Autor Thema: Brekzie aus dem Geschiebe von Rügen  (Gelesen 8267 mal)

Offline boborit

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Re: Brekzie aus dem Geschiebe von Rügen
« Antwort #30 am: Juni 03, 2012, 19:45:37 Nachmittag »
Hallo Jürg,
wirklich eine schöne Brekzie,
dennoch bleibe ich sehr skeptisch, ich finde man sollte nur dann von einer Impaktbrekzie sprechen, wenn man entweder in der vorliegende Probe nachweisen kann, daß eine Impaktgenese vorliegt oder aber wenn man (wie bei den Leitgeschieben) halt das Anstehende Vorkommen hat und dann mit dem Analogieschluß dazu kommt. Alles andere ist Wunschdenken und diskreditiert die Geschiebesammler nur.
Grüße
speul

Hallo speul :hut:
das sehe ich auch so :einaugeblinzel: einen Beweis kann man dafür im Optischen nicht erbringen - leider. Vermutlich sind die wenigsten Brekzien aus dem Geschiebe aus einem Impakt heraus entstanden. Aber so wie Jörg seine sich im Erscheinungsbild darstellt würde ich mir eine Impaktbrekzie vorstellen (wenn das jetzt auch wenig professionell ist - Profi bin ich ja aber auch nicht)  :einaugeblinzel:
Meine Brekzien habe ich als "Brekzien unbestimmten Ursprungs" abgelegt (wenn der Wunsch auch bleibt).

Danke aber für eure Meinungen zu den Stücken!!

Viele Grüße - Michael :winke:
Nur der Himmel und du selbst können dir Grenzen setzen.

Offline JFJ

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Re: Brekzie aus dem Geschiebe von Rügen
« Antwort #31 am: Juni 03, 2012, 21:18:43 Nachmittag »
Hallo Michael  :hut:

zuerst vielen Dank für Deine Meinung. Es gibt viele Brekzien im Geschiebe, die zunächst eine Impaktgenese vermuten lassen. Die meisten sind dann allerdings doch vulkanischen Ursprungs oder zumindest tektonisch bedingt mit sekundärer Rißfüllung. Interessant sind sie allemal. Unsere beiden scheinen von der Optik her ja aus der gleichen Ecke zu kommen  :prostbier:
Meine bislang einzige Impaktbrekzie in der Sammlung ist ein Dellenit, welcher direkt vom Dellen-See stammt. Bei den Pseudotachyliten durch Erdbeben generiert, ist es mit der Betimmung und weiteren Möglichkeiten der Entstehung ähnlich. Wie Speul schon schrieb, erst der Nachweis bringt Gewissheit. Habt Ihr ja Recht mit ...

Zum Trommeln:
Wir trommeln mit bei Ebay ersteigerten Spiratoren (einer zum Schleifen, einer nur zum Polieren) für ca. 50,00 Euro das Stück. Das sind die blauen aus China, welche von mehreren Shops angeboten werden.
Das Trommeln ist kinderleicht:
- den Topf mit nassen Steinen füllen (ca.1/3 bis halb voll). Einige können bis Hühnereigröße haben, die meisten ca. gut Walnußgroß, aber auch 1 halbe Handvoll kleine mit eingeben, von denen einige ruhig Kirschkerngröße haben sollen. Kommt mehr Bewegung rein, und die kleinen kommen gut in alle Ecken.
Gerät anstellen und 1 guten Eßlöffel Schleifpulver darüber streuen (80er Körnung) Wir nehmen SIC-Pulver von Homberg und Brusius.
Nach einigen Stunden kontrollieren. Es muss sich ein grauer Film über allen Steinen gebildet haben. Wenn die Steine sich in der Trommel nicht mehr lebhaft bewegen, etwas anfeuchten (alte Sprühflasche). Nach 24 Std. die Steine abspülen und je nach Bedarf, noch einmal ein Gang mit 80er nachlegen (kommt immer darauf an, wie scharfkantig die Steine sind. Bei gut abgerollten Geschieben beginnen wir oft auch gleich mit 220er).
Nach 48 Std. alle Steine gut abspülen und die Trommel gut reinigen. Ein grobes Schleifkorn kann einem die nachfolgenden feineren Schleifgänge versauen.
Dann mit 220er weitermachen. Nach 24 Std. grob abspülen und erneut 220er drüber, nach 48 Std. dann wieder gründlich reinigen.
Das Gleiche mit 400er, und 800er wiederholen.
Dann die Steine sehr gründlich abwaschen und in die Poliertrommel geben. Am Anfang hatten wir auch nur eine. Wenn die immer äußerst akurat gesäubert wird, kann man auch ruhig darin polieren.
Das Polieren. Im Prinzip wie die Schleifgänge. Wir verwenden X-3 Polierpulver, ebenfalls von Homberg und Brusius (wir haben mit denen keine Verträge, die sind aber immer sehr geduldig für alle Fragen am Telefon da und auch nicht teurer als Mitbewerber). Den Poliergang etwas trockener als die Schleifgänge.
Beim Polieren wird nur die Hälfte der Steine in die Poliertrommel gegeben, dazu 1 kg Polierkörper aus Keramik (geht vom Preis, und ist eine einmalige Anschaffung. Unsere halten schon ewig).
24 Std. laufen lassen. Auch hier immer mal wieder nachsehen und ggf. anfeuchten. Nach 24 braucht nach unseren Erfahrungen nicht abgespült zu werden (wird ja kein Abrieb mehr erzeugt). Also, nach 24 Std. erneut einen Eßlöffel Polierpulver darüber, und ein wenig nachfeuchten.
Nach 48 Std. Gerät abstellen und die Mischung (Steine und Polierkörper) SOFORT in möglichst warmes Wasser geben. Das Polierpulver setzt sich gerne in feinen Löchern und Rissen fest, wenn es erst angetrocknet ist, hast Du keine Changse mehr, das rauszuwaschen.
Evtl. mit Schlauch und Finger drauf die Problemsteine abspritzen.

Zum Trommeln eignet sich fast alles. Wir trommeln fast ausschließlich auch nur Geschiebe. Was richtig gut wird sind Wallsteine, Unakite, Quarzit, ach, eigentlich alles.

Wenn Du Fragen hast, ruf mich ruhig an – beame Dir meine Tel. rüber.


Hallo Speul  :hut:

Zitat
Alles andere ist Wunschdenken und diskreditiert die Geschiebesammler nur.

Da hast Du wohl Recht mit.
Man sollte mit dem, was man in der Öffentlichkeit äußert, sehr selbstkritisch umgehen.
Da ich selber in der GfG aktiv bin, weiß ich, wie schnell sich einmal geäußerte Meinungen mit negativen Beigeschmack etablieren.
Darum hatte ich in meinem Vortrag auf der Jahreshauptversammlung auch nur einen Pseudotachyliten (Erdbebengenese) als Geschiebefund vorgestellt, der bestätigt ist. Bei anderen vorgestellten Bildern, die ein solches Gestein ebenfalls vermuten lassen, hatte ich gezielt  auf die Problematik einer sicheren Bestimmung hingewiesen, und auf andere Möglichkeiten ihrer Genese.
Tja, das sind die Pseudotachylite als „fossil Earthquakes“.
Mit den Pseudotachyliten als Impaktite kenne ich mich nicht so gut aus, deshalb hier im Forum meine Frage, ob für das gezeigte Gestein eine solche Entstehung überhaupt in Betracht kommen könnte.
Aber stimmt schon, was nützen einem gewisse vorhandene Merkmale, wenn die sichere Bestimmung nur über die Mikroskopie geht. War ich wohl etwas vorschnell. Schieben wir es auf meinen jugendlichen Enthusiasmus, oder eher Altersstarrsinn  :gruebel:

Vielen Dank für Eure Antworten

Glück Auf!
Jörg
Ich mag Geschiebe, weil sie die entgegenkommendsten Gesteine sind.

 

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