Autor Thema: Entstehung von Chondren  (Gelesen 18581 mal)

Offline MarkV

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Re: Entstehung von Chondren
« Antwort #15 am: August 29, 2010, 15:32:37 nachm. »
Hallo,
wenn es wirklich stimmt, dass Chondren durch Zusammenstösse von Asteroiden entstanden sind, dann sind hier sehr viele verschiedene Szenarien möglich: Unterschiedliche Auftreffwinkel und Geschwindigkeiten, unterschiedliche Grössen der Asteroiden, Asteroiden aus verschiedenen Regionen des Sonnensystems, Asteroiden mit bereits dicken achondritischen Krusten die zusammenparallen, Asteroid, bei dem bereits das Eisen in den Kernbereich gesunken, Asteroiden in einem noch stark von Staub umgebenden Bereich. Diese verschiedenen Entstehungsbedingungen müssten sich irgendwie in den Chondriten widerspiegeln.

Das sollte man dazu auch lesen:
http://adsabs.harvard.edu/full/2005ASPC..341..915S

Die Konsequenzen dieser Theorie sind enorm: Die Unterschiede im Metallgehalt zwischen LL, L und H Chondriten lassen sich dann beispielsweise ganz einfach dadurch erklären, dass der Zusammenstoss bei LL eher streifend erfolgte und das schwere Eisen nicht in so grossen Mengen in die Tröpfchenwolke gelangte. Auch hat das Zwiebelschalen-Modell dann nicht mehr eine so grosse Bedeutung wie bisher.

Da wir Sammler ja quadratmeterweise Chondritenscheiben im Regal haben, kann man vielleicht selbst noch die eine oder andere Entdeckung machen (Einschlüsse von achondritischer Kruste des einschlagenden Asteroiden, eine ungewöhnliche Chondre, die von aussen mit eingebacken wurde etc.)

Jedenfalls kann ich meinen Gujba jetzt weiterhin beruhigt in dem Regal neben den Chondriten stehen lassen. Diejenigen, die der Schockwellen-Theorie folgen, müssten ihn eher zu den Steineisenmeteoriten stellen.  

Grüsse,
Mark
« Letzte Änderung: August 29, 2010, 16:23:34 nachm. von MarkV »

Offline MarkV

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Re: Entstehung von Chondren
« Antwort #16 am: September 01, 2010, 15:46:36 nachm. »
Hallo,
ich will das Thema doch nochmal kurz aufgreifen.

Es ist inzwischen unter den Wissenschaftlern herrschende Meinung, dass die Eisenmeteorite älter sind als die Chondrite. Es steht zwar noch in vielen Lehrbüchern, dass sich zuerst die Chondren aus Staubkörnern in der protoplanetaren Scheibe gebildet haben und sich danach aus dem chondritischen Material die ersten Planetesimale gebildet haben, aber diese Ansicht ist heute überholt. Vielmehr ist es so, dass sich die Mutterkörper der Chondrite praktisch als letztes gebildet haben, als es schon längst Planetesimale/Protoplaneten gab, von denen Eisenmeteorite die Überreste sind.

Die Chondrite sind etwa 2 Millionen Jahre nach den CAIs entstanden. Aber schon 0.5 Millionen Jahre nach der CAI-Bildung gab es bereits zahlreiche grosse Planetesimale. Das ist soweit unstrittig. Diese Planetesimale müssen aufgrund der hohen Zerfallsrate von Al 26 grösstenteils flüssig gewesen sein, wenn sie über 30km gross waren. Das wird auch kaum jemand bestreiten können. Solche grösstenteils flüssigen Planetesimale müssen häufig zusammengestossen sein. Das wird auch kaum zu bestreiten sein. Was passiert, wenn solche aufgeschmolzenen Planetesimale zusammenstossen? Es muss zur Bildung zahlreicher Tröpfchen gekommen sein. Dieses Video verdeutlicht das:
http://www.youtube.com/watch?v=sJHDsMACC6w

Von daher würde man grosse Mengen solcher erstarrten Tröpfchen in Meteoriten geradezu erwarten. Wenn die Chondren nicht diese Tröpfchen sind, dann frag ich mich, wo sie geblieben sind? Von daher halte ich es für extrem wahrscheinlich, dass die Chondren wirklich durch solche Zusammenstösse entstanden sind, auch wenn das im Moment noch nicht die einhellige Auffassung unter den Wissenschaftler ist. Ich habe aber den Eindruck, dass die Einschlags-Theorie immer mehr Anhänger gewinnt. Zudem wurde unlängst festgestellt, dass sich die Chondren in einer Umgebung mit sehr hoher Materiedichte gebildet haben müssen, viel dichter als man es bei der Staubscheibe im frühen Sonnensystem erwarten würde. Tröpfchenwolken, wie sie bei einem Einschlag entstehen, würden dagegen eine ausreichende Dichte haben. Vor 10 Jahren hielt man die Einschlags-Theorie noch für am wenigsten wahrscheinlich. Heute hat sie neben der Schockwellen-Theorie wohl noch die meisten Anhänger. Auf der Seite von Weir findet man die Einschlags-Theorie inzwischen auch gleich an zweiter Stelle neben der Schockwellen-Theorie: http://www.meteoritestudies.com/protected_append1.htm .

Ich hab den Eindruck, dass wir hier kurz vor einem Paradigmenwechsel stehen, wie es ihn schon bei den Eisenmeteoriten gegeben hat, als man herausfand, dass die Mutterkörper der Eisenmeteorite älter sind als die Mutterkörper der Chondrite.

Grüsse,
Mark
« Letzte Änderung: September 01, 2010, 16:14:16 nachm. von MarkV »

Offline ironsforever

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Re: Entstehung von Chondren
« Antwort #17 am: September 01, 2010, 15:56:01 nachm. »
Zitat
Hallo,
ich will das Thema doch nochmal kurz aufgreifen.

Es ist inzwischen unter den Wissenschaftlern herrschende Meinung, dass die Eisenmeteorite älter sind als die Chondrite. Es steht zwar noch in vielen Lehrbüchern, dass sich zuerst die Chondren aus Staubkörnern in der protoplanetaren Scheibe gebildet haben und sich danach aus dem chondritischen Material die ersten Planetesimale gebildet haben, aber diese Ansicht ist heute überholt. Vielmehr ist es so, dass sich die Mutterkörper der Chondrite praktisch als letztes gebildet haben, als es schon längst Planetesimale/Protoplaneten gab, von denen Eisenmeteorite die Überreste sind.

Die Chondrite sind etwa 2 Millionen Jahre nach den CAIs entstanden. Aber schon 0.5 Millionen Jahre nach der CAI-Bildung gab es bereits zahlreiche grosse Planetesimale. Das ist soweit unstrittig. Diese Planetesimale müssen aufgrund der hohen Zerfallsrate von Al 26 grösstenteils flüssig gewesen sein, wenn sie über 30km gross waren. Das wird auch kaum jemand bestreiten können. Solche grösstenteils flüssigen Planetesimale müssen häufig zusammengestossen sein. Das wird auch kaum zu bestreiten sein. Was passiert, wenn solche aufgeschmolzenen Planetesimale zusammenstossen? Es muss zur Bildung zahlreicher Tröpfchen gekommen sein. Dieses Video verdeutlicht das:
http://www.youtube.com/watch?v=sJHDsMACC6w

Von daher würde man grosse Mengen solcher erstarrten Tröpfchen in Meteoriten geradezu erwarten. Wenn die Chondren nicht diese Tröpfchen sind, dann frag ich mich, wo sie geblieben sind? Von daher halte ich es für extrem wahrscheinlich, dass die Chondren wirklich durch solche Zusammenstösse entstanden sind, auch wenn das im Moment noch nicht die einhellige Auffassung unter den Wissenschaftler ist. Ich habe aber den Eindruck, dass die Einschlags-Theorie immer mehr Anhänger gewinnt. Zudem wurde unlängst festgestellt, dass sich die Chondren in einer Umgebung mit sehr hoher Materiedichte gebildet haben müssen, viel dichter als man es bei der Staubscheibe im frühen Sonnensystem erwarten würde. Tröpfchenwolken, wie sie bei einem Einschlag entstehen, würden dagegen eine ausreichende Dichte haben. Vor 10 Jahren hielt man die Einschlags-Theorie noch für am wenigsten wahrscheinlich. Heute hat sie neben der Schockwellen-Theorie wohl noch die meisten Anhänger. Auf der Seite von Dweir findet man die Einschlags-Theorie inzwischen auch gleich an zweiter Stelle neben der Schockwellen-Theorie: http://www.meteoritestudies.com/protected_append1.htm .

Ich hab den Eindruck, dass wir hier kurz vor einem Paradigmenwechsel stehen, wie es ihn schon bei den Eisenmeteoriten gegeben hat, als man herausfand, dass die Mutterkörper der Eisenmeteorite älter sind als die Mutterkörper der Chondrite.

Grüsse,
Mark

Hallo Mark,

vielen Dank für diesen Beitrag, der es auf den Punkt bringt, und das erklärende Video :super:. Ich find die Einschlags-Theorie sehr schlüssig.

Gruß,
Andi :prostbier:
Metaphysik ist der Versuch, in einem verdunkelten Zimmer eine schwarze Katze zu fangen, die sich gar nicht darin befindet (Karl Valentin)

Offline ben.g

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Re: Entstehung von Chondren
« Antwort #18 am: September 01, 2010, 16:30:38 nachm. »
Hallo  :winke:

Ich hab den Eindruck, dass wir hier kurz vor einem Paradigmenwechsel stehen, wie es ihn schon bei den Eisenmeteoriten gegeben hat, als man herausfand, dass die Mutterkörper der Eisenmeteorite älter sind als die Mutterkörper der Chondrite.
Sieht ganz so aus. Spannende Sache!

Hier noch drei kurze MetSoc-Artikel von Sanders zu dem Thema:
http://www.lpi.usra.edu/meetings/metsoc2009/pdf/5247.pdf
http://www.lpi.usra.edu/meetings/metsoc2010/pdf/5369.pdf
http://www.lpi.usra.edu/meetings/lpsc2010/pdf/2376.pdf

Gruß
Ben

Offline Dave

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Re: Entstehung von Chondren
« Antwort #19 am: September 01, 2010, 16:33:30 nachm. »
Nun muss ich aber mal was fragen.
Nach der Einschlags-Theorie sind also die Tröpfchen, die beim Einschlag 2er flüssiger und somit großer Planetesimale entstehe die späteren Chondren. Nun würde mich aber mal interessieren ob es eine Erklärung dafür gibt, das wir keine Chondren finden die was weiß ich 4cm groß sind.
Ich denke nicht das man davon ausgehen kann, das die gesamten Tröpfchen in der Tröpfchenwolke die beim Einschlag entstanden ist, in etwa die gleiche Größe hatten. Meiner Meinung nach müsste es doch auch größere gegeben haben? :nixweiss:



Offline lithoraptor

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Re: Entstehung von Chondren
« Antwort #20 am: September 01, 2010, 17:43:52 nachm. »
Moin!

@ Dave: Das ist ein sehr schöner Einwand!

Was mich bei allen Theorien immer etwas stört ist das Faktum, dass sie immer irgendwie "absolutistisch" sind. Eben immer Beweise dafür gefunden werden, dass sich etwas nur so (und nicht anders) zugetragen haben kann. Könnte es nicht viel mehr doch so sein, dass sich Chondren auf ganz unterschiedliche Weise und zu ganz unterschiedlichen Zeiten gebildet haben können. Also durch Schockwellen, Nebelblitze und Kollisionen? Einen Wassertropfen kann ich auf der Erde ja auch nicht nur dadurch erzeugen, dass ich einen Stein ins Wasser klatsch. Warum muss es also immer ein entweder oder sein und nicht auch mal ein "auch".
Ja und wenn die Chondrite nicht das älteste Material repräsentieren, wie es bisher den Anschein hat, dann stoße ich da aurf noch ein Problem. Woher kommen dann bitte die ganzen organischen Verbindungen in den Kohligen vom Typ 1 und 2 (CM CI), denn dieses Material muss sich doch allen anderen (dann folgenden) Prozessen entzogen haben, um erhalten geblieben zu sein?! Muss nun die gesamte Klassifikation der Chondrite überdacht/geändert werden und die Kohligen kommen nun in eine gänzlich neue Gruppierung? :gruebel: Mal ganz davon ab, dass wenn die Eisen eben nicht das Ergebnis einer Differenziation sind (da sie das älteste Material darstellen) hier noch keiner schlüssig erklären konnte, warum es dann Meso und Pallis gibt. ODER Bin ich grad irgendwie oder wo im Geiste hängengeblieben???

Gruß

Ein etwas irritierter Ingo :dizzy:

Offline MarkV

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Re: Entstehung von Chondren
« Antwort #21 am: September 01, 2010, 18:09:57 nachm. »
Nun muss ich aber mal was fragen.
Nach der Einschlags-Theorie sind also die Tröpfchen, die beim Einschlag 2er flüssiger und somit großer Planetesimale entstehe die späteren Chondren. Nun würde mich aber mal interessieren ob es eine Erklärung dafür gibt, das wir keine Chondren finden die was weiß ich 4cm groß sind.
Ich denke nicht das man davon ausgehen kann, das die gesamten Tröpfchen in der Tröpfchenwolke die beim Einschlag entstanden ist, in etwa die gleiche Größe hatten. Meiner Meinung nach müsste es doch auch größere gegeben haben? :nixweiss:

Hallo Dave,
es gibt Chondren, die über 4cm gross sind. Die grösste Chondre hat 48mm Durchmesser: http://www.mail-archive.com/meteorite-list@meteoritecentral.com/msg67705.html . So grosse Chondren sind allerdings selten. Die Schockwellen-Theorie hat deutlich mehr Probleme, die Entstehung von so grossen Chondren zu erklären als die Einschlags-Theorie. Ich denke mal, dass es grössere Chondren durch die Konvektion in der Einschlagswolke zerreißt. Nach der Einschlags-Theorie wären Chondren ja eng verwandt mit den Tektiten. Da ist es auch so, dass die alle ähnliche Grösse haben. Einen 50cm Moldavit hat man meines Wissens noch nicht gefunden.

Grüsse,
Mark
 
« Letzte Änderung: September 01, 2010, 18:32:48 nachm. von MarkV »

Offline MarkV

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Re: Entstehung von Chondren
« Antwort #22 am: September 01, 2010, 18:31:50 nachm. »

Ja und wenn die Chondrite nicht das älteste Material repräsentieren, wie es bisher den Anschein hat, dann stoße ich da aurf noch ein Problem. Woher kommen dann bitte die ganzen organischen Verbindungen in den Kohligen vom Typ 1 und 2 (CM CI), denn dieses Material muss sich doch allen anderen (dann folgenden) Prozessen entzogen haben, um erhalten geblieben zu sein?! Muss nun die gesamte Klassifikation der Chondrite überdacht/geändert werden und die Kohligen kommen nun in eine gänzlich neue Gruppierung? :gruebel:

Die Matrix in den CM Chondriten ist schon noch original Urnebel-Suppe. Ebenso bestehen die CI Chondriten daraus, die ja gar keine Chondren haben. Ich glaube da ist man sich nach wie vor einig. Das ist das primitivste Material, das es gibt. Ich dachte allerdings bisher, dass z.B. die CM-Chondrite ursprünglich auch dicht gepackt mit Chondren wie ein L3 waren und diese Chondren sich durch Einfluss von Wasser stark zersetzt haben und nur noch wenige Chondren übriggeblieben sind. Das scheint mir so nicht richtig zu sein. Vielmehr waren in dem Bereich, in dem die CM-Chondriten entstanden sind, von vornherein weniger Chondren vorhanden. Ich stelle mir das so vor, dass die Chondren in den CM2 von frühen Einschlägen stammen, wobei die Chondren dann in den Nebel abgegeben wurden. Aus dem Nebel hat sich dann später der Mutterkörper der CM2 Chondriten gebildet. In dieser Region des Sonnensystems scheint es weniger Kollisionen oder weniger flüssige Magma-Bälle gegeben zu haben.

Grüsse,
Mark

Offline ben.g

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Re: Entstehung von Chondren
« Antwort #23 am: September 02, 2010, 07:36:09 vorm. »
Nun muss ich aber mal was fragen.
Nach der Einschlags-Theorie sind also die Tröpfchen, die beim Einschlag 2er flüssiger und somit großer Planetesimale entstehe die späteren Chondren. Nun würde mich aber mal interessieren ob es eine Erklärung dafür gibt, das wir keine Chondren finden die was weiß ich 4cm groß sind.
Ich denke nicht das man davon ausgehen kann, das die gesamten Tröpfchen in der Tröpfchenwolke die beim Einschlag entstanden ist, in etwa die gleiche Größe hatten. Meiner Meinung nach müsste es doch auch größere gegeben haben? :nixweiss:

Hallo Dave,
es gibt Chondren, die über 4cm gross sind. Die grösste Chondre hat 48mm Durchmesser: http://www.mail-archive.com/meteorite-list@meteoritecentral.com/msg67705.html ....

Ja, und es gibt durchaus noch mehr große Chondren, wenn auch nicht so groß wie dieses Extrembeispiel:

Parnallee, LL3 - 3 mm
Bremervörde, H3 -  4 mm
Estacado, H6 -  7 mm and 10mm
Barratta, L4 -  8 mm
Belle Plaine, L6 -  9 mm
Bluff, L5  - 10 mm
Crumlin, L5  - 11 mm
Richardton, H5  - 11 mm
NWA 4679, CK3.8 - 12 mm (GIPO presale; Bernd Pauli Meteorite Collection)
De Nova, L6  - 13 mm
Hajmah, L5-6 - 18 mm
Djati-Pengilon, H6 - 48 mm (ellipsoidal chondrule, List comm.: David Weir)

Evidence for limited chondrule size ranges has been obtained by measuring a set of 62 chondrules spearated from LL chondrites. Using the data set suggests that > 99% of chondrules in those meteorites have diameters smaller or equal to 4.1 mm.
- Macrochondrules occupy only about 1% (!) of meteorite surfaces
- Macrochondrules or clasts were found in about 4% of the 833 ordinary chondrites they examined
- The H chondrites, as expected, contain a smaller proportion of large objects than the L and LL chondrites

Conclusions (excerpt): Macrochondrules or clasts were found in about 4% of the 833 OCs examined. 36 macrochondrules and 24 clasts were identified. Macrochondrules (> 5 mm in diameter) are mineralogically identical to normal chondrules, having porphyritic/poikilitic, barred olivine, and radiating pyroxene textural types. The most important criterion that distinguishes clasts from chondrules is usually the presence of fractured surfaces that indicate derivation from preexisting, larger objects ... Macrochondrules and clasts were found through the range of petrographic types. Fewer were located in H-chondrites than in L- or LL-chondrites.

Quelle:
BRIDGES J.C. et al. (1997) A survey of clasts and large chondrules in ordinary chondrites (Meteoritics 32-3, 1997, 389-394)

Diese Infos hat mir Bernd (Thin-Section) gestern noch freundlicherweise zugänglich gemacht. (Danke!)

Gruß
Ben

Offline Andyr

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Re: Entstehung von Chondren
« Antwort #24 am: September 02, 2010, 08:52:40 vorm. »
Moin!

Ja und wenn die Chondrite nicht das älteste Material repräsentieren, wie es bisher den Anschein hat, dann stoße ich da aurf noch ein Problem. Woher kommen dann bitte die ganzen organischen Verbindungen in den Kohligen vom Typ 1 und 2 (CM CI), denn dieses Material muss sich doch allen anderen (dann folgenden) Prozessen entzogen haben, um erhalten geblieben zu sein?! Muss nun die gesamte Klassifikation der Chondrite überdacht/geändert werden und die Kohligen kommen nun in eine gänzlich neue Gruppierung? :gruebel:

Die Komponenten in CI und CM-Chondriten entstanden ja nicht miteinander, sondern zu unterschiedlichen Zeiträumen und möglicherweise auch in unterschiedlichen Regionen des frühen Sonnensystems. Und ab einer Temperatur, bei der chemische Reaktionen erschwert werden (also niedrigen Temperaturen), kam es zur Vergessellschaftung dieser Komponenten, die somit auch erhalten geblieben sind und relativ wenig Wechselwirkung erfahren haben (von hydrothermaler Alteration einmal abgesehen).

Offline Dave

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Re: Entstehung von Chondren
« Antwort #25 am: September 02, 2010, 09:17:00 vorm. »
Hi,

also das es so große Chondren auch gibt wusste ich nicht. 1,..cm habe ich selber schon gesehen aber bis 4cm noch nicht.
Aber gut jetzt weiß ich es.
Allgemein finde ich die neue Einschlags-Theorie schon schlüssig, aber wer weiß ob das schon die Letzte ist, denn es stehen ja wie man sieht, noch einige Fragen offen.

Mal ganz davon ab, dass wenn die Eisen eben nicht das Ergebnis einer Differenziation sind (da sie das älteste Material darstellen) hier noch keiner schlüssig erklären konnte, warum es dann Meso und Pallis gibt.

Allgemein mal gesagt würde ich bei der Entstehung der Mesos und Pallas mal davon ausgehen das es sich hier vielleicht um einmalige Ereignisse gehandelt haben kann. Ich meine vielleicht gibt es jeweils nur einen Mutterkörper von dem alle Pallas oder eben Mesos "abstammen". So wie das zum Beispiel auch bei den HED´s ist. Das ist nur mal so ne Überlegung von mir. :dizzy:

Offline MarkV

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Re: Entstehung von Chondren
« Antwort #26 am: September 02, 2010, 11:40:27 vorm. »
Mal ganz davon ab, dass wenn die Eisen eben nicht das Ergebnis einer Differenziation sind (da sie das älteste Material darstellen) hier noch keiner schlüssig erklären konnte, warum es dann Meso und Pallis gibt.

Hallo,
die Eisen sind natürlich durch Differenzierung entstanden. Vielleicht habe ich mich da etwas unklar ausgedrückt. Das ursprünglichste Material in der protoplanetaren Scheibe neben den CAIs ist das Material, aus dem die CI-Chondriten bestehen. Aus diesem Material haben sich aber bereits 0.5 Mio Jahre nach der CAI-Entstehung Asteroiden gebildet, die sich differenziert haben (Eisen in der Mitte, Silikate oben). Von diesen relativ kleinen Asteroiden von vielleicht 30km bis einigen 100km Durchmesser stammen alle Eisenmeteorite. Da die Asteroiden relativ klein waren, sind die schon nach wenigen Millionen Jahren fest geworden. Vielleicht waren es 100, vielleicht auch 1000 solcher Asteroiden, vielleicht auch noch mehr. Wir haben ja von über 50 verschiedenen Asteroiden Eisenmeteorite. Man kann anhand der chemischen Zusammensetzung der Eisen unterscheiden, ob sie vom selben oder von verschiedenen Asteroiden stammen.

Die Eisenmeteorite stammen daher sehr wahrscheinlich auch nicht von sehr grossen Asteroiden, weil wegen der frühen Entstehung auch relativ kleine Asteroiden flüssig wurden, denn der radioaktive Zerfall war um so höher, je früher sich der Asteroid gebildet hat. Zuvor nahm man eher an, dass die Eisen von viel grösseren Asteroiden/Protoplaneten stammen, da man glaubte, dass sich solche differenzierten Asteroiden erst später gebildet haben und daher wegen der geringeren Radioaktivität ein grösseres Volumen notwendig ist, damit sich ein flüssiger Kern bilden kann. Es ist aber viel wahrscheinlicher, bei einem 30km Objekt durch Einschläge das Eisen freizulegen als bei einem 1000km Objekt. Bei einem 1000km Objekt bräuchte es schon gewaltige Einschläge, um das Eisen freizusetzen. Von daher wird man wohl selbst bei Vesta nicht auf den Eisenkern schauen, obwohl sie einen sehr grossen Krater hat.

Merkwürdig ist, dass wir zwar von 50 verschiedenen differenzierten Asteroiden Eisenmeteorite haben, aber die Achondrite nur von sehr wenigen verschiedenen Asteroiden stammen.

Grüsse,
Mark

Offline DCOM

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Re: Entstehung von Chondren
« Antwort #27 am: September 02, 2010, 12:28:59 nachm. »
Merkwürdig ist, dass wir zwar von 50 verschiedenen differenzierten Asteroiden Eisenmeteorite haben, aber die Achondrite nur von sehr wenigen verschiedenen Asteroiden stammen.

Das hat wohl damit zu tun, dass aufgrund störender Bahnresonanzen mit Jupiter aus den Kirkwoodlücken im Asteroidengürtel massenhaft Material von Vesta ins Innere des Sonnensystems transportiert wird. Deshalb ist HED-Material überrepräsentiert. Das heißt natürlich nicht, dass es weniger verschiedene Achondrite gibt, sondern nur, dass die Erde überwiegend nur mit bestimmtem Material "beliefert" wird. Die Eisen entstanden möglicherweise in einer Zeit, als es diesen Transport-Mechanismus noch nicht gab bzw. in einer anderen Raumregion.

Grüße, D.U.  :prostbier:

Offline MarkV

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Re: Entstehung von Chondren
« Antwort #28 am: September 02, 2010, 13:30:43 nachm. »
Naja, wenn aber doch die Eisen von 50-60 verschiedenen Asteroiden zu uns kommen, warum kommt dann kaum etwas vom Mantelmaterial dieser differenzierten Asteroiden bei uns an, sondern nur das Eisen aus dem Kern? Die Bahnresonanzen müssten doch für Mantel- und Kernmaterial gleich sein.

Hier finden sich einige Ansätze ( http://oro.open.ac.uk/21349/1/GREENWOODETAL2009.pdf ):

- Es könnte sein, dass die Krusten dieser Asteroiden in den letzten 4.5 Milliarden Jahre durch Weltraum-Verwitterung abgetragen worden sind.
- Die Meteoritenfälle spiegeln nicht das tatsächliche Mengenverhältnis der Materialen im Asteroidengürtel wider.
- Steinmeteorite erhalten sich auf der Erde nicht so gut wie die Eisen, daher sind die Eisen überrepräsentiert.
- Die Kruste dieser differenzierten Asteroiden wurde schon früh durch Einschläge zerstört.

In dem Paper wird näher auf die vierte Variante eingegangen. Es könnte sein, dass Mesosiderite durch Einschläge in solche differenzierten Asteroiden entstanden sind, ohne den Asteroiden ganz zu zerstören. In den Mesosideriten findet man machmal olivinreiche Einschlüsse. Dabei könnte es sich um Reste von Mantelmaterial dieser differenzierten Asteroiden handeln.

Grüsse,
Mark



Offline Mettmann

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Re: Entstehung von Chondren
« Antwort #29 am: September 02, 2010, 14:26:52 nachm. »
Ich hab da so meine Schwierigkeiten.
Also da schwabbeln also als erstes glutflüssige Asteroiden durchs Sonnensystem,
stossen dann zusammen, es spritzt, die Tröpflein erstarren zu Chondren.
Und das bildet dann die Asteroiden und Planetesimale - und das muß innerhalb von 2 Millionen Jahren geschehen.

Wo sind denn dann diejenigen dieser ersten Asteroiden hin, die nicht durch Zusammenstöße eliminiert wurden?
Kann ja schlecht sein, daß die sich alle samt und sonders in so kurzer Zeit vernichtet hätten, das würde ja eine Materiedichte voraussetzen im Frühsonnensystem, die uns vor Schwierigkeiten stellen würde.
Grad wenn man bedenkt, daß die Große Leerkegelung z.B., bis a Ruah war, das Heavy Bombardment 700 Millionen Jahre angedauert hat.

Da müßten dann schon ein paar dieser übriggeblieben sein,
- allein hamwa sowas nicht unter den Meteoriten.

Die müßten sich ihrerseits ja entweder differenziert haben, oder wenns zu klein waren nicht, aber dann eben achondritisch sein.
So alte Achondrite mit Kristallisationsaltern 2 Millionen (+ aweng zum Abkühlen) nach Anbegin hamwa aber nicht.

Und die differenzierten Meteorite die wir haben, und das kann man ja auch modellieren die Abkühlraten,
sind ja zu jung. (Und manchmal hamse noch Reliktchondren drin).

Selbe Schwierigkeit hab ich, die Eisenmeteorite unterzubringen, die ja auch anscheinend viel jüngere Kristallisationsalter haben.

Auch wüßt ich dann nicht, wenn sich alles durch große Kollisionen zerspellt hat, wie ich die riesigen Gasplaneten zusammenbekomme.

Und auch weiß ich nicht, warum die durchschnittliche Chondrengröße in den unterschiedlichen Meteoriten so unterschiedlich ist, nicht aber in dem jeweiligen einzelnen Meteoriten.
Was sich durch so aprupte Ereignisse nicht so recht, aber viel besser erklären läßt, wenn die Chondren sich frei gebildet haben und durch photophoretische Effekte sortiert wurden (mei war des gschwolln ausgedrückt, wißt scho, die Lichtmühlen oder wie die Dinger heißen, die in den 70igern und Frühachzgern als Dekoartikel so beliebt waren).

?

 :prostbier:
Mettmann
 
"Grawutzi - Kapuzi" (Pezi "Bär" Petz *1949-1995)

 

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