Allerdings seien die Untersuchungen noch nicht beendet.

Auch nach Ansicht des Sächsischen Oberbergamtes ist die Goldförderung derzeit nicht lukrativ. Doch Präsident Reinhard Schmidt glaubt an eine Renaissance des Bergbaus. Kupfer, Wolfram, Flussspat und Zinn seien Rohstoffe, ohne die moderne Branchen heute kaum auskommen. Die Fluorchemie benötigt Flussspat für Produkte wie Goretex und Teflon. Wolfram wird als Hartmetall beispielsweise im Werkzeugbau geschätzt. Wolframkarbid ist das einzige Material, das es mit Diamanten an Härte aufnehmen kann.

«Mit der Entwicklung der Rohstoffpreise sind wieder Metalle ins Blickfeld gerückt, deren Abbau schon Geschichte schien», erklärt Schmidt. Gerade Sachsen besitzt viele polymetallische Lagerstätten. Sie enthalten neben einem Hauptmineral wie Zinn oder Wolfram - noch andere Metalle in geringerer Konzentration. Doch genau dieser Umstand macht sie heute interessant. «Da diese Metalle selten vorkommen, sind sie besonders wertvoll. Sie werden nicht in Tonnen, sondern in Kilogramm gehandelt», sagt Sachsens oberster Bergmann.

Eine der zwölf Bergbauberechtigungen, die Sachsen in den zurückliegenden Jahre erteilt hat, erwarb das Unternehmen Tinco Exploration Inc. Den Kanadiern geht es um die früheren Zinngruben in Altenberg. Die Stadt im Osterzgebirge besaß bis 1991 neben Ehrenfriedersdorf die letzte Metallerzgrube in Ostdeutschland. Noch immer werden dort bis zu 130 000 Tonnen Zinn und 52 000 Tonnen Rubidium vermutet. Wegen knapper Finanzen und der zuletzt sinkenden Rohstoffpreise sei es jedoch schwer geworden, Rohstoffquellen zu erforschen, sagt Tinco-Vizepräsident Rainer Lehne.

Selbst namhafte Unternehmen würden solche Vorhaben derzeit aufgeben oder zurückstellen, sagt Lehne. «Dies wird in absehbarer Zukunft unweigerlich zu einer weiteren Verknappung von Rohstoffen führen.» Deshalb wolle Tinco alles daransetzen, die Arbeiten im Osterzgebirge 2009 weiterzuführen - als Basis für einen Abbau in besseren Zeiten.



Quelle: http://www.mz-web.de/servlet/ContentServer?pagename=ksta/page&atype=ksArtikel&aid=1229322404382&openMenu=1013016724684&calledPageId=1013016724684&listid=0


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