Autor Thema: Meteoritenfall von Prambachkirchen  (Gelesen 4501 mal)

Offline herbraab

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Meteoritenfall von Prambachkirchen
« am: Februar 11, 2011, 14:53:21 Nachmittag »
Auf vielfachen Wunsch :einaugeblinzel: hier die Fall- und Fungeschichte des Meteoriten von Prambachkirchen. Aus: J. Schadler und J. Rosenhagen: "Der Meteorsteinfall von
Prambachkirchen (Oberösterreich) am 5. November 1932"
, in: Jahrbuch des oberösterreichischen Musealvereines, 86. Band (1935).
Online hier verfügbar

"Es war einige Minuten vor zehn Uhr abends. Im Tal lag dichter, herbstlicher Bodennebel. Der landwirtschaftliche Arbeiter Franz Pittrich ging auf seinem Weg zur Hintermühle eben am Gehöft Breitwieser entlang, als es plötzlich um ihn taghell wurde. Pittrich blieb wie gebannt stehen. Er konnte im Nebel die Quelle des scheinwerferartigen Lichtes nicht entdecken; die unvermittelte, durchdringende Helligkeit war ihm unerklärlich. Nach einigen Sekunden verschwand die Lichterscheinung. Pittrich setzte nachdenklich seinen Weg fort, bog um die Ecke des Gehöftes und sprach mit Josef Breitwieser, der durch das Licht aufgeschreckt ans Fenster geeilt war, über die seltsame Erscheinung. Kaum hatten sie die ersten Worte gewechselt, so hörten sie einen Doppelknall wie von fernen Büchsenschüssen. Sie horchten auf. Einige Worte hatten sie nur über die neue eigenartige Wahrnehmung gesprochen, da erhob sich ein ganz ungewöhnlicher Lärm. Ein gurgelndes, sausendes Geräusch verstärkte sich immer mehr, wie wenn ein Flugzeug aus nächster Nähe auf sie zukommen würde. Pittrich duckte sich unwillkürlich neben das Fenster, Breitwieser lief aus der Stube zur Haustüre — plötzlich, wie begonnen, endete das Geräusch mit einem deutlichen, dumpfen Aufschlag.

Max Baurecker, Besitzer der Hintermühle, hatte mit seiner Frau, allerdings aus etwas größerer Entfernung, ebenfalls die Erscheinungen beobachtet. Er traf Pittrich und Breitwieser noch vor dem Hause an. Sie besprachen ihr Erlebnis und kamen zur Ansicht, daß es sich um einen Meteoritenfall handeln müsse und der Meteorit nicht weit von ihnen niedergefallen sei. Noch nachts machte sich Pittrich mit einer Laterne auf die Suche, so nahe vermutete er die Einfallstelle; allerdings vergebens. Am nächsten Tag gingen Pittrich, Breitwieser, Anton Doppelbauer und dessen Sohn daran, das Gelände planmäßig abzusuchen. Die Lichterscheinung am Vortage schien zwar von Osten gekommen zu sein, dem Schall nach glaubten sie aber im Westen suchen zu müssen. Auch berichteten ihnen die beiden Beobachter Franz Lehner und Johann Sallaberger, daß sie das Auffallen des Steines vom Badhaus Daxberg aus in nordöstlicher Richtung gehört hätten. Zwischen dem Badhaus und dem Standort Pittrichs mußte man also suchen. Sie begannen die Felder westlich der Ortschaft in Schwarmlinie zu durchstreifen; da bemerkte Doppelbauer d. Ä. auf seinem mit Wintersaat frisch bestelltem Feld (Parz. 233 der Kat. Gem. Daxberg) eine Vertiefung im Boden, die vom Feldrain aus wie eine „Hasensaß" aussah. Er trat näher und fand den Meteorit.
[...] Das Stück hatte sich verhältnismäßig wenig tief in den Boden eingebohrt, der Abstand seiner Oberkante zum Boden betrug nur 23 cm.

[...]

Breitwieser bestimmte noch am selben Abend das genaue Gewicht und versuchte durch Wasserverdrängung das Raumgewicht und hieraus den Anteil an Metall und Steinmaterial im Meteorit zu berechnen, was ihm auch mit einiger Annäherung gelang. Es sei dies ausdrücklich anerkennend vermerkt ; es spricht für das Verständnis, das die Finder dem seltenen Naturereignis entgegenbrachten und bekräftigt die Zuverlässigkeit ihrer sonstigen Beobachtungen und Mitteilungen. Pittrich, der nächste Beobachter und Kronzeuge des Prambachkirchener Meteoritenfalles, schrieb am folgenden Tag einen Bericht an Dr. Th. Kerschner in Linz; gleichzeitig erstattete Revierinspektor F. Kienast vom Gendarmerieposten in Prambachkirchen Meldung an seine vorgesetzten Stellen und an das Landesmuseum in Linz. So war es möglich, daß Verfasser schon am 8. November an der Fundstelle das seltene Stück übernehmen und nach Linz bringen konnte. Der Finder und Besitzer A. Doppelbauer überließ es dem Laridesmuseum in verständnisvoller und entgegenkommender Weise."

:hut:
Grüße, Herbert
"Daß das Eisen vom Himmel gefallen sein soll, möge der der Naturgeschichte Unkundige glauben, [...] aber in unseren Zeiten wäre es unverzeihlich, solche Märchen auch nur wahrscheinlich zu finden." (Abbé Andreas Xaverius Stütz, 1794)

Offline herbraab

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Re: Meteoritenfall von Prambachkirchen
« Antwort #1 am: Februar 11, 2011, 15:13:26 Nachmittag »
Der Breitweiser-Hof heute, und die 1972 anläßlich des 40. Jahrestags des Falls daran angebrachte Gedenktafel.
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Offline herbraab

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Re: Meteoritenfall von Prambachkirchen
« Antwort #2 am: Februar 11, 2011, 15:19:01 Nachmittag »
Das 2007, zum 75. Jahrestag des Falls, errichtete Denkmal mit einem Modell des Meteoriten.
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Offline herbraab

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Re: Meteoritenfall von Prambachkirchen
« Antwort #3 am: Februar 11, 2011, 15:26:25 Nachmittag »
Der Meteoritenweg in Prambachkirchen, und der Fundort, 75 Jahre nach dem Fall, im Herbst 2007 - der Fundpunkt (die Wiese links, mit den beiden gepflügten Streifen) war zum Jubiläum mit einem weithin sichtbaren, roten Ballon markiert.

:hut:
Grüße, Herbert
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MilliesBilly

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Re: Meteoritenfall von Prambachkirchen
« Antwort #4 am: Februar 11, 2011, 16:11:46 Nachmittag »

Sehr schön, besten Dank! Nicht übel, die Sache mit dem roten Ballon.

Was die Art und Weise anbelangt, wie der Fall von den Beteilgten gehandelt wurde, würde ich die These aufstellen: zu jener Zeit war eine gewisse Grundgebildetheit in der Breite der Bevölkerung vorhanden, die es im konkreten Fall z.B. erlaubte, mit dem Fall und mit dem Meteoriten selber erstaunlich angemessen umzugehen. Das sehe ich heute nicht mehr in dem Maße gegeben. Vielleicht bin ich aber auch nur ein verdrossener Pessimist :-)

Offline Mettmann

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Re: Meteoritenfall von Prambachkirchen
« Antwort #5 am: Februar 11, 2011, 17:04:03 Nachmittag »
Ach Milly,

das lag daran, daß es früher kein RTL gab, in den Zeitungen noch im ganzen Satz geschrieben wurd, daß es sehr wenig Meteorite
und v.a. daß es kein Ebay gab!

Die älteren von uns habens noch miterlebt, wie das aufkommende Ebay die Meteorite schrittweise entweiht hat.
Ebay Hort der Socken und der Nasenhaarschneider, Ebay der Ort wo Meteorite heute zirkusmäßig ausgeschrien werden wie toter Räucheraal,
Ebay, was allen Ernstes dazu geführt hat,
daß es mittlerweile Menschen gibt, die über Bencubbinite oder Brachinite die Nase rümpfen
oder gar sich nicht entblöden, es wagen, an neuen Steinen vom Mond rumzunörgeln!!

Nein, verdrossener Pessimismus würd ich nicht sagen, sondern Vergreisung und Alterswehmut (bzw. -schwachsinn) ists, was uns beschleicht.

Niemand will zurück in Prambachszeiten, auch wenn ein paar schräge Vögel dran arbeiten mit Gesetzen,
denn das, was wir trotz allem heute haben, bei den Meteoriten,
das hat es noch niiiiiiiiie gegeben und bietet jedermann Möglichkeiten von denen unsere Väter und Vorväter nicht zu träumen gewagt.

....ich mag nich zurück, wo es für den Sammler möglich war, Stücke aller Meteorite komplett zu haben;
fast nur runtergewitterte H5er und L6er versammeln zu können
und ansonsten Haus und Hof drangeben zu müssen, für das, was heute im Taschengeldbudgetreichweite eines Schööölers liegt.

Super Mond.

Stunning Nakhlite.

Traumhafter Howardit.

Tschuldigung - das sind Pleonasmen.

Egal Milly, keine Bange, mit dem Verbotswahn, der sich nimmer eindämmen zu lassen scheint, irgendwann kommer in die ganz alte Zeit von alleeene zurück.

(Und nur das sollt uns wehmütig stimmen.)

 :prostbier:
Mettmann


PS: Bei aller Nostalgie, bitte niemals einen neuen Fall in Wasser schmeißen, um die Dichte zu ermitteln.

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I'll never speak to you again."
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MilliesBilly

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Re: Meteoritenfall von Prambachkirchen
« Antwort #6 am: Februar 11, 2011, 17:15:47 Nachmittag »

PS: Bei aller Nostalgie, bitte niemals einen neuen Fall in Wasser schmeißen, um die Dichte zu ermitteln.

Das ist allerdings richtig. Öl oder wenigstens ein Apfelschnaps wäre besser gewesen. Und dann ab in die Bratenröhre.


Offline herbraab

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Re: Meteoritenfall von Prambachkirchen
« Antwort #7 am: Februar 11, 2011, 20:48:05 Nachmittag »
Bei aller Nostalgie, bitte niemals einen neuen Fall in Wasser schmeißen, um die Dichte zu ermitteln.

Hat ihm aber nicht geschadet. Der Prambachkirchner sieht heute noch aus, als wäre er erst gestern runtergefallen:
Anbei ein Bild, als er anläßlich des 75. Falljubiläums wieder an den Ort seiner Falls zurückgekehrt ist.

Grüße, Herbert
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MilliesBilly

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Re: Meteoritenfall von Prambachkirchen
« Antwort #8 am: Februar 11, 2011, 23:25:35 Nachmittag »

Ein Prachtstück. Würd ich über sowas stolpern am kommenden Sonntag auf der Alb, ich schwör, ich tät's nicht liegen lassen.

Offline Mettmann

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Re: Meteoritenfall von Prambachkirchen
« Antwort #9 am: Februar 11, 2011, 23:46:04 Nachmittag »
pssst, wie schaut er denn von unten aus?
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Offline herbraab

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Re: Meteoritenfall von Prambachkirchen
« Antwort #10 am: Februar 13, 2011, 14:42:15 Nachmittag »
pssst, wie schaut er denn von unten aus?

In den ganz oben von mir verlinkten Artikel von 1935 gibt es gute Fotos des Meteoriten aus allen Richtungen.

Grüße, Herbert
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Plagioklas

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Re: Meteoritenfall von Prambachkirchen
« Antwort #11 am: Februar 13, 2011, 15:13:35 Nachmittag »

Offline herbraab

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Re: Meteoritenfall von Prambachkirchen
« Antwort #12 am: Februar 13, 2011, 17:48:33 Nachmittag »
Ich hab den Link mal korrigiert.

Uuups...sorry....  :peinlich:
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