Autor Thema: METEOR, 15.2.13, ~9.22 Ortszeit, Tscheljabinsk, Tjumen, Swerdlowsk, Russland !!!  (Gelesen 262262 mal)

Offline karmaka

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Re: METEOR, 15.2.13, ~9.22 Ortszeit, Tscheljabinsk, Tjumen, Swerdlowsk, Russland !!!
« Antwort #1665 am: Juli 19, 2017, 09:10:58 vorm. »
Es handelt sich, wie hier im Bild gut zu sehen, um eine Scheibe eines bei der Bergung abgebrochenen Fragments der Hauptmasse, das an Falltagen oft zusammen mit dieser ausgestellt wurde (wie zuletzt 2016 und 2017).

LINK

HIER ist auch ein weiteres passendes Endstück des Fragments zu sehen, das hervorragend zu der umstrittenen Scheibe passt, die vermutlich die 'Verbindung' zwischen diesem Endstück und dem Fragment darstellt.

Der Geologe habe nach eigenen Aussagen damals entsprechende Dokumente erbeten, die die Übergabe der Scheibe zur Analyse durch die Sibirische Abteilung der Akademie der russischen Wissenschaften und anschließende Ausstellung im Geologischen Museum in Novosibirsk bestätigen. Man habe ihm damals mitgeteilt, dass es auch ohne gehe und man entsprechende Einträge in die eigenen Sammlungsakten des Museums vornehmen werde.

Der aktuelle Disput entspringt offenbar einem Streit zwischen der Museumsleitung und damaligen Museumsmitarbeitern.
« Letzte Änderung: Juli 19, 2017, 09:46:21 vorm. von karmaka »

Offline hugojun

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Re: METEOR, 15.2.13, ~9.22 Ortszeit, Tscheljabinsk, Tjumen, Swerdlowsk, Russland !!!
« Antwort #1666 am: Juli 19, 2017, 10:38:10 vorm. »
Hallo Zusammen ,

hätte da mal ne Frage .: Die Bruchstücke in der Schockmasse haben kaum Ecken oder kanten. Sieht schon fast aus wie
ein Konglomerat. :nixweiss:
Abschmelzung von Scharfkantigen Randgebieten hätte wohl eine Umwandlung des LL-Muttergesteins zur Folge
gehabt?

Hat da jemand eine Idee oder gibt es Veröffentlichungen zu diesem Thema ?  :gruebel:

Gruß

Jürgen

Offline karmaka

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Re: METEOR, 15.2.13, ~9.22 Ortszeit, Tscheljabinsk, Tjumen, Swerdlowsk, Russland !!!
« Antwort #1667 am: Juli 20, 2017, 13:04:10 nachm. »
Der vom Museum beschuldigte Geologe und Buchautor Sergej Kolisnichenko, dessen Name gestern erstmals öffentlich wurde, hat sich nun auch medial zu Wort gemeldet und bestreitet die Vorwürfe erneut.
Als ein Vertreter der Sibirischen Abteilung der Russischen Akademie der Wisssenschaften habe er die Scheibe zu Analysezwecken persönlich von den damaligen Museumsmitarbeitern erhalten.
Er sei bei der Übergabe der Scheibe nicht in der Verantwortung gewesen für eine ordnungsgemäße Dokumentation zu sorgen.
Dies sei die Aufgabe der Museumsangestellten gewesen. Im Übrigen beruhen die Anschuldigungen
seiner Aussage nach auf einem Streit zwischen einem ehemaligen Museumsangestellten und der aktuellen Museumsleitung.
Kolisnichenko arbeite nach eigenen Aussagen gerade an einer Enzyklopädie russischer Meteorite und wollte Ende 2017 die Scheibe nach der Fertigstellung des Buches wieder zurückgeben, bzw. sollte die Scheibe im Geologischen Museum in Novosibirsk ausgestellt werden.

Wie mancher sich vielleicht erinnert, war Kolisnichenko im Februar 2015 auch beim genauen Wiegen der Hauptmasse im Museum anwesend.

VIDEO
« Letzte Änderung: Juli 20, 2017, 13:33:20 nachm. von karmaka »

Offline karmaka

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Re: METEOR, 15.2.13, ~9.22 Ortszeit, Tscheljabinsk, Tjumen, Swerdlowsk, Russland !!!
« Antwort #1668 am: Juli 20, 2017, 14:38:48 nachm. »
Erst im Mai hatte Kolisnichenko zusammen mit Kindern eines Kinder-Ökologiezentrums an der Wand der Schule Nr. 53 in Tscheljabinsk ein 3,5x1,3-Meter-Mineralien-Mosaik mit dem Thema 'Der Ural im 21. Jahrhundert' hergestellt.
Irgendwo im Mosaik soll sich angeblich nun auch eine Darstellung eines Meteoriten befinden, die ich noch nicht gefunden habe ...
Ich glaube aber die markante ionization trail des Chelyabinsk-Boliden oben links im Mosaik zu erkennen.

Offline Mineraloge

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Re: METEOR, 15.2.13, ~9.22 Ortszeit, Tscheljabinsk, Tjumen, Swerdlowsk, Russland !!!
« Antwort #1669 am: Juli 24, 2017, 12:00:57 nachm. »
Ich möchte mich als persönlicher Freund von Sergej in dieser Sache zu Wort melden.

Sergej ist mit Leib und Seele Geologe und damit eine "aussterbende Art", leider auch in Rußland.
Bei den vielen Exkursionen die ich mit ihm erleben durfte war er immer ein aufrichtiger und 100% korrekter Mensch.

Als ich ihn nach dem Fall im August 2013 traft war er noch immer völlig fasziniert von dem Fall. Stolz präsentierte er seine eigenen Funde und die seines Sohnes, das größte Exemplar wog 320g. Obwohl er ca. 500 Erbsengroße Stücke besaß war er nicht bereit auch nur eines zu verkaufen.
Die Stücke sollten alle ins Museum nach Miass bzw. Novosibirsk, mit welchen er eng zusammen arbeitet. Diese zwei Museen beherbergen auch unzähle Leihgaben von ihm in ihren Ausstellungen.
Er schilderte schon damals von den Plänen für sein Buch über russische Meteorite, was übrigens seine dritte große Veröffentlichung wäre nach einem Buch über "Die Minerale des Ural" und ein zweites über "Die Mineralschätze des Südural - russisches Brasilien".

Ich denke es ist hier wirklich die Diskreditierung eines ehrbaren Mannes, welcher nicht für finanzielle Interessen zu haben ist.

Glück Auf!
André

Offline karmaka

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Re: METEOR, 15.2.13, ~9.22 Ortszeit, Tscheljabinsk, Tjumen, Swerdlowsk, Russland !!!
« Antwort #1670 am: Dezember 11, 2017, 15:49:34 nachm. »
Chelyabinsk inspiriert weiterhin:

Air penetration enhances fragmentation of entering meteoroids

M. E. Tabetah and H. J. Melosh

Meteorit Planet Sci. doi:10.1111/maps.13034

PDF

"The entry and subsequent breakup of the ~17–20 m diameter Chelyabinsk meteoroid deposited approximately 500 kT of TNT equivalent energy to the atmosphere, causing extensive damage that underscored the hazard from small asteroid impacts. The breakup of the meteoroid was characterized by intense fragmentation that dispersed most of the original mass. In models of the entry process, the apparent mechanical strength of the meteoroid during fragmentation, ~1–5 MPa, is two orders of magnitude lower than the mechanical strength of the surviving meteorites, ~330 MPa. We implement a two-material computer code that allows us to fully simulate the exchange of energy and momentum between the entering meteoroid and the interacting atmospheric air. Our simulations reveal a previously unrecognized process in which the penetration of high-pressure air into the body of the meteoroid greatly enhances the deformation and facilitates the breakup of meteoroids similar to the size of Chelyabinsk. We discuss the mechanism of air penetration that accounts for the bulk fragmentation of an entering meteoroid under conditions similar to those at Chelyabinsk, to explain the surprisingly low values of the apparent strength of the meteoroid during breakup."

Offline karmaka

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Re: METEOR, 15.2.13, ~9.22 Ortszeit, Tscheljabinsk, Tjumen, Swerdlowsk, Russland !!!
« Antwort #1671 am: April 08, 2018, 09:46:30 vorm. »
Wer will ihn?

Die 3,4-kg-Masse von Alexei U. ist offenbar immer noch verfügbar und wird von ihm gerade für umgerechnet 12583.- Euro (Abholung) angeboten:

LINK

Zum Fund des Exemplars siehe auch Beitrag #1089 vom 30.5.2013 und folgende.

 :hut:

Offline karmaka

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Re: METEOR, 15.2.13, ~9.22 Ortszeit, Tscheljabinsk, Tjumen, Swerdlowsk, Russland !!!
« Antwort #1672 am: Juli 26, 2018, 10:41:28 vorm. »
Der vom Museum beschuldigte Geologe und Buchautor Sergej Kolisnichenko, dessen Name gestern erstmals öffentlich wurde, hat sich nun auch medial zu Wort gemeldet und bestreitet die Vorwürfe erneut.
Als ein Vertreter der Sibirischen Abteilung der Russischen Akademie der Wisssenschaften habe er die Scheibe zu Analysezwecken persönlich von den damaligen Museumsmitarbeitern erhalten.
Er sei bei der Übergabe der Scheibe nicht in der Verantwortung gewesen für eine ordnungsgemäße Dokumentation zu sorgen.
Dies sei die Aufgabe der Museumsangestellten gewesen. Im Übrigen beruhen die Anschuldigungen
seiner Aussage nach auf einem Streit zwischen einem ehemaligen Museumsangestellten und der aktuellen Museumsleitung.
Kolisnichenko arbeite nach eigenen Aussagen gerade an einer Enzyklopädie russischer Meteorite und wollte Ende 2017 die Scheibe nach der Fertigstellung des Buches wieder zurückgeben, bzw. sollte die Scheibe im Geologischen Museum in Novosibirsk ausgestellt werden.

Wie mancher sich vielleicht erinnert, war Kolisnichenko im Februar 2015 auch beim genauen Wiegen der Hauptmasse im Museum anwesend.


Am 19. Juli 2018 hat übrigens der Gerichtsprozess in dieser Angelegenheit begonnen.

LINK (25. Juli)
LINK (20. Juli)
LINK (20. Juli)

VIDEO (19. Juli)
VIDEO (20. Juli)
VIDEO

Offline karmaka

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Re: METEOR, 15.2.13, ~9.22 Ortszeit, Tscheljabinsk, Tjumen, Swerdlowsk, Russland !!!
« Antwort #1673 am: September 21, 2018, 00:11:56 vorm. »
Die nächste und nach Meinung des Museums in Tscheljabinsk eventuell letzte Sitzung des Gerichts in der Sache wird am 28.9.18 stattfinden.

Offline karmaka

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Re: METEOR, 15.2.13, ~9.22 Ortszeit, Tscheljabinsk, Tjumen, Swerdlowsk, Russland !!!
« Antwort #1674 am: Dezember 04, 2018, 16:45:47 nachm. »
Heute wurde Kolisnichenko vom Bezirksgericht Tscheljabinsk wegen 'Betrugs im großen Stil', d.h. nicht wegen Diebstahls,  zu einem Jahr Gefängnis auf Bewährung verurteilt. Kolisnichenko betont offenbar weiterhin seine Unschuld und verweist auf sein primär wissenschaftliches Interesse an dem Exemplar. Die Chelyabinsk-Scheibe geht zurück an das Museum.

VIDEO
« Letzte Änderung: Dezember 04, 2018, 17:10:46 nachm. von karmaka »

 

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