Autor Thema: Unterschiedliche Formen und Silbergehalt bei Thüringer Gold  (Gelesen 4688 mal)

FlyingTim

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Unterschiedliche Formen und Silbergehalt bei Thüringer Gold
« am: Januar 02, 2010, 18:22:31 Nachmittag »
Hallo Leute!

Ich will mal was zu einem Thema los werden über das ich schön länger etwas grübel. Nicht unbedingt etwas neues aber ich will mal meine eigenen Beobachtungen los werden.

Aufgefallen ist mir daß es wohl je nach entstehen mindestens 2 völlig unterschiedliche Typen von Goldentstehung gibt.

Typ1 : Der wohl am häufigsten im Einzugsgebiet der Schwarza zu findende Typ scheint ein silberarmes Gold zu sein. Man kann an frischen Bruchflächen( Negativabdrücke von Nebengestein/Mineralien) ein sattes Gelbgold erkennen welches auf ziehmlich reines Gold hindeutet.
Von der Form her Bildet es gern ehr rundliche, derbere Körner. Dies könnte auf ein langsames, gleichmäßigeres abkühlen bei der Entstehung deuten bei dem die Wärme gleichmäßig in alle Richtungen abgeflossen ist. Oft findet sich noch Quarzreste in ehr rosa gefärbten Farben sowie Eisenminerale Hämatit oder Limonit.
Wie schon bekannt findet sich sowas in Thüringen in den Gesteinen des Ordoviziums und stellt wohl ein Sekundäres Gold dar welches aus Typ 2 gebildet wurde(?) Dies würde zumindest erklären warum es so silberarm ist. Das Silber wurde einfach vorher im Flußtransport herausgelöst bevor sich neue Gesteine mit Gold aus den Sedimenten gebildet haben. Gleichzeitig würde sich so erklären warum die Körner im allgemeinen größer sind weil ja bei Sekundärvorkommen der Anreicherungsfaktor ziehmlich hoch ist. Dadaurch könnte sich vielleicht auch der hohe Eisenmineralanteil erklären lassen.

Der 2. auffällige Typ ist ein sehr silberreiches, blasgrünliches Gold welches meißt ehr filligrane, abstrackt geformte, länglichere Agregate bildet. Das könnte auch auf ein ehr schnelleres Abkühlen hindeuten bei dem die Wärme ehr in eine Richtung abgegangen ist ( Erdoberfläche? höhere Ausgangstemperaturen?).
Häufig finden sich Quarzreste am Gold, welche eine helle weiße Farbe haben, aber bedeutend seltener finden sich Eisenminerale. Von der Größe her sind die Partikel auch ehr kleiner. Sieht für mich aus wie richtiges Primärgold aus dem ja der 1. Typ entstanden sein könnte. Dies würde auch von der Zeit her passen (Kambrium). Belegstücke finden sich aus den Katzhütter Schichten um Goldisthal. Das Gold wirkt nach dem Transport im Bach auch ehr dunkel. Silber wird ja bei Verwitterung auch schwarz  :nixweiss:

Leider kann man diese ganzen Eigenschaften nur an unreifen, frischen Gold erkennen. Trotzdem wage ich zu sagen daß der Typ 1 wohl mindestens 75% des gesammten Waschgoldes in den Flußablagerungen der Schwarza ausmacht.


So, das wollte ich mal loswerden. Ich erhebe keinen Anspruch auf die Richtigkeit meiner Darbietung. Einiges ist auch nix neues :laughing:  Aber vielleicht hat ja jemand ein paar Gedanken zu dem Thema, das waren mal meine.


Gruß Tim   :prostbier:

Offline Hungriger Wolf

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Re: Unterschiedliche Formen und Silbergehalt bei Thüringer Gold
« Antwort #1 am: Januar 02, 2010, 22:49:15 Nachmittag »
Hallo Tim!

Das ist ein absolut interessantes Thema wie es im Thüringer Wald zu einer Goldanreicherung kam bzw. wie sich die unterschiedlichen Roh-Goldarten/Formen/Zusammensetzungen unterscheiden!
Grundsätzlich kann man sagen, das zu Beginn ein sehr unreines Gold mit vielen Fremdanteilen vorhanden war, das kontinuierlich reiner wurde (durch physikalische und chemische Prozesse)!
Die im Thüringer Wald (Schwarza/Saale) gefundenen Goldarten sind unterschiedlich alt und unterlagen dabei auch unterschiedlichen Zeit-Prozeßen

Das Thüringer Gold (Schwarza/Saale) entstand ursprünglich auch Salzwasser-Meeres-Sedimenten (Schlammablagerungen; Mikrometeoriten; Lebewesen) die geringe Edelmetallkonzentrationen enthielten.
Durch unterschiedlichste Prozesse reicherten sich in bestimmten Zonen dabei Erzschlämme an (Risse/Spalten/hydrothermale Prozeße).
Diese Meeresablagerungen wurden bei der Gebirgsbildung sammt Nebengesteinen verfestigt bzw. die entstandenen Gesteine wurden dann natürlich auch weiter metamorph veränderten bzw. weitere Ablagerungsschichten kamen hinzu bzw. durch weitere Rißbildungen/Spalten/weitere hydrothermale Prozesse/Vulkanismus wird wieder Gold weiter angereichert!  


Das älteste Gold stammt hierbei aus dem Schwarzschiefern des Präkambriums (1)
Das meiste Gold stammt aus den Magnetitquarziten des tiefen Ordovizium (1)

Das Silberreichste und auch Platingruppenelementhaltigste Gold stammt aus den Sulfiden der Diabase (Vulkanismus) vom oberen Devon (2)!
Das jüngste Gold der Grundgebirge stammt aus den Konglomeraten des Rotliegenden (1/2)!
Vom Quartär stammen die Goldseifen der Terrassenschotterablagerungen großer Flüsse bzw. deren Überschwemmungszonen (1/2)

+Goldseifen (weiter verändertes Gold) der Neuzeit (1/2)

Jedes dieser Goldprimärkörper aus Schwarzschiefer etc. das freigelegt wird bzw. mit Wasser in Kontakt kommt wird wieder kontinuierlich im äußeren Erscheinungsbild sowie in der chemischen Zusammensetzung wieder verändert bzw. aufgereinigt bzw. unterliegt den natürlichen Auflösungs- und Abscheidungsproße (chemische Prozesse) sowie den mechanischen Beanspruchungen (Steine) der Naturgewalten-> Goldreifung und wird chemisch immer reiner bzw. verändert sich dabei wieder auch in der Form!  

Schöne Grüsse von :prostbier:
Achim

FlyingTim

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Re: Unterschiedliche Formen und Silbergehalt bei Thüringer Gold
« Antwort #2 am: Januar 02, 2010, 23:06:18 Nachmittag »
Hallo Achim!

Gesundes neues Jahr zurück!

Danke für die ausführliche Antwort!
Im wesentlichen hab ich damit die von dir Gelb markierten Typen gemeint.
Was mich dabei am meißten interessiert ist ob das Gold aus dem Ordovizium letztenendes das selbe Gold ist welches auch im Cambrium vorhanden ist. Also ob es einfach nur umgelagert wurde. In den Sedimenten aus Bächen des Kambriums sind ja in Thüringen reichlich schwarze Eisenminerale vorhanden. Könnten diese auch für den magnetitreichen Lagen im Ordivizium verantwortlich sein??

Im übrigen weißt das Gold aus den phycodenschiefern ( etwas jüngeres ordovizium ) die selben Eigenschaften auf wie aus den älteren, nur daß es im Vergleich kleiner scheint.

Von dem von dir Grün markierten Gold hab ich mal ein größeres Exemplar gesehen. Dieses schien mir auch extrem grün (silberreich).

Über den Rest kann ich noch nix dazu sagen weil ich dort noch nicht gesucht habe  :laughing:
Gruß Tim

Offline Hungriger Wolf

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Re: Unterschiedliche Formen und Silbergehalt bei Thüringer Gold
« Antwort #3 am: Januar 02, 2010, 23:50:53 Nachmittag »
Hallo Tim!

Ich wünsche Dir Gesundheit, Glück und Erfolg im neuen Jahr 2009!

Das Präkambrium-Gold kann u.U. noch Schwarzschieferanhaftungen haben bzw. das  Ordovizium-Gold ist an Magnetitquarzite bzw. deren Zersetzungsprodukte gebunden  (Hämatit/Limonit).

Grundsätzlich kann jedes ältere Goldvorkommen in dem darauffolgenden Zeitraum (Präkambrium -> Ordovizium) weiter umgelagert werden.
Der hohe Eisenanteil des Ordovizium-Goldes stammt wohl tatsächlich aus den eigentlichen sehr alten Schlammablagerungen (Schwarzschiefer) +Sedimentablagerungen und sind damit auch hauptsächlich für den hohen schwarzen Eisenmineralanteil in den Bächen verantwortlich!

schöne Grüsse von
Achim    

Offline Hungriger Wolf

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Re: Unterschiedliche Formen und Silbergehalt bei Thüringer Gold
« Antwort #4 am: Januar 03, 2010, 00:47:16 Vormittag »
Hallo Tim!

Hier mal ein Beispiel eines Goldkorns bei der die Außenhülle mit Königswasser abgeätzt wurde!
Unter dem Gold wird dann die darunter liegende silberreichere Metalllegierung (Elektrum) sichtbar!

schöne Grüsse von :prostbier:
Achim

Offline Hungriger Wolf

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Re: Unterschiedliche Formen und Silbergehalt bei Thüringer Gold
« Antwort #5 am: Januar 03, 2010, 11:51:34 Vormittag »
Hallo Tim!

Noch ein Photo meines extrahiertes Roh-Silbers aus dem ursprünglichen Sulfiderz/Diabas vom oberen Devon (Thüringer Wald)!
Das Sulfiderz enthält neben Silber (Hauptanteil) auch noch Gold und Platingruppenelemente......

Deshalb kann man auch Elektrum (Au/Ag-Legierung) als Edelmetallfraktion im Waschgold der Schwarza/Saale finden.....

schöne Grüsse von :prostbier:
Achim  

 

FlyingTim

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Re: Unterschiedliche Formen und Silbergehalt bei Thüringer Gold
« Antwort #6 am: Januar 03, 2010, 12:03:19 Nachmittag »
Hallo Achim!

Das sieht ja wie wunderschönes frisches Silber aus! Sowas würde ich um die gegend von Leutenberg vermuten? Zumindest hab ich von dort auch noch einen ziehmlich schwer in der Hand liegenden Erzbrocken. Die glitzert so silbern.


Gruß Tim

Plagioklas

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Re: Unterschiedliche Formen und Silbergehalt bei Thüringer Gold
« Antwort #7 am: Januar 03, 2010, 14:05:24 Nachmittag »
Zitat
Zumindest hab ich von dort auch noch einen ziehmlich schwer in der Hand liegenden Erzbrocken. Die glitzert so silbern.

Das klingt nicht nach silbererz. Silbererze sind (Sofern nicht im dunkeln unter besonderen Bedingungen gelagert oder ungewöhnlich frisch) matt und stumpf und bilden nur selten erzbröckchen oder gar klumpen.

Mach mal ein Bild deines Stücks hier rein.

Offline Hungriger Wolf

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Re: Unterschiedliche Formen und Silbergehalt bei Thüringer Gold
« Antwort #8 am: Januar 03, 2010, 17:17:09 Nachmittag »
Hallo Tim!

Silbererze <-> Silberhaltige bzw. Goldhaltige Erze![/b]

@Tim Photo wäre interessant!

schöne Grüsse von :prostbier:
Achim

FlyingTim

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Re: Unterschiedliche Formen und Silbergehalt bei Thüringer Gold
« Antwort #9 am: Januar 03, 2010, 17:59:12 Nachmittag »
Keine Ahnung Leute!

Habs von nem Kumpel geschenkt bekommen. Er sagte es ist aus einem alten Stollen in dem auf Silber gebaut wurde.


Hier das Bild.


Gruß Tim

Plagioklas

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Re: Unterschiedliche Formen und Silbergehalt bei Thüringer Gold
« Antwort #10 am: Januar 03, 2010, 23:15:46 Nachmittag »
Wenn die Farbe (mit dem leichten Gelbton) so stimmt dann ist das meiste davon Pyrit.

Es kann aber Silbererz mit bei sein. Es währe dann schwarz angelaufen und matter glänzend.

Mach mal noch 2 Bilder von dem stein aus verschiedenen Perspektiven. Evtl. kann man noch mehr Erze drauf bestimmen.

Iason

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Re: Unterschiedliche Formen und Silbergehalt bei Thüringer Gold
« Antwort #11 am: Januar 04, 2010, 11:09:44 Vormittag »
Das silberweisse glänzende Mineral auf dem Handstück ist höchstwahrscheinlich Arsenopyrit.

Jens ohne z

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Re: Unterschiedliche Formen und Silbergehalt bei Thüringer Gold
« Antwort #12 am: Januar 04, 2010, 11:13:05 Vormittag »
Hallo Tim,

laut Wichdorff (1909) wurde an der Goldkuppe Schwefelkies abgebaut - Begleitet von etwas Bleiglanz und Magnetkies (Pyrrhotin). Am Nordhang gab es alten Bergbau auf Antimonit.
Interessanter ist aber der ehem. Bergbau am Silberberg bei Gahma. Dort gibt es ged. Gold im Arsenkies.

Grüße
Jens



 

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