Autor Thema: Wieviele ausgeprägt-orientierte Meteorite kennt Ihr?  (Gelesen 29061 mal)

Offline Aurum

  • Foren-Guru
  • *
  • Beiträge: 4937
    • Mehr über mich
Re: Wieviele ausgeprägt-orientierte Meteorite kennt Ihr?
« Antwort #105 am: Dezember 29, 2006, 23:02:15 nachm. »
Hallo Speci-Man

Hier möchte ich mal Hanno unterstützen , wenn sich Material ablöst fällt der Meteorit immer noch mit Überschallgeschwindigkeit , jedes Material das sich da ablöst wird Zersteubt und wirklich zu Staub. Hierbei meine ich geschmolzenes oder weiches Material .
Das ist so als wenn du versuchst bei Sturm ein Glas Wasser aus zu schütten in einen Eimer , der Wind bläst alles weg und nichts wird wirkich nass da sich das Wasser wie Nebel verteilt und überall hingeblasen wird .

So ich hoffe das war nun kein schuss in den Eimer, bis dann Lutz  :winke:
Aller Anfang ist schwer !!

Offline APE

  • Generaldirektor
  • *
  • Beiträge: 1056
  • Spezialist für Meteor- und Meteoritenkunde
    • European Research Center for Fireballs and Meteorites
Re: Wieviele ausgeprägt-orientierte Meteorite kennt Ihr?
« Antwort #106 am: Dezember 30, 2006, 06:05:09 vorm. »
Hi Leute,

super Diskussion!  :streit:

Die Fragen und Antworten sind echt gut!  :super:

Weiter so, an alle!!!


Da ich ja meine Schnauze nich halten kann, und ich auch schon mal als "Met-Flug-Begleiter" betitelt wurde, möchte ich Euch nicht enttäuschen.
Hier meine Reportage zum Ereignis:
 :user:

Ich schätze mal, das beide OriMets zu aller erst normale Individuals waren, denn sie sind auch Hinten stark gerundet. Doch taumelten beide schon immer über den später geprägten Kopf, also pfeilartig und kamen schließlich zum orientierten Sturzflug! Ich bin mir sicher, daß beide Meteorite trotz ihres geringen Gewichtes, eine etwas zu lang geratene orientierte Prägungsphase hatten, da ihre Flugposition und auch die Form einen sehr geringen Fallwiderstand zur Folge haben. Ich wette, solche länglichen Meteorite sind bis zum Aufschlag verdammt schnell unterwegs und verbleiben auch in dieser Flughaltung. Der große Unterschied zwischen beiden besteht vor allem im Gewicht. Der Kleine (Gewichtsklasse: "Flugorientierte Chondre"  :einaugeblinzel:) hat nur 2,78g und ist viel genauer fotografiert worden. Der Große ist mit 17,6g eine ganz andere Gewichtsklasse. Auch er hat die gleiche Prägung ab bekommen, ist aber nicht so symmetrisch geformt -> größere Frontseite -> bessere Abbremsung ...
Ich glaube (ha! und das als alter Atheist  :lacher:), daß beide ihre Prägung vor allem erst im hier nicht ganz ablationsfreien Überschallflug bekamen, da sie wie tropfende Kerzen vorne zum Schmelzen gebracht wurden. Die dünne Schmelze wird weggerissen und versprüht. Der zähe und klebrige Rest bildet die Flow Lines bis zur Kante. Hinten blieben die Meteorite unbelastet und kalt. Was heißt KALT?! Die Wärmeleitung bei diesen kleinen Stücken ist nicht mehr unrelevant, denn der Kleine ist nicht mal ein Zentimeter lang! Der ist durchgeglüht worden und vollständig rekristallisiert. Der Große hat vielleicht eine Länge von 3cm und ist mit Sicherheit mehr als handwarm gewesen. Doch vollständig rekrisallisiert ist der nicht. Ich schätze mal, das erste Drittel hat kurz geglüht. Dann der Wärmeausgleich, hm ja Windkühlung im Unterschall ... naja -
Ich habe keine Ahnung, wie heiß die noch waren, als sie unten aufschlugen ...  :gruebel: (zu viel Unbekannte)

Aber man kann noch einen schönen Effekt in den Fotografien sehen!
Öffenet bitte mal beim "Kleinen" das Foto Nr.4 und beim "Großen" das dritte Foto in einem neuen Tab.  :fluester:
Beide OriMets sind zuerst stärker belastet worden und hin zum Ende des Überschallfluges immer weniger. Klaro!
Zu erst, bei stärkster Belastung, ist der Winkel der Stoßfront viel spitzer als zum Ende hin bei schwacher Belastung. Und genau das kann man eben auf den Bildern sehen!  :wow:
Nach dem der wulstige Kopf mit seiner Belastungskante entstanden war, wanderte diese Grenze, an der die Schmelze von der Meteoritenoberfläche weggerissen wird, immer weiter nach vorne, da die Schockfront (bei Geschwindigkeitsabnahme) sich immer mehr öffnet (von der Seite her gesehen) und somit kann sie den Meteoriten immer weniger umschliessen. Der Kopf wird somit immer weiter und flacher geformt! Und diese Prägungsart ist eben auch ganz vorne als letztes beendet! Die zähflüssige Schmelze aber, eben noch voll belastet in der Schockfront, bleibt plötzlich doch seitlich am Meteoritenkopf hängen, da dieser insgesamt abgebremst wurde. So entstanden die schönen Flow Lines letztlich durch die Kraft der Oberflächenspannung jener Flüssigkeit zwischen "Kopfkante" (hinteres Ende des Kopfes) und vorderster "Kopffront", welche ja bis zum Schluß schön glatt gepustet wurde ...

Ja - vielleicht ist die Schmelze dort noch zähflüssig gewesen, als der Unterschallflug begann, und die Aerodynamik wieder funktionierte und die Luft endlich besser an der Oberfläche des Meteoriten vorbei strömte. Der Überschallflug und jene Abbremsungsphase ist ja auch normalerweise sehr schnell vorbei. Wie gesagt, vielleicht sind die Flow Lines hier sogar aerodynamisch entstanden! He, coole Theorie ...  :gruebel:

Sind am "Großen" sogar Schmelztrofpen an den Seitenflächen zu sehen? Was meint Ihr dazu!?

Ach ja, "sekundäre Flugphase" - Willi meine: "... Ist es nicht denkbar, dass diese Energie die große Eisenstücke verbiegt, bei sehr kleinen Stücken ausreicht sie aufzuschmelzen? ..."
Nein, sage ich, da die Energie vom Impuls abhängt und hier eben keine Schmelze erzeugt wurde, denn die Schrapnelle und auch das Gestein im Erdboden waren nicht geschmolzen ...

Beste Grüße
Thomas
Grau ist alle Theorie ...

ironmet

  • Gast
Re: Wieviele ausgeprägt-orientierte Meteorite kennt Ihr?
« Antwort #107 am: Dezember 31, 2006, 00:19:46 vorm. »
Hallo Freunde,
nur nochmal ergänzend zu Hanno´s Aussage.
Es gibt wirklich Stücke,die beim Flug so warm wurden,das die Widmanstättschen Figuren im Randbereich schon rekristallisiert wurden.
Man kann also schon durchaus von glühend heiß sprechen.
Somit ist auch belegt,das manche Stücke doch schon sehr heiß geworden sein müssen,das entweder der Randbereich oder aber auch fast das komplette Stück rekristallisiert wurde!!
Solche Stücke sind aber für gewöhnlich selten zu finden und sind auch nicht die Regel.
Ich füge hier mal ein Bild aus meiner Sammlung ein.
Es ist ne Scheibe von Henbury.
Diese Scheibe zeigt eine fast komplette Rekristallisierung!! :super:
Nur noch in der Mitte sind die für Henbury typischen Strukturen erkennbar.
Diesem Stück muß also beim Flug durch unsere Atmosphäre schon sehr warm geworden sein!!!

Viele Grüße Mirko :prostbier:


ironmet

  • Gast
Re: Wieviele ausgeprägt-orientierte Meteorite kennt Ihr?
« Antwort #108 am: Dezember 31, 2006, 00:25:49 vorm. »
Ach vergessen,
wer ebenfalls Interesse an einem rekristallisierten Stück hat,der kann mal in der Rubrik Verkauf und Tausch schauen. :wow:
Ich werde dort heute mal drei rekristallisierte Stücke zum Verkauf anbieten.
Zum einen gibt es zwei fast komplett rekristallisierte Endstücke von Henbury zu erweben und zum anderen biete ich eine wirklich sehr schöne Scheibe von Henbury mit einer ähnlich starken Rekristallisierung wie bei der meinigen an. :super:

Viele Grüße Mirko :prostbier:


Offline MetGold

  • Privater Sponsor
  • Foren-Fossil
  • *****
  • Beiträge: 8471
  • www.meteorite.de
    • Der Meteoritenjäger von Apolda
Re: Wieviele ausgeprägt-orientierte Meteorite kennt Ihr?
« Antwort #110 am: Januar 03, 2007, 15:08:09 nachm. »
Hallo Plagioklas,

da hast du absolut recht, da haben wir auch schon 2 Seiten vorher drüber diskutiert!  Langsam wird das Thema wohl zu lang und zu unübersichtlich.

 :winke:  MetGold   :alter:


Hallo,

wenn ich jetzt genug money flüssig hätte. Guckt euch mal das Stück an, ist das nicht allererste Sahne !?

http://cgi.ebay.com/ws/eBayISAPI.dll?ViewItem&item=130063357771   :eek:

 :user:  MetGold   :alter:
Ein ereignisreicher Tag ist mehr als namenlose Jahre - (Spruch aus einem chinesischen Kalender)

Offline APE

  • Generaldirektor
  • *
  • Beiträge: 1056
  • Spezialist für Meteor- und Meteoritenkunde
    • European Research Center for Fireballs and Meteorites
Re: Wieviele ausgeprägt-orientierte Meteorite kennt Ihr?
« Antwort #111 am: Januar 05, 2007, 15:20:35 nachm. »
Ach ja -  schaut mal was ich da habe ...

Villalbeto de la Pena Nr. 25

(siehe auch http://www.jgr-apolda.eu/index.php?topic=521.0  )

Von dem habe ich noch zwei Kopien ...

Gruß Thomas
Grau ist alle Theorie ...

Offline APE

  • Generaldirektor
  • *
  • Beiträge: 1056
  • Spezialist für Meteor- und Meteoritenkunde
    • European Research Center for Fireballs and Meteorites
Re: Wieviele ausgeprägt-orientierte Meteorite kennt Ihr?
« Antwort #112 am: Januar 05, 2007, 15:22:57 nachm. »
Ja und hier noch die Rückseite ...

... Was ist da den dran?!    :dizzy:

bis dann
Thomas
Grau ist alle Theorie ...

ironmet

  • Gast
Re: Wieviele ausgeprägt-orientierte Meteorite kennt Ihr?
« Antwort #113 am: Januar 10, 2007, 01:27:48 vorm. »
Hallo Thomas,

sind denn das hier jetzt die Bilder vom Original oder sind das Bilder von einer der Kopien?

Ich kann das optisch schon garnicht mehr auseinanderhalten!

Viele Grüße Mirko

PS: Diesen orientierten Stein finde selbst ich als Eisen-Fan absolut genial.
     Wenn der nur nicht so sündhaft teuer wäre! :fluester:
     Leider aber für mich unbezahlbar!

Viele Grüße nach Bernau,
Mirko

Offline APE

  • Generaldirektor
  • *
  • Beiträge: 1056
  • Spezialist für Meteor- und Meteoritenkunde
    • European Research Center for Fireballs and Meteorites
Re: Wieviele ausgeprägt-orientierte Meteorite kennt Ihr?
« Antwort #114 am: Februar 06, 2007, 15:13:32 nachm. »
Hallo Ori-Met-Fan´s,

letztens habe ich endlich mal einen schon zerbrochenen OriMet geschliffen und poliert. Ich bin froh, daß ich dies gemacht habe, denn das Ergebnis ist sehr befriedigend ...  :smile:

Auf dem Bild kann man den halbierten "knopfartig - orientierten" Meteoriten sehen, wobei unten die Front- und oben die Rückseite ist. Das Material sollte ein L- oder H-Chondrit (unklassifizierter NWA - W2) sein, schätze ich mal. Auf der Frontseite befindet sich kaum Schmelze und die Kruste ist sehr dünn. Ist ja auch kein Wunder, der Flugwind weht alles flüssige hinfort ...
Auf der Rückseite hingegen ist die Schmelzkruste sehr dick und sogar blasig, denn braun ist ungeschmolzenes Material und schwarz die Schmelze ... (weiß ist der Rest der Politur, die leider unerreichbar noch in den Lücken und Löchern des Meteoriten verblieb  :traurig:)
Unten links ist noch eine große angeschmolzene Chondre zu sehen ...

Das vor allem die Kanten so eine große Ablagerung an Schmelze entstehen lassen, ist vielleicht nicht gleich jedem klar. Doch wenn man sich überlegt, das die Schmelze nur in der Überschallphase entstehen kann, wo eine Schockfront strahlenartig nach hinten weg geht, dann kann sozusagen neben und hinter dem Meteoriten kaum eine Kraft wirken (es herrscht Vakuum). Erst im Unterschallflug umschließt die Luft das Objekt wieder und nun sind vor allem diese Kannten die hochbelasteten Teile des Meteoriten. Deshalb werden wohl öfters größere sehr flache Meteorite (z.B. die ausgeprägt-schildartigen OriMet´s) erst beim Übergang vom Über- zum Unterschallflug zerspringen, was bei diesem Beispiel eben natürlich sehr verdrießlich ist ...  :crying:

Beste Grüße
Thomas
Grau ist alle Theorie ...

astro112233

  • Gast
Re: Wieviele ausgeprägt-orientierte Meteorite kennt Ihr?
« Antwort #115 am: Februar 06, 2007, 18:00:08 nachm. »
Hallo Thomas,

die verbliebenen Reste des Politurmittels könntest du berührungsfrei in einem Ultraschallreinigungsgerät entfernen. Juweliere und Zahntechniker haben solche Geräte im Einsatz. Dürfte der Kruste wohl keinen Schaden zufügen.

Gruß Konrad
  :winke:

Offline Aurum

  • Foren-Guru
  • *
  • Beiträge: 4937
    • Mehr über mich
Re: Wieviele ausgeprägt-orientierte Meteorite kennt Ihr?
« Antwort #116 am: Februar 06, 2007, 18:50:44 nachm. »
-Hallo Thomas, hallo Komrad

Dein Tipp mit dem Ulrtaschallreiniger ist schon recht gut , da ich aber selber einen besitze weiss ich auch das diese mit Wasser und Spülmittel gefüllt werden .
Das kommt bei einen Meteoriten nicht so gut zumal durch den Ultraschall das wasseer in die Kleinsten Poren gedrückt wird .
Altanativ zum Wasser würde ich Balistol nehmen und das Spülmittel weglassen ( Mist die Idee ist mir gerade erst gekommen hätte ich auch für den Langzeit Versuch verwenden können)

Schaden kann es nicht bei Stein Meteoriten würde ich den Ultraschall gans wegrlassen wer weiss was da im Inneren pasiert .

  Bis dann Lutz  :winke:
Aller Anfang ist schwer !!

ironmet

  • Gast
Re: Wieviele ausgeprägt-orientierte Meteorite kennt Ihr?
« Antwort #117 am: Februar 06, 2007, 19:56:55 nachm. »
Hallo Lutz,

bitte kein Ballistol bei Steinmeteoriten verwenden!!!!! :ehefrau:

Wenn,dann nur bei Eisen!

Ultraschallbad ist ne gute Idee,dann aber mit Alkohol!

Viele Grüße Mirko

Offline APE

  • Generaldirektor
  • *
  • Beiträge: 1056
  • Spezialist für Meteor- und Meteoritenkunde
    • European Research Center for Fireballs and Meteorites
Re: Wieviele ausgeprägt-orientierte Meteorite kennt Ihr?
« Antwort #118 am: Februar 07, 2007, 01:08:53 vorm. »
Ach ja!

 :unfassbar:

Ultraschallgerät - hab ich doch !!!

Wo ist es denn gleich?
Na da hinten irgendwo - schätze ich  :gruebel:

Danke für den Tip!
 :super:
Natürlich:
Alkohol ist der Sanitäter für den Met
Alkohol nehm ich dann, wenn nichts mehr geht

Gruß Thomas
Grau ist alle Theorie ...

Mettmann

  • Gast

 

   Impressum --- Datenschutzerklärung