Autor Thema: Meteorit oder wie kommt der Stein aufs Dach?  (Gelesen 12975 mal)

darcest

  • Gast
Meteorit oder wie kommt der Stein aufs Dach?
« am: November 08, 2006, 19:40:07 nachm. »
Hallo, habe schon ne ganze Weile im Forum gestöbert und habe nun auch mal eine Frage.

vor ein paar Wochen befand ich mich im Garten meines Hauses als ich etwas auf mein Hausdach laut aufschlagen und herunterpoltern hörte. Nach einigem Suchen fand ich die Ursache in Form eines kleinen eiförmigen Steines. Die Spuren des Aufschlages auf die roten Dachplatten sind am Stein noch deutlich zu erkennen, ebenfalls ein kleiner grüner Fleck vom Aufschlag ins Gras. Mein erster Gedanke war, dass jemand einen Stein auf mein Dach geworfen hatte, aber bei näherem Überlegen erschien mir dies doch unwahrscheinlich da

1. das Aufschlaggeräusch sehr laut war
2. Niemand zu sehen war
3. Steine dieser Art hier nicht vorkommen
4. der Stein keinerlei Verschmutzung wie Dreck oder Erde aufweist


Bei 20-facher Vergrößerung sieht er aus wie eine Art Sandstein mit kleinen Quarz- oder Kristalleinschlüssen. Des Weiteren sind kleine scharze Teile enthalten. Es ist ein sehr hartes Gemisch, da keinerlei Abrief erfolgt. Eine helle Fläche sieht in der Vergrößerung aus als sei die Oberfläche angeschmolzen.

Ist es möglich dass dies ein Meteorit ist? Ich hatte mir diese immer anders vorgestellt. Irgendwelche geschmolzenen schwarzen Klumpen die beim Aufschlag noch glühend heiß sind. Dieser Stein war aber beim Fund (ca. 3 Minuten nach dem Aufschlag) nicht heiß. Er war normal temperiert. Außerdem hätte ich erwartet, dass bei einem Aufschlag aufs Dach ich den Stein im Keller suchen kann, aber es ist von unten kein Schaden am Satteldach zu erkennen.

Mich würde interessieren ob das ein Meteorit sein kann und wo man so einen Stein untersuchen lassen kann. Bin für jede Antwort dankbar.

Gruß darcest

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Re: Meteorit oder wie kommt der Stein aufs Dach?
« Antwort #1 am: November 08, 2006, 19:54:39 nachm. »
Hallo darcest,

könntest du hier ein Foto von dem Fund reinsetzen, dann fiele es uns allen leichter darüber zu beraten und uns eine Meinung zu bilden ?

Sollte es wirklich ein Meteoritenfall sein, wären einige Daten von Bedeutung: Falltag, Uhrzeit, Foto von dem Dachtreffer und genauer Punkt des Aufpralls auf der Erde, um die Flugrichtung zu rekonstruieren, wahrgenommene Geräusche, GPS-Koordinaten usw.

Prophyllaktisch mal meine Gratulation zum Fund !

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darcest

  • Gast
Re: Meteorit oder wie kommt der Stein aufs Dach?
« Antwort #2 am: November 09, 2006, 00:41:58 vorm. »
Hallo,

habe eigentlich ein Foto reinsetzen wollen, das Bild hatte aber wohl mehr als 128 KB und so hat es das wohl nicht angenommen. Sorry

Hier der nächste Versuch.

Gruß darcest

Mettmann

  • Gast
Re: Meteorit oder wie kommt der Stein aufs Dach?
« Antwort #3 am: November 09, 2006, 02:35:45 vorm. »
Nun der Stein hat keine Ähnlichkeit mit einem Meteoriten.
Ihm fehlt die Schmelzkruste, wie es bei einem Fall zu erwarten wäre,
er ist zu rund
und wie Du schreibst, enthält er Quarz, ein echtes Ausschlußkriterium für Meteorite
(darum auch nicht die Cybexx Meteora-Uhren mit dem "Meteoritenquarz" aus dem ebay kaufen, die sind purer Schwachsinn).

Also entweder hat Dir ein Minderbemittelter den Stein aufs Dach gepfeffert, um aus dem Wurf diebische Freude zu gewinnen
oder ev. hat ihn ein Vogel fallen lassen. Vor 8 Jahren traten in Den Haag eine Schar Elstern auf, die Steine auf Autos fallen ließen.

Mettmann

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Re: Meteorit oder wie kommt der Stein aufs Dach?
« Antwort #4 am: November 09, 2006, 06:34:25 vorm. »
Hallo darcest,

eigentlich habe ich dem Kommentar von Mettmann kaum was hinzuzufügen. Wenn das daneben ein Zahnstocher ist, dann ist der Stein ja nur ca. 10mm groß !? - Also die Vogeltheorie sehr wahrscheinlich und ein lautes Aufschlagen sehr unwahrscheinlich. Die Form läßt auch kein Zerplatzen beim oder vor dem Aufschlag zu, was das Fehlen von Schmelzkruste zwar teilweise erklären würde, aber dann müßte er anders aussehen.

Brauchst also kein Institut zu bemühen !

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Re: Meteorit oder wie kommt der Stein aufs Dach?
« Antwort #5 am: November 09, 2006, 07:52:24 vorm. »
Hallo Mettmann,

habe mal über die "Präzision von einem anderen Stern mit Meteoritenquarz"  ( siehe  http://cgi.ebay.de/ws/eBayISAPI.dll?ViewItem&item=330047173776 ) nachgedacht ... Vielleicht ist es nur eine "Halblüge" ?
- Ich weiß zwar nicht was die amerikanischen Forscher in der Wüste Arizonas entdeckt haben, aber durch Meteoriteneinschläge entstehen ja bekanntlich die Quarz-Hochdruckmodifikationen wie Coesit, Cristobalit, Stishovit und Tridymit. Möglicherweise sind manche Schwingquarze auch aus diesem Material gefertigt !?  Damit ist der Quarz zwar noch nicht außerirdisch aber ein Meteorit hat ihn durch den Impakt modifiziert, ähnlich wie Tektite ... nix Meteorit aber ohne Meteoriteneinschlag keine Tektite.

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Mettmann

  • Gast
Re: Meteorit oder wie kommt der Stein aufs Dach?
« Antwort #6 am: November 09, 2006, 17:25:19 nachm. »
Geh Metgold,

der Cybexx-Text lautet:

"Präzision von einem anderen Stern mit Meteoriten-Quarz
Die Cybexx Meteora enthält ihre Präzision von einem echten Meteoriten-Quarz.
NASA-Forscher entdeckten in der Wüste Arizonas die ungwöhnlichen physikalischen Eigenschaften von Meteoriten-Materie:
Kristalle aus dem Inneren zeigen nicht nur eine unglaublich perfekte Symmetrie - sondern eine bislang unbekannte Taktgenauigkeit.

Erfreuen Sie sich an der einmaligen Präzision von einem anderen Stern und tragen sie die Uhr mit dem Gefühl, mit dem Universum in Kontakt zu stehen".

MetGold, beim besten Willen, das ist purer Schwachsinn und erstunken und erlogen.
Seit wann treiben sich NASA-Leute in den Wüsten Arizonas herum, um Meteorite oder Impakte zu finden? Seit wann haben Meteorite ungewöhnliche physikalische Eigenschaften?
Kristalle aus dem "Inneren"  - ja was fürn Inneres? Rückbezügl. auf "Meteoriten-Materie", gell?
Tja, da kann der Herr Cybexx oder der Herr Nasa noch soviele Meteorite zerkloppen, der find kein Quarz drinne.
Tja und welche Impaktstrukturen, um bei Deiner wohlmeinenden Interpretation zu bleiben, gips denn in Arizona?
Eben, den Barringer-Krater. Schönheitsfehler, die Erben haben beschlossen, daß da genug geforscht wurde und seit Niningerszeiten ist es streng verboten, dort zu sammlen und nicht mal Unis lassense mehr hin.
Und Du meinst doch ned im Ernst, daß da willfährige Uhrenbauer durch den Krater kriechen, mühsam den Coesit rauskratzen und das Zeug dann in Uhren verbauen, die man sich für 1-2$ das Stück in Fernost, wo das Glump nämlich herkommt, bauen lassen kann?

Neenee, dytt is reiner Beschiß.
Im Text steht, daß das Ding nen Meteoritenteil drin habe. Und damit wollense sich wahrscheinlich an die greisligen Rolexe mit Mettzifferblatt dranhängen, dasse dann ihre 20 Mücken für den Schrott bekommen. Cybexx scheint im Übrigen ein Phantasiename zu sein. Im ganzen Internet findst keine Firma, die so heißt.

Übrigens in dem Bild ist das kein Zahnstocher, sondern ein Bleistift.
Hab auf der US-List gefragt und tatsächlich kommt es vor, das bspw. die schlauen Krähen Nüsse sammeln und aus der Höhe hinunterschmeißen, umse zu knacken. Manche sogar gezielt auf Straßen, damitse überfahren und so geknackt werden.

Zirp
Mettmann

darcest

  • Gast
Re: Meteorit oder wie kommt der Stein aufs Dach?
« Antwort #7 am: November 09, 2006, 18:53:31 nachm. »
Hallo,

danke für die schnellen Antworten. Das auf dem Bild ist ein Bleistift und der Stein ist 50 Gramm schwer und ca. 4,5 x 3,0 cm groß.

Schade, hatte mich schon etwas gefreut. Aber die Geschichte mit der Krähe gefällt mit gut, wäre eine Erklärung.

Muss so ein Meteorit eigentlich immer eine Schmelzkruste haben? Ich hatte mal was von kosmischem Staub gelesen der in größeren Mengen unaufhörlich auf die Erde fällt. Wie macht der den dass, da so kleine Partickel sicher komplett verglühen müssten.

Gruß Darcest

Offline MetGold

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Re: Meteorit oder wie kommt der Stein aufs Dach?
« Antwort #8 am: November 09, 2006, 20:03:55 nachm. »
Hallo darcest,

kurz und bündig ist es hier beschrieben:

http://www.physik.uni-greifswald.de/~sterne/Sternwarte/Meteorites/dust.html


Wissenschaftlicher und ausführlicher hier:

http://www.uni-muenster.de/imperia/md/content/planetologie/pdf/stephan/staub_im_sonnensystem.pdf

Daraus eine kurze Passage:

" ... 2.2.2 Theoretische Überlegungen
Wegen des günstigen Verhältnisses von Oberfläche zu Volumen, können 99 % der Staub-teilchen mit Durchmessern <70 μm genug Wärmestrahlung beim Eintritt in die Atmosphäre abgeben, um ein Schmelzen zu verhindern. Ein IDP mit 20 μm Durchmesser wird etwa bei einer Höhe von 175 bis 80 km abgebremst und sinkt dann mit einer aus Luftdruck, Teilchen-dichte und -form bedingten maximalen Fallgeschwindigkeit herab. Ein Teilchen dieser Größe hat eine Verweilzeit in der Stratosphäre (12–20 km Höhe) von einigen Wochen oder Mona-ten. Größere Teilchen sinken schneller. ..."


 :user:  MetGold   :alter:
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