Autor Thema: Laienfrage zu Schicht um Meteorit  (Gelesen 10136 mal)

Socksdryer

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Laienfrage zu Schicht um Meteorit
« am: August 22, 2010, 12:48:47 nachm. »
Meine Uroma hat mir einen Meteoriten vermacht der 1956 in Kaltenborn (ein Dorf nähe Cottbus/Guben) gefallen ist.

Ist wohl ein Eisenmeteorit da er magnetisch ist und an einen Stellen, vor allem da wo er aufliegt (in einem Setzkasten) noch sehr schön silbrig glänzt.

Ich habe hier nun viele Meteoriten gesehen und alle sind Schwarz überzogen.
Meiner ist allerdings eher Messingfarben.

MfG Socks

Offline MarkV

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Re: Laienfrage zu Schicht um Meteorit
« Antwort #1 am: August 22, 2010, 13:04:53 nachm. »
Hallo Socks,
stell am besten mal ein Bild davon ins Forum.

Aus 1956 ist aber kein Meteoritenfall bei Cottbus bekannt. Von daher wurde deiner offenbar nie wissenschaftlich untersucht und solange er das nicht ist, ist es auch kein offizieller Meteorit. Zudem sind Eisenfälle extrem selten. Von daher halte ich es für sehr unwahrscheinlich, dass es sich um einen Meteoriten handelt. Aber du kannst ja mal ein Bild einstellen.

Grüsse,
Mark

Socksdryer

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Re: Laienfrage zu Schicht um Meteorit
« Antwort #2 am: August 22, 2010, 13:38:39 nachm. »
So, hab mal ein paar Bilder von meinem Steinchen gemacht.

Oben, unten und die Brustelle.

Mir wurde erzählt er ist zerbrochen als man ihn fand und mein Uropa hat als bester Freund die zweite Hälfte bekommen.

http://img696.imageshack.us/gal.php?g=dsc00353pf.jpg

Die Bilder sind recht groß, könnte also eine Minute dauern.

MfG Socks

edit: Meine Besserwissende Mutter meint das ist nicht Messingfarben sondern eher Gräulich silbern... ;)
« Letzte Änderung: August 22, 2010, 13:55:17 nachm. von Socksdryer »

Offline Mettmann

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Re: Laienfrage zu Schicht um Meteorit
« Antwort #3 am: August 22, 2010, 14:00:07 nachm. »
Holla,

das ist mal etwas besseres, im Vergleich zu dem, was wir im Forum sonst vorgesetzt bekommen.

Auf den ersten Blick sieht es schon sehr nach Sikhote-Alin aus.
Etwas störend sind allerdings die Löchlein und Poren.
Ein Plus sind die kleinen Lienchen aussendran, die wie Flow-Lines ausschauen.

Dem Stück wurde an einer Seite Gewalt angetan, wo es abgebrochen ist.
Dieser Bruch scheint nicht frischer zu sein, also wenns ein Meteorit ist, dann von einem größeren Schauer.

Meine Vermutung wäre daher, ein typischer Sikhote-Alin,
der, wenn die Geschichte einen wahren Kern enthält, seinen Weg nach Cottbus gefunden hat,
und um den allerdings im Laufe der Zeit und über die Personen eine kleine Familienlegende gesponnen wurde.

Warnhinweis:  Den Du absolut nicht persönlich nehmen sollst, aber leider wird es halt doch immer wieder versucht:
Daß Leute bekannte und billige Meteorite kaufen und behaupten, sie seien in Deutschland gefunden worden oder gefallen,
da deutsche Meteorite wesentlich teurer gehandelt werden.
Solche Versuche fliegen stets auf bei den routinemäßig vorgeschriebenen Analysen und Messungen, die die spezialisierten Institute vornehmen, bevor und damit ein Meteorit offiziell anerkannt wird. Diese Untersuchungen sind sehr teuer und kosten einige Tausend Euro Steuergeld. Daher ist von solchen Versuchen tunlichst abzusehen.

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Mettmann
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Plagioklas

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Re: Laienfrage zu Schicht um Meteorit
« Antwort #4 am: August 22, 2010, 14:11:47 nachm. »
Beim ersten Bild hab ich auch an Flowlines gedacht, jedoch die anderen beiden Bilder haben mich umgestimmt.

Es scheint wohl doch eher Schlacke zu sein, wobei diese, wie gekochte und abkühlende Milch, ein Häutchen bekam, welches sich beim fließen geknittert hat und so die Flowlines bildete.

Ein paar weitere Bilder könnten da schon mehr aufschluss geben.

Socksdryer

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Re: Laienfrage zu Schicht um Meteorit
« Antwort #5 am: August 22, 2010, 14:12:52 nachm. »
Könnr ihr mir vielleicht noch sagen, oder mir einen Link geben was ein Sikhote-Alin ist?
Auf Wikipedia werde ich nur auf ein chinesisches Gebirge weitergeleitet :)

So, also die Geschichte darum glaube ich persönlich, meine Uroma wird sich sowas ja wohl nicht einfach ausgedacht haben.

Wie gesagt, der Stein war bei seinem Fund im Garten des Freundes (ist übrigens tagsüber heruntergegangen) in zwei Stücke zerbrochen und ein Teil befindet sich jetzt in meinem Besitz.

Verkaufen werde ich ihn eh nicht, da der idelle Wert den materiellen Wert mit Sicherheit um einiges übersteigt ;)

MfG Socks

edit: was für Bilder wären denn noch Aufschlussreich? Ich habe ihn ja schon von den markantesten Seiten fotografiert

Offline MetGold

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Re: Laienfrage zu Schicht um Meteorit
« Antwort #6 am: August 22, 2010, 14:20:50 nachm. »
Hallo Socks,

auch von mir ein Willkommen. Hilfreich wäre es, wenn du die Löcher etwas größer und scharf abfotografieren könntest. Mal ein Querschläger ist zwar selten aber so viele an einem Stück.  :gruebel:

Wenn du   Meteorite Sikhote-Alin   bei Google eingibst kommt eine Flut von Antworten und Bildern!


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Offline Mettmann

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Re: Laienfrage zu Schicht um Meteorit
« Antwort #7 am: August 22, 2010, 14:25:10 nachm. »
Sikhote-Alin ist der größte Eisenmeteoritenfall in der Geschichte,
der sich in dem gleichnamigen Gebirge 1947 in Sibirien zugetragen hat.

Zugleich ist er der massereichste Fall überhaupt, rund 100 Tonnen sind runtergekommen, darunter unzählige kleine Stückchen, die so aussehen wie Deines.
Von der Masse hergesehen, ist praktisch jeder zehnte-fuffzehnte Meteorit auf Erden in den Sammlungen ein Sikhote-Alin
und diese sind sehr leicht und billig käuflich zugänglich und zu erwerben.

Schmeiß einfach mal in die Bildersuche beim Google "Sikhote-Alin" rein.

Ich sehe der Erfahrung nach zwo Möglichkeiten.
Entweder es ist kein Meteorit - denn diese kleinen Löchlein drin findet man eigentlich nicht bei Eisenmeteoriten
(in dem Fall aber großes Lob, denn er sieht wirklich sehr wie ein Meteorit aus)
oder es wird ein Sikhote-Alin sein.

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Mettmann
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Offline MarkV

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Re: Laienfrage zu Schicht um Meteorit
« Antwort #8 am: August 22, 2010, 14:36:18 nachm. »
Hallo,
na das sieht doch auf den ersten Blick schon mal nach Meteorit aus. Auf den zweiten Blick gibt es allerdings einige Schönheitsfehler:

- die schon erwähnten kleinen Löcher in der Kruste (sind auf dem Bild leider unscharf), sind für Meteorite untypisch
- die Kruste ist für einen Eisenmeteoriten ungewöhnlich. Normalerweise haben Eisenmeteorite nicht so eine deutliche Kruste. An einer Stelle sieht es fast so aus als könnte sie abblättern.
- in einigen Vertiefungen findet sich keine Kruste
- für einen Sikhote ist die Kruste zu bräunlich (ich hab allerdings einen Ziz mit so einer leicht bronzefarbenen Kruste)

Von daher glaube ich nicht, dass es ein Sikhote ist. Vermutlich ist es gar kein Meteorit. Aber ich denke hier würde sich ein genauerer Blick (anschneiden, anätzen) lohnen. Mal schauen was die Eisenexperten im Forum dazu sagen.

Grüsse,
Mark


Socksdryer

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Re: Laienfrage zu Schicht um Meteorit
« Antwort #9 am: August 22, 2010, 14:42:48 nachm. »
Also, wenn mit Kruste das weiße gemeint ist, es ist tatsächlich an manchen Stellen nicht sehr fest drauf.

Allerdings denke ich das es auch eine nachträgliche chemische Reaktion sein könnte. Wie der Stein vor 2000 (da habe ich ihn bekommen) gelagert wurde weiß ich nicht.

Ich habe noch zwei Fotos gemacht aus anderen Winkeln, schärfer gehts leider nicht, da spielt die Digicam nichtmehr mit.

http://img690.imageshack.us/gal.php?g=dsc00362bm.jpg

Auf jeden Fall danke für alle Antworten, ist wirklich spannend :)

MfG Socks

Edit: Ganz wichtig, ich hab mich oben mit dem Datum vertan, es war 1958, nicht 56.

Offline MetGold

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Re: Laienfrage zu Schicht um Meteorit
« Antwort #10 am: August 22, 2010, 14:55:01 nachm. »
Hallo Socks,

haben wir eigentlich schon über die magnetische Anziehung gesprochen?

Wenn du einen einfachen Kühlschrankmagneten nimmst, wird er da stark, geradeso oder gar nicht angezogen ???
Oder hab ich das überlesen?

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Socksdryer

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Re: Laienfrage zu Schicht um Meteorit
« Antwort #11 am: August 22, 2010, 14:59:21 nachm. »
Hast du überlesen, wird stark angezogen, also genauso wie bei jeder anderen metallischen Oberfläche (habs mal an nem Hammerkopf mit dem gleichen Magneten verglichen)

Offline MarkV

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Re: Laienfrage zu Schicht um Meteorit
« Antwort #12 am: August 22, 2010, 14:59:29 nachm. »
Hallo Socks,
also deine Bilder sind super.

Hier sieht man oben diese vielen kleinen Löcher. Sowas hab ich noch nie bei einem Meteoriten gesehen. Hab eben nochmal einige Sikhotes und andere Eisen aus meiner Sammlung angeschaut. Von daher spricht das eher nicht für einen Meteoriten.
http://img830.imageshack.us/img830/9530/dsc00366wo.jpg

Mit Kruste meine ich schon die messingfarbene Oberfläche mit den Fliesslinien drin. An den Bruchstellen und um einige "Vertiefungen" sieht man einen krassen Unterschied zwischen der Kruste und dem Inneren, als wenn die Kruste eine millimeterdünne Schicht ist, die man fast abblättern könnte. Das ist für Eisenmeteorite auch eher untypisch. Aber rein vom Bild her könnte ich nicht ausschliessen, dass es vielleicht doch ein Meteorit ist. Von daher meine ich, dass es sich lohnt, den mal anzuschneiden. Aber mal abwarten was unsere Eisenexperten Mirko und Andi dazu sagen.

Grüsse,
Mark

Offline MetGold

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Re: Laienfrage zu Schicht um Meteorit
« Antwort #13 am: August 22, 2010, 15:09:13 nachm. »
Hallo,

warum traut sich eigentlich heute keiner das Wort "Eisen-Schlacke" mit in die Waageschale zu werfen ??? - Ich weiß schon, wegen der willkommenen Ähnlichkeit mit einem Sikhote,


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Socksdryer

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Re: Laienfrage zu Schicht um Meteorit
« Antwort #14 am: August 22, 2010, 15:12:31 nachm. »
Also der Eindruck täuscht, die Messingfarbene Oberfläche ist fest drauf, aber wie du schon meintest nur einige Mikrometer dick (Millimeter ist übertrieben)

Was mir mehr Sorgen bereitet sind die kleinen Poren. Sie sind nicht sehr ausgeprägt und auch nicht sooo viele aber eben vorhanden.
Genau deswegen ist Schlacke ebenso wahrscheinlich, was natürlich äusserst Schade wäre.

Einen Anschliff oder eine Ätzung werde ich erstmal wohl nicht machen ;)

MfG

Edit: Die Poren sind sehr klein (<1mm) und treten nicht überall auf

 

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