Autor Thema: METEOR, 15.2.13, ~9.22 Ortszeit, Tscheljabinsk, Tjumen, Swerdlowsk, Russland !!!  (Gelesen 399907 mal)

MilliesBilly

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Re: METEOR, 15.2.13, ~9.22 Ortszeit, Tscheljabinsk, Tjumen, Swerdlowsk, Russland !!!
« Antwort #840 am: März 20, 2013, 15:45:47 Nachmittag »
Hier noch mal eine tolle Seite.
In dem Video werden verschiedene Fotos u.a. aus Miass mit Google Earth verknüpft.
http://ogleearth.com/

Greg  :prostbier:

In der Tat sehr instruktiv. Da wird auch meine oben gestellte Frage nach der Streuung der Flugbahnen der verschiedenen Fragmente berührt, insofern, als durch Detonation seitliche Abweichungen vom ursprünglichen Flugpfad eintreten, sicherlich leicht different je nach Auswirkung der Explosion, Masse sowie auch Form der einzelnen Fragmente.

Verblüffend finde ich, dass sämtliche im Video angenommenen Bahnverläufe noch jenseits/westlich Lake Chebarkul und sogar Miass enden. Vorausgesetzt das trifft tatsächlich zu: würde das nicht bedeuten, dass die mutmaßlich in den See gefallene Masse im Vergleich der beobachteten ca. sieben Fragmente  wahrscheinlich nicht die größte war, da früher als jene niedergegangen?



Offline gsac

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Re: METEOR, 15.2.13, ~9.22 Ortszeit, Tscheljabinsk, Tjumen, Swerdlowsk, Russland !!!
« Antwort #841 am: März 20, 2013, 15:55:12 Nachmittag »
http://ogleearth.com/

Danke, Greg, wirklich sehr spannende Lektüre!!  :super:
(...sicher auch für Leute, die dort suchen gehen wollen)

Offline Thin Section

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Re: METEOR, 15.2.13, ~9.22 Ortszeit, Tscheljabinsk, Tjumen, Swerdlowsk, Russland !!!
« Antwort #842 am: März 20, 2013, 16:01:09 Nachmittag »
Die Frage ist, ob ein Brocken mit einem Gewicht von über eine Tonne überhaupt noch von kosmischer Geschwindigkeit auf normale Fallgeschwindigkeit abgebremst werden kann.

Bei einem senkrechten Durchgang durch die Atmosphäre und für den Fall, daß keine Fragmentierung stattfindet, dürfte das noch klappen (siehe meine Powerpoint-Folie) aber Chelyabinsk fragmentierte ja explosiv in ca. 30 km Höhe und die Fragmente schossen dabei in einem Winkel von 16½ ° auf die Erdoberfläche zu (Fragmentierung führt zu größerem drag und weniger Ablation). Falls aber andererseits der Meteoroid tatsächlich eine Größe von ca. 15-20 m hatte und eine Masse von ≥ 11. 000 Tonnen, dann kann ich mir durchaus vorstellen, daß größere Restmassen nur noch teilweise von ihrer kosmischen Geschwindigkeit heruntergebremst werden konnten - also auf ca. 1/10 bis knapp die Hälfte der Geschwindigkeit (je nach Masse).

Bernd  :winke:
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Offline DCOM

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Re: METEOR, 15.2.13, ~9.22 Ortszeit, Tscheljabinsk, Tjumen, Swerdlowsk, Russland !!!
« Antwort #843 am: März 20, 2013, 16:39:35 Nachmittag »
Die Frage ist, ob ein Brocken mit einem Gewicht von über eine Tonne überhaupt noch von kosmischer Geschwindigkeit auf normale Fallgeschwindigkeit abgebremst werden kann.

Bei einem senkrechten Durchgang durch die Atmosphäre und für den Fall, daß keine Fragmentierung stattfindet, dürfte das noch klappen (siehe meine Powerpoint-Folie) aber Chelyabinsk fragmentierte ja explosiv in ca. 30 km Höhe und die Fragmente schossen dabei in einem Winkel von 16½ ° auf die Erdoberfläche zu (Fragmentierung führt zu größerem drag und weniger Ablation). Falls aber andererseits der Meteoroid tatsächlich eine Größe von ca. 15-20 m hatte und eine Masse von ≥ 11. 000 Tonnen, dann kann ich mir durchaus vorstellen, daß größere Restmassen nur noch teilweise von ihrer kosmischen Geschwindigkeit heruntergebremst werden konnten - also auf ca. 1/10 bis knapp die Hälfte der Geschwindigkeit (je nach Masse).

Bernd  :winke:

Hervorragende Illustration und Erläuterungen, Bernd, danke schön! :super:

Ist, wie ich vermute, auf der Abszisse der auf "1" normierte Prozentsatz der Anfgangs-Geschwindigkeit v0 aufgetragen, auf den der Meteoroid in Abhängigkeit der Höhe (in Kilometern) herunter gebremst wird?

Nehmen wir an, der Meteoroid fiele nicht senkrecht, sondern in dem von Dir genannten Winkel von 16½° (ohne Fragmentation) auf die Erde (was vermutlich der Realität meist näher kommt) - wie sähen die Kurven dann aus?

Viele Grüße, D.U.  :hut:

Offline DCOM

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Re: METEOR, 15.2.13, ~9.22 Ortszeit, Tscheljabinsk, Tjumen, Swerdlowsk, Russland !!!
« Antwort #844 am: März 20, 2013, 16:46:47 Nachmittag »
Fragmentierung führt zu größerem drag und weniger Ablation

Bedeutet dies, dass die Restmassen nach der Fragmentierung stärker abgebremst werden als es die entsprechenden Massen ohne Fragmentierung tun würden?

Grüße, D.U.

Offline JFJ

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Re: METEOR, 15.2.13, ~9.22 Ortszeit, Tscheljabinsk, Tjumen, Swerdlowsk, Russland !!!
« Antwort #845 am: März 20, 2013, 19:09:25 Nachmittag »
Hallo,

interessante Betrachtungen.
Nach meinem laienhaften Verständnis nach , beruht eine Fragmentierung aufgrund des Abbremsfaktors, durch die Atmosphäre bedingt.
Demnach müsste eine Fragmentierung zwangsläufig zu einem Geschwindigkeitsverlust führen, da eine Fragmentation an sich an ein Abbremsen des Meteoroids gekoppelt ist. Folgend müsste sich diese Wirkung auf besonders kleinere, materieärmere Objekte beziehen. Je geringer Masse, umso stärker die Beeinflussung, bzw. Verminderung der weiteren Fallgeschwindigkeit, bzw. je gringer der Einfluß der Gravitation auf die Fragmente.

Ist zwar nicht besonders wissenschaftlich formuliert, könnte ich mir jedoch so vorstellen.
 :winke: Jörg

 

Ich mag Geschiebe, weil sie die entgegenkommendsten Gesteine sind.

Offline gsac

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Re: METEOR, 15.2.13, ~9.22 Ortszeit, Tscheljabinsk, Tjumen, Swerdlowsk, Russland !!!
« Antwort #846 am: März 20, 2013, 19:39:58 Nachmittag »
Folgend müsste sich diese Wirkung auf besonders kleinere, materieärmere Objekte beziehen.
Je geringer Masse, umso stärker die Beeinflussung, bzw. Verminderung der weiteren Fallgeschwindigkeit

Isso!

PS: habe heute meinen (sehr schönen!) 9.4-Grämmer vom Cheljabinsk erhalten, aus
dem östlichen Teil des Streufelds, der sicher in diese Kategorie der masseärmeren
Stücke einzuordnen ist, die zuletzt allein unter dem Einfluß der Gravitationskraft
unserer Erde aufgeprallt sind und nicht mehr mit einem kosmischem Restimpuls.

Alex

Offline Gibeon2010

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Re: METEOR, 15.2.13, ~9.22 Ortszeit, Tscheljabinsk, Tjumen, Swerdlowsk, Russland !!!
« Antwort #847 am: März 20, 2013, 19:42:00 Nachmittag »
Hier gibt es eine interessante Beschreibung der Fragmentation beim Sikhote Alin.

http://www.diane-neisius.de/sikhote-alin/index.html

Ist zwar ein Eisenmet, aber der Ablauf dürfte ähnlich sein.

Ich habe mal vor einiger Zeit mittels Tabellenkalkulation die Werte für den Fall des Sikhote Alin näherungsweise berechnet. Dabei betrug die maximale Bremsbeschleunigung rund 500 g (500-fache Fallbeschleunigung)! Das reißt den dicksten Brocken auseinander.

500 g wären in etwa so, als würde man ein Auto von 100 km/h auf einer Strecke von knapp 8 cm auf 0 abbremsen. Das ist schlimmer als ein Frontalcrash, da ist die Knautschzone deutlich größer.

Hier noch etwas Lektüre für die Mathematiker:  :einaugeblinzel:
http://de.wikipedia.org/wiki/Freier_Fall
Ich glaube von der Seite hatte ich auch die Formeln für meine Berechnungen.
« Letzte Änderung: März 20, 2013, 20:23:39 Nachmittag von Gibeon2010 »
Viele Grüße
Jens

Offline herbraab

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Re: METEOR, 15.2.13, ~9.22 Ortszeit, Tscheljabinsk, Tjumen, Swerdlowsk, Russland !!!
« Antwort #848 am: März 20, 2013, 21:44:16 Nachmittag »
Danke für den Hinweis, sieht interessant aus das Werkzeug, ich suche allerdings eine topographische Karte inkl. Abbildung der Bebauung, Straßen, Orts- und Flurnamen als Referenzpunkte.

Vielleicht wäre Open Street Map eine Möglichkeit? Das sind zwar keine topografischen Karten, aber Strassen, Wege, Gebäude und Bewaldung sind sehr detailliert verzeichnet.

:hut:
Herbert
"Daß das Eisen vom Himmel gefallen sein soll, möge der der Naturgeschichte Unkundige glauben, [...] aber in unseren Zeiten wäre es unverzeihlich, solche Märchen auch nur wahrscheinlich zu finden." (Abbé Andreas Xaverius Stütz, 1794)

Offline herbraab

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Re: METEOR, 15.2.13, ~9.22 Ortszeit, Tscheljabinsk, Tjumen, Swerdlowsk, Russland !!!
« Antwort #849 am: März 20, 2013, 21:58:10 Nachmittag »
Somit glaube ich nicht, dass sie der ersten großen Phase der Fragmentation visuell beigewohnt haben, die > 70 km entfernt stattgefunden hat.

Dieses Video wurde in 770km Entfernung von Chelyabinsk aufgenommen:

http://www.youtube.com/watch?v=zJ-Y7vhS1JE

:hut:
Chelyabinsk
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Offline gsac

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Re: METEOR, 15.2.13, ~9.22 Ortszeit, Tscheljabinsk, Tjumen, Swerdlowsk, Russland !!!
« Antwort #850 am: März 20, 2013, 22:20:42 Nachmittag »
Dieses Video wurde in 770km Entfernung von Chelyabinsk aufgenommen:
http://www.youtube.com/watch?v=zJ-Y7vhS1JE

770 km Entfernung? Faszinierend! Demnach hätte das Aufleuchten der
Spur 6-7 Grad über dem Horizont begonnen und die letzte große Explosion
südlich von Chelyabinsk knapp 2 Grad über dem örtlichen Horizont... Eine
Aufnahme aus dem nördlichen Kasachstan, Herbert, oder von wo geschehen?
Wenn das mit den 770 km bekannt ist, dann doch sicher auch der Ort...

[PS: Autofahren scheint dort auch nicht gerade entspannend zu sein!]

Alex

Offline herbraab

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Re: METEOR, 15.2.13, ~9.22 Ortszeit, Tscheljabinsk, Tjumen, Swerdlowsk, Russland !!!
« Antwort #851 am: März 20, 2013, 22:32:27 Nachmittag »
Hier noch mal eine tolle Seite.
In dem Video werden verschiedene Fotos u.a. aus Miass mit Google Earth verknüpft.
http://ogleearth.com/

Sehr interessaent, vielen Dank.

Die bei 2:50 geäußerte Vermutung, dass der "Knick" in der Wolke auf eine Richtungsänderung des Meteors hindeuten würde, würde ich aber nicht vorbehaltlos teilen. Sieht man sich verschiedene Bilder und Videos an, zeigt sich, dass die Wolke nur in vertikaler Richtung "gecknickt" ist. Videos und Fotos, die den Meteor aus "seitlicher" Perspektive zeigen, lassen keinerlei "Knick" in vertikaler Richtung (also keine Änderung des Eintrittswinkels) erkennen.

Vielmer scheint mir der "Knick" in der Wolke dadurch entstanden sein, dass die erhitzen Luftmassen nach dem Durchgang des Meteors in der Atmosphäre aufgestiegen sind (wobei auch die Struktur der doppelte Wirbelschleppe entstanden ist). Da der Meteor in zunehmend dichtere Luftschichten vordrang, war auch die Erhitzung der Luft intensiver, und damit auch die Dynaik in der aufsteigenden Wolke größer - an größten Natürlich am Ort der massiven Explosion, deswegen hat die Wolke auch genau an dieser Stelle ein "Käppchen" oben drauf sitzen. Nach der Explosion war die Erhitzung (und in der Folge die Dynaik der aufsteigenden Wolke) erheblich geringer, was zu der Entstehung des Knicks in der Wolke geführt hat.

Sieht man sich dagegen Bilder der Wolke an, die unmittelbar nach dem Durchgang des Meteors entstanden sind (z.B. hier) ist der Knick auch (noch) nicht zu sehen.

:hut:
Herbert
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MilliesBilly

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Re: METEOR, 15.2.13, ~9.22 Ortszeit, Tscheljabinsk, Tjumen, Swerdlowsk, Russland !!!
« Antwort #852 am: März 20, 2013, 22:33:35 Nachmittag »

War sicher ein bissle näher, aber macht nix. Nein, was ich meinte: gesehen schon, den Feuerball samt Spur, die Detonation selber auch, klar. Aber was mich gewundert hat und auch nach Erklärung noch immer wundert: dass die Augenzeugen am Chebarkulsee offenbar in der Lage waren, aus dieser Distanz zwischen einzelnen Fragmenten unterscheiden zu können, die massemäßig im Bereich von max. wenigen Tonnen und damit bei Durchmessern von ca. 1 m. lagen.

Offline herbraab

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Re: METEOR, 15.2.13, ~9.22 Ortszeit, Tscheljabinsk, Tjumen, Swerdlowsk, Russland !!!
« Antwort #853 am: März 20, 2013, 22:41:25 Nachmittag »
770 km Entfernung? Faszinierend! Demnach hätte das Aufleuchten der
Spur 6-7 Grad über dem Horizont begonnen und die letzte große Explosion
südlich von Chelyabinsk knapp 2 Grad über dem örtlichen Horizont... Eine
Aufnahme aus dem nördlichen Kasachstan, Herbert, oder von wo geschehen?
Wenn das mit den 770 km bekannt ist, dann doch sicher auch der Ort...

Wohl weniger als 2°, wegen der Erdkrümmung.
Der Ort der Aufnahme ist Orenburg (Quelle: http://say26.com/meteorite-in-russia-all-videos-in-one-place)

:hut:
Herbert
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Offline herbraab

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Re: METEOR, 15.2.13, ~9.22 Ortszeit, Tscheljabinsk, Tjumen, Swerdlowsk, Russland !!!
« Antwort #854 am: März 20, 2013, 22:46:05 Nachmittag »
War sicher ein bissle näher, aber macht nix.

Tatsächlich sind es von Orenburg nach Chelyabinsk "nur" 570km. :peinlich:
Naja, immer noch eine recht imposante Entfernung...

dass die Augenzeugen am Chebarkulsee offenbar in der Lage waren, aus dieser Distanz zwischen einzelnen Fragmenten unterscheiden zu können, die massemäßig im Bereich von max. wenigen Tonnen und damit bei Durchmessern von ca. 1 m. lagen.

Die haben wohl nicht den Dunkelflug der Fragmente gesehen, sondern die Leuchtspuren der einzelnen Stücke.

Ein mir gut bekannter, absolut vertrauenswürdiger Augenzeuge des Neuschwanstein-Falls hat nördlich von Linz (277km von Neuschwanstein entfernt!) auch die Leuchtspuren der einzelnen Fragmente dieses Falls sehen können.

:hut:
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