Autor Thema: Meteoritenfund bei Köln?!  (Gelesen 3112 mal)

p3rnox

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Meteoritenfund bei Köln?!
« am: April 18, 2013, 22:50:14 nachm. »
Erstmal guten Abend alle miteinander,

ich bin neu hier und das (hoffentlich :))aus gegebenen Anlass.

Mir ist Vorgestern beim Gassi gehen in einem Wald südlich von Köln ein etwa 1,5 x 2m kleines Loch/Krater was bis zum grauen Lehmboden reicht aufgefallen. In diesem waren noch zwei kleinere, tiefere mit rötlich verfärbten Wasser.

Heute hatte ich dann die Muse mich ein bisschen mit dem faulig-schwefelartig riechenden Lehm und Wasser schmutzig zu machen. Ziemlich schnell bin ich dann auch auf einen untypischen Stein gestoßen.
Da dieser aber nicht nach einem typischen Meteorit aussieht, sondern wenn eher nach einem seltenen Achondrit, wollte ich mir mal eine andere Meinung einholen :D

Was dafür sprechen würde ist das ich vor ca. 10 Tagen spät Nachts einen lauten Knall gehört habe der definitiv kein Schuss war.

Der Stein riecht auch leicht nach Schwefel.

Hier sind die Daten des Steins und ein paar Fotos.

1. Gewicht: 291,8 g
2. max. Länge:125 mm
3. max. Breite: 85mm
4. max. Höhe: 36 mm
5. Dichte: ca. 2,652 g/cm³  (ungenauer Messbecher)
6. Magnetisch: Nein
7. Strichfarbe: Keine
8. Rost: Nein.
9. Farbe außen: weiß, grau, rot/braun, wenig schwarz. Keine Bruchstellen.

MfG

Dustin

Offline Hungriger Wolf

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Re: Meteoritenfund bei Köln?!
« Antwort #1 am: April 18, 2013, 23:39:09 nachm. »
Hallo Dustin!

Erst einmal möchte ich Dich recht herzlich hier im Forum willkommen heißen!  :super:

Interessante gemachte Bilder, leider jedoch nicht meteoritisch.

-> nicht magnetisch (meist)!
-> untypische Fundlage
-> untypische Kruste (meist schwarz/frisch)
-> Volumen-Form

Beispiel einer Fundlage von einem Meteoriten (Park Forest USA 2003):

http://farm3.staticflickr.com/2678/4415142742_67eac8f1d6_z.jpg?zz=1

Grüsse  :hut:
Achim



 



p3rnox

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Re: Meteoritenfund bei Köln?!
« Antwort #2 am: April 18, 2013, 23:48:14 nachm. »
Nabend hunfriger Wolf,

danke für die schnelle Antwort. Kann dir nicht ganz folgen.

Was heißt nicht magnetisch (meist)? Die meisten sind magnetisch oder?

Warum untypische Fundlage? Kommen die nicht überall runter?

Mit der Kruste war mir klar. Gibt doch auch welche mit heller Kruste oder?

Ist es nicht möglich das Meteoriten ihre Kruste im Wasser verlieren?
An ein paar Stellen ist er ja noch schwarz.


MfG

Dustin

Offline Suevit

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Re: Meteoritenfund bei Köln?!
« Antwort #3 am: April 19, 2013, 00:00:17 vorm. »
Hallo Dustin,

vielen Dank für die umfangreichen Angaben, damit kann man was anfangen!  :super:

Gleich mal zum Fundstellenfoto: Birke, Wasser im Hintergrund, "südlich von Köln" - kann es sein, dass Du in einem renaturierten Bereich des Rheinischen Braunkohlenreviers unterwegs warst (Karte: http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/1/1a/Rheinisches_Braunkohlerevier_DE.png )? Irgendwo in der Gegend von Brühl oder Hürth z. B.?

Der von Dir wahrgenommene schweflig-faulige Geruch rührt von der zerfallenden Organik und dem verwitternden Pyrit im Boden her, beides geht mit Braunkohlenlagerstätten reichlich einher. Bei der Pyritverwitterung entsteht Rost, daher die rote Verfärbung des Wassers. Weiters entstehen dabei schwer lösliche weiße Sulfate, die für die Weißfärbung des Bodens und die weißen Anflüge des Fundstücks verantwortlich sind. Die Fundstelle selbst sieht stark nach Wildschweinsuhle aus.

Das Fundstück sieht sehr verdächtig nach einem Bruchstück einer Toneisensteinkonkretion aus, wie sie in Braunkohlenlagerstätten nicht gerade selten sind. Der fehlende Magnetismus (Fe ist in Toneisenstein in nicht magnetischer Form enthalten) und die rote Färbung sprechen ebenfalls für Toneisensteinkonkretion. Im Boden meist reichlich vorhandenes Mangan kann dazu noch für schwarze Stellen sorgen.

Gruß,
Rainer

p3rnox

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Re: Meteoritenfund bei Köln?!
« Antwort #4 am: April 19, 2013, 00:07:15 vorm. »
Hi,

hast den Nagel auf den Kopf getroffen. In Brühl.

Schade, wär auch zu schön gewesen :D

Danke für die Antwort. Hab ich was gelernt.

Schönen Abend noch.

Gruß
Dustin

Offline MetGold

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Re: Meteoritenfund bei Köln?!
« Antwort #5 am: April 19, 2013, 06:51:00 vorm. »
Moin Dustin,

auch von mir im Nachhinein noch ein herzliches Willkommen!

Ist ja mit deinem Fund leider nichts geworden - na vielleicht beim nächsten Mal!


 :winken:   MetGold
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Offline JFJ

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Re: Meteoritenfund bei Köln?!
« Antwort #6 am: April 19, 2013, 20:01:14 nachm. »
Hallo Dustin,

auch von mir noch ein herzliches Willkommen  :hut:

Mach Dir da bloß nichts draus.
Es gibt bestimmt den einen oder anderen hier im Forum, der auf den ersten Blick etwas irdisches auch zunächst für einen Meteoriten gehalten hat  :einaugeblinzel:

Beste Grüße
Jörg
Ich mag Geschiebe, weil sie die entgegenkommendsten Gesteine sind.

p3rnox

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Re: Meteoritenfund bei Köln?!
« Antwort #7 am: April 21, 2013, 03:39:54 vorm. »
Guten Abend/Nacht/Morgen :D

Halb so wild. Aber das Thema hat mich ehrlich gesagt schon ziemlich angefixt :wow:

Kann es garnicht mehr lassen beim gassi gehen auf den Boden zu gucken und hab da gestern noch einen Stein gefunden wo ich nichts zu googlen konnte. Auch auf die Gefahr hin mich hier völlig zum Deppen zu machen nochmal die gleiche Frage :D

Der Stein wirkte mir erstmal ziemlich schwer (ca. 500g) aber bei ungenauer Untersuchung (ungenauer Waage und Messbecher, schlechter Magnet) kam nur eine Dichte von ca. 2,64g/cm³ raus. Der Stein ist wahrscheinlich auch nicht magnetisch.
Die Farbe ist aussen braun/rötlich und hat keine Strichfarbe und leicht zerklüftet.

Hab dann auf Geologen-Art mal draufgehauen :hut: Es sind keine Lufteinschlüsse vorhanden, dafür aber sehr kleine glänzende Einschlüsse und weshalb ich das hier überhaupt poste, ein gelbes, sprödes Mineral.

"Wenn sie metallische, glänzende Einsprengsel mit Durchmessern von wenigen Millimetern sehen, haben sie einen H, L oder E Chondrit. Sollten sie gelbliche Bereiche finden, prüfen sie mit einer Präpariernadel, notfalls tut es auch eine Nähnadel, ob dieses Material spröde ist. Dabei handelt es sich sehr wahrscheinlich um Troilit, ein Eisensulfat, das nur in Meteoriten vorkommt." Quelle: http://www.myheimat.de/muenchen/natur/echt-oder-unecht-woran-erkennt-man-einen-meteorit-d312008.html

Der Stein lag nur leicht versenkt im Boden und die Unterseite ist etwas dunkler als der Rest.

Hier noch ein paar Fotos.

Und der andere Stein lässt mich ehrlich gesagt auch nicht zu Ruhe kommen. Hab ein paar Aussagen von Suevit überprüft. Ein Toneisenstein ist es nicht, ebenso keine Wildschweinsuhle (Die gibt es hier an jeder Ecke, aber keine wie diese, ausserdem kein Wildwechsel), das Wasser war nicht rostig (wir haben hier ein paar Zuflüsse zum See die rostig sind, die sind orange-rot und nicht rot-braun), hab neben dem Loch noch ein Probeloch gegraben was nicht faulig gerochen hat. Durchs trocknen riecht der Stein immer kräftiger und mittlerweile auch leicht nach Eisen. Hab ihn teilweise mit Alkohol eingepinselt und jetzt kristallisiert er weiß aus. Hab ihn ein bisschen angeschliffen und unter der grauen Schicht wird es dunkelrot. :gruebel:

Werd mich auf jeden Fall mal bei einem Geologen schlau machen. Werde aus dem Ding nicht schlau. :confused:

MfG

Dustin


Offline Suevit

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Re: Meteoritenfund bei Köln?!
« Antwort #8 am: April 21, 2013, 09:47:18 vorm. »
Hallo Dustin,

Hab ein paar Aussagen von Suevit überprüft. Werd mich auf jeden Fall mal bei einem Geologen schlau machen.
Du hast Dich bereits bei einem Geologen schlau gemacht  :hut:

Das Folgende bitte nicht als Angriff, sondern als ernsthaft interessierte Rückfragen/Anmerkungen betrachten:
Zitat
Ein Toneisenstein ist es nicht
Welche Merkmale sprechen dagegen? Was sind die Charakteristika eines Toneisensteins, und welche davon erfüllt Dein Fund nicht?

Zitat
das Wasser war nicht rostig (wir haben hier ein paar Zuflüsse zum See die rostig sind, die sind orange-rot und nicht rot-braun)
Fe-Komplexierung durch Huminsäuren kann durchaus auch für andere Rottöne als das typische Rostrot sorgen.

Zitat
Durchs trocknen riecht der Stein immer kräftiger und mittlerweile auch leicht nach Eisen
Jetzt würde mich interessieren, wie Eisen riecht... Meiner Erfahrung nach wird so häufig der Geruch von flüchtigen Produkten des Pyritzerfalls beschrieben.

Zitat
Hab ihn teilweise mit Alkohol eingepinselt und jetzt kristallisiert er weiß aus.
Du hast damit Sulfate mobilisiert, die sich nun kapillar an der Oberfläche konzentrieren und dort ausfällen. Ebenfalls ganz typisch für angewitterte pyrithaltige Gesteine.

Ferndiagnosen anhand von Fotos sind schwierig, mag sein dass ich in Details danebenliege, aber zu den Basisaussagen meiner Diagnose (Fundstelle: kein Einschlagsort; Stein: irdisch und in den Kontext der Regionalgeologie passend; Eisen und Schwefel: stehen in Zusammenhang mit den Spezifika von Braunkohlevorkommen) stehe ich.

Zu dem anderen Stein kann ich weniger sagen, außer, dass er absolut nicht aussieht wie ein Meteorit. Starkes Indiz ist schon mal der von Dir diagnostizierte fehlende Magnetismus.

Zitat
Quelle: http://www.myheimat.de/muenchen/natur/echt-oder-unecht-woran-erkennt-man-einen-meteorit-d312008.html
Die Diagnosetipps des Herrn sind nicht schlecht für den Einstieg und finden sich kopiert/zitiert quer durch das Internet.
Allerdings darf man sich aus seinen 10+1 Kriterien nicht nur das eine Kriterium herauspicken, das so in etwa auf den eigenen Fund passt, und die anderen 10, die nicht passen, ignorieren. Schreibe uns besser für jeden Punkt, ob er jeweils für Deinen Stein zutrifft.

Und grundsätzlich empfehle ich eines, wenn man Meteoriten in unseren Breiten selber suchen will: Da Meteoriten die bei weitem seltensten, seltensten, seltensten Steine auf der Erdoberfläche sind, ist es nicht schlecht (wenn nicht sogar unabdingbar), wenn man sich zuerst profunde Kenntnisse über irdische Gesteine - zumindest die der Region, in der man sammelt - aneignet. Es ist einfach effektiver, gewöhnliche Steine positiv identifizieren zu können, als bei jedem Fund herauszuarbeiten, was gegen einen Meteoriten spricht, und alles nur durch die Meteoritenbrille zu sehen (Stichwort Tunnelblick). Differentialdiagnose tut Not!

Ich selbst maße mir nicht an, zu behaupten, dass ich auch nur im Ansatz über das Meteoriten-Fachwissen verfüge, das viele andere hier im Forum besitzen. Aber ich kenne die Geologie der Gegenden, in denen ich unterwegs bin, und mir fällt in jedem Fall auf, wenn ein Stein dort nicht "hingehört". Ich halte das für den zielführenderen Ansatz, um Meteoriten zu finden.

Gruß,
Rainer

Offline JFJ

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Re: Meteoritenfund bei Köln?!
« Antwort #9 am: April 21, 2013, 10:06:17 vorm. »
Hallo,

Ich denke ebenfalls, dass es sich, wie von Rainer bereits geschrieben, um eine Toneisenstein Konkretion handelt.
 
"Wenn sie metallische, glänzende Einsprengsel mit Durchmessern von wenigen Millimetern sehen, haben sie einen H, L oder E Chondrit. Sollten sie gelbliche Bereiche finden, prüfen sie mit einer Präpariernadel, notfalls tut es auch eine Nähnadel, ob dieses Material spröde ist. Dabei handelt es sich sehr wahrscheinlich um Troilit, ein Eisensulfat, das nur in Meteoriten vorkommt."

Zu Toneisenstein würden die metallischen Einsprengsel (Pyrit oder Markasit) sehr gut passen.

Bei dem neuen Fund könnte m. E. evtl. auch ein eisenoxid- oder eisenhydroxidhaltiger Jaspis infrage kommen.
Durch den Quarzanteil stehen die "Regmaglyten", da sie härter und weniger korrodiert sind, hervor.

Ein Meteorit ist das definitiv leider nicht.

Beste Grüße
Jörg
Ich mag Geschiebe, weil sie die entgegenkommendsten Gesteine sind.

Offline gsac

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Re: Meteoritenfund bei Köln?!
« Antwort #10 am: April 21, 2013, 10:40:57 vorm. »
Btw: Paradebeispiel für einen fairen und höflichen Umgang mit der Frage
eines Laien, getragen von grosser Sachkenntnis! Paradebeispiel auch für
die Situation, daß man sich als Laie gern auf eine Idee fixiert, die einem
genehm ist - unzählige Meteoritenhändler werden ein Lied davon singen
können mit Anfragen oder Ansagen...

Kudos an Rainer und Jörg!  :super:
Dustin, "look, listen, and learn"! Bleib dran - spannendes Thema!  :winke:

Alex

 

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