Autor Thema: Meteoritenfall über Deutschland? Feuerkugel 8.1.2011 17:51 MEZ  (Gelesen 190351 mal)

Offline karmaka

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Re: Meteoritenfall über Deutschland? Feuerkugel 8.1.2011 17:51 MEZ
« Antwort #600 am: Februar 07, 2011, 17:56:10 Nachmittag »
Hallo Mark und Forum,

auch ich habe mit Überlagerung einer Sternenkarte (Standort, Höhe und Uhrzeit waren identisch mit Marks Foto /9.1.11 3:11:51s)
den Anfang der Leuchtspur aus der Gais-Perspektive noch einmal neu vermessen und kam zu folgenden Ergebnissen:

Azimuth: 338,3333° (ähnlich wie bei Marks Messungen)

Höhe: 37,316667°  !!!

Der Höhenwert unterscheidet sich deutlich von Marks zwei Messungen  :gruebel: :gruebel:

Bei genauer Überlagerung der Sterne in der Nähe des Beginns der Leuchtspur unterscheidet sich auch mein äquatoriales Hilfsraster von dem in Marks Astronomieprogramm. Die Linien laufen nicht parallel.  :gruebel:

Martin

Offline ben.g

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Re: Meteoritenfall über Deutschland? Feuerkugel 8.1.2011 17:51 MEZ
« Antwort #601 am: Februar 07, 2011, 18:31:00 Nachmittag »
Dort sind die überlagerten Sternbilder Kassiopeia (das 'gedrehte W') und Kepheus gut zu erkennen.
Ja, mit genau diesem Foto und den beiden Sternbildern habe ich es auch versucht.
Ich krieg da nix identifiziert. Ist wohl nicht mein Ding...  :nixweiss:

Gruß
Ben

Offline MarkV

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Re: Meteoritenfall über Deutschland? Feuerkugel 8.1.2011 17:51 MEZ
« Antwort #602 am: Februar 07, 2011, 18:43:08 Nachmittag »
Hallo Martin,
du meinst dieses Bild hier?
http://www.parhelia.de/storm/2011/fk_gais_anfang3.jpg
Stellarium gibt mir für den Schnittpunkt der roten Hilfslinien eine Höhe von ca. 35.7° aus. Hab ich eben nochmal nachgesehen.

Bei dem Gais Bildern sind 80% der "Sterne" gar keine Sterne sondern Hotpixel. Man muss da sehr aufpassen, wenn man eine Sternkarte drüber legt. Ich habe zunächst mal mit Hilfe eines Zeitraffer Videos bestimmt, welche von den "Sternen" sich bewegen, also echte Sterne sind und was Hotpixel. Ausserdem verwendet die Kamera ein starkes Weitwinkel mit grossen Verzerrungen, so dass man nur die Sterne in der Umgebung des Messpunktes vernünftig überlagert bekommt. Ich glaube bei dir ist etwas falsch gelaufen.

Grüsse,
Mark

Offline karmaka

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Re: Meteoritenfall über Deutschland? Feuerkugel 8.1.2011 17:51 MEZ
« Antwort #603 am: Februar 07, 2011, 19:14:22 Nachmittag »
Hallo Mark,

ja genau das Bild meine ich.

Zitat
so dass man nur die Sterne in der Umgebung des Messpunktes vernünftig überlagert bekommt.

Das ist bei mir auch so. Ich versuche mal einen Ausschnitt der überlagerten Bilder hier in Kürze einzustellen.

Grüße

Martin

Offline gsac

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Re: Meteoritenfall über Deutschland? Feuerkugel 8.1.2011 17:51 MEZ
« Antwort #604 am: Februar 07, 2011, 19:48:23 Nachmittag »
Bisher hatte ich geglaubt, eine Schallerscheinung bei einer Feuerkugel wäre ein recht sicheres
Zeichen, dass ein Meteorit die Passage durch die Atmosphäre überdauert haben müsse...

Die Schallerscheinungen sind speziell in diesem Fall doch wohl eine akustische Begleitbeobachtung
"später" in der Dunkelflugphase, die ja bei diesem Meteor schon sehr viel früher, in rund 28 km Höhe,
bei entsprechend geringer Luftdichte und sehr viel höherer Eigengeschwindigkeit begonnen hatte.
Hier wäre es übrigens interessant, die Schallgeschwindigkeit mal barometrisch von der Höhe über
NN abzuleiten und dies auf die örtlichen Verhältnisse zu übertragen.

Immerhin sind diese Schallerscheinungen belegt, auch wenn man momentan weder die geografische
Verteilung der Beobachter noch die qualitativen Effekte [...von welcher Art waren diese???] kennt.
Es müssen also ein paar Meteoroide den Unterschallbereich erreicht haben, und genau im Moment
des akustischen Phänomens fliegen sie doch "nur noch" mit ein paar wenigen 100 m/sec, und nicht
mehr mit mehreren km/sec, realistisch eine Zehnerpotenz höher, wie zu Beginn des Dunkelflugs. Der
vorerst größte "Stress" auf den Meteoriden scheint an dieser Stelle erst mal ausgestanden zu sein -
warum sollten also Reste davon danach nicht auch den Erdboden erreichen, wenn auch eher klein
im Vergleich zur Ursprungsmasse? Nur so eine Überlegung, auch da müßte man genauer hinschauen:
wann erreichen nach den aktuellen Modelle die Teile nach den barometrischen Verhältnissen den
Unterschallbereich?

Ob man diese dann auch findet, ok, das ist eine ganz andere Frage...  :einaugeblinzel:

Alex  

Offline ben.g

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Re: Meteoritenfall über Deutschland? Feuerkugel 8.1.2011 17:51 MEZ
« Antwort #605 am: Februar 07, 2011, 20:39:26 Nachmittag »
... auch da müßte man genauer hinschauen:
wann erreichen nach den aktuellen Modelle die Teile nach den barometrischen Verhältnissen den Unterschallbereich?

Das ist von der Größe des Stücke abhängig.
1 kg Sücke z.B. in 18 km Höhe und 100 g schon in 21 km Höhe

Iason

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Re: Meteoritenfall über Deutschland? Feuerkugel 8.1.2011 17:51 MEZ
« Antwort #606 am: Februar 07, 2011, 20:50:05 Nachmittag »
Hier wäre es übrigens interessant, die Schallgeschwindigkeit mal barometrisch von der Höhe über
NN abzuleiten und dies auf die örtlichen Verhältnisse zu übertragen.
Hallo gsac,
die Schallgeschwindigkeit ist lediglich eine Funktion der Temperatur, bei -60 Grad ungefähr 292 m/sec.
Hab mit einem Augen- und Ohrenzeugen gesprochen der bei Ehingen wohnt. Der schätzt, dass das
Schallereignis etwa 90 - 120 sec nach dem Erlöschen zu hören war. An diesem Tag aber war der Wind
sehr stark und der Schall breitete sich zu ihm (fast) in der Gegenwindrichtung aus.
Unter diesen Bedingungen ist die Dämpfung sehr sehr hoch, und es wundert mich schon, dass der Betreffende
in einer Entfernung von ca. 30 Km vom Ende der Spur den Schall-Knall hören konnte.
Also da muss es schon ordentlich gerumst haben!

Gruss Iason

Offline karmaka

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Re: Meteoritenfall über Deutschland? Feuerkugel 8.1.2011 17:51 MEZ
« Antwort #607 am: Februar 07, 2011, 21:10:01 Nachmittag »
Hallo Mark,

so hier nun noch einmal die überlagerten Bilder.
Die rot markierten Sterne in Bild 2 wurden zur Deckung gebracht:
TYC 4315-02126-2 /50 Cas /w Cas / FK5 87 / TYC 4058-01504-2
und die Kassiopeia Sterne  Segin und Ruchbah

Das horizontale Raster (Azimuth und scheinbare Höhe) ist in grün zu sehen, das
äquatoriale Raster in weiß (scharfe Linien).
Dahinter, etwas blass, Marks Karte mit der roten Markierung und der Leuchtspur.
Marks Karte wurde zur Anpassung um 4° im Uhrzeigersinn gedreht. Sonst wurden keine Verzerrungen vorgenommen.

Die vom Spuranfang weiter entfernten Sterne weichen auf den zwei Sternenkarten von einander ab. Ist ein Programm bei der Darstellung der Sterne genauer als das andere?
Treten sonst noch irgendwo Verzerrungen auf? Vielleicht beim Anpassen von Marks Bild an die höhere Pixelauflösung meines Bildes in Photoshop? Vorher hatte ich allerdings mein Bild auf die Bildauflösung von Marks Bild heruntergerechnet. Das Ergebnis war praktisch identisch, der Höhenunterschied bleibt.

Der Anfang der Leuchtspur liegt bei mir deutlich über der 36°00' Linie (Höhe)  :gruebel:

Hier die noch einmal gemessenen ungefähren Werte des Anfangs der Leuchtspur
(bei Marks roter Markierung):

Azimuth:  338°19'21''  (338.3225)
Höhe:  37°24'19''        (37.405278)

Einstellungen im Astronomieprogramm 'Redshift 7 Premium'

49°02'32'' N, 9°28'59'' O
1152 Meter über Meer
9.1.2011; Uhrzeit 03.11:20s (Hier hatte ich mich beim Einstellen um 31 Sek. vertan. Dies wirkt sich aber kaum aus)

Wo liegt der/mein Fehler oder die Erklärung für die Abweichung?  :gruebel:

 :prostbier:

Martin

Offline gsac

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Re: Meteoritenfall über Deutschland? Feuerkugel 8.1.2011 17:51 MEZ
« Antwort #608 am: Februar 07, 2011, 21:20:46 Nachmittag »
Hab mit einem Augen- und Ohrenzeugen gesprochen der bei Ehingen wohnt. Der schätzt,
dass das Schallereignis etwa 90 - 120 sec nach dem Erlöschen zu hören war. An diesem
Tag aber war der Wind sehr stark und der Schall breitete sich zu ihm (fast) in der
Gegenwindrichtung aus. Unter diesen Bedingungen ist die Dämpfung sehr sehr hoch, und
es wundert mich schon, dass der Betreffende in einer Entfernung von ca. 30 Km vom Ende
der Spur den Schall-Knall hören konnte. Also da muss es schon ordentlich gerumst haben!

Was dann aber auch bedeutet, weil die Windrichtung doch recht grob in etwa auch die der
azimutalen Flugrichtung des Meteors gewesen ist, daß es sehr deutliche Schallwahrnehmungen
im Bereich schon recht wenige km hinter dem visuellen Verlöschen des Meteors und vor allem
dann, mit dem Wind sozusagen weitergetragen, auch noch etwas weiter entlang des
Dunkelflugpfades gegeben haben müßte. Oder sehe ich da was verkehrt?

OK, wenn das lt. Ben schon in grösseren Höhen um die 20 km herum passiert ist, wird man es
aus dem Schall allein auch eher schwer örtlich eingrenzen können. Aber es wäre immerhin eine
interessante Ergänzung zu den anderen Kalkulationen...

Alex

(PS: war der historische Fall von Treysa nicht auch über einen sehr (!) weiten Bereich zu hören,
oder verwechsle ich da jetzt was? Selbst Ensisheim!)

Dazugelernt: daß die Schallgeschwindigkeit in Luft, das in guter Näherung als ideales Gas betrachtet
werden kann, tatsächlich primär von der Temperatur abhängt und nicht vom Druck! Danke Iason!
 :einaugeblinzel:

Offline ben.g

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Re: Meteoritenfall über Deutschland? Feuerkugel 8.1.2011 17:51 MEZ
« Antwort #609 am: Februar 07, 2011, 21:27:23 Nachmittag »
Vor lauter Überlagerungen, weiß ich nun nicht mehr welches der GaisFotos hier im Thread ein Original ist und ob ich überhaupt ein solches habe.  :laughing:
Kann mal jemand ein Original Gaisbild einstellen (oder auf ein schon eingestelltes verweisen) auf dem nur die fotografierten Sterne sind?

Gruß
ben

Offline karmaka

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Re: Meteoritenfall über Deutschland? Feuerkugel 8.1.2011 17:51 MEZ
« Antwort #610 am: Februar 07, 2011, 21:40:02 Nachmittag »

Zitat
Vor lauter Überlagerungen, weiß ich nun nicht mehr welches der GaisFotos hier im Thread ein Original ist und ob ich überhaupt ein solches habe.  laughing
Kann mal jemand ein Original Gaisbild einstellen (oder auf ein schon eingestelltes verweisen) auf dem nur die fotografierten Sterne sind?

Antwort #274 am: Januar 18, 2011 (im Thread auf Seite 19)

Ich komme hier auch inzwischen ein wenig durcheinander...

Gruß

Martin

Offline MarkV

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Re: Meteoritenfall über Deutschland? Feuerkugel 8.1.2011 17:51 MEZ
« Antwort #611 am: Februar 07, 2011, 21:42:38 Nachmittag »

49°02'32'' N, 9°28'59'' O
1152 Meter über Meer
9.1.2011; Uhrzeit 03.11:20s (Hier hatte ich mich beim Einstellen um 31 Sek. vertan. Dies wirkt sich aber kaum aus)

Wo liegt der/mein Fehler oder die Erklärung für die Abweichung?  :gruebel:



Hallo Martin,
ich wohne immer noch in der Schweiz, nicht auf 49° Nord:

Breite: 47.380475
Länge: 9.486791
Höhe 1150m

Grüsse,
Mark

Offline ben.g

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Re: Meteoritenfall über Deutschland? Feuerkugel 8.1.2011 17:51 MEZ
« Antwort #612 am: Februar 07, 2011, 21:54:44 Nachmittag »

Zitat
Vor lauter Überlagerungen, weiß ich nun nicht mehr welches der GaisFotos hier im Thread ein Original ist und ob ich überhaupt ein solches habe.  laughing
Kann mal jemand ein Original Gaisbild einstellen (oder auf ein schon eingestelltes verweisen) auf dem nur die fotografierten Sterne sind?

Antwort #274 am: Januar 18, 2011 (im Thread auf Seite 19)

Danke.

Ach, das sind Originale ohne Überlagerung?
Ich dachte auf den Bildern wäre schon eine Sternkarte drübergelegt.
(Die Dateibezeichnung "Overlay" hat mich wohl zu diesem Schluss verleitet)
Die "Sterne" in der Landschaft sind dann wohl die Hotpixel, die Mark erwähnt hat. Hmm das macht es schwierig...
Ich denke ich lasse das und "beschränke" mich auf Fallsimulation, Triangulation und Bestimmung der Plattenkonstanten aus schon bestimmten Sternen. Ist gerade mal genug.  :einaugeblinzel:

Gruß
Ben

Offline karmaka

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Re: Meteoritenfall über Deutschland? Feuerkugel 8.1.2011 17:51 MEZ
« Antwort #613 am: Februar 07, 2011, 21:56:38 Nachmittag »
Zitat
ich wohne immer noch in der Schweiz, nicht auf 49° Nord
 :bid: :bid: :bid:

Ich Depp!!!

Ein Fehler ganz am Anfang!

Danke für die Aufklärung.

Grüße

Martin

PS: So nun habe ich es bei mir richtig ausgemessen:

Azimuth:  338.61667
Höhe:      35.516667

Das sind doch endlich Werte, die denen von Mark schon näher kommen
(35.6730555 Höhe Anfang zweite Messung / 338.258888 Richtung Anfang zweite Messung)

Na, da kann ich ja dann auch bald zufrieden einschlafen...  :laughing:

Grüße

Martin
« Letzte Änderung: Februar 07, 2011, 22:33:14 Nachmittag von karmaka »

Offline Buchit

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Re: Meteoritenfall über Deutschland? Feuerkugel 8.1.2011 17:51 MEZ
« Antwort #614 am: Februar 07, 2011, 22:18:16 Nachmittag »
(PS: war der historische Fall von Treysa nicht auch über einen sehr (!) weiten Bereich zu hören,
oder verwechsle ich da jetzt was? Selbst Ensisheim!)

Nein, das stimmt: Ich war Augen- und Ohrenzeuge beim Neuschwanstein-Fall... und ich war etwa 60 km entfernt, und es hat noch ordentlich gerumst!

Gruß, Holger

 

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