Autor Thema: Benesov - alter Fall, neues Glück  (Gelesen 3481 mal)

Offline karmaka

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Re: Benesov - alter Fall, neues Glück
« Antwort #15 am: Mai 31, 2012, 17:16:47 nachm. »
Nicht 'schneller als mein Schatten'  :einaugeblinzel:, in aller Eile und auch ohne einen bestätigenden Literaturbeleg:

Ich habe bisher noch kein paper gefunden, in dem Belege für ein asteroidales Mehrfachsystem
mit einer unterschiedlichen Zusammensetzung der Körper vorliegen.

Bei den meisten Asteroidsystemen (binary asteroids, triple asteroids etc.) mit zwei oder drei Monden handelt es sich um sehr 'poröse Geröllhaufen' mit geringer Dichte.

Bei den meisten bekannten Asteroiden dieser Art geht man von relativ homogener Materie
bei Mutterkörper und Monden aus, die in einem 'collision mechanism' entstanden sind.

Auch beim Doppelsystem (90) Antiope lassen die Spektren der beiden Körper vermuten,
dass es sich um dieselbe Materie handelt.

Systeme mit Körpern unterschiedlicher Materie sollten wohl vor allem in einem 'capture mechanism' entstehen können.

http://cosmicdiary.org/fmarchis/2009/08/21/the-discovery-of-a-new-triple-asteroid-93-minerva/
http://www.mendeley.com/research/origin-90-antiope-componentresolved-nearinfrared-spectroscopy/
http://www.cesr.fr/~klotz/behrend_aa2005.pdf

Bilder:

45 Eugenia: http://nssdc.gsfc.nasa.gov/planetary/news/image/eugenia_19991006_b.jpg

(90) Antiope: http://www.astronoo.com/images/images_asteroides/asteroide90antiope.jpg

762 Pulcova:  http://upload.wikimedia.org/wikipedia/en/e/ea/762Pulcova-SwRI.gif

87 Sylvia: http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/5/52/CMSylvia.png

 :hut:
« Letzte Änderung: Mai 31, 2012, 17:44:02 nachm. von karmaka »

Offline KarlW

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Re: Benesov - alter Fall, neues Glück
« Antwort #16 am: Mai 31, 2012, 18:30:09 nachm. »
Nicht 'schneller als mein Schatten'

Oh doch! Und gleich mit einer ersten Zusammenfassung!  :applaus:
Daß Kollisionen eher homogene System erzeugen, ist einleuchtend (hohe Mischintensität). Mal sehen, ob sich mit anwachsender Datenmenge Gegenbeispiele finden, evtl. auch bei kleineren Systemen, die künftig beobachtbar werden.
Danke für die prompte Nachschau.

Respektvolle Grüße  :hut:
Karl

Offline karmaka

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Re: Benesov - alter Fall, neues Glück
« Antwort #17 am: Oktober 09, 2014, 19:41:09 nachm. »
Einer neuer Bericht mit Bildern zum Benesov Fund:

LINK

LINK (Original)

Am 14.10. wird der bisher nur für Abonnenten veröffentlichte Artikel von Pavel Spurný in Vesmír auch  im Journal Astronomy & Astrophysics veröffentlicht werden.

Offline karmaka

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Re: Benesov - alter Fall, neues Glück
« Antwort #18 am: Oktober 14, 2014, 07:16:16 vorm. »
Reanalysis of the Benešov bolide and recovery of polymict breccia meteorites – old mystery solved after 20 years

Pavel Spurný, Jakub Haloda, Jiří Borovička, LukᚠShrbený and Patricie Halodová

Published online: 14 October 2014
DOI: http://dx.doi.org/10.1051/0004-6361/201424308

LINK

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Offline aknoefel

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Offline Greg

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Re: Benesov - alter Fall, neues Glück
« Antwort #20 am: Oktober 16, 2014, 10:04:35 vorm. »
Hallo,

habe da mal ne Frage... Wie fange ich an? Also, das Thema Benesov Funde war bisher an mir vorbei gezogen. Habe eben erst diesen Thread gelesen. D.h., vor ein paar Tagen hatte ich ein Foto der Stücke gesehen. Mein spontaner Gedanke war, dass die Fundstücke merkwürig für Bodenfunde im heimisches Klima aussehen (meine Vorstellung davon ist zumindest anders). Auf dem Foto sehen sie in meinen Augen eher so aus, als wenn sie durch Windschliff gezeichnet und sich eine Wüstenpatina gebildet hätte. Auch die Färbung der Matrix hätte ich mir anders vorgestellt (kräftigeres Rot, aber nicht so durchoxidiert).
Vielleicht täuscht das Foto auch nur?
http://www.astrowatch.net/2014/10/benesov-meteorites-old-mystery-solved.html

Heute gibt es auf der Met-List lautes Gemurre, dass alles Betrug sei, da es sich um uralte NWA-Funde handeln müsse.

Die Leute des Suchtrupps kenne ich nicht und ich möchte nicht unreflektiert in den lauten Kritik-Kanon miteinsteigen...

Es gab anscheinend auch diverse wissenschaftliche Untersuchungen. Aber, hätte man es durch die durchgeführten Untersuchungen wirklich herausgefunden, wenn ein "Spaßvogel", wie es bereits hier im Thread einmal als Frage formuliert wurde, dort alte NWA-Funde hin gestreut hätte?

Oder könnten in unserem Klima ganz normale Prozesse der Bodenverwitterung in der Art die Oberfläche der Stücke abtragen und zu einer solchen glänzenden Patina führen?

Grüße  :hut:
Greg

Offline APE

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Re: Benesov - alter Fall, neues Glück
« Antwort #21 am: Oktober 16, 2014, 13:28:19 nachm. »
Hi Greg,

vergleichbar wäre doch der polnische Fall Pultusk oder der neue Fund in Bayern - Machtenstein! Selbst die neusten Fundstücke aus Polen sehen für mich wesentlich besser aus als jenes Material aus Tschechien. Wo ist die Schmelzkruste geblieben? Dabei sollte die Verwitterung der polnischen Funde doch größer sein, weil Pultusk schon 1868 gefallen ist. Merkwürdig finde ich auch den zerplatzenden Meteoroiden in 24km Höhe, wenn es jetzt auch noch verschiedene Materialklassen sein sollen. Das geht nach meinem Verständnis nur mit monolithischem Material, weil "ein Stein" einen Gewaltbruch hinlegt. Ein meteoroider Schutthaufen erzeugt einen von Anfang an einen sehr hellen Meteor, mit sehr viel Masseverlust, mit sehr vielen Brüchen über eine gewisse Zeit verteilt, es sind ja schließlich verschiedene Materialien und Teilstücke. Da es aber nur Langzeitbelichtungen vom Boliden gibt, kann man vielleicht nicht wissen, ob dahinter noch andere Massen flogen, die nicht so viel Licht erzeugt haben, wie das Hauptobjekt ... hm

Entscheidender ist allerdings die Ablagerung im Boden. Warum sollten die Steine noch an der Oberfläche sein? Wer findet mit einem Metalldetektor so kleine LL-Chondrite? Wo es doch bei einem normalen mitteleuropäischen Feld vom Zivilisationsschrott nur so wimmelt? Das Feld müsste erst einmal vom Metall gereinigt werden, und dann ...

... ach ja, immer dasselbe, wie bei Königsbrück!
Wenn man wirklich wissen möchte, wann das Material zur Erde kam, dann bitte messt doch stets vorher die Metallisotope oder Radionuklide, bestimmt das Erdalter der Steine, wie lange sie nun schon geschützt vor der kosmischen Strahlung hier existieren. Dann weiß man es genau und darf sowas auch bei Meteoritics & Planetary Science publizieren! Den Astronomen dort kann man sowas vieleicht verkaufen, aber doch nicht Experten für Meteorite.

Ich weiß wirklich nicht, wie so ein Artikel geschrieben werden konnte. Die Datenlage und Fakten über den Boliden mögen ja völlig richtig sein, aber die Funde muss man dann ebenso genau bewerten. Wennschon - dennschon!

Ein eindeutiger Skeptiker!
 :user:
Thomas
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Offline herbraab

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Re: Benesov - alter Fall, neues Glück
« Antwort #22 am: Oktober 16, 2014, 16:43:22 nachm. »
Die Leute des Suchtrupps kenne ich nicht und ich möchte nicht unreflektiert in den lauten Kritik-Kanon miteinsteigen...

Pavel Spurny ist ein Wissenschafter, der auf seinem Fachgebiet weltweit führend ist und einen exzellenten Ruf genießt. Ich kann mir nicht vorstellen, dass so ein Forscher seine Karriere durch eine bewusste Täuschung leichtfertig aufs Spiel setzt...

(Was natürlich nicht ausschließt, dass irgendein "Spaßvogel" dort NWAs ausgestreut haben könnte.)

:hut:
Herbert
"Daß das Eisen vom Himmel gefallen sein soll, möge der der Naturgeschichte Unkundige glauben, [...] aber in unseren Zeiten wäre es unverzeihlich, solche Märchen auch nur wahrscheinlich zu finden." (Abbé Andreas Xaverius Stütz, 1794)

Offline APE

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Re: Benesov - alter Fall, neues Glück
« Antwort #23 am: Oktober 17, 2014, 13:57:45 nachm. »
Herbert, genau das verstehe ich auch nicht. Ein solcher Wissenschaftler muss doch vorhersehen, das dies zu einer Diskussion führt. Selbst neue Funde, ja wie auch meine, werden stets nachgeprüft, um zu erfahren, ob die wirklich zum Ereignis dazugehören, damit keiner beschiss machen kann. Sowas macht er doch nicht zum ersten Mal. Oder ist es ihm egal? Vielleicht haben sich sonst andere darum gekümmert!

Wie auch immer Benesov wird ihm noch schwer zu schaffen machen. Grundsätzlich muss jeder Wissenschaftler offen kritisierbar bleiben, auch der Prof. oder eine Koryphäe, wie er. Leider kann er, nach meiner langen Erfahrung mit ihm, mit soetwas nicht so gut umgehen. Es wird also noch interessant werden. Ja, so sehe ich das auch.
 :user:
Thomas
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