Autor Thema: Grauzone bei der Meteoritenklassifikation  (Gelesen 4744 mal)

Offline rbartoschewitz

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Re: Grauzone bei der Meteoritenklassifikation
« Antwort #15 am: November 07, 2009, 22:30:05 Nachmittag »
Für einen Teil der bislang nicht akzeptierten Saharas der Labenns wurde damals Typmaterial in Münster hinterlegt, doch damals galt die 20 %/g Regel noch nicht, so dass dort oft zu wenig Material ist. Seitens Münster gab es meines Wissens aber auch nicht die Zusage, dass für jeden der Meteorite, für den Material hinterlegt wurde, eine Klassifikation durchgeführt wird. Man hatte sich damit lediglich einen vorläufigen Namen gesichert, der prinzipiell auch wieder zurückgegeben/genommen werden kann! Hier gilt: prüfen wieviel Typmaterial in Münster oder vielleicht auch woanders deponiert ist, ist der vorläufige Name noch gültig und jemanden finden, der die Klassifikation für die Differenzmenge macht!

Ich klassifiziere auch diese Meteorite, verlange jedoch zusätzlich zum Differenz-Typmaterial noch weitere 10 %/g als Referenz für mich!

Damit das NomCom die Meteorite aufnimmt, hatten die Labenns zugesagt, nach 5 Jahren ihre geheime Bezugskoordinate bekannt zu geben, das hätte 2002 sein sollen, soweit ich weiss.

Neben den Saharas der Labenns gibt es auch andere, wie Franco. bei den Franco Funden mit Namen ist meines wissens nach Typmaterial hinterlegt!?

Eine offizielle Klassifikation gibt es nur nach Akzeptanz durch das NomCom. Wenn ihr vor der Publikation eine Klassifikation des Meteoriten bekommt, ist sie nicht offiziell bzw. nur vorläufig, auch wenn ihr euch darauf verlassen könnt, wenn sie von einem Institut oder von einigen der Spezialisten kommt. Aber wie ihr am Beispiel NWA 2336 seht, trifft dei offizielle Klassifikation nicht unbedingt des "Pudels Kern"!

Gruss,

Rainer


Thin Section

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Re: Grauzone bei der Meteoritenklassifikation
« Antwort #16 am: November 07, 2009, 22:33:42 Nachmittag »
Ja, von dem - also Eric Twelker - stammt auch mein Scheibchen!

Ciao, Bernd  :winke:

Offline Mettmann

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Re: Grauzone bei der Meteoritenklassifikation
« Antwort #17 am: November 07, 2009, 23:10:52 Nachmittag »
Nun ja, das waren ja die Anfang der Sahara und dann der NWA-Zeit, wo man auch noch nicht absehen konnte, was da für Fundmengen nachkommen würden und überhaupt erst ein opus moderandi gefunden werden mußte,
was ja dann auch gut gelungen ist. Nicht?
Heute hat sich das eingespielt, gibt man einen Meteoriten in Klassifikation, dann geht die Nummernvergabe schnell und wenns kein ausserordentlich kniffliger Fall ist oder dem NomCom nicht allzu unplausible Klassifizen eingereicht werden, dann dauerts weniger als ein Jahr und nur vielleicht bei ältlichen OCs a bisserl länger, weil die eben keiner richtig gerne macht. Das ist bemerkenswert, angesichts der Mengen und der begrenzten Klassifikationplätze,
nicht? Hier in D hat man ja die MPIs in Mainz und Heidelberg geschlossen, ausgerechnet in der Hochzeit der Wüste oder man kriegt ja in ganz D und auch sonst kaum mehr ein Eisen klassifiziert - insofern ist das schon eine große Leistung, auch die Koordination durch die MetSoc.

Gut und das waren damals ja auch noch andere Zeiten, wo Meteorite per se etwas besonderes und (teures) waren.
Heutzutage würde wohl kein Institut unbedingt darauf erpicht sein, sich die Hinterlegungsmassen verwitterter Äquilibrierter in den Keller zu lagern oder gar eine Schippe Gleisschotters nach der andern einzeln durchklassifizieren zu müssen,
weil es eben die Jahre jetzt soviel spannendere Steine zu bearbeiten gab.

Naja, die Zeiten können ja wieder kommen bzw. wenn etwas hinterlegt worden ist, kann man das ja später immer noch klassifizieren.


Ärgerlich ist es natürlich schon manchmal - grad bei so großen Kellerleichen a la Oum Roukba, Kem Kem, Boudnib, Begaa, Wadi Mallene... bei denen sollte man schon schneller Abhilfe schaffen.

Zitat
Andererseits viel zu teuer um sich davon ein großes Stück zu kaufen und eine Ecke für die Klassi abzutrennen.
Das wäre hier die Aufgabe des Händlers.
Geh, 5 bis 40 Euro, für die notwendigen 20g von den Großfunden. (Gut bei Kem Kem machts keinen Sinn, das warne Ladung gemischter).

Naja und vielleicht sollte man die SAHs später - ich mein, wennse keine Koordinaten haben, dann sindse nix als rrrrrrreine NWAs - mal den NWAs zuschlagen, um der Ordnung willen - die Feldnummern, die unklassifiziert bleiben, streichen - und die die klassifiziert sind, in NWAs umtaufen und gleich dabei die Pairings bereinigen, was weiß ich wie den einen EH-Fund, der unter Fuffzig Nummern läuft - aber das sind alles Formalitäten.


...und Stabbrecher, hat nun einer schon den Verkäufer gefragt?

Meinjammanurblosmawida
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Offline JaH073

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Re: Grauzone bei der Meteoritenklassifikation
« Antwort #18 am: November 08, 2009, 00:12:04 Vormittag »


Zitat
Andererseits viel zu teuer um sich davon ein großes Stück zu kaufen und eine Ecke für die Klassi abzutrennen.
Das wäre hier die Aufgabe des Händlers.


Diese Bemerkung galt nur für den Begaa........................

Gruß

Hanno
Je mehr Ecken und Kanten ein Diamant hat, umso mehr funkelt und strahlt der Stein.

Offline Mettmann

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Re: Grauzone bei der Meteoritenklassifikation
« Antwort #19 am: November 08, 2009, 11:43:56 Vormittag »
Salü,

 bei Begaa müßt man zuerst eruieren, woran es liegt, daß er nicht im Bulletin erschienen.
Irgendjemand muß den ja schon klassifiziert haben, ev. könnt er sogar schon zweimal klassifiziert worden sein,
denn seinerzeit um 2000 - ein "LL3" saugt sich keiner aus den Fingern
und jetzt liest man ja auch schon LL3.2, W1  - die einstellige Nachkommastellenklassifikation ist ja eine rel. neue Erscheinung (und die zweistellige gar, eine ganz neue Mode).

Also gelte es rauszufinden, wer den alles schon klassifiziert hat und worans gehakt oder ob er nicht eh schon in der Röhre steckt.
Vielleicht ist ja schon etwas hinterlegt worden. Und wenn nicht, ist ja weitverbreitet, da find sich schon was, die 250Euro, dies kosten tät, ist ja nicht die Welt.  Gilt eher eine überflüssige Klassifikation zu vermeiden, denn die ist ja teurer als das Depositspecimen wär. Dünnschliffe, Arbeitszeit Fachkräfte, Gerätekosten...

Da kann der Sammler sehr wohl helfen, die Umstände aufzuklären.

Ich halt ja schon geraume Zeit ein 20g-Lampiayrie zurück, das ich bereit wär zu opfern, da anscheinend es damals komplett versäumt wurd, diesen Fall zu klassifizieren. Leider fehlen mir jegliche Fund/Falldaten und die zweie, die den damals aufs Tapet gebracht, waren bislang nicht gerade hilfreich....

Nur hab ich momentan nicht die Zeit, mich drum zu kümmern.

Fredericksburg is auch so ein Waisenkind.
Können ja mal eine Liste der verunfallten Namen erarbeiten zur späteren Bereinigung.

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Mettmann


 
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Offline gsac

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Re: Grauzone bei der Meteoritenklassifikation
« Antwort #20 am: November 08, 2009, 12:21:17 Nachmittag »
bei Begaa müßt man zuerst eruieren, woran es liegt, daß er nicht im Bulletin erschienen.

Das liegt irgendwo in einem alten "Streitfall" zwischen zwei Händlern begründet - einem in
den U.S.A., dem anderen in Frankreich. Den US-Händler kann ich hier nicht benennen, weil
ich seine Identität zwar zu kennen glaube, mir aber nicht mehr ganz sicher bin nach all den
Jahren (PS: Eric Twelker, der dieses Material noch verkauft, ist es jedenfalls nicht).

Auf französischer Seite sind es Bruno Fectay und Carine Bidaut. Von denen dürfte
ursprünglich wohl auch das meiste Material von "Begaa" stammen, also möglicherweise
waren das die Einkäufer im Maghreb (?). Wenn ich mich nicht sehr irre, wurde diese LL3.2-
Klassifikation in Paris gemacht. Sollte jemand besonders gute Kontakte nach Paris oder
auch zu Bruno et Carine haben, könnte man (hier oder dort) ja mal freundlich anfragen,
ohne gleich auf das vielleicht etwas unbequeme "Streitthema" Bezug zu nehmen...

Alex

Offline rbartoschewitz

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Re: Grauzone bei der Meteoritenklassifikation
« Antwort #21 am: November 08, 2009, 15:13:56 Nachmittag »
Der offizielle Name von Begaa ist NWA 4910, er wurde im letzten MetBul akzeptiert.

Gruss, Rainer

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Re: Grauzone bei der Meteoritenklassifikation
« Antwort #22 am: November 08, 2009, 15:23:27 Nachmittag »
Na oiso, geht doch!

Einer wissend, was mit dem netten Boudnib passiert, ob der eine NWA-Nummer hat?

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Offline gsac

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Re: Grauzone bei der Meteoritenklassifikation
« Antwort #23 am: November 08, 2009, 15:28:02 Nachmittag »
Der offizielle Name von Begaa ist NWA 4910, er wurde im letzten MetBul akzeptiert.

Oh, Überraschung - danke Rainer! :super: Kann ich also Dünnschliff und Sammlungsstück umlabeln...

Interessant auch, daß offenbar eine Re-Klassifikation (nach Paris) stattgefunden hat. Das ist ein
sehr gutes Ergebnis für einen wirklich wunderschönen Stein! Wer auch immer ein weiteres Beleg-
exemplar an den classifier eingereicht hat, dem ist zu danken..

:winke: Alex

 

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