Autor Thema: Steinheimer Becken & Nördlinger Ries - Zwei unabhängige Impaktereignisse?  (Gelesen 8838 mal)

Offline hugojun

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Re: Steinheimer Becken & Nördlinger Ries - Zwei unabhängige Impaktereignisse?
« Antwort #30 am: Februar 17, 2021, 14:18:06 Nachmittag »


...Und dann zu den „planaren Deformationsmerkmalen“ von Buchner et. al (2020): Die sollten meiner Meinung nach von einem absolut anerkannten Fachmann untersucht, ausgewertet und dann interpretiert werden (ggf. in einem einzelnen separaten Paper, nicht als mündliche Mitteilung). Ich erinnere nur an die über Jahre anhaltende Diskussion zur Graupensandrinne (Buchner – Schweigert – Seyfried) oder noch weiter zum „Chiemgau-Impakt“ (Ernstson und andere). Eine rein optische Ähnlichkeit führt sehr schnell zu einer Überinterpretation und schließlich Fehlinterpretation (z. B. „Chiemgau-Impakt“ und andere „Meteoritenkrater“, siehe auch Link: http://www.impaktstrukturen.de/publikationen/andere-publikationen/sind-gebogene-planare-deformationsstrukturen-pdfs-keine-pdfs/). Man möchte fast meinen, dass überall im Erosions- und Alpenschutt „planare Deformationsmerkmale“ gefunden werden; zumindest, wenn nach diesen gesucht wird. Nun ja.


Hallo Oliver ,
etwas spät aber vielleicht noch nützlich ist der Hinweis zur Beurteilung von durch Schock verursachte PDF´s .
PDF´s sind nicht per se Indikatoren für Impakt Events.
Die erforderliche Energie eines solchen Ereignisses, schlägt sich nieder in der statistischen Verteilung der durch den Impakt hervorgerufenen
 planaren Gitter Translationen, entlang der kristallografisch möglichen Gitterscharen.
Der Translationen entlang einer Richtung bedürfen womöglich weniger Energie als die entlang einer Anderen.
Relevant für die Beurteilung der PDF´s ist die statistische Häufung der Translationen in den
Ebenen (101‾3 ) und (10‾12).

http://www.meteorimpactonearth.com/PDF%20files/Pub07_Ferriere%20et%20al_MAPS_2009_Universal-stage%20&%20SOM.pdf

Anhand ihrer Häufigkeit können sie gegen die nötig gewesene Energie kalibriert werden.
Die Auffindung von PDF´s  ohne Statistische Auswertung ist kein Beweis für einen Impact.

Nochmal , ich stelle nicht den Impact für ´s Nördlinger Ries in Frage ,es geht nur um die Einordnung der PDF´f

als Indikator.

LG
Jürgen
« Letzte Änderung: Februar 17, 2021, 14:56:31 Nachmittag von hugojun »

Offline Riesgeologie

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Re: Steinheimer Becken & Nördlinger Ries - Zwei unabhängige Impaktereignisse?
« Antwort #31 am: Februar 17, 2021, 17:10:33 Nachmittag »
"... Anhand ihrer Häufigkeit können sie gegen die nötig gewesene Energie kalibriert werden.
Die Auffindung von PDF´s  ohne Statistische Auswertung ist kein Beweis für einen Impact.

Nochmal , ich stelle nicht den Impact für´s Nördlinger Ries in Frage ,es geht nur um die Einordnung der PDF´f
als Indikator."





Hallo Jürgen,

genau das ist der Punkt, den ich damit andeuten wollte. Bereits als Student habe ich gelernt, dass PDF´f nicht automatisch "Impakt" bedeutet. Leider haben dies auch studierte Leute nicht immer verinnerlicht. Wie Du schon geschrieben hast: PDF´f sind bestenfalls Indikatoren, noch kein eindeutiger Beweis! Diese Erkenntnis ist bisher noch nicht überall durchgedrungen. Leider.
Viele Grüße

Oliver
 :hut:
Everything should be made as simple as possible, but not simpler. A. Einstein

Offline karmaka

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Re: Steinheimer Becken & Nördlinger Ries - Zwei unabhängige Impaktereignisse?
« Antwort #32 am: Februar 05, 2022, 11:29:51 Vormittag »
Neues zu Wahrscheinlichkeiten

The Probability for Independent Impacts of the Ries and Steinheim Craters

Schmedemann N., Hiesinger H.

LINK

Offline hugojun

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Re: Steinheimer Becken & Nördlinger Ries - Zwei unabhängige Impaktereignisse?
« Antwort #33 am: Februar 05, 2022, 13:18:21 Nachmittag »
Hallo Martin,
danke für den Link zum Artikel.
Die Autoren beziehen sich bei den Wahrscheinlichkeits-Rechnungen auf Veröffentlichungen aus dem Jahr 1994.
Zum Paneth Kolloquium 2019 gab es einen Vortrag zur Berechnung der Alter von Oberflächen Planeten, Asteroiden und Monde.
Bei der klassischen Methode über die Anzahl und Größe der Krater auf Oberflächen verschiedenen Alters wurde die Verteilung
gegen die absoluten Alter der Apollo -Mondproben kalibriert. Diese klassische Methode erfuhr aber eine Korrektur hinsichtlich der
Zählung der kleineren Impakt-Krater. Ab einer bestimmten Größe (Kleinheit) ist es nicht mehr auszuschließen, dass ein Impakt
Krater einen sekundär Einschlag durch ein größeres Event darstellt.
Die statistischen Grundannahmen zur Verteilung haben sich also geändert, wahrscheinlich würden die neueren Annahmen die
Arbeit von Schmedemann und H. Hiesinger zu ihren Gunsten korrigieren,
da die Gesamtzahl der Einschläge  scheinbar geringer war.

Mich würde interessieren, ob die Ausdehnung (gegenseitige Abstände des Umlaufsystems, Hauptmasse und Begleiter ) des Asteroiden
mit Begleiter, die das Steinheimer Becken und den Ries Krater gebildet haben, bekannt sind, z.B. ab welcher Größe des Systems bestünde
die Möglichkeit, dass einer der beiden Asteroiden die Erde verfehlen würde? Ist ein solch „großes“ System   aufgrund der angenommenen
 Massen der beiden Körper möglich?

Vielleicht kennt ja ein Forumsmitglied veröffentlichte Arbeiten zu diesen Themen und Fragen und stellt sie hier im Forum vor?

LG
Jürgen

Offline karmaka

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Re: Steinheimer Becken & Nördlinger Ries - Zwei unabhängige Impaktereignisse?
« Antwort #34 am: November 03, 2022, 18:28:12 Nachmittag »
Neues zum Thema, heute veröffentlicht.

Event- and biostratigraphic evidence for two independent Ries and Steinheim asteroid impacts in the Middle Miocene

Elmar Buchner, Volker J. Sach & Martin Schmieder

Scientific Reports, Volume 12, Article number: 18603

LINK (OPEN ACCESS)
PDF (OPEN ACCESS)

"For decades, the Nördlinger Ries and Steinheim Basin in southern Germany have been regarded as a textbook example of a terrestrial impact crater doublet, although the oldest crater lake deposits in both craters suggest a biostratigraphic age difference of ~ 0.5 to 1 Myr. We previously presented stratigraphic arguments that challenged the double impact scenario and favoured a model of two temporally independent impact events in the Mid-Miocene. We here present, for the first time, four localities within a distance of ~50–100 km from the Ries and ~50–70 km from the Steinheim crater that expose two independent seismite horizons, together unique within the Upper Freshwater Molasse of the North Alpine Foreland Basin, each one featuring impressive water escape structures. The seismite horizons are separated by ~ 10 to 15 m of undisturbed Molasse deposits and, biostratigraphically, by an entire European Land Mammal Zone, thus providing evidence for two independent major seismic events within a time span of ~0.5–1 Myr. Both the lower and the upper seismite horizons can be correlated litho- and biostratigraphically with the basal crater lake sediments at the Ries and Steinheim craters, respectively, deposited immediately after the impacts. From a biostratigraphic point of view, the impact event that formed the Steinheim Basin probably occured around 14 Ma, some 0.8 Myr after the ~14.81 Ma Ries impact event."

Offline Met1998

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Re: Steinheimer Becken & Nördlinger Ries - Zwei unabhängige Impaktereignisse?
« Antwort #35 am: November 04, 2022, 18:21:10 Nachmittag »
Moin,
wenn man sich Figure 10 im genannten Link so ansieht,
stelle ich mir die Frage warum die Seismite-Horizonte-Messer nicht auch in der anderen Richtung (Osten) gemessen haben.  :gruebel:

Also in Tschechien, im Bereich/Richtung Moldavite-Fundgebiet MBB und MM.

Gruß Met1998
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