Autor Thema: Brekzie aus dem Geschiebe von Rügen  (Gelesen 9806 mal)

Offline boborit

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Brekzie aus dem Geschiebe von Rügen
« am: Mai 23, 2012, 16:36:20 Nachmittag »
Hallo Brekzienfreunde,

ich war am Wochenende auf der Insel Rügen und pflügte mich durch das "Geschiebe". Neben vielen klassischen Plutoniten, Vulkaniten, Metamorphiten und Sedimentiten erweckte auch dieser Stein mein Interesse. Auf dem ersten Blick nur ein Granit/Metamorphit... aber mit durchgängigen schwarzen Schmelzadern. Nun können solche ja durch Druck und Hitze auf unterschiedliche Art und Weise entstehen. Da im hohen Norden aber auch eine Reihe von Impaktkratern vorkommen hoffe ich auf eine Impakt-Brekzie!

Was meint ihr, besteht da eine Chance?

Danke für`s Schauen und Helfen!

Viele Grüße - Michael
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Offline JFJ

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Re: Brekzie aus dem Geschiebe von Rügen
« Antwort #1 am: Mai 23, 2012, 19:11:02 Nachmittag »
Hallo Michael,

sieht eher nach einer vulkanischen Brekzie aus, mit Kluftfüllung aus fluider Magma in die Injektionsgänge.
Wohl ein Granit als Edukt.
Zu einem winzig kleinen Prozent könnte auch ein Pseudotachylit in Frage kommen. Nur den nachzuweisen bedarf eines (leider nicht immer aussagekräftigen Dünnschliffs); so richtig nachweisend wäre für Pseudotachylte eine Begutachtung unter dem Elektronenrastermikroskop. Dein Gestein zeigt zwar diesbezügliche Merkmale (schmale Risse unter 1 mm in den Klasten), aber sieht halt nicht 1005ig typisch aus.
Gegen ein Impaktgestein würden m.E. die geraden Risse sprechen - Aber warte dazu erst mal die Postings von den Impact-Profis ab.
Tendiere aber zum Ersten.

Glück Auf!
Jörg
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Offline JFJ

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Re: Brekzie aus dem Geschiebe von Rügen
« Antwort #2 am: Mai 23, 2012, 21:10:03 Nachmittag »
Zitat
aber sieht halt nicht 1005ig typisch aus.

Ich meinte natürlich "100%ig". % und 5 teilen sich einen Knopf auf der Tastatur, bin wohl ein wenig schwach heute abend.

 :winke: Jörg
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Offline boborit

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Re: Brekzie aus dem Geschiebe von Rügen
« Antwort #3 am: Mai 23, 2012, 21:28:21 Nachmittag »
Der Verdacht kam mir schon :smile: (mit der 5 und %)
Danke für deine Meinung zu dem Stein, Jörg!

Viele Grüße - Michael :winke:
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Plagioklas

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Re: Brekzie aus dem Geschiebe von Rügen
« Antwort #4 am: Mai 23, 2012, 22:20:54 Nachmittag »
Sieht mir nach Siliangranit aus, so einen habe ich auch (mit schwarzen dünnen Adern und einen Granat führenden Pegmatit, der durch die Adern auch geteilt ist, was Magmareste ausschließt).

Offline speul

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Re: Brekzie aus dem Geschiebe von Rügen
« Antwort #5 am: Mai 27, 2012, 20:34:57 Nachmittag »
Moin moin,
da ich nun die Bilder fertig habe, will ich mich auch dazu äußern.
1. interessantes Material
2. Siljan bestimmt nicht, dafür sind die Adern viel zu grün, vorausgesetzt der Weißabgleich ist nicht total daneben, wovon ich nicht ausgehe.

zwei Bilder Siljan zum Vergleich, geschliffen und Bruchfläche
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Offline speul

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Re: Brekzie aus dem Geschiebe von Rügen
« Antwort #6 am: Mai 27, 2012, 20:37:13 Nachmittag »
was dann?
erinnert mich etwas daran, stammt auch aus dem Geschiebe in der Nähe von Salzwedel. Der Ort hört auf den schönen Namen Quadendambeck.
Bringt uns aber auch nicht wirklich weiter.
Bildgröße etwa 4x6 cm
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Offline speul

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Re: Brekzie aus dem Geschiebe von Rügen
« Antwort #7 am: Mai 27, 2012, 20:42:49 Nachmittag »
vielleich die Lösung:
ziemlich unbekanntes Material, vermutlich die Pseudotachylitbrekzie von Tvären. Habe ich letztens bekommen, stammt aus dem südlichen Bereich der Tvären-Bucht.
Leider konnten in 10 Dünnschliffen keine pdf´s nachgewiesen werden (freundliche Information Rainer B...)
wieder geschnitten (naß fotografiert) und Bruchfläche.
Was meint Ihr?
Grüße
speul
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Offline speul

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Re: Brekzie aus dem Geschiebe von Rügen
« Antwort #8 am: Mai 27, 2012, 20:46:19 Nachmittag »
Zitat
sieht eher nach einer vulkanischen Brekzie aus, mit Kluftfüllung aus fluider Magma in die Injektionsgänge.
Wohl ein Granit als Edukt.

aber warscheinlich hat doch Jörg Recht  :super:
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Plagioklas

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Re: Brekzie aus dem Geschiebe von Rügen
« Antwort #9 am: Mai 28, 2012, 00:00:19 Vormittag »
Zitat
1. interessantes Material
2. Siljan bestimmt nicht, dafür sind die Adern viel zu grün, vorausgesetzt der Weißabgleich ist nicht total daneben, wovon ich nicht ausgehe.

Siljan ist nicht gerade klein. Und wie beim Ries wird es auch beim Silian Zonen verschiedener Zusammensetzungen und somit auch verschiedener Farben geben. Siljangranit ist jedenfalls ein häufiges Geschiebe.

http://www.kristallin.de/s2/f_siljan.htm

Offline speul

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Re: Brekzie aus dem Geschiebe von Rügen
« Antwort #10 am: Mai 28, 2012, 09:29:51 Vormittag »
Zitat
Siljan ist nicht gerade klein. Und wie beim Ries wird es auch beim Silian Zonen verschiedener Zusammensetzungen und somit auch verschiedener Farben geben. Siljangranit ist jedenfalls ein häufiges Geschiebe.

alles richtig
aber es gibt nur eine kleine Stelle wo der abgebildete Impaktit auftritt.
der Rest ist halt in den letzten 377 Millionen Jahren wegerodiert
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Offline boborit

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Re: Brekzie aus dem Geschiebe von Rügen
« Antwort #11 am: Mai 28, 2012, 10:03:18 Vormittag »
Hallo Brekzienfreunde,

vielen Dank für die aufgeführten Möglichkeiten und Tipps.
Granit vom Siljan-Krater habe ich vorliegen... ich mache mal einige Bilder im direkten Vergleich und stelle die dann hier ein.
Mit den Details daraus können wir dann auch Übereinstimmungen mit Speul´s Pseudotachylitbrekzie von Tvären abwägen.

Speul@ du hast noch eine Brekzie bei mir gut!

Viele Grüße - Michael :winke:
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Offline JFJ

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Re: Brekzie aus dem Geschiebe von Rügen
« Antwort #12 am: Mai 28, 2012, 10:14:56 Vormittag »
Hallo Speul,
hallo Allgemeinheit,

es gibt Neuigkeiten bei der Bestimmung von Pseudotachyliten: PDF´s lassen sich nicht immer in Dünnschliffen nachweisen  :crying:
Fehlende PDS schließen somit keinen Pseudotachylit aus.
Ich stehe diesbezüglich gerade mit der Uni Potsdam in Kontakt. Wenn keine PDF´s im Dünnschliff nachweisbar sind (was wohl gar nicht so selten bei Pseudotachyliten ist), hilft nur die Betrachtung im Elektronenrastermikroskop.
Ich warte gerade auf die Auswertung einer ziemlich sicheren Probe. Wenn ich die ERM-Bilder habe, stelle ich sie hier gleich mal ein.

Das Foto Img_5916 zeigt eindeutig ein eutaxitisches Gefüge und ist ein Ignimbrit.

Viele Grüsse und Glück Auf!  :hut:
Jörg
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Offline speul

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Re: Brekzie aus dem Geschiebe von Rügen
« Antwort #13 am: Mai 28, 2012, 10:35:11 Vormittag »
Zitat
Das Foto Img_5916 zeigt eindeutig ein eutaxitisches Gefüge und ist ein Ignimbrit.

und das Stück sammt von besagtem Trollbergaufschluß im Kraterinneren, andere bezeichnen es auch als Suevit, wie auch immer, auf jeden Fall Impaktgenese

Zitat
Fehlende PDFs schließen somit keinen Pseudotachylit aus

aber umgekehrt hätten sie halt den Beweis erbracht. Zugang zum ERM hat man halt nicht so einfach. Bin gespannt was man bei Dir da rausbekommt.

Zitat
Speul@ du hast noch eine Brekzie bei mir gut!

Ja
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Offline JFJ

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Re: Brekzie aus dem Geschiebe von Rügen
« Antwort #14 am: Mai 28, 2012, 11:15:58 Vormittag »
Hallo Speul,

sorry, da Du die Probe aus dem Anstehenden hast, ist es natürlich ein Impaktit -  :peinlich: - aber die Ähnlichkeit zu einem ignimbritischen roten Ostsee-Quarzporphyr ist so dermaßen hoch, da habe ich mich verleiten lassen ... Da stellt sich jetzt die Frage, ob alle als rote, ignimbritische Ostsee-Quarzporphyre bestimmten Geschiebe auch tatsächlich welche sind.

Mit der Bestimmung von durch Erdbeben generierten Pseudotachyliten ist die Bestimmung noch schwieriger, bei denen fehlen die PDF´s ja schon von Natur aus. Und Sphärolithe, bzw. Kristallisationskeime sind in Dünnschliffen wohl auch eher rar.
Ich habe mal ein Dünnschliff-Foto eins sehr sicheren "Erdbebentyps" angehängt - nochmals einen ganz lieben Dank an ein Mitglied für das Erstellen!
Bei der Bestimmung von Dünnschliffen bin ich nicht so der Held ... könnten das Kristallisationskeime (beginnende Entglasungen) auf dem Bild sein?
Was meint Ihr?
Danke schon mal im Voraus.

Viele Grüsse
Jörg
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