Autor Thema: Meteoritenverschandelung  (Gelesen 14784 mal)

Offline ben.g

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Re: Meteoritenverschandelung
« Antwort #30 am: September 01, 2009, 14:58:36 Nachmittag »
"Die Dinge haben nur den Wert, den man ihnen verleiht." (Molière)

Gruß
Ben


MilliesBilly

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Re: Meteoritenverschandelung
« Antwort #31 am: September 01, 2009, 15:05:26 Nachmittag »

... und Sinn und Bedeutung entstehen im Betrachter. Schlechte Aussichten für Magie. Oder?


Offline lithoraptor

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Re: Meteoritenverschandelung
« Antwort #32 am: September 01, 2009, 15:08:24 Nachmittag »
Moin!

Gib mal bei Googel Bildersuche "Krieg" ein, das ist Grauen.  Inflation der Begriffe

Für mich ist dieser Begriff auf jeden Fall völlig passend, da braucht es keine Begriffsinflation:

http://de.wikipedia.org/wiki/Grauen

Gruß

Ingo

Offline Haschr Aswad

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Re: Meteoritenverschandelung
« Antwort #33 am: September 01, 2009, 15:31:05 Nachmittag »
Bevor die Beteiligten jetzt hier gemeinsam das Herz der Finsterniss ausloten erinnere ich an Wittgensteins Tractatus Logico-Philosophicus: ""Jedes Wort hat eine Bedeutung. [...] Sie ist der Gegenstand, für welchen das Wort steht." Oder kürzer: ""Die Bedeutung eines Wortes ist sein Gebrauch in der Sprache".

Fazit: Es gibt hier also keinen Grund, über Begriffe zu streiten.

In dem gezeigten Sortiment fehlt übrigens eine Sanduhr aus piemontesischem Kristall, in der kleinste Chondren rieseln. CO3s würden sich hier gut als Rohmaterial eignen, evtl. Kainsaz ... An so einem Kleinod hätte Des Esseintes seine helle Freude gehabt ...



Offline Andreas Gren

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Re: Meteoritenverschandelung
« Antwort #34 am: September 01, 2009, 15:34:43 Nachmittag »
Mir, in aller Vorläufigkeit, nicht.

Da bist Du in guter Gesellschaft.Gibt viele Menschen die verarbeitet Meteoriten haben wollen.

"Die Dinge haben nur den Wert, den man ihnen verleiht." (Molière)
Gruß
Ben
jenau

@ Ingo  Hast Du denn Krieg bei Google Bildsuche eingegeben? oder nur die Definition von Grauen nachgelesen?
Bin mir sicher, dass Du weist was ich damit sagen wollte. Wenn Allerdings verarbeitete Meteoriten bei Dir die gleichen Reaktionen auslösen sollten wie der Anblick zerfetzter Körper.....haben die armen wehrlosen Meteoriten in Dir einen ihrer besten Fürsprecher.

Andi
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MilliesBilly

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Re: Meteoritenverschandelung
« Antwort #35 am: September 01, 2009, 15:46:30 Nachmittag »
In dem gezeigten Sortiment fehlt übrigens eine Sanduhr aus piemontesischem Kristall, in der kleinste Chondren rieseln. CO3s würden sich hier gut als Rohmaterial eignen, evtl. Kainsaz ... An so einem Kleinod hätte Des Esseintes seine helle Freude gehabt ...

Nach geschätzten 12 Sekunden des Chondrengeflüsters wäre Des Esseintes ein sicherer Neuzugang der Salpetrière gewesen. Doch glücklicherweise wäre es nicht soweit gekommen, hätte doch zuvor eine übersehene CAI den feinen Transitionskanal blockiert.


Offline lithoraptor

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Re: Meteoritenverschandelung
« Antwort #36 am: September 01, 2009, 16:32:50 Nachmittag »
@ Andi: Ich habe schon weitaus schrechlichere Dinge gesehen/erlebt bzw. Dinge, die mich wesentlich stärker getroffen haben, als das, was ich bei einer Google-Bildersuche unter dem Begriff "Krieg" finden kann.
Ich möchte damit nicht sagen, dass Krieg nichts grauenhaftes ist und auch nicht, dass mich entsprechende Bilder nicht treffen würden, das ist gar nicht der Punkt. Es kann auch nicht wirklich sein, dass Du mir quasi unterstellst, dass ich das Leben von Menschen geringer schätze oder gleichbedeutend sehe mit der Verunstaltung von Meteoriten. Komm mal klar!!!

Andi, da wir uns schon länger kennen, denke ich, dass Du mich in diese Richtung auch vernünftig einschätzen kannst. Im Übrigen kennst Du meine Meinung zur "Verarbeitung" von Meteoriten zu so einem Firlefanz ganz genau. Was sollen also solche Sprüche?

Guten Tag!

Ingo

Offline Mettmann

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Re: Meteoritenverschandelung
« Antwort #37 am: September 01, 2009, 17:12:48 Nachmittag »
Ich muß jetzt auch mal was sagen, entschuldigung.

Schürfen wir doch einmal tiefer, fragt Euch doch einmal, warum die Leute denn sowas überhaupt machen?

Ich glaube nämlich nicht, daß die allesamt einem plötzlichen Schweinegrippenvirus der Geschmacksverirrung erlegen wären.

Zwote Sache. Die können das auch nur machen, weil das Material so (ungehörig) billig ist.


Man ist ja häufiger konfrontiert mit den Anwürfen, daß Meteorite zerkleinert oder verarbeitet werden,
wobei der Schwarze Peter den Meteoritenhändlern und -findern zugeschoben wird, ihr kennt das, die Forderung, daß die Händler die moralische Verpflichtung hätten, die Steine möglichst zur Gänze der Nachwelt zu erhalten und von ihrem sündhaften Tun abzulassen.
Desgleichen kennt Ihr die Art von Sammlern, die öffentlich mit ihren größeren Stücken protzen, hochnäsig auf das "Fußvolk" herabschauen und es für verachtenswert halten, daß Meteorite auch in kleineren Portionen an Sammler verkauft werden.

So.
Und wie sieht es denn aus in der Praxis? Geht man an diese Moralisten heran und offeriert ihnen die Stücke in großen Portionen, dann ist aber ganz schnell Ruhe im Kartong. Dann wird abgewiegelt, das kann ich mir nicht leisten oder um Gotteswillen iiiich doch nicht.. die andern.  Oder es werden Preise geboten, die auch für jeden Marokkaner eine Beleidigung darstellen. Die Leute, bei denen Wort und Tat übereinstimmen, die kann man an den Fingern einer Hand abzählen.

Sodaß wir alle wiederum rufen können:  Was erlauben Struuuunz??!

Es ist abseitig, die Meteoritenhändler und -jäger in die Pflicht nehmen zu wollen, die Dinger auf alle Ewigkeit im Keller wegzusperren. Sie, die die Steine überhaupt erst auftun, ohne die sie es gar nicht gäbe. Sie, die unter höchstem finanziellen und persönlichen Risiko und Einsatz arbeiten - ein Risiko, das weder die privaten Sammler noch die öffentliche Hand bereit isind zu tragen. Ich sehe die Verpflichtung, die Steine zu erhalten zwar nicht generell beim privaten Sammler, aber zumindest bitteschön bei denen, die mit moralischen Vorhaltungen um sich werfen, sei die Frage erlaubt, was sie denn überhaupt bereit sind für den Erhalt der Meteorite zu leisten.

Das andere ist, daß sicherlich der Auftrag, die Steine mehr oder weniger zur Gänze der Nachwelt zu erhalten,
ein öffentlicher ist.
Wozu haben wir denn sonst die ganzen großen Meteoritensammlungen der Welt?  Wien, Paris, London, Washington, Moskau, Tokio usw.
Neben der wissenschaftlichen Arbeit (die immer zu einem gewissen Grad etwas destruktiv ist, aber die neuen Analysemethoden verbrauchen ja nur noch winzige Quantitäten an Material. Die Ästhetik eines Stückes spielt für dessen wissenschaftl. Behandlung im Übrigen überhaupt keine Rolle.) ist die große Hauptaufgabe dieser Sammlungen, die Meteorite zu pflegen und der Nachwelt und der Wissenschaft zu erhalten.  Kurator kommt von lateinisch curare.
Da besteht absolut kein Unterschied zu den Pinakotheken, den Antikensammlugen, den Staatsbibliotheken, den technischen Museen, den geschichtlichen Museen.

Und hier fühlen sich die Meteoritenfinder und -händler aber reichlich für dumm verkauft, wenn sie dieselben Anwürfe aus dieser Ecke bekommen. Meine Güte, erinnert Ihr Euch noch an den kanadischen Propagandacomic?
Wo die Kuratorin, die in der zweiten versöhnlicheren Folge immerhin den buckligen Gehilfen des reichen Meteoritenhändlers abbekommt, den Finderkindern das Folterinstrument, die Steinsäge zeigt und Thränlein verdrückt, daß wennse den Stein ihr nicht schenkten, der goldgeizige Meteoritenhändler mit der Stretchlimo und den Geldkoffern kommt, meine Güte solche Comics hattmer hierzulande vor 70 Jahren, und den Stein in lauter kleine Fitzel schneidet und an die Sammler der Welt verkauft.

Und wie sieht es da aus, mit den öffentlichen Sammlungen?
Fast durch die Bank werden sie Ihrem Auftrag nicht gerecht und versagen.

Ich darf hier nicht allzuviele Details preisgeben, da aus privater Kommunikation.
Nur das, was jeder selber im Internet oder sonstwo nachlesen kann.
Moskau hat veröffentlicht, daß es seit vielen Jahren nicht in der Lage ist, Meteorite zu erwerben, fatal, da Russland ja nicht einmal ein Antarktisprogramm hat.
Paris schreibt dasselbe und zusätzlich, daß es an Mittel fehle, die Meteoritensammlung fachgerecht zu erhalten.
Googelt ihr herum, findet ihr, das Paris auf Schenkungen von Händlern angewiesen ist und ansonsten bestenfalls ein paar Hundert Gramm von NWAs, die Ihnen in Klassifikation gegeben wurden, gekauft hat - und selbst das war einmal, da sie der Propagandalüge aufgesessen, daß NWA illegal wären.
Wien - da sucht im Netz in den Annalen, das bedeutendste Stück der letzten Zeit, was angekauft werden konnte und das auch nur mit Hilfe des Fördervereins, war ein Bassikonou von ein paar Hundert Gramm oder warens 2kg, müßt ich nochmal nachschauen.
Berlin ist so schlecht beinand, daß sie in aller Öffentlichkeit betteln gehen, um Paten zu finden, daß die Eisenscheiben der Sammlung fürn Hunni restauriert werden können.
Göttingen gar muß in aller Öffentlichkeit betteln, ob sich Sponsoren für neue Glaskästen für ein paar Hundert Euro finden lassen, damit sie ihre Meteoriten ausstellen können.

Usw. usf.  Es ist nicht übertrieben, zu sagen, daß viele der wichtigsten jeweiligen nationalen Sammlungen sowie etliche der bedeutendsten Sammlungen weltweit, ein Ankaufsbudget haben, das von dem eines jeden rumänischen Holzlöffelmuseums in den Schatten gestellt wird.

Sie werden also ihrem öffentlichen Auftrag in keinster Weise mehr gerecht. Früher war das anders.

Eine ganz besondere Verantwortung kommt im Übrigen den Sammlungen in den Ländern zu, die den freien Handel mit Meteoriten oder den Besitz oder die Suche oder auch alles zusammen gesetzlich verbieten.
Und wie siehts denn da aus?  Australien, die Kerle machen seit vielen Jahren überhaupt nichts mehr. Und bietet mal den Australischen Sammlungen Meteorite an, was Ihr da zu hören bekommt. Habt Ihr die Bilder auf der US-list gesehen, aus einem australischen Museum, mit einer Vitrine, wo ein Meteorit in Stücke gefallen ist, drin.
Ich frage Euch, was hat Algerien, was Libyen für die Meteorite an öffentlichen Einrichtungen geschaffen und was für Mittel ausgegeben? Was tut Marokko? 
Was verrottet der Agpalilik auf dem Parkplatz in Kopenhagen?  Die Gibeons in der Poststraße, die schauen mittlerweile aus, wie die Urgroßväter von Nantan und Dronino und der Hoba rottet unbewacht in der Suppe.

Und komm mir jaaaa keiner mehr, es läge am Geld!!!
Wir brauchen das wirklich nicht mehr durchzukauen. Es ist übervoll belegt, daß Meteorite in diesen Quantitäten und in dieser Überfülle an rarsten und wichtigsten Klassen noch niemals in den letzten 200 Jahren verfügbar waren und v.a. daß sie noch nie in der Geschichte, auch nicht annähernd so billig waren wie heute.
Jede aus öffentlicher Hand unternommene Anstrengung Meteorite zu finden, ist um ein Vielfaches teurer und erfolgloser, als die Dinger vom privaten Sektor zu kaufen. Ja auch im Oman. Und bei der Antarktis, da reden wie von einem Faktor 100-1000.
Und diese Lippenbekenntnisse aus Politik und Medien, von wegen Spitzenforschung, Wissenschaftsförderung, Exzellenzinitiativen. Auf dem Sektor der Meteoriterei, an den Hut könnens sich stecken.
Meteoriten, das ist Grundlagenforschung par excellene, dieses Gesabbel bei jeder Fahrt mit der Belchbüxx in den niederen Orbit für zig-Milliarden, jaa dem Geheimnis des Ursprungs des Lebens auf der Spur. Jedes Söndlein zu den unwirtlichsten Orten und nackten Felskugeln - ooooh die Suche nach Leben im All.
Mit Meteoriten, da hams das Zeug in der Hand, handfest, für Ihre Labors zum Durchnudeln nach Herzenslust. Die haben alles drin. Vom Beginn des Sonnensystems, unserem Ursprung. Proben anderer Himmelskörper, wo keine Nasa, keine Esa, keine Iaxa und kein Roscosmos jemals hinkommen wird, dito vom Mars, aus Orten und Schichten und Zeiten, wo nie eine Schuhschachtel auf Rädern oder ein Astronaut jemals drankommen wird.

UND SIE HABEN ES ZUM NULLTARIF !!

Im Vergleich zu allen verwandten Fachrichtungen und Forschungsgegenständen - kosten Meteorite einfach nichts!
Was ist denn teuer an Meteoriten?  Eine Mikrosonde. Und derlei Gerät. Hamse in der Erstwelt überall schon rumstehen.
Und schaun sich damit an, ob der Spargel aus Schrobenhausen kommt und nicht aus Piräus.

Meteorite?  Für ein paar Tausend bringen wir die Esa zur Vesta. Marsfahrten kosten zigdutzendende Milliarden - wir waren schon da.  Bohr mal 20km tief in die Mondkruste. Mit uns brauchens nur 20cm tief in den Briefkasten langen.

Gott. Onkel Hintze will uns zum Mondbringen - einen vollkommen redundanten Rover. Weil Konjunkturpaket. Und der Koreaner, der Inder und der Chines das auch will.  Ingo, Peter...  die nehmen von dem Geld, was Ihr mühsam verdienen müßt, dafür 1 600 000 000 Euro her.  Einen Pfurz müßtens im Vergleich dazuhernehmen, um hier auf Erden an Mondgesteinen aller Art zu arbeiten, an die sie mit dem Roboter zum Teil gar nicht hinkommen können.

Reiben sicht der Obermotz der DLR Wörner natürlich die Hände.
Und der Neukum erst recht:
http://www.zeit.de/zeit-wissen/2009/04/Wahlkampf-Raumfahrt
und der Tilmann Spohn.
Die heißen sich Planetologen.
Kann mir einer auf Erden, einen triftigen Grund nennen, warum die nicht sofort allen Mond und Mars den es gibt auf der Welt für ein paar einzelne Millionen komplett aufkaufen?  Die Budgets, die denen zur Verfügung stehen, stehen im Netz.
Begleitend zu ihrer Mars- und Mondforschung?  Oder wenigstens ein paar einzlene Tausend ausgeben, um ausreichend Proben fürs Labor zu haben?  Die bekannten Mars- und Mondmeteorite stehen auch jedermann ersichtlich im Netz.
Haben wir sonst irgendetwas vom Mars auf der Erde?  Nein. Beteiligt an den Marsmissionen warens.
Mit den Marsmeteoriten haben wir verschiedenste Gesteinssorten vom Mars in der Hand. Für lau.
Wieso interessiert die das nicht, rein schon aus beruflicher Sicht?
Stattdessen werden Studien gemacht, nen Roboter auf den Mars zu schicken, der ein Pfund Steine einsammeln und zurückbringen soll, damit die Menschheit Marsgestein zum Forschen hat. Kostenrahmen 6 bis 8 000 000 000 Dollares.
Das Pfund frischer oder gemischter Mars kostet 100 000 bis 400 000 Euro. Kaufens national, die Hälfte, wegen Steuerrückfluß.
Is ja Euer Steuergeld.
Da stellt sich dann für mich doch fast schon die Frage nach der Kompetenz und deren Ausbildung.  Das ist so, wie wenn ein Bäcker sagen würde: Mehl? Was interessiert mich Mehl! Wozu braucht man das überhaupt?

Gut, das ist nun ein Beispiel besonders krasser Ignoranz,

DLR scheint überhaupt so ein komischer Haufen zu sein - ich mein, wenn wir hier schon für das Feuerkugelnetz sammeln gehen müssen. Eine Einrichtung, die überhaupt nix kostet. Eine Radkappe, ein paar Stangerl, eine altmodische Kamera und das ganze wird auch noch ehrenamtlich betreut!  Ich weiß es noch, wie der Kultusminister mit dem Neuschwanstein feist sich in die Kameras gefreut hat und getönt, der wär ein "Kulturgut ersten Ranges".   Scho a bisserl arg daneben, wemmer ned ein paar Tausend Mücken für seine Kultur ausgeben will.  Vor ein paar Wochen Zeitung gelesen, bei mir ums Eck werden ein paar Bretterbuden saniert, ein Kiosk und ein Trambahnhäusl ist des. Keine 100 Jahr alt. Kost 200.000Euro. Wegen der Kultur, davon könnt ein Feuerkugelnetz ewig zehren.

..wo war ich.
Wesentlich erschütternder ist, daß offenbar die weltweit führenden Forscher, die sich mit der Materie auskennen und Spitzenforschung par excellence in der Planetologie leisten, ja blablabla erst recht über unseren Ursprung und den Ursprung des Lebens, braucht man nur ein paar Kohlige herzunehmen, dann ist diese Floskel Tausendmal mehr erfüllt, als wenn der Neukum dasselbe salbadert, dasser die Kohle für ein deutsches Mondprogramm bekommt,

daß die anscheinend nicht einmal ein paar lumpige Zehntausend bewilligt bekommen, um sich das Beef, die eigentlichen Forschungsgegenstände besorgen zu können.

Das ist ein echter und eigentlicher Skandal.

Andererseits, ich weiß es auch nicht, ich habe etliche Wissenschaftler in der Familie und im Bekanntenkreis.
Wenn die ein Forschungsvorhaben durchführen wollen, dann ist das für die im Wissenschaftsbetrieb eine vollkommen natürliche und selbstverständliche Angelegenheit, daß sie die Mittel dafür einwerben.

Und die Meteoriterei, grad wenn wir auf die Unibudgets in anderen naturwissenschaftlichen Zweigen oder auch in den Humanwissenschaften oder sogar in den recht stiefmütterlichen behandelten Geisteswissenschaften schielen,
ist ja eine äußerst billige Angelegenheit, die keinesfalls die Budgets ganz stinknormaler kleinerer und kleinster Forschungsvorhaben übersteigt.
Guck, der Neukum kann das auch:
http://www.uni-protokolle.de/nachrichten/id/34364/

So und solange das alles ist, wie es ist, solang kann niemand sich beschweren, daß die Leute aus anderen Himmelskörper Flaschenöffner, Dildos und Schlüsselanhänger zimmern oder sie in kleinen Dosen an diejenigen vermitteln, die etwas damit anfangen können.

Zu guter Letzt.  Um die Absurdität dieser Debatte vorzuführen, habe ich, verehrte Zuseher, ein Experiment vorbereitet.

Was Ihr hier seht, ist die Creme de la Krem, dessen, was man ausser den direkt beobachteten Fällen an Meteoriten finden kann.
In unseren Breiten sowieso nicht und auch in den Trockenwüsten zählt so etwas zum den besten Promillen, was man an Meteoriten finden kann.
Gut die kurzlebigen Isotope mögen ausgeraucht sein, das ist der Unterschied zu bspw. der Hayabusa-Mission, die für 320 Millionen USD ein einziges Gramm dieses Materials zur Erde zurückexpedieren sollte, was leider auch noch mißlungen,
aber so aus Kennersicht und mit dem Sammlerauge,
steht der wesentlich besser da als 90% allen Hammamis und Zags, beides Fälle.

Gerade klagt noch einer auf der US-List, daß sobald irgendwas noch schwarze Kruste aus der Wüste dran hätte, es nimmer under 0.5-1$/g abgehe.

Dieses Ding kostet 200Euro im Kilo.  900 Euro.
Für dieses Geld kriegt Ihr eine popelige Amethystdruse gleichen Gewichts, einen guten Bergkristall, dessen es Myriaden von Tonnen gibt, schon nicht mehr. Und erst recht keine museumswürdige Stufe eines halbwegs seltenen Minerals.

Dieses Ding ist so selten wie ein Haufen von 9 Pfund Topdiamanten, es ist bei weitem älter als jeder Stein hier auf der Erde
und es ist von einem anderen Himmelskörper aus dem Weltall zu uns gekommen.


http://www.spacifieds.com/meteorites/the-real-unwa-the-best-unwa-4-656-kgs/

Wo sind sie denn, die Moralisten, die Bessermenschen unter den Meteoritensammlern, die hochfahrenden Retter der Kultur?

Na?


Und solange sich kein einziger derselben einstellt, bleibt mir vorbehalten dieses


Fazit:  Ich halte diese Diskussion für zutiefst scheinheilig.


Mußjamagesagtsein.
 :prostbier:
Mettmann
« Letzte Änderung: September 01, 2009, 17:49:25 Nachmittag von Mettmann »
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Offline Andreas Gren

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Re: Meteoritenverschandelung
« Antwort #38 am: September 01, 2009, 17:49:28 Nachmittag »
Liebes Forum,

Eigentlich wollte ich zum Ausdruck bringen, dass der Mensch es ist der schon immer seine Umwelt ausgebeutet hat und Bodenschätze zu seinem Nutzen verarbeitet hat.Schon im Neolithikum wurden Eisenmeteoriten zu ollen Gebrauchsgegenständen verarbeitet. Ich habe es noch nie verstanden warum die Großzahl der Meteoritensammler glauben "Ihre" Meteoriten wären heilig und den Gesetzen des Menschseiens nicht unterworfen. Kein Mensch beschwert sich über einen facettierten Smaragd,Öl welches zu einer Alditüten verarbeitet wurde,Wälder die zu Bildzeitungen werden aber wehe jemand fräst einen Ring aus nem Eisenmeteoriten. Das birgt für mein Empfinden eine gewisse Inkonsequenz und Arroganz.
Da in diesem threat oft über die armen Meteoriten geschrieben wurde, wollte ich deutlich machen ,dass es den Meteoriten echt Latte ist, die sind gefallen bevor der Mensch da war und werden es auch noch tuen wenn die Menschheit sich in einer Alditüte zu Grabe trägt.
Anscheinend ist mir bisher nicht gelungen meinen Sichtweise darzustellen.

Wenn ich nun in diesem Forum meine Meinung vertrete und dazu noch ein Bild von qualitativ hochwertig verarbeiteten Meteoriten zeige und darauf nur Kommentare bekomme, die herablassend und sich lustig machend sind,was sicher auch ein meiner mangelnden Ausführung lag, verbittert mich das schon.

Den Begriff Grauen assoziere ich mit Gräueltaten, die der Mensch in seiner Geschichte vollbracht hat, übrigens eine einzige Blutspur und nicht mit einem Stein der anders verarbeitet wurde als es dem Einzelnen gefällt.
Das hätte ich gleich deutlich machen sollen und/oder mich nicht an dem Begriff aufhalten sollen.

Ja Ingo ich kenne deine Einstellung zu verarbeiteten Meteoriten, die musstest Du ja auch gleich in aller Deutlichkeit zum Ausdruck bringen. Dieser Beisatz " solcher Firlefanz" ist genau die Inkonsequenz und Arroganz die ich meine.
Des weitern möchte ich mich bei Dir entschuldigen, natürlich weis ich, dass Du Dinge außerhalb der Steine auch ernst nimmst und Dir Deine Gedanken dazu machst.

Andi

P.S.
während ich den Text verfasst habe ist mindestens ein neuer Beitrag geschrieben worden, diesen habe ich bisher nicht gelesen .
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Offline ironsforever

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Re: Meteoritenverschandelung
« Antwort #39 am: September 01, 2009, 19:02:02 Nachmittag »
Hmmmm,

ich glaube, dass der eigentliche Grund dieser Diskussion folgender ist: Der Purist sagt sich, Meteoriten derf man net schnitzen, weil´s doch so seltenes Material ist und beim Schnitzen soviel Schnittabfall sinnlos verschwendet wird. Gleichwohl gibts wohl keinen Puristen, der nicht auch Scheiben kauft, wo ebenfalls viel Material verschwendet wird.

Der andere sagt sich, Mets sind was ganz besonderes und genau deshalb muss ich unbedingt einen geschnitzen Käfer aus meteoritischem Material haben, weil ich halt Käfer auch so mag. Beim Käfer fallen sicherlich mehr Schnittabfälle an, aber er ist dann für den Besitzer was ganz besonderes. Eben nicht "nur" ein Meteorit. So gesehen rechnet sich der Verlust für den Käferfreund, denn er muss das ja auch bezahlen.

Aber beide Parteien wertschätzen Meteorite!

Die eigentliche Frage ist wohl, ob man aus einem Neuschwanstein oder aus einem LDG einen Käfer schnitzen darf. Und da sind sich, glaub ich, beide Parteien einig. Schnitzwerk gibts doch in der Regel nur von Material, welches relativ häufig vorkommt, so dass kein Verlust für die Menschheit zu befürchten ist.

Und dann könnte man sich noch darüber streiten, ob man geschnitzte Käfer im Allgemeinen gut findet oder nicht. Ich mag geschnitzte Käfer, jedoch keine geschnitzten Aliens. Die find ich kitschig, umsomehr, wenn sie auch noch aus Meteoriten geschnitzt sind. Münzen mag ich auch nicht, lieber kauf ich mir mehr von dem Met, der darin eingearbeitet ist bzw. aus dem sie gemacht sind. Zu Totenköpfen hab ich ein zwiespältiges Verhältnis. Aber das ist nur meine Meinung :einaugeblinzel:

Gruß,
Andi



 


Offline Mettmann

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Re: Meteoritenverschandelung
« Antwort #40 am: September 01, 2009, 19:13:27 Nachmittag »
Naja - ich persönlich finde z.B. Gartenzwerge und Hummelfiguren sehr grausig
und wäre ich von ihnen umgeben, würde ich vermutlich an Alpträumen und seelischen Schmerzen leiden und daraus in Folge vielleicht sogar körperliche Beeinträchtigungen erfahren.

Allein würde es mir nie einfallen, die Verkäufer oder Hersteller von Gartenzwergen und Hummelfiguren für verderbte Menschen zu halten oder gar Ihnen Vorhaltungen moralischer Natur zu machen.

Genausowenig wie bei den Meteoriten.
Oder ist hier einer, der einen Nininger oder einen Zeitschel für ausgemachte Unholde hält?
Ersterer, und das wird ihm auch wenig Spaß bereitet haben, hat zeitweise just genauso Solche Sterne aus Canyon Diablo Spherules geklebt, der andere, grad die Tage beim Aufräumen eine alte Preisliste gefunden, hat zeitweise Hirschfänger aus Gibeon verfertigt vertickt.

Ihr macht diesem Händler einen Vorwurf, weil er aus einer Meteoritenscheibe einen Stern ausgesägt hat und beides verkauft, ihr schreiet Mordio, weil die Labennes aus Chondriten und Mond lustige Tierlein schnitzen.
Wie gerechtfertigt ist das?

Was will ein Meteoritenfinder, -sucher und -händler?
Da gibt es keinen Unterschied zum sprichwörtlichen kleinen Oaaabeita am Band, auch nicht zum hehren Wissenschaftler,
er möchte seinen Beruf ausüben, dafür entlohnt werden und von seiner Arbeit leben.
Hops - Unterschied zu dem Arbeiter und Wissenschaftler gibts doch, der Meteoritenmensch muß zusätzlich ja noch die Mittel verdienen, die ihn in die Lage versetzen, seinen Beruf überhaupt ausüben zu können.

So. Und das wollt Ihr denen nicht zugestehen?
Wenn da schon so eine moralinsaure Unternote in dieser Diskussion dabei ist,
dann pack ich jetzt hier mal einen sehr großen Konsens auf den Tisch,
nämlich die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte, Artikel 23, Satz 1

"Jeder hat das Recht auf Arbeit, auf freie Berufswahl..."

und Satz 3:
"Jeder, der arbeitet, hat das Recht auf gerechte und befriedigende Entlohnung, die ihm und seiner Familie eine der menschlichen Würde entsprechende Existenz sichert.."

Wenn also ein Meteoritenmensch, um für sich diese Grundsätze zu erfüllen, solchen "Firlefanz" verkaufen muß oder Meteorite in Scheiben schneidet, dann ist das in unserer halbwegs zivilisierten Welt hinzunehmen und nicht zu kritisieren.


Punkt zwo. Was der Moralist so gern vergißt, ist, daß für viele Meteoritenhändler oder -finder der Verkauf von in welcher Form auch immer verarbeiteter Meteorite, seien es die in der Sammlerwelt üblichen Scheiben, sei es Schmuck, seien es Mikrofitzel, zu dessen Einkommen und zur Erwirtschaftung seiner Betriebskosten beitragen.
Dadurch verbilligen sich auch genau diejenigen Stücke, die der Moralistensammler für unbedenklich hält und kauft.
Würden jene Meteoritenverkäufer auf derlei "Firlefanz" verzichten, so müßten sie, um ihr Einkommen zu sichern, höhere Preise für ihre anderen Stücke verlangen.  Der Moralist profitiert also, manchmal in erheblichem Maße, von der Produktion und dem Verkauf solchen Firlefanzes.

Ich schreib "Moralist" und "Firlefanz", der Kürze halber.

Und im Grunde eckt diese Debatte schon wieder an die überwunden geglaubte Mutter-Theresa-Debatte.
Was erwartet Ihr denn noch von den Meteoritenleuten?
Es wurde ja teilweise schon als ungehörig empfunden, daß Meteoritehändler tatsächlich Geld mit ihrer Arbeit verdienen, um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Was daran liegt, daß sie den Sammlern so ähnlich und denselben Enthusiasmus vertreten und die Meteoritenwelt rel. klein und persönlich ist.

Ihr werdet doch wohl noch Manns genug sein, die Leistung der Mettverkäufer, -finder, -präparatoren usw. zu würdigen und anzuerkennen, wie ihr es Eurem Metzger und Bäcker um die Ecke zugesteht und wie Ihr es selber in Eurem Berufsleben erwartet!

Es ist ein ehrbarer Beruf und sicherlich kein besonders leichter, denn die Vertreter der Zunft haben es sich ja ausgesucht, ausgerechnet die seltenste Materie der Welt für Euch und für die Wissenschaft aufzutun.

Ihnen habt ihr fast alle Steine in Euren Vitrinen zu verdanken und ihnen habt ihr es zu verdanken, daß ihr nicht Haus und Hof wie in früheren Zeiten noch nötig, für diese Objekte der Begierde habt drangeben müssen. Den vergleich zu anderen Sammelgebieten und die Kosten für die Sammler dort, den schenk ich mir.

Zudem liefernse der Wissenschaft und den öffentlichen Einrichtungen den Asteroidengürtel ins Haus, in einer Vielfalt und einer Menge, die, wie die Aufzeichnungen belegen, diese nie in der Lage gewesen wären, selbst aufzutun.

Und dabei sparen sie der öffentlichen Hand noch viele hunderte Millionen.

Ist das nicht genug?
Nein, jetzt sollen sie auch noch ihre ureigensten Steine nicht antasten und ggfs. von Wasser und Brot leben.
Irgendwo hört sichs dann auf.

Wie kommt man also dazu, jemanden von diesen zu verurteilen, der einen Meteoriten schneidet?!

Ich bin der Auffassung, daß der Firlefanz überhaupt nicht hergestellt würde, wenn diese Leute ihr Material am Stück verkaufen könnten und dafür gerecht entlohnt werden würden.

Man hält es also für erstrebenswert, daß die Dinger aus dem All möglichst so erhalten blieben, wiese gefunden werden.

Nun, in dieser Hinsicht scheinen also sowohl die Privatsammlerschaft als auch die Öffentliche Hand schlicht und einfach zu versagen.

Punktum.

Und aus diesem Grunde denke ich, daß das keine sinnvolle Debatte ist.

In unserem Experimente hat sich übrigens noch keine Änderung ergeben.

(Abgesehen davon, daß Meteorite Ihre wissenschaftliche Information nur preisgeben, wenn man sie schneidet. Vom bloßen draufglotzen auf den braunen Stein erfahren wir nix, wie alles mit uns und dem Sonnensystem seinen Anfang genommen, noch was sich auf Mars und Mond zugetragen. Noch bringt man die Klumpen in die Geräte hinein. Zudem gewinnen die meisten Meteorite deutlich durch Schnitt und Präparation. Sonst könnten die Sammler ja gleich auf Limonit und Wüstitbatzen und Gleisschotter Schwarz und Braun umsteigen, dann bräuchten sie gar keine Meteorite).

 :prostbier:
Mettmann



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Re: Meteoritenverschandelung
« Antwort #41 am: September 01, 2009, 20:34:35 Nachmittag »
Moin Forumler!

Entschuldigt bitte (besonders Andi), dass ich da vorhin gleich beleidigt war. Ich verstehe den Thread so, dass hier jede/r seine Meinung sagen darf (auch das ist im Übrigen ein Grundrecht) und auch soll. Dies, und nur dies, habe ich getan. Ich habe hier keinen angefeindet oder beleidigt.
Wenn man nun meint, dies hätte etwas mit Moralaposteltum oder dergleichen zu tun, dann bitte. Ich möchte aber mit aller Deutlichkeit sagen, dass mich diese Art von Schubladendenken ganz schwer an...zt und ich es auch sehr in Frage stellen möchte. Ein wenig unbegreiflich ist es mir schon, dass mir auf der einen Seite erzählt wird, wie selten die Meteorite sind und auf der anderen, dass es völlig legetim sei, daraus Frösche zu schnitzen... Für mich geht das nicht zusammen und dazu stehe ich.

Natürlich hat der Mensch schon von jeher seine Umwelt entscheidend geprägt und sie nach seinem Gutdünken verändert; Rohstoffe, Tiere und andere Menschen ausgebeutet, aber das bedeutet ja noch lange nicht, dass es auch richtig ist oder war dies zu tun. Es gibt immer wieder Menschen, die gegen das Abholzen von Wäldern kämpfen (um mal diesem Beispiel zu folgen), obwohl sie Papier benutzen. Es gibt immer wieder Menschen, die gegen AKWs sind, obwohl sie im Haushalt unzählige Glühbirnen mit Atomstrom betreiben... Sicher ist dies ambivalent, aber es scheint mir völlig normal - alle Dinge haben eben zumindest zwei Seiten... Nach meinem Dafürhalten ist es einfach nur wichtig, dass man sich dieser zwei Seiten auch bewußt ist, sie in gewisser Weise auch gleichmäßig beleuchtet werden. Nur dadurch kann man ein Umdenken erzielen...

In diesem Sinne Gruß und :imsorry:

Ingo

Offline Haschr Aswad

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Re: Meteoritenverschandelung
« Antwort #42 am: September 01, 2009, 20:59:37 Nachmittag »
Plätzchen-Ausschneider aus Gibeon-Meteoreisen (siehe Ursprung dieses threads)  und Kleinstproben aus raren Meteoriten für den Sammlermarkt sind in meinen Augen zwei Paar Schuhe. Auch das wesentlich besser verarbeitete Geschmeide von Andi gehört in eine andere Kategorie als der Plätzchenstanzer, der hier, wie ich meine begründet, für Belustigung sorgte. Das Stundenglas des Des Esseintes ist erst recht eine andere Klasse und war eher als literarische Fiktion für den Liebhaber des französischen Naturalismus gedacht.

@Ingo: Harpunenspitzen aus Meteoreisen gehen ebenfalls absolut in Ordnung, soviel Zugeständnis an die Innovations- und Überlebensfähigkeit der Inuit muss sein. Dolch und Pektoral des Tutenchamun: Große Kunst, keine Frage. Waren ja auch für die Ewigkeit gemacht, die Auftraggeber haben das Material schon richtig eingeschätzt.

Interessant an unserer Diskussion finde ich allerdings den von Martin konstruierten Zusammenhang von Kleinstproben und großen Stücken. Hier scheint ja ein kommerzielles Problem vorzuliegen wenn ich das richtig verstehe. Es wird bemängelt, dass es zu viele große Stücke im Angebot für zu wenige Käufer großer Stücke gibt, bzw. die angestrebten Preise werden nicht erzielt. Natürlich kann man auch den sportlichen Ansatz wählen und den Kunden für ein schwer verkäufliches Produkt verantwortlich zu machen, in der Regel hat es aber andere Gründe, warum sich für ein Produkt nur schwer ein Käufer findet.

Vielleicht ist hier einfach etwas Geduld angebracht. Meteoriten und Powerselling vertragen sich eben gerade für bestimmte Käufer nicht. Bestimmte Sammler kaufen gerade größere Stücke, weil Form und Gestalt eine besondere Saite in ihnen zum Klingen bringt. Weil das Äußere eines Steines eine Faszination transportiert, die sie auch in der Beschreibung eines Stückes wiederfinden wollen. Und nicht, weil ein Stück durch im Vergleich mit anderen „stinky brown, butt-ugly desaster junk meteorites“ einfach „the BEST“ ist. Ich bin sicher, durch einen positiver formulierten Text wird sich ein potenzieller Käufer eher angesprochen fühlen.

Fakt ist, ein Sammler, der auf Mikros und kleinste Proben verzichtet, weil er intakte oder wenigstens halbe Stücke bevorzugt, der leistet sich mit seinem Budget größere aber dafür deutlich weniger Stücke, als ein Sammler, der möglichst viele Kleinstproben zusammenträgt. Das ist eine Frage persönlicher Vorlieben und des eigenen Sammlungsfokus. Das muss jeder für sich entscheiden und da sollte man die Leute auch nicht in die eine oder andere Richtung zwingen. Auch dass Seltenheitsargument hilft hier wenig, denn wenn von einem Meteoriten, mag er noch so rar sein, achthundert Teilscheiben und Bröckchen kursieren, dann muss man sich nicht wundern, wenn der Markt, der nun mal endlich ist, irgendwann gesättigt ist.

Was die Bewahrung von Substanz und Werten angeht, so sehe ich es keineswegs so, dass hier nur der Staat in der Verantwortung steht. Zumal hier ja dargelegt wird, dass der Staat bei seiner Aufgabe versagt. Wenn dem tatsächlich so ist, ja gerade dann ist an dieser Stelle besonders privates Engagement gefragt. Kommt der Privatmensch der Verantwortung zu bewahren jedoch nicht nach, und weist er jede Verantwortung auf diesem Feld weit von sich, ja dann darf man sich auch nicht empören, über die Versuche, die privaten Sammler zu kriminalisieren und als gänzlich ungeeignet für die Aufbewahrung von Meteoriten hinzustellen.

Warum die Sammler, die auf kleinere Proben verzichten jetzt aber verpflichtet sind, mit ihrem ebenso begrenzten Budget jeden größeren Meteoriten zu kaufen, den ein bestimmter Händler anbietet, erschließt sich mir nicht auf Anhieb. Diese Sammler haben schließlich den ganzen Markt zur Auswahl und können auch bei solchen Händlern einkaufen, die günstiger oder direkt von der Quelle anbieten, oder die sich anschließend nicht mit abfälligen Bemerkungen über Kunden empören, die öffentlich auch mal größere Stücke zeigen.

Auch kann ich keine moralische Verpflichtung erkennen, warum ein Sammler, der lieber intakte Stücke sammelt, einen Händler durch finanzielle Zuwendungen davon abhalten muss, Material kleinzusägen, damit der Händler ein Auskommen hat. Das wäre bestenfalls eine Subvention, man könnte das aber auch eine Lösegeldzahlung nennen.

Was ein Händler/Sammler, mit seinem Material anstellt, ob er es sägt, poliert, schleift, goldplatiert, hächselt, zu Plätzchen-Ausschneidern fräst oder sein Badezimmer damit fliest, liegt allein in dessen Verantwortung.
 
Grüße,
Haschr

Offline Mettmann

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Re: Meteoritenverschandelung
« Antwort #43 am: September 01, 2009, 21:19:19 Nachmittag »
....und ich schreib noch, daß ich "moralist" der Kürze halber hinschreib.

Zitat
Für mich geht das nicht zusammen und dazu stehe ich.

Warum nicht? Die eigentliche Absurdität besteht darin, daß Du diese weltseltensten Dinger, daß Du Dir echte Meteorite aus den Wüsten ab 20Euro im Kilo kaufen kannst, und den Campo für 30 und den Muoniona-Bollen für 80 auf der Messe.
Und HED und Kohlige und Mars und Mond kosten angesichts ihrer atemberaubender Seltenheit jenseits aller Vorstellungskraft im Grund ja auch nicht viel mehr.
Nicht?
Würde der Gleisschotter noch 1000 oder 2000 im Kilo kosten, wie vor 10 Jahren und Mond 25.000 und 200.000,
dann, so galube ich, würde weit weniger Tinnef geschnitzt werden, allein schon weil Hince and Koons aus Kostengründen von solcherlei Rohmaterial abstand nehmen müßten.

Diese Entwicklung, daß Meteorite heutzutage in diesem Maße dem Sammler und dem Forscher gleichermaßen überhaupt zur Verfügung stehen und fast schon vulgär billig sind,
ist allein dem unermüdlichen Weben und Wirken der privaten Meteoritenjäger und -händler zu verdanken.
Eine überaus begrüßenswerter Erfolg, eben jener Unholde, die Du als Übeltäter ausgemacht zu haben scheinst.


Zitat
Es gibt immer wieder Menschen, die gegen das Abholzen von Wäldern kämpfen...


Ja eben, Ingo.  Nur ist es eben zu bequem, sich einfach nur hinzustellen und:  Pfui, Schande, Sünde !!!
zu rufen und damit hat sichs, das ist noch kein Engagement nicht,
sondern man muß einerseits die Ursachen und Zusammenhänge beleuchten und erkennen,
wie Du schon richtig gesagt hast von verschiedenen Seiten aus, was die beiden Andis und der Mettmann getan, auch wenn es nicht goutiert werden wird,
und sodann muß man Lösungswege aufzeigen.

Nen? Wenn ich in den Suparmarkt geh, dann nehm ich mein Leinensackerl mit, weil soviele seinerzeit ihre Trommelkreise abgehalten und man den Leuten erkläret hat, daß wemmer alle immer nur Plastiktüten kaufen, das Erdöl für die Kiddies nimmer reicht, die Atmosphäre aufgeheizt wird und im Pazifik eine fürchterliche Müllhalde herumschwimmt, weil das Zeug nicht verrottet.
Und da geh ich zu Fuß hin, und nehme nicht mein kleines schadstoffarmes Auto, weil man uns allen beigebogen hat, daß es ein Schwachsinn ist und teilweise mittlerweil als voll assslig gilt, mit anderthalb oder zwoeinhalb-Tonnen-Traktoren zum Semmel-, Brötchen-, Schrippen-, Rundstückkauf zu gondeln.  Und so Autos haben Katalysatoren drin - was war das damals für ein Drama - nicht weil da Leut einach nur die Platte mittem mein Freund der Baum is doud aufgelegt und gsagt, och nö.  Und da koof ich dann nicht die Zwiebel aus Tasmanien und den Knofel aus Argentinien, sondern den aus dem Bayernlande duljöh und das nicht aus Patriotismus, sondern weil das ein Unfug ist, einem Kraut, was auch hier waxxt, eine Weltreise zu spendieren.
So und die Zeitung tu ich auch in die richtige Tonne, weil man mir erklärt hat, warum das gescheiter ist.
Dito kann ich keine weinenden Karelier sehen, und laß eben den Tetrapack stehen und nimms in der Glasflasch, das bisserl Schlepperei tut ja nicht weh.
Oh ab heute gibts keine Glühbirnen mehr.
Obs die nimmer gäb, wenn sich die Leut nur hingesetzt hätten und gesagt: Du bist böse.  ?


Also, schlag etwas vor. Die Ausgangslage und die Probleme sind nun teilweise angesprochen worden.
Obs hylfe zu sagen:  Kauft nicht bei einem... ups, der Firlefanz führt, wird nicht klappen,
denn so ziemlich alle haben auch Firlefanz im Sortiment, grad auch die, die hptsl. dafür verantwortlich sind, daß wir heutzutage im Meteoritenparadies weiterleben dürfen.

Was schlägst also vor?   Einen Rettungsfonds für bedrohte Rohstücke?
Oder das Hinwirken eine generelle Akzeptanz höherer Meteoritenpreise, daß die Firlefanzisten nämlichen nicht mehr verkaufen müssen?
Ei oder ne Sitzblockade vorem Wissenschaftsministerium.

Sach wat!
 :prostbier:
Mettmann


Hups, mittlerweile neuer Beitrag, les ich erst hinterher.

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I'll never speak to you again."
(S.Laurel 1890-1965)

Offline ironsforever

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Re: Meteoritenverschandelung
« Antwort #44 am: September 01, 2009, 21:54:08 Nachmittag »
Hallo,

Zitat
Naja - ich persönlich finde z.B. Gartenzwerge und Hummelfiguren sehr grausig

viele andere findens (unbegreiflicherweis) toll. Wie heißen diese Figurinen immer? Moment - ich muss mal googeln...

"Mädchen bringt Frühstück", "Mädchen an Laterne wartend", "Mädchen bringt Frühstück" etc.

Ich hätt da ne Idee: Was haltet ihr von "Thomas, den Neuschwanstein findend". Der APE aus Porzellan hält lederbehost in Fundstellung einen echten Met in der Hand (NWA 869). Die Idee lizenzieren wir an die Göbels und werden alle reich :einaugeblinzel:...

Gruß,
Andi

 

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